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Wall StreetSetzt sich der Ausverkauf an den US-Börsen fort?

Die US-Aktienmärkte stehen vor einer möglichen Korrektur. Welche Zahlen Anleger im Blick behalten sollten. Ein Gastbeitrag.Dambisa Moyo 13.03.2025 - 08:24 Uhr

Bald in Panik? Händler an der New Yorker Börse.

Foto: AP

Nachdem sich der amerikanische Aktienmarkt zwölf Monate lang besser entwickelt hat als der Rest der Welt, steht er nun vor einer möglichen Korrektur. Umsichtige Anleger beobachten die Entwicklungen genau und sichern ihre Risiken entsprechend ab. 

Angesichts der schlechteren Verbraucherstimmung, der zuletzt etwas abgeflauten, aber immer noch hartnäckigen Inflation und der steigenden Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung signalisiert ein vielbeachtetes Modell der Federal Reserve Bank of Atlanta bereits eine Schrumpfung für das erste Quartal 2025.

Unterdessen bleiben viele andere Volkswirtschaften blutleer. So rechnet beispielsweise Deutschland – Europas größte Volkswirtschaft – laut Bundesbank in diesem Jahr nur mit einem Wachstum von 0,2 Prozent. Weltweit erhöhen ein sich anbahnender Handelskrieg, angespannte Staatsfinanzen und die erhöhte Gefahr von Konflikten das Risiko eines Ausverkaufs.

Einige Indikatoren deuten darauf hin, dass Investoren ihr Engagement in den USA verringern, andere signalisieren noch, dass die Marktteilnehmer die Risiken eher selbstgefällig einschätzen. Da sich dieses gemischte Bild recht schnell ändern könnte, sollten Anleger die folgenden Indikatoren genau im Auge behalten.

Vier Indikatoren deuten auf Vorsicht hin…

Erstens könnte die stärkere relative Performance an anderen Märkten eine Warnung sein. Im bisherigen Jahresverlauf ist der europäische Euro Stoxx 50-Index um rund zehn Prozent gestiegen, der Hang Seng in Hongkong sogar noch stärker, während der Dow Jones Industrial Average und der S&P 500 keine zwei Prozent schafften. Nach Angaben der Bank of America hatten Investoren im Februar zwar immer noch 17 Prozent mehr US-Aktien im Depot, als sie bei einer neutralen Gewichtung haben müssten. Doch diese Quote signalisiert einen Rückgang: Im Januar lag die Übergewichtung noch bei 19 Prozent, im Dezember sogar bei 36 Prozent.

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Diese offensichtliche Abkehr von den US-Märkten stellt nach Jahren der unerbittlichen Hausse eine Trendwende dar.

Zweitens sind die Daten zu Cash-Beständen wichtig. Die sind allerdings widersprüchlich. Einerseits befindet sich eine beträchtliche Menge Bargeld an der Seitenlinie: Nach Angaben von Richard Bernstein Advisors lagen Ende 2024 sieben Billionen US-Dollar in Geldmarktfonds, was auf Zurückhaltung beim Kauf risikoreicherer US-Vermögenswerte schließen lässt.

Andererseits ergab die Februar-Umfrage der Bank of America unter institutionellen Anlegern, dass deren Bargeldbestände mit 3,5 Prozent der Portfolios auf den niedrigsten Stand seit 2010 gefallen sind – gegenüber 3,9 Prozent im Januar. Dies könnte mehr Mut zum Risiko signalisieren. Die Bank of America interpretiert diese niedrigen Bargeldbestände als „konträres Verkaufssignal“ für Aktien, soll heißen: Wenn Profis wenig Cash haben, fehlt ihnen das Geld zum Nachkaufen, wenn die Kurse fallen sollten.

Ein weiterer Indikator ist Gold, das in der Regel als Versicherung gegen einen Crash gekauft wird. Besonders interessant war hier die Entwicklung der Goldleihe. Steigende Leihe-Sätze (Gebühren, die an den Verleiher von Gold zu zahlen sind) signalisieren, dass sich viele Leerverkäufer Gold leihen wollen, um dieses zu verkaufen und später billiger zurückzukaufen. Fallende Leihe-Sätze signalisieren weniger Nachfrage nach geliehenem Gold. Das deutet darauf hin, dass die Profis netto eher Gold kaufen statt verkaufen wollen.

Zuletzt sind die Leihe-Sätze für Gold in London gestiegen und    in New York gesunken, was auf eine verstärkte Nachfrage von US-Anlegern hindeutet, die sich mit Gold gegen einen Marktausverkauf absichern wollen.

Und dann ist da noch der US-Anleihemarkt. Fallende Renditen deuten drauf hin, dass Anleger eine Konjunkturabschwächung oder Rezession erwarten, denen die Fed durch Zinssenkungen begegnen muss – diese nehmen die Märkte dann faktisch vorweg. Zusätzlich könnte sich darin die Erwartung widerspiegeln, dass Donald Trump durch Ausgabenkürzungen den Staatshaushalt stabilisierte, was die für US-Staatsschulden verlangte Risikoprämie verringern würde.

…und vier weitere signalisieren Sorglosigkeit

Obwohl es zu Umschichtungen in europäische Aktien, Gold und Cash kommt, signalisieren drei weitere Indikatoren

Selbstzufriedenheit der Anleger. Angesichts der erhöhten makroökonomischen Unsicherheit ist das schon überraschend:

Die Kredit-Spreads (letztlich der Zinsunterschied zwischen risikoreicheren und risikoärmeren Schuldtiteln) sind nach wie vor eng, da die Anleger nicht in risikofreie US-Staatsanleihen gewechselt haben.

Bei den Aktien haben defensive und zyklische Sektoren – wie Versorger oder Basiskonsumgüter – nicht massiv besser abgeschnitten als nicht-zyklische oder Wachstumssektoren, was wiederum bedeutet, dass die Anleger noch nicht verschreckt sind.

Das historisch hohe Volumen der Vermögenswerte in börsengehandelten Fonds, die durch Einsatz von Krediten oder Derivaten ihre Gewinne (und Verluste) wie mit einem Hebel vervielfachen, zeigt nur geringe Anzeichen für einen abnehmenden Risikoappetit: Im Jahr 2016 machten derart gehebelte ETFs nach Angaben von Strategas etwa zwei Prozent des ETF-Markts aus, heute sind es acht Prozent.

Schließlich sind Put-Optionen (eine Form der Absicherung gegen Kursverluste) nicht sehr teuer, was darauf schließen lässt, dass die Anleger noch nicht besorgt genug sind, um auf einen erheblichen Rückgang der US-Aktienmärkte zu wetten.

Eine Lesart dieses insgesamt gemischten Bildes ist, dass erfahrene Großinvestoren schon auf den technischen Druck reagieren und sich gegen einen Marktabschwung absichern.  Kleinanleger und Trader aber haben sich noch nicht aus US-Risikoanlagen zurückgezogen. Man kann nur spekulieren, wann sie sich entscheiden werden, in Deckung zu gehen.

Copyright: Project Syndicate

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