Geldanlage global: Was die Aktienmärkte in naher Zukunft treiben dürfte
Ein Händler beobachtet die Finanzmärkte, während ein Monitor den Shanghai Composite Index anzeigen.
Foto: dpaDie globalen Aktienmärkte befinden sich an einem Scheideweg. Die wirtschaftliche Erholung nach der Pandemie, die durch fiskal- und geldpolitische Anreize angeheizt wurde, war gemessen an ihrer Stärke und Schnelligkeit außergewöhnlich. Die tatsächliche Wirkung dieser Unterstützung ist jedoch schwer zu quantifizieren. Der globale Zinserhöhungszyklus, der auf die Erholung nach der Pandemie folgte und das Wirtschaftswachstum zwar verlangsamte, aber nicht abwürgte, ist in einen globalen Zinssenkungszyklus übergegangen. Die Staatsdefizite und die geopolitischen Spannungen sind jedoch auf dem höchsten Stand seit der Kubakrise. Gleichzeitig erleben wir eine der tiefgreifendsten Innovationen der Menschheitsgeschichte: die künstliche Intelligenz (KI). Im Gegensatz zu jeder Technologie zuvor kann sich KI selbst verbessern und ihre Veränderungsgeschwindigkeit beschleunigen.
Im Wettlauf um die wirtschaftliche und technologische Vorherrschaft will China nicht zurückbleiben. Auf der außerordentlichen Sitzung des Politbüros im September 2024 kündigte Präsident Xi Jinping das größte Konjunkturpaket der jüngeren Geschichte an, um Chinas Immobilienmarktkrise einzudämmen und die angeschlagene Wirtschaft zu stützen. Dies wird wahrscheinlich durch Maßnahmen, die durch den ständigen Ausschuss des Nationalen Volkskongresses diese Woche angekündigt werden, noch verstärkt werden. Auch wenn der vor China liegende Weg Herausforderungen mit sich bringen wird und viele strukturelle Probleme – wie zum Beispiel die schrumpfende Bevölkerung – nicht leicht zu lösen sein werden, scheint das Land die pragmatische Entschlossenheit zu haben, seine Wirtschaft wieder in Schwung zu bringen. Sobald der Ausgang der US-Wahlen klar ist, werden die Märkte ihre Aufmerksamkeit wahrscheinlich sowohl auf den Umfang der chinesischen Fiskalanreize als auch auf Zölle richten.
Was bedeutet das für die Zukunft an den Aktienmärkten? Die Kombination aus niedrigeren Zinsen, einem bedeutsamen und strategischen Konjunkturpaket für die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt und der schnellsten und möglicherweise einflussreichsten Innovation in der Geschichte der Menschheit deutet auf ein günstiges Umfeld für Aktien hin.
Eine höhere Volatilität in den nächsten Wochen, sei es aufgrund der Unsicherheit über den Ausgang der US-Wahlen, des Nahostkonflikts oder weiteren Einschränkungen durch die USA beim Export von Halbleiterelementen nach China, könnte für den Aufbau oder Ausbau eines Aktienengagements genutzt werden.
Wir bei UBS Global Wealth Management sehen regional vor allem weiterhin Chancen im US-Aktienmarkt. Unabhängig davon, wie die Wahl ausgeht, ist es unwahrscheinlich, dass der US-Aktienmarkt durch das Ergebnis nachhaltig aus der Bahn geworfen wird. Vielmehr sollte sich der Markt – sobald Klarheit über die politischen Verhältnisse herrscht – wieder verstärkt auf fundamentale Entwicklungen konzentrieren. Die Kombination aus Leitzinssenkungen und einem sich über den Technologiesektor hinaus ausweitenden Gewinnwachstum sollte gerade dem US-Aktienmarkt in den nächsten Monaten Auftrieb geben. Neben Technologie sollten Finanzunternehmen und Versorger bevorzugt werden. Der Finanzsektor dürfte von den Zinssenkungen der Fed bei einer weiterhin robusten Wirtschaftsentwicklung profitieren, da diese zu niedrigeren Finanzierungskosten, einer Belebung des Kreditwachstums und verstärkten Kapitalmarktaktivitäten führen könnten. Versorgungsunternehmen sollten weiterhin vom steigenden Energiebedarf für KI und der Nachfrage nach erneuerbaren Energien profitieren.
In Asien liegen im Zuge der starken KI-Nachfrage weiterhin Chancen in der Halbleiterindustrie Taiwans und Südkoreas. Chinas Internetunternehmen erfreuen sich einer Wiederbelebung der Margen und einer aktiven Aktionärspolitik. Das Umsatzwachstum könnte sich wieder beschleunigen, wenn die binnenwirtschaftlichen Impulse Wirkung zeigen. Ebenfalls gefallen lokale Finanztitel, die von der steigenden Nachfrage nach Bankdienstleistungen in Indien, Indonesien und den Philippinen profitieren.
In der Eurozone tendieren meine regionalen Präferenzen zu den Nutznießern von niedrigerer Inflation, fallenden Zinsen und strukturellen Wachstumschancen in KI und der Energiewende. Zu bevorzugen sind dabei klein und mittelgroß kapitalisierte Unternehmen (diese handeln aktuell mit dem größten Bewertungsabschlag gegenüber großkapitalisierten Unternehmen in den letzten 20 Jahren) sowie die Sektoren Basiskonsumgüter, Versorger und Informationstechnologie.
Lesen Sie auch: Keynes soll Pekings Probleme richten