US-Geldpolitik: Knallt es bald zwischen der Fed und Trump?

Jerome Powell, Chef der US-Notenbank Federal Reserve, und der künftige US-Präsident Donald Trump. Kommt es zum Konflikt zwischen ihnen?
Foto: REUTERSWeniger als 48 Stunden nachdem Donald Trump seinen Wiedereinzug ins Weiße Haus gefeiert hatte, gehörte die politische Bühne Jerome Powell, dem Chef der US-Notenbank Fed. Um nicht mit der Bekanntgabe des Wahlergebnisses zeitlich in Konflikt zu geraten, hatten die Washingtoner Notenbanker ihre Beratungen um einen Tag nach hinten verschoben und erst am Donnerstag statt wie üblich am Mittwoch das Ergebnis ihres Konklaves bekannt gegeben.
Dieses fiel für die Finanzmärkte wenig überraschend aus. Die Fed senkte den Korridor für den Leitzins wie erwartet um 25 Basispunkte auf nunmehr 4,5 bis 4,75 Prozent. Nachdem sie den Zinssenkungszyklus im September mit einem großen Schritt von 50 Basispunkten eröffnet hatte, lag für die jüngste Sitzung ein kleinerer Schritt nahe. Die Märkte hätten einen neuerlichen großen Schritt als Panikaktion interpretiert.
Dazu aber gibt es keinen Anlass. Die US-Konjunktur läuft gut, das reale Bruttoinlandsprodukt legte im dritten Quartal um annualisiert 2,8 Prozent zu. Der Arbeitsmarkt hat sich zwar etwas abgekühlt, doch ein Einbruch der Beschäftigung ist nicht in Sicht. Der schwache Beschäftigungszuwachs von lediglich 12.000 Personen im Oktober war vor allem eine Folge von Hurricanes und Streiks.
Wie weit geht der Zinssenkungszyklus?
Gleichwohl betonte Powell in der Pressekonferenz, dass die Fed kein Interesse an einer weiteren Abkühlung des Arbeitsmarktes hat. Diese sei nicht erforderlich, um die Inflationsrate auf den Zielwert von 2,0 Prozent zurückzuführen. Aktuell liegt die Teuerungsrate auf Basis des Verbraucherpreisindex bei 2,4 Prozent, ohne die Preise für Nahrungsmittel und Energie beträgt die Rate 3,3 Prozent. Der von der Fed stärker beachtete Preisindex für die persönlichen Konsumausgaben liegt aktuell 2,1 Prozent höher als im Vorjahr, die Kernrate beträgt 2,7 Prozent.
Noch ist das Inflationsziel also nicht erreicht. Powell konzedierte, dass es mehrere Jahre dauern werde, bis nachholende Nominallohnerhöhungen den Kaufkraftverlust der Konsumenten aus den vergangenen Jahren wettmachen werden. Was er nicht erwähnte, ist der Umstand, dass dies maßgeblich zu der allgemeinen Unzufriedenheit der Bürger beigetragen und Donald Trump zum Wahlsieg verholfen hat.
Weil die Fed das aktuelle Zinsniveau noch immer als restriktiv einstuft, zeichnet sich für den Dezember eine erneute Zinssenkung um 25 Basispunkte ab. An den Märkten rätselt man nun, wie weit die Fed den Leitzins insgesamt nach unten schleusen wird. Die Notenbanker gehen davon aus, dass der neutrale Zins, bei dem die Wirtschaft spannungs- und inflationsfrei wächst, bei etwa drei Prozent liegt. Ob sie den Leitzins bis auf dieses Niveau absenken werden, ist allerdings fraglich. Sollte Donald Trump im nächsten Jahr wie im Wahlkampf versprochen höhere Zölle auf Importe einführen, hätte dies ebenso preistreibende Wirkungen wie die von Trump angekündigte Deportation illegaler Migranten, die das Angebot an Arbeitskräften reduzierte. Auch die von Trump anvisierten Steuersenkungen dürften über ihre nachfragebelebende Wirkung die Teuerungsraten tendenziell nach oben treiben.
Wachsende Defizite
Will die Fed ihr Inflationsziel erreichen, müsste sie dagegenhalten und den Zinssenkungszyklus zeitig abbrechen oder den Leitzins gar anheben. In diesem Fall wäre ein Konflikt mit Trump kaum zu vermeiden. Dieser hatte schon in seiner ersten Amtszeit deutlich gemacht, dass er kein Freund hoher Zinsen ist. Sollten die Defizite im US-Staatshaushalt unter seiner Ägide demnächst in Richtung ach Prozent des Bruttoinlandsprodukts marschieren, wie Analysten erwarten, wäre die Regierung umso mehr auf niedrige Zinsen angewiesen, um nicht andere Ausgaben kürzen zu müssen.
Trump dürfte die Fed daher auffordern, die Leitzinsen zu senken, auch wenn das Stabilitätsziel dadurch in Gefahr geriete. Fügt sich die Fed dem Druck, leidet ihre Glaubwürdigkeit. So wie vor 50 Jahren, als sie sich unter ihrem damaligen Vorsitzenden Arthur Burns von US-Präsident Richard Nixon zu einer lockeren Geldpolitik drängen ließ. Das Ergebnis war eine massive Inflationswelle.
Beugt sich die Fed vor dem Hintergrund der damaligen Erfahrungen nicht dem Druck aus dem Weißen Haus, könnte Trump drohen, die Unabhängigkeit der Notenbank per Gesetzesänderung zu beseitigen. Allein schon die Drohung könnte an den globalen Finanzmärkten eine Vertrauenskrise in den Dollar und US-Staatsanleihen auslösen.
Auf die Frage, welche Folgen das Wahlergebnis für die Geldpolitik der Fed habe, wollte Powell auf der Pressekonferenz nicht eingehen. Jedoch wies er darauf hin, dass der Pfad, auf dem sich die Staatsschulden Amerikas derzeit bewegen, nicht nachhaltig ist. Es war ein Wink mit dem Zaunpfahl in Richtung Weißes Haus. Man darf gespannt sein, wie lange es dauert, bis es zwischen Trump und Powell knallt.
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