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PKV im TestWarum die private Krankenkasse oft nicht die beste Lösung ist

Die Stiftung Warentest hat private Krankenversicherungen unter die Lupe genommen. Vom Ergebnis waren selbst die Tester überrascht.Kevin Gallant 19.02.2025 - 12:30 Uhr

Die Stiftung Warentest hat 1245 Tarifkombinationen von 35 Versicherungsgesellschaften getestet.

Foto: Imago Images

Zeitnahe Termine, freie Arzt- und Krankenhauswahl und sowieso eine viel bessere medizinische Versorgung. All das bekommt man der landläufigen Meinung nach bei der privaten Krankenversicherung. Nicht umsonst wächst die Zahl der privat Versicherten.

Seit einigen Jahren wechseln sogar mehr Menschen aus der gesetzlichen Krankenversicherung in die private Krankenversicherung als umgekehrt. Schon 2023 ergab sich laut PKV-Verband so ein Plus von fast 50.000 Versicherten zugunsten der privaten Versicherungsgesellschaften.

Dabei bieten private Krankenversicherungen im Krankheitsfall keinen per se besseren Schutz. Zu diesem Ergebnis kommt zumindest nun die Stiftung Warentest, die 1245 Tarifkombinationen von insgesamt 35 Versicherungsgesellschaften unter die Lupe genommen hat. Das Ergebnis habe selbst die Tester überrascht: Von allen untersuchten Tarifen könne die Stiftung nur rund ein Drittel empfehlen.

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von Stefan Albers

Stiftung Warentest: Viele PKV leisten weniger als die gesetzlichen Krankenkassen

„Sehr viele PKV-Tarife haben Lücken“, kritisiert Julia Bönisch, Vorständin der Stiftung Warentest. Viele von ihnen würden sogar weniger leisten als gesetzliche Krankenkassentarife. Es bestünden Defizite etwa bei der Palliativpflege, bei ambulanter Psychotherapie oder bei digitalen Anwendungen wie Ernährungs-Apps. „Mehr Beitrag bedeutet nicht, dass immer auch mehr Risiken abgedeckt sind“, sagt auch der Projektleiter der Untersuchung Julian Chudoba.

Die Tester haben etwa geprüft, wie gut die Leistungen der PKV sind. Dafür wurde anhand von 17 Grundleistungen ein zu erreichender Rundum-Schutz ermittelt, der über dem der gesetzlichen Krankenkassen liegt. Zu den wichtigsten Grundleistungen zählte zum Beispiel, ob Patienten in der Klinik den Chefarzt verlangen können und ob sie mindestens in einem Zweibettzimmer untergebracht werden. Außerdem achteten die Tester darauf, dass die Selbstbeteiligung der Versicherten nicht 660 Euro im Jahr übersteigt.

Zwei von drei Tarifen im Test weisen aber einen zu hohen Selbstbehalt oder markante Lücken auf. Die Tarife des verbleibenden Drittels wurden allesamt mit der Note „Sehr gut“ oder „gut“ bewertet.

Aber auch zwischen diesen Tarifen klafften enorme Preisunterschiede. So beträgt der Unterschied zwischen dem günstigsten und teuersten Angestelltentarif auf der Empfehlungsliste der Stiftung Warentest mehr als 400 Euro im Monat – obwohl beide Tarife das Qualitätsurteil „Sehr gut“ haben.

Weiteres Testergebnis: Der Rundum-Schutz muss nicht immer der teuerste sein. Der günstigste getestete Tarif des Versicherers Allianz für 35-jährige Angestellte schnitt mit der Note 1,0 ab – und kostete 817 Euro im Monat. Tarife von anderen Versicherern wie etwa Barmenia oder DKV schnitten genauso gut ab, kosteten aber teils über 1000 Euro pro Monat. Die günstigsten Tarifkombinationen für Angestellte und Selbstständige bietet laut der Stiftung Warentest der Versicherer Arag, bei Beamten ist es die Continentale.

PKV könne zur „existenzbedrohenden Kostenfalle“ werden

In die PKV wechseln kann allerdings nicht jeder. Beamte, Selbstständige und Angestellte können sich derzeit ab einem Jahresbruttoeinkommen von 73.800 Euro privat versichern. Die Tester weisen darauf hin, dass die private Krankenversicherung sich nur für jene eignet, die gut verdienen – und im Alter ein gutes Finanzpolster haben.

Denn: „Die private Krankenversicherung kann zur existenzbedrohenden Kostenfalle werden“, sagt Julia Bönisch. „Wir empfehlen sie nur für Beamte uneingeschränkt, da der Staat einen Großteil der Kosten im Alter übernimmt.“ Angestellte und Selbständige sollten sich den Schritt laut der Warentest-Chefin gut überlegen.

Für junge Kunden falle das nicht so stark ins Gewicht, da seien die Beiträge noch vergleichsweise günstig und attraktiv. Die Stiftung Warentest rechnet aber auch vor: „Ein Selbstständiger, der mit 35 Jahren und 600 Euro monatlich in die PKV einsteigt, kann zum Ende seines Arbeitslebens schon bei ungefähr 1500 Euro liegen.“ Die durchschnittliche Lebenserwartung liege derzeit bei 81 Jahren, bei einem Monatsbeitrag von 1500 Euro kämen ab Rentenbeginn mit 67 so noch rund 250.000 Euro nur an Krankenkassenbeiträgen zusammen.

Grund dafür seien die steigenden Kosten im Gesundheitswesen, laut der Stiftung Warentest erhöhen die Versicherungsgesellschaften die Beiträge seit 2005 im Schnitt um 3,1 Prozent im Jahr. Ein Teil der Beiträge werde zwar vom Versicherer als Altersrückstellung angelegt, um die Beitragshöhe später abzupuffern. Das reiche aber nicht aus.

Über die Hälfte der Privatpatienten bekommt nach einem Monat einen Facharzttermin

Allerdings kann die private Krankenversicherung auch punkten. Etwa bei der Terminvergabe. Im Auftrag von Stiftung Warentest befragte das Meinungsforschungsunternehmen Civey rund 5000 Versicherte. Hier gaben Privatpatienten fast doppelt so häufig wie Kassenpatienten an, ihren jüngsten Facharzttermin schnell bekommen zu haben. Bei 58 Prozent der Privatpatienten habe das maximal einen Monat gedauert. Bei den Kassenpatienten seien es nur 30 Prozent gewesen.

Noch extremer sei der Unterschied bei eiligen Fällen. Einen Termin innerhalb einer Woche bekamen 26 Prozent der Privatversicherten, aber nur acht Prozent der Kassenpatienten. Mehr als ein halbes Jahr warten mussten der Umfrage zufolge zehn Prozent der Kassenpatienten, aber nur drei Prozent derer, die privat versichert sind.

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