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SolarbrancheUtz Claassen tritt bei Solar-Millennium zurück

Utz Claasen hat sein Amt als Chef von Solar-Millennium niedergelegt. Den Job hatte er erst kürzlich übernommen. Das Unternehmen war zuletzt wegen angeblichen Bilanztricks in die Schlagzeilen geraten. Die Aktie stürzt dramatisch ab. 16.03.2010 - 07:39 Uhr Quelle: Handelsblatt

Utz Claasen schmeißt bei Solar-Millenium hin.

Foto: ap

HB ERLANGEN. Paukenschlag beim Solarkraftwerks-Spezialisten Solar Millennium: Nach nur zweieinhalb Monaten im Amt hat Vorstandschef Utz Claassen seinen Rücktritt erklärt. Der frühere Chef des Energieversorgers EnBW machte von einer Klausel Gebrauch, innerhalb einer Überlegungsfrist sein Amt niederlegen zu können. Die Aktie sackte am Dienstag um fast 17 Prozent auf 24 Euro ab.

Der Aufsichtsrat will den Vorstand nun rasch neu aufstellen. Neben Claassen gehören dem Gremium der vorherige Vorstandsvorsitzende Christian Beltle sowie Finanzchef Thomas Mayer an. Von Claassens Rücktritt wurde das Erlanger Unternehmen kalt erwischt. "Wir kennen die Gründe nicht", sagte ein Sprecher am Dienstag. Es habe kein Zerwürfnis gegeben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Helmut Pflaumer nannte den Weggang "unerwartet", begrüßte es aber, dass Claassen dem Unternehmen weiterhin freundschaftlich verbunden bleiben wolle.

Claassens Anwalt Klaus Menge sagte dem "Tagesspiegel" (Mittwoch), es gebe keine atmosphärischen Störungen. Claassen, der von 2003 bis 2007 EnBW-Chef in Karlsruhe war, hatte seinen Wechsel in die Solarbranche erst Mitte Dezember bekanntgegeben und den Posten in Erlangen zum 1. Januar 2010 angetreten. Mit ihm an der Spitze wollte das Unternehmen seinen ehrgeizigen Wachstumskurs fortsetzen. Seine Pläne dazu wollte Claassen ursprünglich nach 100 Tagen im Amt Mitte April in Berlin präsentieren.

Die Solar Millennium AG ist auf Entwicklung, Bau und Betrieb solarthermischer Kraftwerke mit Schwerpunkt in Spanien spezialisiert. Diese Kraftwerke konzentrieren mit riesigen Spiegeln das Sonnenlicht, die dabei entstehende Hitze treibt Turbinen über Wasserdampf an. So entsteht der Strom. Im laufenden Geschäftsjahr (31. Oktober) sollen sich die Erlöse auf 350 Mio. Euro fast verdreifachen.

In den vergangenen Monaten hatte die "Wirtschaftswoche" wiederholt über mögliche Unregelmäßigkeiten bei der Bilanzierung berichtet. Das Unternehmen wies immer alle Vorwürfe zurück. Der Aktienkurs war seit dem Anfang 2010 erreichten Mehrjahreshoch von rund 44 Euro deutlich gefallen. Zuletzt kostete das Papier noch knapp 29 Euro.

Unterdessen gaben die Erlanger am Dienstag die Zusammenarbeit mit dem Banken- und Börsenexperten Prof. Wolfgang Gerke bekannt. Er hält 45 Prozent an dem neuen gemeinsamen Unternehmen Solar Millennium Invest AG, das im Vertrieb von ökologischen Vermögensanlagen tätig werden soll.

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