Die Letzten ihrer Art: Nachhaltige Wollproduktion wie vor fast hundert Jahren
Ein Gegenmodell zur schnelllebigen Modeindustrie: Die Wollmanufaktur Coastland produziert traditionelle Wolldecken.
Foto: PRMan braucht schon ein dickes Fell, um das zu tun, worauf sich Heinz-Jürgen Gerdes und seine Frau vor drei Jahren eingelassen haben: den Maschinenpark einer insolventen Weberei aufzukaufen, die Mitarbeiter zu übernehmen, ein neues Geschäftsmodell zu erarbeiten und das alles ohne eigene Erfahrung in der Wollproduktion.
Webereien haben es in Deutschland schwer. Billigkonkurrenz aus dem Ausland und synthetisch hergestellte Fasern haben das Geschäft zerstört. Coastland ist die erste Neugründung einer Wollweberei seit mehr als 50 Jahren. Sie webt Wolldecken, Schals und Kissen – aus reiner Schurwolle, ganz ohne Kunstfasern oder chemische Zusätze.
Heinz-Jürgen Gerdes und seine Frau Monika hatten vor Gründung ihrer Manufaktur rein gar nichts mit Wolle zu tun.
Foto: PRHerzstück der Manufaktur ist eine Trocknungsanlage von 1939. „Sie arbeitet wie ein großer Backofen. So etwas wird heute gar nicht mehr hergestellt, sie ist flexibel und sehr robust“, sagt Gerdes. Moderne Maschinen „wären viel zu groß, komplex und könnten von einem kleinen Betrieb nicht ausgelastet werden“.
Der 62-Jährige hat die Marke als Gegenentwurf zur schnelllebigen Modeindustrie à la Temu oder Shein konzipiert. „Wenn wir nur auf Masse setzen, sind wir verloren“, sagt er. Die Hälfte der rund 15.000 jährlich hergestellten Wolldecken verkauft Coastland selbst, die andere geht in den Handel. „Mittlerweile haben wir Fuß gefasst und liegen bei rund 170 Händlern aus“, sagt er. Warm anziehen muss sich Coastland nicht mehr.
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