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TreasuriesMit kleinem Geld US-Staatsanleihen kaufen

Börsengurus wie Felix Zulauf empfehlen sie, dennoch kaufen Privatanleger kaufen so gut wie nie US-Staatspapiere. Ein Selbstversuch zeigt, wie Sie an die Bonds herankommen – und wo sich Gewinnchancen auftun.Anton Riedl 27.02.2012 - 06:00 Uhr

Felix Zulauf, Vermögensverwalter aus der Schweiz und als Börsenguru verehrt

Foto: Pressebild

Felix Zulauf find’ ich gut. Der Schweizer Vermögensverwalter gehört zu den wenigen Anlageexperten, die in ruhigen wie in hektischen Börsenzeiten analytische Schärfe mit praktischem Geschick verbinden. Jetzt sagt Zulauf: „Die Renditen zehnjähriger US-Staatsanleihen werden von derzeit rund 2,0 Prozent auf 1,2 bis 1,0 Prozent fallen, bevor sie danach wieder auf 2,1 bis 2,2 Prozent steigen.“ Für risikofreudige Anleger eröffnet das enorme Gewinnchancen.

Was meint Zulauf? Nun: Weiter gedrückt werden dürften die Zinsen durch Geldspritzen der US-Notenbank und deren Käufe von Staatsanleihen. Vor Kurzem erst beteuerte Fed-Chef Ben Bernanke, dass er alles tun werde, die Wirtschaft am Laufen zu halten und sie vor bösen Folgen der europäischen Schuldenkrise zu schützen. Timothy Geithner wiederum signalisierte, dass er dafür sei, das Wachstum durch niedrigere Zinsen zu fördern.

US-Zinsen bleiben unten

Der Finanzminister der hoch verschuldeten USA will möglichst wenig Zinsen auf Staatsanleihen zahlen. Fazit: Die US-Zinsen bleiben unten, die Renditen der Staatsanleihen werden, wenn die Konjunktur schwächelt, noch kräftig nachgeben.

Wenn die Zinsen fallen, werden Anleihen, die bisher schon auf dem Markt sind, automatisch wertvoller – sie bieten ja eine höhere Rendite als neu emittierte Papiere. Ihre Kurse steigen. Zusätzlich steigt die Nachfrage. Zum einen, weil die Notenbank kauft, zum anderen, weil Anleger, die eine Eskalation der Euro-Krise fürchten, US-Bonds als sicheren Hafen schätzen. Eine Menge Argumente sprechen also dafür, dass Zulaufs Prognose eintritt. Damit sollte doch Geld zu machen sein.

Eigentlich nicht so übel

Um das richtige Papier herauszufischen, gehe ich auf die Internet-Seite der Frankfurter Börse, klicke auf „Anleihen“ und „Suche“, dann auf Emittent „United States of America“. Eine Liste mit 270 Papieren erscheint. Ich ordne nach Rendite. An der Spitze tauchen vor allem „Longbonds“ auf, Anleihen mit Laufzeiten bis 2040.

Die Top-Rendite von 3,18 Prozent bietet an diesem Tag ein Langläufer mit einem 3,875-Prozent-Kupon. Knapp 3,2 Prozent Rendite sind eigentlich nicht so übel für einen Schuldner mit der immerhin noch zweitbesten Bonitätsnote AA+ (ihr AAA haben die USA im vergangenen August verloren). Eins aber macht mich stutzig: Den ganzen Tag über sind in Frankfurt in dem Papier umgerechnet rund 10.000 Euro gehandelt worden. Da wird ja in Exotenaktien aus Jakarta mehr umgesetzt.

US-Finanzminister Geithner will möglichst wenig Zinsen zahlen

Foto: dpa

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Foto: WirtschaftsWoche

Erstaunlich, ist der Markt für US-Staatsanleihen (Treasuries) doch der größte Wertpapiermarkt der Welt. Treasuries für zehn Billionen Dollar hat Washington ausgegeben – mehr als die Staatsanleihen aller EU-Länder zusammen.

An andere Börsen ausweichen hilft auch nicht, im Gegenteil. In Stuttgart, sonst führend bei Anleihen für Privatanleger, geht gar nichts: „US-Staatsanleihen werden bei uns nicht gehandelt. Bisher gab es auch nur schwache Nachfrage. Ursache könnte die relativ geringe Verzinsung gepaart mit dem Fremdwährungsrisiko sein, da US-Staatsanleihen in US-Dollar notiert sind“, sagt Michael Görgens, Leiter Anleihehandel der Börse. Auch die wiederkehrenden Berichte über die Verschuldung der USA, insgesamt stehen sie mit 15 Billionen Dollar gleich 101 Prozent des Bruttoinlandsprodukts in der Kreide (Portugal: 106 Prozent), dürften Wirkung gezeigt haben.

Welche Länder sich Geld am Anleihenmarkt besorgen:

Italien hat am Montag den 30. Januar Staatsanleihen auf den Markt geworfen. Die Zinsen für die Papiere mit zehn Jahren Laufzeit betrugen 6,08 Prozent (vorher 6,98 Prozent). Bei den fünfjährigen Anleihen sank der Zins von 6,47 auf 5,39 Prozent. Über die Verkäufe aller Bonds nahm Italien rund 7,5 Milliarden Euro ein.

Foto: AP

Im Laufe des Dienstags (31.01.2012) will Belgien Papiere in Höhe von drei Milliarden Euro platzieren. Darunter sind Anleihen mit einer Laufzeit von 105 Tagen im Wert von 1,8 Milliarden Euro und Bonds mit 168 Tagen Laufzeit in Höhe von 1,2 Milliarden Euro.

Foto: REUTERS

Auch Deutschland will seine Anleihen zu Geld machen: Am 1. Februar sollen zehnjährige Bundesanleihen im Wert von Volumen von fünf Milliarden Euro am Primärmarkt verbreitet werden.

Foto: dpa

Am 2. Februar will Spanien langjährige Anleihen - mit Laufzeiten bis 2015, 2016 und 2017 - zu Geld machen. Das Gesamtvolumen soll rund vier Milliarden Euro betragen.

Foto: dpa

Am 2. Februar wirft auch Frankreich seine Staatsanleihen auf den Markt: Die Papiere werden zum Oktober 2018, 2020 und zum April 2022 fällig.

Foto: dpa

Italien schlägt bis April noch vier weitere Male zu: Am 24.Februar sollen Staatsanleihen im Wert von bis zu einer Milliarde Euro verkauft, vier Tage später sollen mehrjährige Anleihen sogar bis zu zwölf Milliarden Euro einbringen. Am 14. März wird es eine weitere Auktion mit einem Umfang von bis zu acht und am 29. März eine mit einem Umfang von rund zehn Milliarden Euro geben.

Foto: dapd

Und auch Spanien schlägt dieses Frühjahr mehrmals zu: Nach der Auktion im Februar wollen die Spanier noch zwei mal Geld mobilisieren. Am zweiten und am 15. März sollen jeweils mehrjährige Staatsanleihen im Volumen von bis zu vier Milliarden Euro den Besitzer wechseln.

Foto: dapd

Kann ich als Privatanleger so etwas kaufen?

Ich bleibe in Frankfurt und scrolle weiter, suche nach einem Papier mit lebhafteren Umsätzen. Knapp darunter, mit 3,15 Prozent Rendite, auch nicht schlecht, taucht ein Longbond mit 4,625 Prozent Kupon auf (ISIN US912810QE10). Er bringt es auf nominal 48.000 Dollar Tagesumsatz (nominal heißt: zum Ausgabekurs von ursprünglich 100 Prozent gerechnet, auch wenn der Kurs jetzt darüber steht), verteilt auf zwei Transaktionen: einmal 40.000 Dollar, einmal 8000 Dollar. Ich kann suchen, so viel wie ich will: Dieses Papier ist die US-Staatsanleihe mit dem höchsten Tagesumsatz im deutschen Börsenhandel.

Bitter: Seit die Anleihe im Februar 2010 auf den Markt kam – immerhin mit einem Emissionsvolumen von 45 Milliarden Dollar –, wurden insgesamt nur 56.000 Dollar gehandelt. Kann ich als Privatanleger bei so spärlichem Handel ein solches Papier überhaupt kaufen?

"Marktgerechte Kurse bei höchster Ausführungsqualität"

Geht es nach der Frankfurter Börse, eindeutig ja. Die Wertpapierhandelsbank ICF Kursmakler soll mir „marktgerechte Kurse bei höchster Ausführungsqualität“ garantieren. Bis zu einem Volumen von 250.000 Dollar soll ICF dafür einstehen, dass Anleger die Papiere handeln können, auch wenn auf der anderen Seite kein Käufer oder Verkäufer steht. Ich lasse es darauf ankommen und werde für 3000 Dollar Nennwert meinen ausgewählten Longbond mit der Kennnummer A1ATDE ordern.

Kurz vor 17 Uhr rufe ich bei meiner Online-Bank an. Der Briefkurs, zu dem das Papier angeboten wird, steht bei 129,61 Prozent. Das ist ein halbes Prozent höher als der Ankaufkurs (Geld). Der Aufschlag zwischen Geld- und Briefkurs ist zehn mal so hoch wie bei deutschen Bundesanleihen. Wenig Nachfrage, wenig Wettbewerb, hohe Spannen für den Makler – so funktioniert Börse.

Zwei Minuten später habe ich meine Bonds für 3000 Dollar nominal, genau zum angesagten Kurs von 129,61 Prozent. Wie lebhaft, will ich vom Kundenberater wissen, sei denn der Handel mit US-Staatsanleihen so? Kurze Gedenksekunde auf der anderen Seite, dann die Antwort: „Ehrlich gesagt, in den elf Jahren, in denen ich in diesem Geschäft bin, sind Sie der Erste, der eine gekauft hat.“

Nun ja, dafür werde ich wenigstens gleich verewigt. Ein paar Minuten später ist der Kauf auf der Web-Seite der Börse dokumentiert; und mit meinen 3000 Dollar bringt es der Longbond jetzt schon auf 51.000 Dollar nominalen Tagesumsatz. Dabei bleibt es dann aber.

Tote Veranstaltung trotz erträglicher Gebühren

Warum nur ist der Börsenhandel mit US-Treasuries für private Anleger eine so tote Veranstaltung? Die Banken spielen durchaus mit, wie meine Kaufabwicklung gezeigt hat. Comdirect, DAB Bank, ING-Diba oder Cortal Consors versichern, dass Privatanleger US-Staatsanleihen über sie handeln können.

Die Gebühren sind erträglich. Bei mir machen sie insgesamt 1,2 Prozent aus (siehe Tabelle auf der ersten Seite). Das ist zwar deutlich mehr als beim Kauf von Bundesanleihen, aber kein echtes Hindernis. Eine Mindestanlagesumme gibt es meist nicht. Im Gegenteil, während in Europa immer mehr Anleihen auf 50.000 oder gar 100.000 Euro lauten, sind fast alle US-Bonds ab 100 Dollar nominal zu haben.

Die Frankfurter Börse verspricht, dass sie in diesem Markt noch jederzeit wesentlich höhere Umsätze und häufigere Geschäfte abwickeln könnte. Dass institutionelle Anleger untereinander diese Papiere rege handeln, zeigt, dass Privatanleger hier Nachholbedarf haben.

US-Treasuries haben durchaus etwas zu bieten. Die erste Zinszahlung für meinen Longbond werde ich im August bekommen. Dann gibt es bei 4,625 Prozent Kupon und 3000 Dollar Nennwert zunächst 69,38 Dollar, denn die Amerikaner zahlen zwei Mal im Jahr. Viel ist das nicht, aber um den Kupon geht es ja sowieso nur nebenbei.

„US-Staatsanleihen empfehle ich als Trade“, sagt Felix Zulauf. Wichtiger sind die Kurse – und die haben es in sich. Wenn die US-Zinsen wie erwartet sinken, wird mein Bond mächtig steigen. Als die Renditen der taktgebenden zehnjährigen Treasuries vor einem Jahr bei 3,7 Prozent standen, notierte die Anleihe bei 98 Prozent. Der Zinsrückgang im September auf 1,8 Prozent trieb den Kurs bis auf 137 Prozent. Über den Daumen gepeilt: Eine Halbierung der Zinsen brachte 40 Prozent Kursplus.

Enorme Laufzeit und starke Zinsveränderungen

Warum die Anleihe so stark auf Zinsveränderungen reagiert, liegt an ihrer enormen Laufzeit. Schließlich sichert das Papier seine aktuelle Rendite für 28 Jahre. Das macht die Anleihe umso wertvoller, je weiter das Zinsniveau nachgibt. Sollten die Zinsen noch etwa um ein Drittel sinken, wird die Anleihe im Kurs um mehr als 20 Prozent zulegen.

Und was mache ich, wenn Zulauf nicht recht hat? Nun, spätestens bei einem Anstieg der Zinsen über das letzte mittelfristige Hoch bei 2,4 Prozent werde ich die Notbremse ziehen und aussteigen. Dann hoffe ich, dass ich die Anleihe ebenso reibungslos loswerde, wie ich sie bekommen habe; obwohl ich an der Börse dann wahrscheinlich wieder der einzige Privatanleger sein werde, der in diesem Zehn-Billionen-Dollar-Markt unterwegs ist.

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