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WiderworteSind Sie noch loyal?

In Zeiten wie diesen wird Zusammenhalt gefordert, Loyalität zur Firma und ihren Zielen. Doch auch dieser Deal beruht auf Gegenseitigkeit. Da liegt das Problem. Eine Kolumne.Wolf Lotter 06.02.2025 - 20:12 Uhr

Ein als Silhouette abgebildeter Mann und eine Frau stehen sich mit verschränkten Armen gegenüber.

Foto: dpa

Ältere Leserinnen und Leser dieser Kolumne mögen sich noch an Oliver Stones Kinohit „Wall Street“ erinnern. Darin spielt Michael Douglas den fiesen Börsenmakler Gordon Gekko, ein höchst erfolgreicher Super-Yuppie, der an der Wall Street seine Fäden zieht. Bud Fox, ein junger Makler, gespielt von Charlie Sheen, verehrt Gekko wie einen Popstar.

Für Bud ist Gordon ein Lebensmensch, Vorbild in Stil, Auftreten, Kultur und vor allen Dingen auch im rationalen, wenn es sein muss eiskalten Entscheiden und Handeln. So will er sein, der Novize. Das findet er echt cool.

Man kann der literarischen Figur Gekko nun einiges vorwerfen, Skrupellosigkeit etwa, aber er ist, wenngleich auf seine Art, eine ehrliche Haut. Schon bei einer der ersten Zusammenkünfte setzt er Bud Fox ins Bild: „Wenn Du einen Freund brauchst, kauf Dir einen Hund.“

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Der Film dauert dann noch etwas länger, es kommt zum unvermeidlich moralisierenden Happy End, das für Gordon böse – mit einer Verhaftung – ausgeht, und zwischendrin plagt Bud Fox dann doch immer wieder das Gewissen, auch, weil unter anderem der Job seines Vaters von Gekko wegrationalisiert wird. Aus Liebe, wir kennen es, wird schnell Hass, Konfrontation, Krieg. Bud Fox ist der Gute, Gekko der Böse, was irgendwie nicht ganz gerecht ist, weil Gekko uns die bei weitem besseren Lektionen lehrt.

Das Böse ist, wie das Dumme und das Ignorante, sehr lehrreich. Wenn Du einen Freund brauchst, kauf Dir einen Hund – das ist ja nicht nur in Oliver Stones klischeehaftem Drama der Satz der Stunde, sondern eben auch in sehr vielen Unternehmen und Geschäftsbeziehungen die nackte Wahrheit. Das gilt – nur ein scheinbarer Widerspruch – umso mehr, als ganz offiziell die besten Absichten und die schönsten Werteversprechen gegeben werden. Im echten Geschäftsleben geht es zu wie in Hollywood: Hauptsache gut geschminkt, Hauptsache schönes Foto.

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Der schöne Schein hat allerdings mit der Realität wenig zu tun. Wenn die Zeiten hart werden, merken das die Leute, wenngleich sie nicht mehr so ehrlich sind wie der böse alte Gordon Gekko, der Kenntliche.

Die nachrückenden Generationen haben das Säuseln gelernt, es klingt dann auch nach Kino, aber eher nach der Schlange Kaa aus dem Dschungelbuch – „Vertraauuuueee miiiir“. Alarmstufe Rot.
Loyalität kommt von loi, das ist das französische Wort für Regel, Recht, Gesetz. Im 17. Jahrhundert entwickelt sich in Frankreich das moderne, hochkomplexe Staatswesen, das uns heute normal erscheint. Loyalität ist weder Kadavergehorsam noch Treue, nicht Freundschaft und auch nicht Sympathie, die der Untertan seinem Chef schuldet, warum auch immer.

Wie Chefs das Vertrauen ihrer Mitarbeiter gewinnen
Persönliche Informationen sollten Chefs vertraulich behandeln. Die Information, dass der Kollege nicht die Grippe, sondern Burn-Out hat, sollte kein Chef durch die Kantine posaunen.
Wer erzählt, was er an anderen schätzt und toll findet, wird selbst als besser wahrgenommen und schafft es, dass die Zuhörer ihm vertrauen.
Täuschen, dramatisieren und beschwichtigen sind Gift für ein Vertrauensverhältnis. Lügen und das Weglassen von Informationen werden von Mitarbeitern gleichermaßen als schlimm empfunden. Die Wahrheit kann manchmal verletzend sein, trotzdem ist es wichtig, sie auszusprechen. Damit diese Ehrlichkeit niemanden verletzt, sollte man sie stets mit wertschätzenden Äußerungen verbinden.
Hat der Praktikant eine gute Idee, sollte diese ernst genommen werden. Chefs sollten vermeiden, auf andere herabzusehen.
Bitte, danke, guten Morgen, wie geht es dir? Diese Alltagsphrasen können im beruflichen Miteinander den Unterschied machen. Wer sich für sein Gegenüber interessiert, und sei es nur in einem kurzen Gespräch, baut ein positives Verhältnis auf.
Je mehr die Mitarbeiter wissen, desto sicherer fühlen sie sich. Selbst wenn die Führungskraft denkt, etwas sei nicht wichtig, sollte sie lieber mehr als zu wenig teilen.Ihre Entscheidungen muss eine Führungskraft begründen. Wieso hat der eine Mitarbeiter Urlaub bekommen und der andere nicht? Hat der scheinbar Bevorzugte zum Beispiel zwei Kinder und die Betreuungsmöglichkeit fehlt, hat der Zweite eher Verständnis.
Chefs und Mitarbeiter sollten klar machen, was sie voneinander erwarten und was auf keinen Fall passieren sollte. Diese Offenheit beugt Missverständnissen vor.
Bieten Sie auch ungefragt Hilfe an. Viele Mitarbeiter trauen sich nicht, Hilfe einzufordern. Außerdem sollten Chefs ihren Mitarbeitern den Rücken stärken und sich für sie und ihre Belange einsetzen.
Was man von den Mitarbeitern erwartet, sollte man auch selbst befolgen.

Loyalität ist ein Deal, deshalb loi, Regeln, Gesetz, Recht. Loyalität ist, wenn sich beide Seiten darauf verlassen können, dass Verträge auch eingehalten werden. Loyalität ist aber mehr als bloße Vertragstreue, die sich vor Gericht durchsetzen lässt. Es ist ein wenig wie die Präventivklausel beim Eheversprechen, „in guten wie in schlechten Zeiten“, was ziemlich realistisch ist übrigens, und gleichsam darauf hinweist, dass mal die eine gibt, mal der andere.
Die Kinder der verwöhnten Wohlstandsgesellschaft sind da außen vor. Sie sind schlimmer als Gordon Gekko, der Hai im Haifischbecken, der klarmacht, dass mit ihm solche Deals nicht zu machen sind.

Wir sind heute umgeben von Leuten, die vor gespieltem Mitgefühl kaum laufen können, es aber nicht hinkriegen, ihren Mitarbeitern und Partnern reinen Wein einschenken, wenn es nicht gut läuft. Dann wird, ein eigenes Thema, vom Säuseln auf Ghosting umgeschaltet - wie kleine Kinder verstecken sich die vermeintlichen Softies, verweigern sich der Kommunikation und tauchen unter. So verhalten sich weder Führungskräfte noch Erwachsene.

Die setzen auf loi, Regeln, Vereinbarungen, Normativität. Vor allem in den schlechten Tagen. Wer das nicht kann, ganz gleich ob Politiker, Manager, Mitarbeiter mwd, ist nicht erwachsen.
Und darf nach Hause gehen – vielleicht freut sich der Hund.
Sicher ist aber auch das nicht.

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