Börse Kanada: Initialzündung in Toronto
Rohöltanks in der Anlage von Enbridge in Sherwood Park sind vor der Skyline von Edmonton, Alberta, Kanada, zu sehen.
Foto: REUTERSKanada ist ein Land reich an Bodenschätzen. Die Börse Toronto ist gespickt mit Aktien von Unternehmen aus dem Rohstoff- und Edelmetallsektor. Vor allem der Ölpreis liefert ein recht verlässliches Signal, in welche Richtung es für den kanadischen Aktienmarkt insgesamt geht.
Seit 1985 legte der S&P/TSX, der Hauptindex der Börse Toronto, in Quartalen, in denen der Ölpreis stieg, um durchschnittlich 3,2 Prozent zu. In Quartalen, in denen der Ölpreis fiel, verringerte sich das Plus auf 1,7 Prozent. Eine vergleichbare Korrelation besteht zwischen S&P/TSX und Gold.
Der Goldpreis schickt sich gerade an, aus einer Ende Oktober 2024 einsetzenden Konsolidierung nach oben auszubrechen und den langfristigen Aufwärtstrend wieder aufzunehmen. Öl der Sorte Brent stieg unlängst erstmals seit Oktober 2024 wieder über die Marke von 80 Dollar pro Barrel.
Angefeuert wurde der Ölpreis durch einen Bericht, dass sich indische Raffinerien auf neue US-Sanktionen vorbereiten. Ziel der Sanktionen seien 180 Tanker, die Öl aus Russland verschiffen, sowie die Versicherungsunternehmen, die diese Transporte absichern. Unterstützung erhält der Ölpreis zudem von schwindenden US-Lagerbeständen und der kalten Witterung.
Klimaschützer auf Abruf
Aber es gibt zusätzliche Katalysatoren für die kanadische Börse. Da ist zunächst die Rücktrittsankündigung des kanadischen Premiers Justin Trudeau. Nach neun Jahren im Amt streicht der einstige Hoffnungsträger die Segel. Damit steht die kanadische Klimapolitik an einem Scheideweg.
Kanadische Öl- und Erdgasunternehmen wie Suncor Energy (ISIN CA8672241079) und Canadian Natural Resources (ISIN CA1363851017) haben das Trudeau-Aus mit Kursgewinnen gefeiert.
Kanada hat sich unter Trudeau zu ehrgeizigen Klimazielen verpflichtet. Die Treibhausgasemissionen sollen bis 2030 um 40 bis 45 Prozent gegenüber 2005 gesenkt werden. Bis 2050 peilt das Ahornland Netto-Null-Emission an.
Eckpfeiler der Klimastrategie ist die Kohlenstoffsteuer. Sie wurde lange Zeit gepriesen als vorbildlich, stieß zuletzt aber zusehends auf Widerstand. Die Steuer zielt im Wesentlichen darauf ab, die Emissionen in allen Sektoren zu senken, indem umweltschädliche Aktivitäten verteuert werden. Allerdings belastet sie vor allem Bürger mit geringem und mittlerem Einkommen, die bereits mit hohen Lebenshaltungskosten zu kämpfen haben.
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Trudeau wird offiziell abtreten, nachdem seine liberale Partei einen neuen Vorsitzenden gewählt hat. Dieser wird dann der 24. Premierminister des Landes sein. Einen Zeitplan für die Wahl des Parteivorsitzenden gibt es noch nicht, aber es wird schnell gehen müssen. Das kanadische Parlament wird am 24. März wieder zusammentreten. Noch ist nicht klar, wer die Liberalen bei den nächsten Wahlen anführen wird. Ins Rennen geht wohl auch Mark Carney, ehemaliger Gouverneur der Bank of Canada und der Bank of England.
Ein neuer liberaler Premierminister wird sich kurz nach seinem Wahlsieg einer Vertrauensabstimmung stellen müssen. Die drei großen Oppositionsparteien haben alle erklärt, dass sie beabsichtigen, die Regierung bald nach der Rückkehr des Unterhauses Ende März stürzen zu wollen. Das löste eine sofortige Wahlkampagne aus. Ursprünglich waren Unterhauswahlen im Herbst vorgesehen.
Öl-Revival am Horizont
Die Konservative Partei unter Pierre Poilievre sieht die Wahl als Referendum über die Kohlenstoffsteuer. Poilievres „Axt an die Steuer“-Rhetorik findet immer mehr Zustimmung im Wahlvolk. Die Konservative Partei liegt in Umfragen um mehr als 20 Prozentpunkte vor den Liberalen. Es ist also realistisch, dass die Klimaauflagen zurückgefahren werden.
Auch aus einem weiteren Grund dürften die Aktien kanadischer Öl- und Erdgasunternehmen wieder gefragt sein. Nach den großen Wall-Street-Banken kuscht jetzt auch Blackrock vor Donald Trump. Der designierte US-Präsident schert sich bekanntlich wenig bis kaum ums Weltklima. Der mit einem verwalteten Vermögen von mehr als elf Billionen Dollar größte Geldanleger der Welt verlässt das Klimabündnis „Net Zero Asset Managers Initiative“ (NZAMI).
Die Mitglieder von NZAMI verpflichten sich, das Ziel einer klimaneutralen Wirtschaft bis 2050 aktiv zu unterstützen. Blackrock galt als Vorreiter bei ESG-Investitionen, also Investitionen, die einen Schwerpunkt auf ökologische und soziale Aspekte sowie gute Unternehmensführung legen.
Ohne die ESG-Zwangsjacke können institutionelle Investoren wieder freiere Anlageentscheidungen treffen. Profitieren sollte davon vor allem die Börse Toronto mit ihren vielen Rohstoffunternehmen.
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