Milliarden-Angebot für OpenAI: Ja geht’s denn noch verlogener?

Für 97,4 Milliarden Dollar will ein Konsortium um den Tech-Milliardär Elon Musk den ChatGPT-Entwickler OpenAI kaufen.
Foto: REUTERSSoso, Elon Musk will also den ChatGPT-Entwickler OpenAI kaufen, um zu erreichen, „dass OpenAI zu der Open-Source- und sicherheitsorientierten Kraft für das Gute zurückkehrt, die es einmal war“. Elon Musk als Vorkämpfer für öffentliche verfügbare Güter, als Propagandist für die nicht-kommerzielle, womöglich sogar gemeinwohlorientierte Softwareentwicklung, wie sie mit dem Open-Source-Gedanken auch verbunden ist?
Wer's glaubt. Man erinnere sich nur kurz daran, welche Projekte dieser Mann gerade parallel so betreibt: Von der US-Entwicklungshilfebehörde über die Verbraucherschutzbehörde bis zu Einrichtungen zur Klimaforschung will er eine Vielzahl auf Gemeinnützigkeit ausgerichtete US-Dienste schleifen oder gar ganz auflösen.
Von der Raumfahrt bis zur sicherheitskritischen Kommunikation hat er ehemals staatliche Aufgaben privatisiert und kommerzialisiert und lässt sich dafür mit Milliarden von Dollars von der US-Regierung als Dienstleister bezahlen. Schlecht für die Sache war das alles nicht unbedingt – aber eben auch nicht im Sinne der Gemeinnützigkeit gedacht. Vielmehr ist Musks Verdienst in beiden Feldern das Gegenteil: Er hat Wettbewerb in einen Sektor gebracht, wo es vorher keinen gab.
Nun also will Musk 97,4 Milliarden Dollar über ein Bieterkonsortium auf den Tisch legen, um OpenAI zu kaufen. Und dann – in eine gemeinnützige Stiftung einzubringen? 97,4 Milliarden! Das entspricht in etwa der Marktkapitalisierung des Logistikers UPS, des globalen Braukonzerns Anheuser-Busch Inbev, oder des Tabak-Riesen British American Tobacco. Ein annähernd dreistelliger Milliardenbetrag. Mit Antonio Gracias, Chef der Investmentfirma Valor Equity als Co-Finanzier? Um Open-Source-Software zu entwickeln! Lizenzkostenfrei nutzbares Wissen generieren?
Nein, das Angebot ist Musks – geradezu stümperhaft bemäntelter – Versuch, einen Wettbewerber aus dem Markt zu kaufen, der seinen eigenen ökonomischen Bestrebungen möglicherweise gefährlich werden könnte. Denn Künstliche Intelligenz ist die disruptive Technologie, die über Wohl und Wehe von Wirtschaft, Unternehmen und Geschäftsmodellen in Zukunft entscheidet. Nicht umsonst ist Musk mit seinem Unternehmen X.AI selbst im Feld der KI unterwegs. Und natürlich verfolgt er dabei kommerzielle Ziele.
Genau darum geht es!
Musk will die Konkurrenz klein halten, möglichst aus dem Markt drängen, bevor sie für seine eigenen Interessen zur Bedrohung wird. Eine Strategie, die gerade bei den großen Tech-Konzernen in den USA seit Jahren verbreitet ist. Warum hat Facebook Instagram oder WhatsApp gekauft? Warum übernahm Amazon den Online-Schuhhändler Zappos oder den Smart-Home-Anbieter Ring, warum Microsoft das Business-Netzwerk LinkedIn? Damit sie der eigenen Plattformen der Konzerne nicht den Rang ablaufen.
Das mag aus unternehmerischer Sicht nachvollziehbar sein. Wer aber um die Rolle von Wettbewerb als Innovationstreiber weiß, dem muss es bei dem Gedanken grausen, dass ein milliardenschwerer Unternehmer sich die Konkurrenz einfach vom Markt kauft. Ein Unternehmer noch dazu, dessen Nähe zum US-Präsidenten befürchten lässt, dass selbst ein Widerspruch einer US-Wettbewerbsbehörde bei einer OpenAI-Übernahme keinen Bestand hätte.
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