Außenhandel: Die Exportnation schwächelt: Wie Unternehmen dennoch in den USA reüssieren

Letztens erzählte mir ein schwäbischer Mittelständler von seinem Plan, um endlich voll durchzustarten am US-Markt. Seit Ewigkeiten schon exportiert er seine Industriegüter dorthin, das läuft ganz gut, aber auch nicht mehr von selbst.
Deshalb wolle er jetzt richtig investieren, in die Produktion vor Ort, aber auch in einen großen eigenen Vertrieb. „Geschäfte in den USA funktionieren einfach besser, wenn wir da nicht aus Deutschland anrufen“, erklärte er mir, „sondern wenn der Joe da beim Mike vorbeikommt.“
Ein anderer Mike dürfte das bestätigen können. Mike Sievert ist Chef von T-Mobile USA, der US-Tochter der Deutschen Telekom, des derzeit erfolgreichsten deutschen Konzerns in den Vereinigten Staaten. Bis zu sechs Millionen neue Kunden hat das Unternehmen im vergangenen Jahr hinzugewonnen. Eine fabelhafte Zahl. Und ein Anlass auch für alle anderen deutschen Exporteure, ein bisschen länger über die Sache mit dem Mike und dem Joe nachzudenken.
Der Erfolg der Telekom in den USA beruht, neben allem betriebswirtschaftlichen Geschick, auf patriotischen Emotionen: Das Unternehmen wird quasi als einheimisch wahrgenommen, als Teil der erweiterten Techelite. Wenn jetzt Apple und Starlink kooperieren, um Satellitentelefonie aufs Smartphone zu bringen, ist es eher kein Zufall, dass sie dabei ausgerechnet diesen Dritten mit an Bord holen: Mike’s company, T-Mobile USA.
Klar, diese Wahrnehmung als US-Unternehmen basiert im Falle der Telekom zu guten Teilen darauf, dass das Unternehmen dort vor allem durch Übernahmen gewachsen ist, nie die deutsche Firma war, die sich zu amerikanisieren versucht. Dennoch taugt das Beispiel als Vorbild, gerade angesichts der aktuellen Lage.
Die Summe der deutschen Exporte ist im vergangenen Jahr gesunken, sogar der per Berufsbeschreibung zum Optimismus verpflichtete Wirtschaftsminister Robert Habeck erwartet nicht, dass es in diesem Jahr besser wird. Dafür gibt es viele Gründe, auch politische.
Aber helfen würde es vielen Exporteuren sicher auch, wenn sie jene Überheblichkeit ablegten, die sie sich über Jahrzehnte erarbeitet haben. Weil ihre Produkte so gut waren, das man sich alle weitere Bemühungen um die Kunden, alles weitere Eingehen auf lokale Gepflogenheiten, sparen konnte.
Am deutschen Ingenieurswesen allein jedoch will die Welt schon lange nicht mehr genesen. Wenn der Mike aber dem Joe erklärt, warum die deutsche Werkzeugmaschine wirklich besser ist als die chinesische, könnte doch noch was gehen. Hand drauf.
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