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Nach dem Deepseek-SchockIst es Zeit für eine Alternative zum MSCI-World-ETF?

Der Absturz der Nvidia-Aktie am Montag war ein Weckruf, auch mit Blick auf beliebte Welt-ETF-Indizes. Diese sind risikoreicher, als Anleger das wahrhaben wollen.Sebastian Schug 30.01.2025 - 08:48 Uhr

Ein chinesisches Start-up hat mit der Aussicht auf günstigere Entwicklung Künstlicher Intelligenz ein Börsenbeben ausgelöst. Die Firma DeepSeek gibt an, ihre KI-Modelle mit einem Bruchteil der bisher üblichen Kosten entwickelt zu haben. Die Anleger reagierten schockiert.

Foto: Julia Demaree Nikhinson/AP/dpa

Die drei Grundregeln für die langfristige Geldanlage am Aktienmarkt lauten bekanntlich: Diversifikation, Diversifikation und Diversifikation. Wer seine Altersvorsorge am Aktienmarkt ergänzen will, vertraut deshalb oft auf einen ETF, der den MSCI-World-Index abbildet, eine Sammlung von Unternehmensbeteiligungen aus aller Welt. Bis zum gestrigen Montag konnten sich Anleger damit relativ sicher fühlen.

An einem einzigen Tag rutschte der Weltindex ruckartig um mehr als ein Prozent nach unten. Getrieben wurde dieser ungewöhnliche Kursrutsch von nur einer Handvoll der über 1650 enthaltenen Werte: Nvidia und der dahinter stehenden Chipindustrie. Die Aktie des KI-Branchenprimus verlor im Tagesverlauf 13 Prozent und vernichtete damit 500 Milliarden Dollar an Marktkapitalisierung. Der Sektor folgte diesem Trend, der Halbleiter-Index von S&P-Global verlor zu Wochenbeginn ganze sieben Prozent. Hier sind neben Nvidia auch andere Branchengrößen wie TSMC, Broadcom, ASML, Advanced Micro, Qualcomm und Texas Instruments versammelt.

Was ist passiert – und war das nur ein Warnschuss? Der Grund für den Kursrutsch der Chipkonzerne ist das chinesische KI-Startup Deepseek. Es hat es geschafft, mit einem Investment von wenigen Millionen Dollar ein KI-Modell zu entwickeln, das es mit den Modellen amerikanischer Firmen wie OpenAI und Meta aufnehmen kann. Diese hatten kurz zuvor neue Milliardeninvestitionen in ihre Infrastruktur angekündigt und damit die erwartete Nachfrage in der Chipindustrie angeheizt. Nun stellt sich die Frage, ob diese Nachfrage überhaupt benötigt wird.

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Eine beliebte Börsenweisheit besagt, dass an der Börse die Zukunft gehandelt wird: Diese ist für Nvidia und Co. nun deutlich unsicherer geworden. Und das könnte erst der Anfang für die beliebten globalen ETFs sein.

Platzt die US-Blase?

Um die Folgen des Deepseek-Schocks zu verstehen, lohnt sich ein genauer Blick auf die Gewichtung im MSCI World, zum Beispiel im Produkt des Anbieters Amundi. Der ETF enthält nicht alle Titel des MSCI World, sondern nach eigenen Angaben nur 1395. Davon stammen über 74 Prozent aus den USA und über 26 Prozent aus dem IT-Sektor. Allein die führenden US-Konzerne – oft auch als „Magnificent Seven“ bezeichnet – machen 24 Prozent der Aktien aus.

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Ein Risiko? Ja, sagt die amerikanische Großbank Goldman Sachs. In einem Ausblick auf das Jahr 2025 hat sie das Klumpenrisiko im US-Index S&P 500 als Risiko für den gesamten Weltaktienmarkt identifiziert. „Aktien sind anfälliger für Wachstumsenttäuschungen, weil die Konzentration der Aktienmarktrenditen zugenommen hat“, schreibt Chefstratege Peter Oppenheimer. So legten die Aktien der Spitzengruppe um Apple, Amazon, Alphabet, Meta, Microsoft, Nvidia und Tesla im vergangenen Jahr um 47 Prozent zu, während der Durchschnitt der Unternehmen im S&P 500 nur um 10 Prozent stieg.

Lesen Sie auch: Was ist DeepSeek – und warum versetzt es die KI-Welt in Angst und Schrecken?

Daran hat auch der Kursrutsch von Nvidia am Montag wenig geändert. Als mögliches Risiko für US-Aktien sieht die Großbank vor allem die Auswirkungen der künftigen US-Politik, insbesondere beim Thema Zölle. „Die wichtigste Erkenntnis für die Anleger ist, dass die Diversifizierung im kommenden Jahr an Bedeutung gewonnen hat“, heißt es. ETF-Sparer sollten sich daher überlegen, ob sie ihrem MSCI World-ETF nicht einen ETF beimischen, der das Übergewicht der USA ausgleicht. Zum Beispiel auf den breiten europäischen Aktienindex Stoxx 600 oder auf Schwellenländer wie Indien und China.

Anleger sollten Ruhe bewahren

Auch wenn Anleger ihr Risiko am Aktienmarkt im Auge behalten sollten, bleibt eine weitere Grundregel für langfristige Investitionen relevant: Ruhe bewahren. Die Auswirkungen einer einzigen Nachricht auf ein Unternehmen wie Nvidia sind zwar bemerkenswert, aber die Geschichte des Aktienmarktes kennt viele Krisen. Häufig spielten dabei starke Konzentrationen eine Rolle. Als Beispiel sei hier die Dotcom-Blase genannt, die Anfang des Jahrtausends auch die Überbewertung von IT-Aktien offenbarte. Langfristig erholten sich die Aktienmärkte jedoch wieder von diesem Schock und mit ihnen breitgestreute Indizes wie der MSCI World.

Aber nicht nur Krisen, sondern auch starke Klumpen gehören zum Aktienmarkt. Goldman Sachs selbst hat in einer Analyse im vergangenen Jahr darauf hingewiesen, dass die Übergewichtung einzelner Sektoren historisch gesehen schon einmal viel größer war als heute. Seit Beginn des Börsenhandels wechselte die dominierende Branche etwa alle 40 bis 50 Jahre. So war der Energie- und Rohstoffsektor Mitte des 20. Jahrhunderts in den USA ähnlich dominant wie heute der IT- und Kommunikationssektor.

Alles in allem ist also Vorsicht geboten, wenn es um aktuelle Entwicklungen geht. Anleger, die ETFs als langfristiges Investment betrachten, haben jedoch den Vorteil, dass sie Krisen einfach aussitzen können.

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