Erfolg bei Instagram: „Willkommen bei der Spar... Stadtsparkasse“
Özlem Ilik und Marcel Drube arbeiten eigentlich im Vertriebsmanagement der Stadtsparkasse Bad Pyrmont. Jetzt sind sie auch Instagram-Bekanntheiten.
Foto: Screenshot„Stromberg“ ist zurück: Zum zweiten Mal kommt 2025 ein Ableger der Kultserie in die Kinos. Mit einem Video im Stil der TV-Satire, die drögen Büro-Alltag auf die Schippe nimmt, hat in diesen Tagen die Stadtsparkasse Bad Pyrmont viele Instagram-Nutzer auf sich aufmerksam gemacht. Mit unmotiviertem Tonfall und ernstem Gesichtsausdruck spricht darin ein Mitarbeiter über seinen Arbeitgeber: „Herzlich Willkommen bei der Spar... Stadtsparkasse Bad Pyrmont.“ Er zeigt banale Aspekte des Berufsalltags: „Das ist unser Drucker, da kann man Sachen ausdrucken.“ Zuletzt kommentiert er die halb vertrocknete Büropflanze („Sie lebt. Noch.“), um abschließend Werbung für die Sparkasse in weiterhin unmotiviert klingendem Tonfall zu machen.
Zwar gibt es in den Sozialen Netzwerken einige Videos in diesem mittlerweile oft kopierten Stil – dass eine Stadtsparkasse darauf einsteigt und sich so selbstironisch präsentiert, finden wohl aber viele mit einem eher konservativen Sparkassen-Bild eher ungewöhnlich. Das Video wurde bereits rund 1,4 Millionen Mal aufgerufen und mehr als 2.300 Mal kommentiert, sogar von Prominenten wie dem bekannten Sänger Casper. Im WirtschaftsWoche-Interview erklären Vertriebsvorstand Jens Veneman und Vertriebsmanagement-Leiter Tim Albrecht, wie der Social-Media-Treffer entstanden ist, ob sie mit so einer Begeisterung gerechnet haben und was sie sich davon erhoffen.
WirtschaftsWoche: Haben Sie bei der Stadtsparkasse Bad Pyrmont so ein Nachwuchsproblem, dass Sie es nötig haben, ein lustiges Video für Instagram zu produzieren?
Venemann: (lacht) Naja, auch bei uns spielt der demografische Wandel eine Rolle. 1964 ist der geburtenstärkste Jahrgang. Wenn ich von da aus 67 Jahre weiterrechne, weiß ich, wann ich ein Problem mit der Nachbesetzung von Stellen bekomme. Das heißt, wir müssen heute Menschen ausbilden, damit wir sie in fünf bis sieben Jahren da einsetzen können, wo sie gebraucht werden.
Das Video hat sehr viele positive Kommentare hervorgerufen („Das nenne ich mal gute Werbung“, „Ich würde sofort bei euch anfangen, der Humor gefällt mir“), aber es gibt Nutzer, die kritische Kommentare verfasst haben, wie zum Beispiel: „Es wäre ja fast schon witzig, wenn es nicht so ehrlich und auf den Punkt gebracht wäre. Nach der Ausbildung in der SPK zu kündigen, war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.“ Was sagen Sie dazu? Stellt das Video die Arbeit doch realistisch dar?
Tim Albrecht: Da muss ich widersprechen. Man muss ganz klar differenzieren, was qualitative Kommentare sind und was nicht. Wenn man sich die Profile, die solche Kommentare absetzen, genauer anschaut, findet man oft heraus, dass sie auch unter anderen Posts sehr negativ unterwegs sind. Sie wollen ein bisschen Staub aufwirbeln. Ich finde nicht, dass die Arbeit in der Stadtsparkasse so aussieht. Man spielt aber natürlich bewusst mit solchen Aspekten des Images, wir wollten genau das entstauben. Und da passte dieser Social-Media-Trend total gut zu.
Wie viele Menschen arbeiten bei der Stadtsparkasse Bad Pyrmont?
Veneman: 75. Es werden aber mehr. Wir haben in den letzten drei Jahren drei Auszubildende eingestellt, im kommenden Jahr werden es wieder drei sein. Der jüngere Unterbau wird jetzt bewusst aufgebaut.
Richtet sich das Video also vor allem an Auszubildende?
Veneman: Ja, aber auch an junge Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Wir haben ganz klar die Vision, als kleine Sparkasse weiterhin eigenständig zu bleiben und sind deshalb immer auf der Suche, um die Plätze, die vakant werden, zu besetzen.
Wie würden Sie persönlich die Arbeit bei der Stadtsparkasse denn beschreiben?
Albrecht: Wenn man bei uns arbeitet, ist es eigentlich wie in einem sehr guten Freundeskreis. Viele Entscheidungen werden schnell getroffen und sind modern und nicht immer nur vom verstaubten Image von Banken geprägt. Wir sind ein Haus, in dem es richtig Spaß macht, zu arbeiten.
Veneman: Wir versuchen, uns an neue Arbeitswelten anzupassen, wo es geht. Wir sind natürlich aufgrund der Regulatorik, die wir zu berücksichtigen haben, nicht immer frei und es wird immer bestimmte Hierarchien und Abläufe zu beachten geben. Aber es gibt immer wieder Projekte, wo man es machen kann. Vielleicht hört sich das an wie ein Dilemma. Aber ich finde, es ist eine Vereinigung von zwei Welten.
Sie meinen, das wird auf Dauer nicht von Nachteil für Sie sein?
Veneman: Nein, wir haben ja auch Leute, denen zum Beispiel genau das Thema Regulatorik Spaß macht. Und dann gibt es Leute, die Lust haben, mal anders, „out of the box“ zu denken. So entwickelt sich jeder, wie es ihm am meisten Spaß bereitet. Das kriegen wir ganz gut hin. Wir hatten in der Vergangenheit wenig Fluktuation und die, die bald kommt, ist altersbedingt.
Wie alt ist Ihr Team im Moment?
Veneman: Ich bin 56 und es gibt etwa sechs Leute, die älter sind als ich. Dann gibt es 30 bis 40 Leute, die jünger als ich und älter als Mitte 30 sind. Der Rest ist jünger als 30. Wenn Sie bei uns in die Sparkasse kommen, werden Sie erstaunt sein, wie viele junge Gesichter Sie sehen. Das ist für einen Kur-Standort eigentlich ungewöhnlich. Das Durchschnittsalter unserer Stadt liegt höher als im Bundesdurchschnitt und das ist bei der Stadtsparkasse überhaupt nicht der Fall.
Stehen die Bewerbenden seit der Veröffentlichung des Videos bei Ihnen Schlange?
Veneman: Nein, das nicht. Aber es gab tatsächlich ein paar Kommentare von Menschen, die sich bewerben möchten. Wir haben Sie kontaktiert und ihnen gesagt, wohin sie Unterlagen schicken können. Ich habe sogar schon mal per WhatsApp eine Anfrage bekommen (lacht). Wir können als kleines Institut schnell und wendig agieren. Das ist ein Vorteil, auch wenn wir aufgrund unserer Größe einen Kostennachteil haben.
Können Sie dafür ein Beispiel geben?
Veneman: Wir brauchen ja etwa genauso einen Geldwäschebeauftragten, wie ein Haus, das viermal so groß ist wie wir, und müssen ihn auch genauso bezahlen. Aufgrund der Regulatorik habe ich Stellen vorzuhalten, die ich auf ein geringeres Geschäftsvolumen umverteilen muss.
Was müssen Menschen mitbringen, die sich bei Ihnen bewerben möchten?
Veneman: Lust, bei uns zu arbeiten. Wir haben in den letzten Jahren auch Quereinsteiger integriert, die sich bei uns sehr wohlfühlen. Natürlich müssen sie auch ein Stück weit ein Verständnis für die Materie mitbringen, aber wir sind uns auch bewusst, dass wir eine Ausbildungsverantwortung haben. Wenn man zu uns kommt, muss man nicht sofort Mr. oder Mrs. Right sein und gleich alles können, wir investieren auch in Fortbildung. Wir haben zum Beispiel schon mal eine Reiseverkehrskauffrau im Service eingestellt.
Albrecht: Und Frau Ilik, die im Video zu sehen ist, hat ursprünglich Sozialwissenschaften studiert und ist erst seit ein paar Monaten bei uns.
Waren Sie nervös, als Sie das Video veröffentlicht haben?
Veneman: Eigentlich nicht. Die Klickzahlen der Videos auf Instagram waren bisher nicht schlecht. Wir haben uns immer so über 5000 bis 10.000 Aufrufe gefreut und einfach mal gemacht. Dass das Video so durch die Decke geht, hat keiner geglaubt. Die Frage ist nur, wie wir das jetzt noch toppen können…
Und?
Veneman: Da überlegen wir gerade noch…
Wie lange sind Sie schon bei Instagram und wie oft veröffentlichen Sie dort etwas?
Albrecht: Seit drei, vier Jahren. Wir versuchen, pro Woche einen Post und ein Reel zu produzieren. Täglich schaffen wir es aktuell noch nicht. Mal sehen, wie es sich entwickelt.
Veneman: Seit März arbeiten wir mit zwei jungen Leuten zusammen, die auch aus Bad Pyrmont kommen und sich im Bereich Social Media Marketing selbstständig gemacht haben. Sie haben letztes Jahr Abitur gemacht. Die Wege in Bad Pyrmont sind kurz. (lacht) Wir merken, dass sich eine höhere Frequenz definitiv auszahlt.
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