Heizkosten: Die Deutschen heizen wieder mehr
Gas ist wieder deutlich günstiger
Foto: imago imagesKlaus Müller fordert von den Deutschen mehr Effizienz, und zwar in den eigenen vier Wänden. Konkret geht es ihm um das Heizen. Von Oktober bis Dezember 2024, so der Präsident der Bundesnetzagentur, hätten sie 5,8 Prozent mehr Energie fürs Heizen verbraucht als im Vorjahreszeitraum. Das ist die schlechte Nachricht.
Die gute: Langfristig betrachtet waren die Bundesbürger noch immer sparsam. In diesem Winter liegt der Heizungsverbrauch 9,7 Prozent unter dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021, wie die Berechnungen der Bundesnetzagentur ebenfalls zeigen.
Da das Wetter von Heizperiode zu Heizperiode unterschiedlich ausfällt, sind Vergleiche beim Heizungsverbrauch verschiedener Jahre schwierig. Ein kalter Winter treibt den Heizungsverbrauch, ein milder senkt ihn. Wie effizient die privaten Haushalte heizen, lässt sich allein aus dem Energieverbrauch nicht ablesen.
Der Immobiliendienstleister Ista bereinigt bei seinen Berechnungen deshalb die verbrauchte Heizenergie um wetterbedingte Einflüsse. Diese Ista-Zahlen für den Energieverbrauch pro Quadratmeter Wohnfläche zeigen, dass der aktuelle Mehrverbrauch gegenüber der Heizperiode 2023/2024 vergleichsweise gering ist. Im November 2023 beispielsweise wurden pro Quadratmeter 14,32 Kilowattstunden verheizt, im November 2024 waren es 14,48 Kilowattstunden. Das entspricht einem Zuwachs von lediglich 1,2 Prozent.
Es kann jedoch auch passieren, dass die Deutschen ihr Verbrauchsverhalten stark verändern: wenn die Energiepreise in die Höhe schießen. Im November 2022 beispielsweise lag die pro Quadratmeter verbrauchte Heizenergie laut Ista bei lediglich 12,42 Kilowattstunden. Das hatte vor allem mit dem Gaspreis zu tun. Denn zu diesem Zeitpunkt kostete Gas für private Haushalte laut Preisindex des Vergleichsportals Verivox 17,79 Cent je Kilowattstunde.
Ende Februar 2022 waren russische Truppen ins Nachbarland Ukraine einmarschiert. Der Westen schränkte wegen des Krieges die russischen Gaslieferungen ein. Der Gaspreis zog in der Folge stark an.
Nachdem die westeuropäischen Staaten Alternativen zum russischen Gas organisiert hatten, wurde Gas wieder günstiger. Im November 2024 zahlten Privatkunden fürs Gas nur noch 11,39 Cent pro Kilowattstunde. Das ist gegenüber dem Preis von November 2022 ein Abschlag von 36 Prozent. Der Anreiz, beim Heizen zu sparen, war zuletzt also deutlich geringer. Pro Quadratmeter wurde im Vergleich zu November 2022 wetterbereinigt 16,6 Prozent mehr geheizt.
Zuletzt ist der Gaspreis zwar von 9,8 Cent je Kilowattstunde im März 2024 wieder auf 11,51 Cent im Dezember 2024 gestiegen. Allerdings macht sich das im Heizungsverhalten bisher kaum bemerkbar. Wetterbereinigt unterscheiden sich die aktuellen Verbrauchswerte nur wenig von denen aus 2023. Das liegt vor allem daran, dass in Deutschland – anders als 2022 – keine Krisenstimmung am Gasmarkt herrscht.
So konnte Klaus Müller von der Bundesnetzagentur noch eine weitere gute Nachricht vermeldet: Die heimischen Gasspeicher sind noch zu 80 Prozent gefüllt.
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