Tarifrunde Metall: „Wir wollen keine Zweiklassengesellschaft in den Betrieben“
In den ersten beiden Verhandlungsrunden gab es keine Einigung. Nun endet die Friedenspflicht.
Foto: Bernd Weißbrod/dpaIn der Tarifrunde für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten der Metall- und Elektroindustrie stehen die Zeichen auf Konfrontation. Nun endet die Friedenspflicht im wichtigsten Industriezweig des Landes, bereits ab Dienstag hat die IG Metall flächendeckende Warnstreiks angekündigt. In Rheinland-Pfalz etwa werden 13 Unternehmen bestreikt.
Inhaltlich liegen die Positionen der Tarifparteien noch weit auseinander: Die Gewerkschaft fordert ungeachtet der maladen Konjunktur sieben Prozent mehr Geld bei einer Vertragslaufzeit von zwölf Monaten. Die Arbeitgeber bieten 1,7 Prozent ab Juli 2025 und nochmal 1,9 Prozent ab Juli.
Während die Arbeitgeber bei den Löhnen noch einmal nachlegen dürften, zeigen sie sich bei einer anderen Frage kompromisslos – der von der IG Metall geforderten Bevorzugung von Gewerkschaftsmitgliedern in den Betrieben. Vor einigen Monaten hatte die Chemiegewerkschaft IG BCE in einem Flächentarif einen zusätzlichen freien Tag nur für Gewerkschafter durchsetzen können. Daraufhin war die IG Metall-Spitze intern unter Druck geraten, das – eigentlich nicht vorgesehene – Verlangen nach Boni nachträglich in ihr Forderungspaket zu übernehmen.
Doch daraus wird wohl nichts. „Wir wollen keine Zweiklassengesellschaft in unseren Betrieben – Bonusleistungen für Gewerkschaftsmitglieder wird es in dieser Tarifrunde nicht geben“, sagte Arndt Kirchhoff, Präsident des Arbeitgeberverbands Metall NRW, der WirtschaftsWoche. Sein Wort hat Gewicht, der Unternehmer ist auch Vize-Präsident der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA).
Für die Metallarbeitgeber seien Gewerkschafterboni „überhaupt kein Thema, und das weiß die IG Metall auch“, so Kirchhoff. Im Übrigen wisse man gar nicht, wer in den Belegschaften überhaupt in der Gewerkschaft sei – und man wolle es auch nicht wissen.
Der Chef der IG Metall Nordrhein-Westfalen, Knut Giesler, hatte zuvor ein Modell ins Gespräch gebracht, bei dem die Arbeitgeber die ausgehandelten Boni für IG-Metall-Mitglieder gesammelt an einen zwischengeschalteten Verein überweisen, dem die Mitgliedschaften offengelegt werden. Im Gegenzug bot Giesler überraschend an, auch „Boni für tarifgebundene Arbeitgeber“ zu vereinbaren. Dies könnten Betriebsvereinbarungen sein, die flexiblere Regeln zu Arbeitszeiten oder Zuschlägen installieren, die derzeit laut Betriebsverfassungsgesetz zum Teil nicht möglich sind.
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