Medikamentenversorgung: Zahl der Apotheken geht rapide zurück
Für viele Menschen wird der Weg zur Apotheke länger.
Foto: dpaDie Zahl der Apotheken in Deutschland schrumpft weiter. Ende September gab es bundesweit noch 17.187 Apotheken, wie eine Erhebung der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände ergab. Seit Jahresbeginn waren es damit weitere 384 weniger. In den ersten neun Monaten dieses Jahres fiel der Rückgang zudem stärker aus – im Vorjahr hatte es von Januar bis Ende September noch ein Minus von 335 Betriebsstätten gegeben. Erfasst werden jeweils Hauptapotheken und Filialen, von denen bis zu drei betrieben werden können.
Die Bundesvereinigung forderte die Politik auf, den immer schnelleren Rückgang dringend zu stoppen. „Jede Apotheke, die schließen muss, verschlechtert die Versorgung für tausende Patientinnen und Patienten, weil die Wege zur nächsten Apotheke dann länger werden“, sagte Präsidentin Gabriele Regina Overwiening. Die Branche mahnte auch erneut lange ausgebliebene Honorar-Anhebungen an.
Schon im Sommer kam vom Apothekerverband und der Apothekengewerkschaft Adexa die Forderung nach einer spürbaren Anhebung des seit 2013 nicht mehr erhöhten Honorars von 8,35 Euro pro rezeptpflichtigem Arzneimittel. „Pro Tag verschwindet mehr als eine Apotheke vom Markt, die genaue Zahl ist 1,36“, sagte Noventi-Vorstandsmitglied Mark Böhm im Juli. „2023 gab es nur noch 17.571 Apotheken in Deutschland.“ Das Unternehmen übernimmt unter anderem die Abrechnung von Rezepten, Kunden sind nach Firmenangaben 8000 Apotheken, Eigentümer ist der Verein FSA, ein Zusammenschluss von Apotheken.
Deutschland steht laut Apothekerverband bei der Verfügbarkeit von Apotheken für die Bürgerinnen und Bürger erheblich schlechter da als im europäischen Durchschnitt. „Während im Schnitt 32 Apotheken in der EU 100.000 Bürgerinnen und Bürger versorgen, sind es in Deutschland nur noch 21“, kritisierte Verbandschefin Gabriele Overwiening damals.
Pläne von Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), künftig auch „Apotheken light“ ohne Apotheker zuzulassen, lehnen sowohl der Apothekerverband als auch das Unternehmen vehement ab. Wenn die vom Bundesgesundheitsministerium derzeit angedachten Eckpunkte Realität würden, werde „die Versorgung vor Ort in einem noch nie dagewesenen Maß ausgedünnt, ja sogar ganz aufs Spiel gesetzt“, so Overwiening im Juni. „Das bedeutet den Wegfall der Kernstruktur, der Kernkompetenz der Arzneimittelversorgung in Deutschland.“ Menschen, die auf Betäubungsmittel oder in den Apotheken selbst hergestellte Arzneimittel angewiesen sind, könnten dann nicht mehr versorgt werden..
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