Kinderkonten: Her mit den Mäusen!
Die Hamburger Sparkasse sieht bargeldlose Bezahlung auch bei Kindern auf dem Vormarsch: ein klassisches Sparschwein gilt als out
Foto: dpaMichael hält seine Kinderfaust mit den zwei Pennys fest umschlossen, nein, er will sie nicht hergeben, er will Vogelfutter kaufen. "Ach, Unfug", sagt der greise Direktor einer Londoner Bank und stützt sich auf seinem Krückstock ab. "Leg sie an. Hier sind sie sicher, und sie summieren sich auf der Bank. Denk daran. Schnell lernst du, was es heißt, besitzen, wenn dein Reichtum sich vermehrt." Später besäße Michael "erste und zweite Hypotheken! Pfandbriefe! Dividenden! Aktien! Schiffswerften!" Und mehr noch: Mit seinen zwei Pennys sei er auch noch Teilhaber von Eisenbahnen in Afrika und Staudämmen im Nil. Am Ende steht Michaels Mund offen – seine Faust ebenso.
Der Klebe-Effekt
Es ist eine Szene aus dem Disney-Film Mary Poppins. Damals, im England der 1930er Jahre, waren es zwei Pennys, im heutigen Deutschland reicht ein Euro. Den sollen Kinder zur Bank bringen, auf einem "Mäusekonto" oder "Legokonto" anlegen, anderswo heißt es "Das junge Konto". Banken freuen sich, wenn Kinder zu ihnen kommen, auch wenn die nur kleine Beträge mitbringen. Sie tun das, weil sie sich von Kindern etwas versprechen. Worauf sie spekulieren, nennt sich Klebe-Effekt. Wer einmal bei einem Institut ein Konto eröffnet hat, wird so schnell nicht wieder wechseln, er wird erst sein Taschengeld, dann erste erkellnerte Euros und später sein richtiges Gehalt zur Bank bringen. Vielleicht hat er dann genug, um ein paar Fonds zu kaufen, eine Riester-Rente abzuschließen oder einen Kredit aufzunehmen. An all diesen Geschäften verdient die Bank.
Den Klebe-Effekt nachgewiesen hat gerade eine Studie der Europäischen Union: Kunden behalten ihr Girokonto meist ein Leben lang bei der Bank, bei der sie es zuerst eingerichtet haben. Denn ein Bankwechsel ist mit hohem Aufwand verbunden, und die meisten Banken helfen nicht bei der Umstellung.
Bargeld
In Krisenzeiten ist es sinnvoll, das Portemonnaie voll zu haben. Möglicherweise werden ec-Karten zur Bezahlung nicht akzeptiert, und Geldautomaten spucken kein Geld mehr aus. Sehr Vorsichtige horten das für vier Wochen nötige Bargeld im heimischen Safe. Nach einer Bankpleite müssen die EU-weit vorgeschriebenen gesetzlichen Einlagensicherungstöpfe einspringen. Sie sollen Guthaben von Girokonten, Tagesgeldern und Sparbüchern bis zur Höhe von 100.000 Euro nach maximal 20 Arbeitstagen wieder bereitstellen. Diese Zeit ist zu überbrücken.
Graue Flamme = Sicher bei Bankpleite, fünf rote Flammen = hohes Risiko
Foto: WirtschaftsWocheGoldbarren und -münzen
Das Edelmetall ist die Notfallreserve außerhalb des Finanzsystems schlechthin. Wer mit dem Schlimmsten rechnet, hofft, dass er kleinere Goldmünzen gegen Lebensmittel oder Medikamente tauschen kann, wenn Banken ihn nicht mehr mit Bargeld versorgen. Verwahren Anleger ihr Gold allerdings im Bankschließfach, kann es nach einer Bankpleite dauern, bis sie Zugriff bekommen. In Krisenzeiten fällt der Goldpreis mitunter. Großanleger wie Hedgefonds müssen ihren Goldbestand verkaufen, um flüchtende Anleger auszuzahlen. Da in Panikphasen andere Anlagen wie Aktien oder Anleihen stark an Wert verlieren oder illiquide werden, ist Gold dann eine der wenigen Anlagen, die sie noch zu Geld machen können.
Foto: dpaSpareinlagen: Sparkassen/Volksbanken
Ihren Kunden versprechen Sparkassen, Landesbanken sowie Genossenschaftsbanken, dass sie Pleiten der zu ihrer jeweiligen Gruppe gehörenden Institute im Vorfeld verhindern. Meist geschieht das über Fusionen von schwachen mit stärkeren Mitgliedern. Kommt es zu keiner Pleite, muss auch kein Geld gerettet werden. Dadurch sollen auch Zertifikate und Anleihen vor einem Totalverlust sicher sein. Das ist ein Unterschied zu anderen Einlagensicherungssystemen. Die Solidarität funktionierte bislang, könnte aber bei der Schieflage großer Institute überstrapaziert werden.
Foto: dpaUnternehmensanleihen
Ausgerechnet Banken sind die eifrigsten Herausgeber von Unternehmensanleihen. Deren Papiere sollten sicherheitsbewusste Anleger meiden, sonst droht ihnen ein Totalverlust bei der Pleite. Experten trauen hingegen international tätigen Unternehmen mit soliden Finanzen zu, dass sie auch in Krisen immer die Zins- und Rückzahlung ihrer Anleihen stemmen können. Für viele sind Papiere der Konzerne der sichere Hafen schlechthin, sie haben diesen Rang den Staatsanleihen streitig gemacht. Viele sichere Unternehmensbonds bieten aber mit niedrigen Renditen keinen Inflationsausgleich mehr. Anleger sollten deshalb lange Laufzeiten meiden. Nur wer schnell in besser verzinste Angebote wechseln kann, entkommt einem Geldverzehr. Im Depot sind Unternehmensanleihen vor dem Zugriff einer Pleitebank geschützt.
Foto: PressebildAktien
Kaum ein Anleger kann Aktien als Urkunden zu Hause verwahren, sie werden nach dem Kauf ins Bankdepot gebucht. Dem kann eine Bankpleite nichts anhaben, der Inhalt bleibt Eigentum des Kunden, vorausgesetzt, er wurde nicht verpfändet. Der Anleger kann die Übertragung des Depots auf eine andere Bank verlangen. Der Depotwert wird sich allerdings in der Zwischenzeit verringern. Nahezu alle Aktienkurse fallen bei einem Bankencrash, weil Börsianer die damit verbundene Ansteckungsgefahr für weitere Banken und die Konjunktur fürchten. Bei sorgfältig ausgewählten Aktiengesellschaften können Anleger darauf hoffen, dass sie den Kursverfall an den Börsen zwar mitmachen, sich danach aber wieder erholen und nicht selbst in die Pleite rutschen, falls dem Crash eine lange Rezession folgt. Als Sachwert können Aktien in der Krise eine gewisse Sicherheit bieten, wenn sich der Anleger an wenig verschuldeten Unternehmen beteiligt, die viel Substanz bieten in Form von Maschinen, Grundstücken, Guthaben, Produkten, Patenten oder gefragten Dienstleistungen. Wer auf Unternehmen aus anderen Kontinenten setzt, ist weniger abhängig von der Krise im Euro-Raum.
Foto: dapdInvestmentfonds
Sie reduzieren das Risiko einzelner Pleiten von Unternehmen oder Staaten, weil sie das Anlegergeld breit streuen durch gesetzliche Regeln. Der Fondsmanager darf in ein Unternehmen nicht mehr als zehn Prozent des Fondsvermögens investieren – bei neueren Fonds 20 Prozent. Also wird nur der Teil wertlos, der auf die Pleitebank entfällt. Als Sondervermögen, das bei einer Bankpleite Eigentum der Anleger bleibt, können Investmentfonds nicht wertlos verfallen. Allerdings weiß der Anleger nie genau, wo der Fonds investiert ist. Und massive Kursverluste müssen Anleger vor allem bei Aktienfonds tolerieren. Viele Fondsmanager nutzen Derivate, um Aktienbestände abzusichern. Das funktioniert nur, wenn die nicht von einer Pleitebank herausgegeben wurden. Ein Risiko ist auch, dass verliehene Aktienbestände nicht zurückgegeben werden. Und in Rentenfonds stecken oft Bankanleihen, deren Kurse nach Pleiten fallen.
Foto: WirtschaftsWocheIndexfonds (ETF)
Die börsengehandelten Indexfonds bauen einen Index nach, dürfen einzelne Papiere aber mit weit mehr als 20 Prozent ins Portfolio aufnehmen. Das erhöht die Kursrisiken, wenn Papiere einer Pleitebank ein großes Gewicht bekommen. Kaufen Indexfonds die Werte, die im Index stecken (physische Nachbildung), nutzen sie oft einen Trick, um mehr einzunehmen: Sie verleihen die Wertpapiere. Organisiert werden die Geschäfte von Banken. Eine Pleite wäre in dem billionenschweren Markt fatal.
Foto: Edel RodriguezEuro-Land-Staatsanleihen
Wackelt eine Bank, springen die Europäische Zentralbank sowie Euro-Land-Politiker mit Rettungsaktionen ein. Lange profitierten die Kurse der Bundesanleihen von diesem Reflex und der Kapitalflucht aus der Euro-Peripherie. Doch mit jeder Rettungsaktion steigt das Risiko, dass sich Kapital auch aus Deutschland verabschiedet, weil Anleger an der Zahlungsfähigkeit des Landes zweifeln. Noch stärker absturzgefährdet sind Staatsanleihen der Euro-Südländer, die zu ihren massiven Staatsschulden jetzt noch Schulden ihres überdimensionierten Bankensektors übernehmen sollen. Kurzlaufende Bundesanleihen sind für viele Großinvestoren ein Rettungsanker ohne Rendite, aber: Sie sind die liquidesten Anlagen und schnell zu verkaufen.
Foto: WirtschaftsWocheSpareinlagen: Deutsche Privatbanken
Die Sparmilliarden deutscher Anleger sind vielfach doppelt geschützt: Für Privatpersonen bietet die europäische Einlagensicherung Schutz. Sie garantiert eine Rückzahlung von Spargeldern bis zu 100 000 Euro pro Sparer. Es macht dabei keinen Unterschied, ob Ehepaare ein Gemeinschaftskonto oder zwei Konten führen, sie bekämen im Pleitefall bis zu 200 000 Euro zurück. Für das Geld haften die Staaten, wenn die Mittel in den nationalen Entschädigungstöpfen nicht reichen. Bei der zu Vorwerk und Oetker gehörenden akf bank, der C&A-Bank, der zu Ikea gehörenden Ikano-Bank sowie der Umweltbank gäbe es im Pleitefall nur die gesetzlich garantierten 100 000 Euro, die durch die deutsche Entschädigungseinrichtung deutscher Banken (EdB) ausgezahlt würden.
Bei privaten Banken wie Deutsche Bank und Commerzbank sowie Tochtergesellschaften ausländischer Banken, die eine deutsche Banklizenz haben, zum Beispiel ING-DiBa, HypoVereinsbank und Santander Bank, greift ein weiterer Schutz: Für Girokonten, Spareinlagen sowie Tages- und Termingelder gibt der Einlagensicherungsfonds des Bundesverbands deutscher Banken (BdB) ein freiwilliges Rettungsversprechen ab. Die Sicherungssumme ist utopisch hoch: Sie beträgt bei der Deutschen Postbank pro Konto (!) 1,6 Milliarden Euro, bei der HypoVereinsbank bis zu 7,1 Milliarden Euro. Der Schutz wirkt immens, ist aber – anders als das gesetzliche Versprechen – kaum einklagbar und nicht solidarisch aufzubringen bei Großpleiten. Vorsichtige teilen ihr Geld auf verschiedene Banktypen auf – Privatbank, Sparkasse, Volksbank.
Foto: ReutersSpareinlagen: EU-Banken
Die besten Zinsen gibt es nicht unbedingt von deutschen Banken. MoneYou ist die Online-Marke der niederländischen Bank ABN Amro, die deutsche Anleger mit Tagesgeldzinsen in Höhe von 2,45 Prozent lockt. MoneYou- oder Credit-Europe-Bank-Kunden müssen sich im Pleitefall mit der niederländischen Zentralbank auseinandersetzen, die in englischer Sprache informiert. Bei der Deniz-Bank ist Österreich die Anlaufstelle, bei der Big Bank Estland. Dass die Entschädigung deutscher Sparer bei einem Crash dort nicht erste Priorität hat, liegt nahe. Bekannte Banken wie Cortal Consors (Tochter der französischen BNP Paribas) und Royal Bank of Scotland haben neben dem gesetzlichen EU-Schutz aus dem Ausland noch den Schutz durch den Einlagensicherungsfonds des BdB.
Foto: dpa/picture-allianceGeschlossene Fonds
Die unter anderem als Schiffs- oder Immobilienfonds angebotenen Produkte sind unternehmerische Beteiligungen. Anleger müssen mit Nachschüssen sowie einem Totalverlust rechnen. Wer zuvor nicht darauf geachtet hat, wie hoch die Kreditfinanzierung seines Fonds ist, erlebt jetzt sein blaues Wunder. Viele Schiffe bringen nicht genug ein, um Kredite zu bedienen, und Banken fordern ihr Geld sofort zurück. Verschärft sich die Bankenkrise steigen die Forderungen. Dem Anleger bleiben nur Schadensersatzklagen.
Foto: dpaSynthetische Indexfonds (ETF)
Sie sind eine spezielle Art von Investmentfonds, die den Schutz ihres Sondervermögens gern betonen. Im Fall einer Pleite des ETF-Herausgebers oder einer Bank hat der Anleger Anspruch auf die im Fondsvermögen hinterlegten Wertpapiere. Allerdings sind das bei den Synthetischen Indexfonds meist nicht die Papiere, die der Anleger erwartet. Der ETF kauft nicht die Aktien des Index, sondern nutzt ein Tauschgeschäft (Swap). Dabei garantiert eine Bank beispielsweise die Wertentwicklung des Dax, parkt aber im ETF irgendwelche Aktien. Könnte die Bank die Zusage nicht erfüllen, bleiben Anleger auf Papieren sitzen, die sie nicht wollen.
Foto: WirtschaftsWocheZertifikate
Die Käufer von Lehman-Brothers-Zertifikaten hatten Pech, dass ihre Bank nicht vor dem Untergang gerettet wurde. Sie verloren ihr Geld und scheiterten jüngst beim Bundesgerichtshof mit Klagen gegen die Verkäufer der Papiere. Niemand weiß, ob sich das nicht wiederholen kann. Beliebt sind Zertifikate als Absicherung gegen Kursverluste („Shortzertifikate“). Diese Funktion können sie nur erfüllen, wenn die Bank als Herausgeberin ihr Rückzahlungsversprechen später einlöst. Für die langfristige Absicherung eignen sich Zertifikate deshalb nicht. Die Prämien für den Versicherungsschutz (Credit Default Swap, CDS) gegen einen Zahlungsausfall von Banken sind ein Indikator, welche Emittenten noch als sicher gelten. Die Spannweiten der CDS-Prämien sind gigantisch (siehe Tabelle Seite 18). Großanleger, die sich gegen den Ausfall der UniCredit versichern möchten, zahlen 5,02 Prozent der Nominalschuld pro Jahr als Prämie, bei der Deutschen Bank beträgt der Aufschlag nur 1,76 Prozent.
Foto: dpaAus Sicht der Banken ist es also durchaus sinnvoll, Kinder beziehungsweise ihre unterschriftsberechtigten Eltern direkt anzusprechen. Sie locken mit hohen Zinsen, niedrigen oder null Kontoführungsgebühren oder kostenlosen Geldkarten. Die Banken werben damit, dass Kinder ab sieben Jahren ja beschränkt geschäftsfähig seien – und bei ihnen einiges lernen könnten: Wie es ist, wenn das Weihnachtsgeld von Oma nicht mehr im Umschlag, sondern per Überweisung kommt. Wie es aussieht, wenn der Schlitz des Automaten Geldscheine ausspuckt. Und wie es sich anfühlt, wenn das Geld auf dem Konto immer mehr wird, vorausgesetzt, man lässt es dort liegen.
Fragt sich nur: Ist es wirklich nötig, dass ein Siebenjähriger ein Konto zu führen weiß?
"Ja", sagt Stefanie von Carlsburg, Sprecherin der Hamburger Sparkasse (Haspa). "So gewöhnen sich die Kinder schrittweise an den verantwortungsvollen Umgang mit dem eigenen Geld." Bargeldlose Bezahlung sei schließlich auf dem Vormarsch, ein klassisches Sparschwein dagegen ziemlich out.
Immer reicher
Das Vermögen der Deutschen wächst und wächst. Seit Jahrzehnten steigert sich das Geldvermögen der Privathaushalte fast stetig - zuletzt gab es zu Beginn der Finanzkrise 2008 eine Delle in der Kurve. Nach der Wiedervereinigung lag das Geldvermögen noch bei 1,751 Billionen Euro, fünf Jahre später hatte es schon einen Wert von vier Billionen Euro. 2011 stieg das Vermögen um rund 57 Milliarden Euro im Vergleich zum Vorjahr an. Die positive Konjunktur und die stabile Lage am Arbeitsmarkt hätten das verfügbare Einkommen gesteigert und damit die Vermögensbildung begünstigt, erklärten die Währungshüter. Gebremst wurde die Entwicklung durch Kursverluste an den Kapitalmärkten
Foto: apBargeld und Sichteinlagen
Den größte Teil des Vermögens der deutschen Privathaushalte liegt noch immer auf dem Konto und in Bargeld vor. Fast zwei Billionen Euro in Geldnoten und Sichteinlagen befindet sich im Besitz der Deutschen. Rund 608 Milliarden Euro davon waren im vergangenen Jahr in Spareinlagen angelegt, berichtet die deutsche Bundesbank.
Foto: gmsTermingelder
Zugelegt im Bereich der Sichteinlagen haben erstmals seit Beginn der Finanzkrise im Herbst 2008 das Volumen bei Termineinlagen. Mit 280,5 Milliarden Euro haben Deutsche in diesem Jahr 18 Milliarden Euro mehr in den kurz- und mittelfristigen Anlagen bei Banken und Geldinstituten angelegt. Hintergründe sind laut Bundesbank die wieder größere Zinsspanne im Vergleich zu den täglich fälligen Einlagen und die schwindende Rendite bei festverzinslichen Wertpapieren.
Foto: apVersicherungen
Auch die Versicherer vom wachsenden Vermögen. Neben den Banken sind sie die größten Verwalter: Mit fast 1,4 Billionen Euro Ansprüchen der Versicherten ist ein Großteil des Geldes bei ihnen angelegt. Im Vergleich zum Vorjahr wuchs 2011 das Vermögen, das insbesondere in langfristigen Produkten wie Lebensversicherungen angelegt ist um 45 Milliarden Euro.
Foto: dpaAktien
An der Börse hingegen sind die Deutschen vorsichtiger geworden. 2010 lagen noch 243,5 Milliarden Euro des Vermögen der deutschen Privathaushalte in Aktien, ein Jahr später sind es nur noch 221,4 Milliarden Euro - rund 22 Milliarden Euro weniger.
Foto: dapdZertifikate
Zertifikate locken auch wegen des höheren Risikos mit mehr Erträgen im Vergleich zu Aktien. Bei den Deutschen siegte jedoch die Vorsicht: Auch das Vermögen in Zertifikaten ging deutlich zurück. Während 2010 noch rund 435 Milliarden Euro des Vermögens der deutschen Privathaushalte in Investmentzertifikate angelegt war, sind es 2011 nur noch knapp 395 Milliarden Euro (minus 40 Milliarden). Das lässt sich zum Teil auch durch die teils hohen Kursverluste erklären.
Foto: dpaFestverzinsliche Wertpapiere
247 Milliarden Euro befinden sich in festverzinslichen Wertpapieren wie Schuldbriefe oder Anleihen. Ein Jahr zuvor waren das mit 259,6 Milliarden Euro noch ein wenig mehr.
Foto: dpaAnsprüche aus Pensionsrückstellungen
Wenig verändert hat sich hingegen das Vermögen der Deutschen in Form von Pensionsrückstellungen, also die Ansprüche auf die betriebliche Altersvorsorge. 2010 lagen 281,2 Milliarden Euro in Pensionsrückstellungen, 2011 waren es acht Milliarden mehr.
Foto: dpa
Die Haspa bietet Kinderkonten schon für Siebenjährige: 2012 hat das Mäuse-Konto den Kinderkonten-Vergleich gewonnen
Foto: dpa"Nein", sagt Edda Castelló von der Verbraucherzentrale Hamburg. "Kinder brauchen kein Konto." Und dass Banken potenzielle Jungkunden mit günstigen Aktionen und Extras anfixen wollen, hält sie für problematisch. "Warum muss ein Siebenjähriger finanzielle Transaktionen durchführen?", fragt Castelló. "Meiner Meinung nach ist auch mit 14 oder 15 Jahren das Gefühl für den Wert des Geldes noch nicht vollkommen ausgeprägt." Ein Konto hält sie erst dann für sinnvoll, wenn man sein erstes Gehalt bezieht, beispielsweise bei Antritt einer Ausbildung. Castelló empfiehlt, ein Konto so spät wie möglich einzurichten. Denn: "Je abstrakter das Geld wird, desto mehr gebe ich aus, desto mehr verliere ich den Überblick." Die Verbraucherzentrale in Bremen hält ein Konto ab elf Jahren für sinnvoll. Die in Berlin empfiehlt Geldkarten erst ab dem 14. Lebensjahr.
Das Sparschwein ohne Schwein
Luca hat beides: ein Sparschwein von St. Pauli und ein Kinderkonto bei der Haspa. Darauf kommt sein Taschengeld und Geldgeschenke von den Großeltern. Im Moment hat er 150 Euro auf dem Konto. Jede Woche geht er in die Haspa-Filiale in Hamburg-Eimsbüttel und darf zwei Euro abheben. Mehr nicht. So ist es auf seiner Geldkarte vermerkt. Wenn er mehr will, braucht er die Unterschrift seiner Mutter. Luca ist neun Jahre alt, er trägt Deutschlandtrikot und Fußballschuhe, wenn er groß ist, will er sein wie Klose. Von seinem Taschengeld kauft Luca sich Lego-Figuren, oder er spart ein bisschen – für ein Wii-Spiel.
Während es für normale Girokonten häufig nicht einmal ein Prozent Zinsen gibt, bieten Banken Kindern bis zu fünf Prozent an. Diesen aktuell höchsten Zinssatz gewährt die PSD Nord Bank. Fünf Prozent bis zu einem Guthaben von 1.500 Euro, allerdings ist das Konto erst für Kinder ab zehn Jahren zu haben. Ein klassisches Kinderkonto, wie Luca eines hat, gibt es bei der Haspa schon für Siebenjährige. Auf ein Guthaben bis zu 500 Euro bekommt Luca dort vier Prozent Zinsen, darüber hinaus ein Prozent, und von Anfang an eine kostenlose Geldkarte, die "Mäusekonto-Karte".
Dieses Mäusekonto der Haspa, Deutschlands größter Sparkasse, hat 2012 denn auch den Kinderkonten-Vergleich gewonnen, wie schon im Jahr zuvor. Erstellt wird der Vergleich jedes Jahr von der Frankfurter FMH Finanzberatung. Den zweiten und dritten Platz erreichten die HypoVereinsbank und die Ostsächsische Sparkasse, als letzte der 14 verglichenen Banken schloss die Targobank ab: Sie verzinst weder das Geld auf dem Bankkonto, noch bietet sie die Möglichkeit einer Geldkarte.
Das Kinderkonto der Targobank ist also nicht mehr und nicht weniger als ein Sparschwein ohne Schwein.
So gut die Haspa abschneidet, so schlecht stand sie da, als sie ihr Kinderkonto bewarb. Es war im November 2010, als öffentlich wurde, dass die Haspa gemeinsam mit einer Hamburger Schule in Elternbriefen explizit darum warb, man möge doch ein Konto für das Kind bei der Haspa eröffnen. Unterschrieben war der Brief vom stellvertretenden Schulleiter und einem Mitarbeiter der Haspa. Hintergrund der Werbeaktion war die Einführung der sogenannten Geldkarte, mit der bargeldloses Bezahlen in der Schulkantine möglich gemacht werden sollte. Die Technik dafür hatte die Haspa beigesteuert. Dass die Schüler jedoch auch mit Geldkarten anderer Institute sowie bar bezahlen können, wurde in dem Brief nicht erwähnt.
Die Schulbehörde schoss scharf und verurteilte die Briefaktion als Produktwerbung – ein Verstoß gegen die Sponsoring-Richtlinien an Schulen. Und heute? Man sei mittlerweile sehr sensibilisiert für das Thema, heißt es bei der Haspa. In Briefen an Eltern werde nicht mehr für die Mäusekonten geworben.
Lucas Mutter hatte sich für die Haspa entschieden, weil sie selbst dort Kundin ist. Luca sollte verstehen, wie das mit der Bank und dem Geld funktioniert. "Vorher kam er oft zu mir und sagte: Mama, du musst doch einfach nur zur Bank gehen und Geld holen", erzählt sie. Dass auf einem Konto nicht endlos viel Geld ist, hat Luca jetzt verstanden.
Steigender Wohlstand bei den Kleinen
Aber sind die paar Kröten der Kinder für die Banken denn überhaupt relevant? Das bisschen Taschengeld, das Kinder von ihren Eltern erhalten, um sich Süßigkeiten zu kaufen oder mal ein Videospiel? Weit gefehlt. Insgesamt 5,1 Milliarden Euro besitzen Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren in Deutschland. Der steigende Wohlstand ist auch bei den Kleinen angekommen.
Der Verlag Egmont Ehapa, der Zeitschriften wie Micky Maus und Minnie verlegt, untersucht seit vielen Jahren das Verbraucherverhalten der derzeit 6,13 Millionen Kinder zwischen sechs und dreizehn Jahren. Durchschnittlich 24,79 Euro Taschengeld erhalten die Kinder dieser Altersgruppe jeden Monat. 197 Euro pro Jahr kommen noch als Geldgeschenke hinzu, Tendenz bei beiden Zahlen: steigend. Sparen wollen immerhin 81 Prozent der Kinder, 75 Prozent haben ein eigenes Sparbuch – allerdings nur 15 Prozent ein eigenes Girokonto.
Der Bankdirektor aus Mary Poppins entreißt Michael seine zwei Pennys. Der stampft so fest mit dem Fuß auf, dass er eine Panik auslöst und schließlich den größten Ansturm auf eine englische Bank. Am Ende hat er seine zwei Pennys wieder.