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Wirtschaft von oben #32 – AustralienAustraliens schwarzes Gold

Während Deutschland aus der klimaschädlichen Kohle aussteigt, plant Australien neue Kohlebergwerke und baut seine Seehäfen zum Export des Rohstoffes aus. Exklusive Satellitenbilder zeigen das rasante Wachstum der Häfen. „Wirtschaft von oben“ ist eine Kooperation mit LiveEO.Angela Hennersdorf 15.01.2020 - 12:00 Uhr
26.10.2019: Abbot Point ist ein auf Kohleverschiffung spezialisierter Seehafen im Nordosten Australiens. Hier soll die Kohle aus der 189 Kilometer entfernten Carmichael-Mine gelagert und schließlich verschifft werden. Der Hafen wird derzeit ausgebaut. Foto: LiveEO/UP42

Die Buschbrände in Australien haben weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Seit Monaten wüten vor allem im Südosten des Kontinents heftige Feuer. Menschen und Tiere sterben. Mit den Bränden rückt auch die klimaschädliche Energiepolitik der Regierung in den Fokus und ein deutscher Dax-Konzern: Denn ausgerechnet das Technologieunternehmen Siemens aus München liefert die Signaltechnik für die Bahnstrecke der neuen australischen Kohlemine Carmichael.

Während sich andere Länder vom umwelt- und klimaschädlichen Kohleabbau und der Verbrennung des fossilen Gesteins zur Stromerzeugung verabschieden, setzt Australien weiter auf Stein- und Braunkohle, baut den Bergbau sogar weiter aus: Sechs neue Minen sind geplant. Aktuelle Satellitenbilder von LiveEO zeigen nun zudem, dass das Land seine Seehäfen für den Export des Gesteins in den vergangenen Jahren erkennbar vergrößert hat.

Denn: Für Australien ist Kohle einer der wichtigsten Rohstoffe und wichtiges Außenhandelsgut. Das Land fördert fast 30 Prozent der Kohle und mehr als 20 Prozent des auf den Weltmärkten gehandelten Erdgases. Damit ist Australien der weltweit größte Exporteur von Kohle und Gas: 2018 stiegen die Exporteinnahmen aus diesen Rohstoffen auf über 117 Milliarden australische Dollar.

Um mit der Kohle noch mehr „Kohle“ zu machen, wird auch mitten im Feuerchaos eine neue riesige Kohlengrube eröffnet. Die Carmichael-Mine hatten australischen Behörden erst 2019 genehmigt – nach jahrelangem Kampf von Umweltschützern gegen das Projekt. Ausschlaggebend für das Ja der Behörden waren vor allem die mehr als 1000 Arbeitsplätze, die dort in der von Dürre geplagten Region mit dem Bergbauwerk entstehen sollen. Jährlich sollen rund 60 Millionen Tonnen Kohle gefördert werden – im Tagebau wie auch Untertage.

29.11.2018 (linkes Bild): Der Hafen Abbot Point liegt hoch im Nordosten Australiens. Er umfasst einen Verladebahnhof und große Lagerplätze für Kohle. Eine knapp drei Kilometer lange Mole verbindet das Festland mit den beiden Anlegeplätzen, die im Meer vor der Küste liegen.
26.10.2019 (rechtes Bild): Für die neue Carmichael-Mine soll der Hafen Abbot Point, der wie die Mine zum indischen Konzern Adani gehört, erweitert werden. Bereits innerhalb eines Jahres ist eine große Lagerfläche für Kohle hinzugekommen (oben im Bild zu erkennen).

Bilder: LiveEO/UP42

Um die Kohle zum nächsten Hafen, Abbot Point, transportieren zu können, braucht es auch eine Bahnstrecke. Eben dafür liefert Siemens die Signaltechnik – für 18 Millionen Euro. Die Mine gehört wie der Hafen zum indischen Konzern Adani. Damit die Kohle dort auch gelagert und verschifft werden kann, wird der Hafen erweitert, wie die Bilder aus dem All zeigen. Schon 2011 hatte die indische Firma Mundra Port, die zum Adani-Konzern gehört, einen Pachtvertrag über 99 Jahre zur Nutzung der Hafenanlage unterzeichnet.

Da der Hafen nur 20 Kilometer vom Great Barrier Reef entfernt liegt, befürchten Umweltschützer für das zum Weltkulturerbe zählende Riff erhebliche Schäden. Auch deshalb steht Siemens-Chef Joe Kaeser in der Kritik. Die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer sagte über ihn, dass ihm bewusst sei, was der geplante Kohleabbau für die Welt und das Klima bedeute, „für die Menschen vor Ort, für das Great Barrier Reef, für die heiligen Stätten, für das Trinkwasser“. Das sei verantwortungslos.

Auch in Australien kritisieren Klimaschützer das geplante neue Kohlebergwerk und den Bau weiterer Minen. Australien werde zu einer Emissions-Supermacht, sagte ein Sprecher der Australian Conservation Foundation. Der Ausbau der fossilen Energieerzeugung stehe im Widerspruch zum Bekenntnis Australiens zu den Zielen des Pariser Klimaabkommens von 2015. Dieses sieht vor, die globale Erwärmung deutlich unter zwei Grad zu halten und die Bemühungen fortzusetzen, sie auf 1,5 Grad zu begrenzen. Doch Australien hat weltweit die zweithöchsten CO2-Emissionen pro Einwohner. Mehr hat nur Saudi-Arabien.

24.03.2009 (linkes Bild): Gladstone ist der fünftgrößte Seehafen in Australien, verschifft wird hauptsächlich Kohle.
10.11.2019 (rechtes Bild): Der Hafen wurde deutlich ausgebaut. Die Satellitenbilder zeigen eine weitere Lagerstätte mit Kohle am Hafen, eine bereits bestehende ist erweitert worden (links im Bild).

Bilder: LiveEO/UP42

Der Rohstoff aber ist zu wichtig für die Wirtschaft des Landes. Nach Berechnungen reichen die australischen Steinkohle-Reserven 111 Jahre und die der Braunkohle 539 Jahre. 2018 förderte Australien etwa 486 Millionen Tonnen Stein- und Braunkohle. Diese großen Reserven will Australien fördern. Deshalb sind weitere neue Minen geplant. Und je mehr Gestein gefördert wird, umso größer müssen auch die Häfen sein, um die Kohle exportieren zu können. Daher wurden auch jüngst auch die Häfen Gladstone, Hay Point und New Castle ausgebaut, wie die Satellitenaufnahmen zeigen.

Die Seehäfen zum Export des fossilen Gesteins liegen alle an der Ostküste Australiens. Denn von dort wird die Kohle hauptsächlich nach Ostasien verschifft. Hauptabnehmer sind Länder wie China, Japan, Taiwan und Süd-Korea. Auch einzelne EU-Länder gehören zu den Abnehmern.

23.05.2005 (linkes Bild): Der Seehafen Hay Point liegt auch an der Ostküste Australiens und besteht aus zwei Kohleterminals.
10.11.2019 (rechtes Bild): Beide Terminals sind in den vergangenen Jahren ausgebaut worden. Dadurch gehört Hay Point mittlerweile zu den größten Kohlehäfen weltweit.

Bilder: LiveEO/Google Earth, LiveEO/UP42

Der größte Teil der australischen Kohlevorkommen, rund 80 Prozent, kann im Tagebau abgebaut werden. Das ist von großem Vorteil. Der Abbau des Gesteins unter Tage ist technisch viel schwieriger und teurer. Der Tagebau ist für Australiens Minenbetreiber deshalb ein großer Wettbewerbsvorteil.

Adani will ungeachtet der seit langem anhaltenden Proteste gegen die neue Kohlemine an deren Bau festhalten. Der Konzern lasse sich nicht einschüchtern oder davon abhalten, seine Versprechen einzulösen – für die Menschen in Queensland, die Australier und die Menschen in Entwicklungsländern, die dringend bezahlbare Energie brauchten, um ihnen zu helfen, der Armut zu entkommen, sagte eine Konzernsprecherin.

10.01.2007 (linkes Bild): Der Seehafen von Newcastle liegt nördlich von Sydney. In der Nähe befinden sich große Steinkohlebergbauten.
28.12.2019 (rechtes Bild): Seit 2007 ist eine dritte große Lagerfläche für Kohle dazugekommen.

Bilder: LiveEO/Google Earth, LiveEO/UP42

Die Rubrik entsteht in Kooperation mit dem Erdobservations-Start-up LiveEO – dieses ist eine Beteiligung der DvH Ventures, einer Schwestergesellschaft der Holding DvH Medien, ihrerseits alleiniger Anteilseigner der Handelsblatt Media Group, zu der auch die WirtschaftsWoche gehört.

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