Marissa Mayer: Wie die neue Yahoo-Chefin tickt
Marissa Mayer
Marissa Mayer ist ein Google-Urgestein, beim Suchmaschinenkonzern war sie Mitarbeiterin Nummer 20. Zuletzt arbeitete die Google-Vorzeigefrau als Produktchefin. Mit dem Wechsel an die Spitze von Yahoo steigt die Ex-Freundin von Google-Gründer Larry Page endgültig in die Spitze der US-IT-Managerinnen vor. Denn eine ganze Reihe von Spitzenpositionen bekleiden Frauen…
Margaret Whitman
Meg Whitman ist so etwas wie die Grande Dame des Silicon Valley. Ihren Ruhm und Reichtum begründete Whitman, die eigentlich Ärztin werden wollte, mit Ebay. Sie machte aus dem Startup mit gerade mal 30 Mitarbeitern ein global operierendes Online-Auktions- und dann ein Handelshaus mit 15.000 Angestellten und 8,5 Milliarden Dollar Umsatz. Über zehn Jahre lenkte sie Ebay und trat im März 2008 etwas amtsmüde als Vorstandschefin zurück.
Die langjährige Chefin des Internet-Handelskonzerns Ebay löste Ende September 2011 überraschend den glücklosen Vorgänger Léo Apotheker an der Spitze des weltgrößten IT-Konzerns ab.
Virginia Rometty
Die seit 30 Jahren in den Diensten von IBM stehende Managerin hat Anfang Januar 2012 das Steuer vom langjährigen IBM-Boss Sam Palmisano (links) übernommen. Die Informatikerin und Ingenieurin, die 1981 bei IBM anheuerte muss den von Plamisano verkündeten "Strategieplan 2015" fortsetzen.
Sheryl Sandberg
Chefin ist sie zwar (noch) nicht, doch kaum eine Frau im Valley ist so mächtig, wie Sheryl Sandberg. Die frühere Google-Managerin war 2008 zu Facebook gekommen und hat Zuckerberg seitdem in geschäftlichen Dingen den Rücken freigehalten, so dass er sich ganz auf die Weiterentwicklung des Netzwerks konzentrieren konnte. Sandberg sorgt in ihrer Rolle dafür, dass das Geld hereinkommt, kümmert sich um die Außendarstellung, um die Personalführung und vieles andere. Auch beim Börsengang fiel Sandberg als Architektin des geschäftlichen Erfolgs eine wichtige Rolle zu: Sie versuchte zusammen mit Zuckerberg, Investoren zum Kauf von Aktien zu bewegen.
Die Nummer zwei bei Facebook hat im Juni ihre Macht im Sozialen Netzwerk ausgebaut. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg ist nun auch in den wichtigen Verwaltungsrat eingezogen. Dies ist das höchste Firmengremium - und das war bislang rein männlich besetzt.
Carol Bartz
Doch einige Frauen sind auch schon wieder gescheitert. Zwischen 2009 und 2011 sollte Carol Bartz den Umschwung bei Yahoo schaffen. „Diese Leute haben mich verarscht“, schimpfte Carol Bartz, als sie ihren Posten als Yahoo-Chefin wieder verlor. Als Verwaltungsratschef Roy Bostock ihr am Telefon das von Anwälten formulierte Kündigungsschreiben diktierte schleuderte sie ihm entgegen: „Warum hast Du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?“
Im Januar 2009 war die langjährige Chefin des Softwarehauses Autodesk zu Yahoo geholt worden, um endlich wieder Schwung in die Internet-Ikone zu bringen. Bartz fand ein zerrüttetes Unternehmen vor, ohne klare Management-Zuständigkeiten, Intrigen und kleinen Königtümern. Sie brachte wieder klare Strukturen ins Unternehmen, stellte verlustträchtige Projekte ein und kürzte die Kosten. Eine umstrittene Suchmaschinen-Allianz mit Microsoft sparte zwar Kosten. Doch damit gab Yahoo eigene Expertise ab
Carly Fiorina
Fiorina war lange Chefin von Hewlett-Packard, sie leitete HP von 1999 bis 2005 und war dort unter anderem für die Fusion mit Compaq verantwortlich. 2010 kandidierte sie als Senatorin für Kalifornien, verlor aber die Wahl gegen die Demokratin Barbara Boxer.
Ex-Vorstandschefs von Yahoo haben eines gemeinsam. Sie werden erst gefeiert, dann vom eigenen Verwaltungsrat hintergangen, schließlich abgesetzt und zu guter Letzt als Fehlbesetzung verunglimpft. So erging es Tim Koogle, Terry Semel, Carol Bartz, Scott Thompson und Gründer Jerry Yang. Marissa Mayer, bis vorvergangene Woche noch Top-Managerin von Google, übernimmt einen zerrütteten Intrigantenstadl, der viele seiner Talente an die Konkurrenz verloren hat.
Obwohl erst 37 Jahre alt, genießt die selbstbewusste blonde Frau wegen ihrer Verdienste um die Suchmaschine als langjährige Produktchefin von Google großen Respekt nicht nur in der Internet-Branche.
Im April berief sie auch der Handelsgigant Wal-Mart in seinen Aufsichtsrat. Als erste Hochschwangere an der Spitze eines US-Konzerns schreibt sie Wirtschaftsgeschichte. Die von Massenentlassungen demotivierte Belegschaft von Yahoo steht vor einem tiefen Einschnitt – aber auch der Konzern Microsoft, mit dem sie die Such- und Vermarktungsallianz wohl neu verhandeln wird.
Stärken und Schwächen
Als an der Eliteuni Stanford geschulte Informatikerin mit Fachgebiet Künstliche Intelligenz glaubt Mayer an die Macht der Zahl – so wie ein besessenes Mathegenie, dargestellt vom Schauspieler Russell Crowe in dem Film „Beautiful Mind“. Sich auf Intuition zu verlassen sieht sie als intellektuelle Faulheit. Bei Google ließ Mayer wochenlang testen, wie Nutzer auf winzigste Veränderungen in Layout und Darstellung reagierten. Umstimmen lässt sie sich nur von Testreihen.
Wer mit Mayers Tempo und ihrem unbändigen Arbeitseifer mithalten kann, wird von ihr gefördert. Ihr Fokus auf kleinste Details, ihre an Fetischismus grenzende Liebe für Zahlen und ihre Ungeduld haben ihr den Ruf als schwierige Chefin eingetragen. Doch was bei Männern als durchsetzungsstark gilt, heißt bei Frauen schnell Zickigkeit. Das Misstrauen gegenüber Bauchgefühlen ist aber auch ihre größte Schwäche. Überraschungen unter ihrer Ägide waren rar. Innovationen wurden zugekauft. Dass Google soziale Netzwerke unterschätzte, wird auch ihr angekreidet.
Vorlieben
Elegante Kleidung spielt im Silicon Valley keine Rolle, für Mayer mit ihren Model-Maßen aber schon. Sie ist stets perfekt gekleidet, auch weil sie als bekanntestes Gesicht von Google ständig Fernseh-Interviews und Präsentationen auf wichtigen Konferenzen geben musste. Mayer liebt Ballett, begeistert sich für Design. Bei ihrem Outfit bevorzugt sie etablierte Modemacher wie Oscar de la Renta. Neben ihrem Job berät sie das San Francisco Museum of Modern Art. Mit Ehemann Zachary Bogue, einem erfolgreichen Immobilienmogul, teilt sie die Vorliebe für Partys. Solche Veranstaltungen, die sie in ihrem Haus in Palo Alto ausrichten, sind heiß begehrt. Auch Präsident Obama war schon dort, bei einer von Mayer organisierten Spendensammlung für die Demokraten.
Die Produktdesignerin: Marissa Mayer
Ihre Nominierung als Yahoo-Chefin macht die erst 37-jährige Google-Managerin einer breiten Öffentlichkeit bekannt. Doch schon zuvor war sie in der Branche als ein Gesicht von Google bekannt, das beispielsweise im Interview mit dem Elektrischen Reporter eloquent die Daten-Sammelei des Konzerns verteidigte. Die ausgebildete Informatikerin galt als eines der Gesichter von Google.
Bei Google war sie für Produkte zuständig. Sie gehörte zum Kern-Team Google und war 1999 die 20. Mitarbeiterin des Unternehmens überhaupt. Das schlichte Design der Google-Suchmaske stammt von ihr. Die Los Angeles Times attestierte ihr, niemand anderes habe so viel Einfluss darauf, wie Menschen das Internet erleben. Dass Yahoo Mayer zur neuen Chefin macht zeigt, dass das Unternehmen vermutlich mit neuen Produkten aus der Krise finden will.
Foto: ReutersDer Visionär: Marc Andreesen
Wenn einer Silicon-Valley-Größe der Titel Visionär gebührt, dann ohne Zweifel Marc Andreesen (links im Bild), Entwickler des Webbrowsers Mosaic und späterer Gründer von Netscape. Hier ist er links im Bild mit seiner Frau und Facebook-Gründer Marc Zuckerberg zu sehen. Das angesehene Silicon-Valley-Magazin „Wired“ bezeichnete ihn als den „Mann, der die Zukunft gestaltet“.
1992, das Worldwide Web war nicht einmal ein Jahr alt, sagte er bereits voraus, dass irgendwann jeder Zugang zum Web haben wird. 1995 – das Web wurde erstmals einer breitere Öffentlichkeit gerade erst bekannt – die nächste Vorhersage: Der Browser werde zum eigentlichen Betriebssystem, in dem Programme laufen. Eine Vision, der wir heute dank Cloud-Programmen wie Google Docs und Web-Mail-Diensten deutlich näher sind. 1999 sah er den Durchbruch der Cloud-Computing-Technologie für Business-Anwendungen voraus und 2004, im Jahr der Gründung von Facebook, den kommenden Durchbruch des Social Webs.
Die in der Regel treffsicheren Vorhersagen haben Andreesen in Business-Belangen nicht immer geholfen. Der von ihm geschaffene Browser Netscape Navigator verlor den ersten großen Browser-Krieg der 1990er Jahre gegen Microsoft. Das 1999 gegründete Start-Up Loudcloud, das Cloud-Services an Business-Kunden verkaufte, war seiner Zeit voraus. Cloud Computing wurde erst rund zehn Jahre später zum Hype. 2007 kaufte HP das Unternehmen für 1,6 Milliarden Dollar.
Andreesens letzte Vorhersage stammt aus dem Jahre 2009 und klingt heute genauso visionär wie die anderen Vorhersagen von Andreesen zu ihrer Zeit: Alle zentralen Branchen der Wirtshaft, vom Einzelhandel über die Immobilienbranche bis zu Gesundheitsdienstleistungen, werden durch Software revolutioniert und um neue hyperintelligente Software herumgebaut werden.
Bescheidene Genies: Larry Page und Sergey Brin
Im Sommer 1995 kommt es zu einer Begegnung, die die Computergeschichte grundlegend verändern wird: Larry Page (rechts), Absolvent der Universität von Michigan, soll den ein Jahr jüngeren Sergey Brin an der Uni einführen. Wie sie später eingestehen, sind beide bei diesem Treffen bei so gut wie allen Fragen verschiedener Meinung.
Vielleicht macht gerade das die Zusammenarbeit der beiden so fruchtbar. 1996 gründen sie gemeinsam die Suchmaschine BackRub, die einen revolutionären neuen Suchalgorithmus nutzt: Dabei wird die Reihenfolge der Suchergebnisse davon abhängig gemacht, wie viele andere Seiten auf die entsprechende Seite verlinken.
Neben ihren Unterschieden verbinden die beiden Google-Manager Page und Brin auch viele Gemeinsamkeiten in der Biografie: So haben sie beide auf Schulen besucht, die nach dem Erziehungskonzept der Pädagogin Maria Montessori arbeiteten. Das Motto der italienischen Ärztin: „Hilf mir, es selbst zu zun“. Auch ihr Führungsstil ist ähnlich: Beide treten eher zurückhaltend, fast schüchtern, in der Öffentlichkeit auf. Auch werden ihnen keinerlei exzentrische Züge nachgesagt.
Der Erfolgsmensch: Larry Ellison
Larry Ellison, Chef des weltgrößten Datenbank-Herstellers Oracle, gehört zu jenen CEOs, die wissen, wie sie sich Gehör verschaffen. Meist hat er zu allem, was in der Branche vor sich geht eine Meinung – und meist sagt er sie laut. Eine wütende Rede über den aus seiner Sicht unsinnigen Begriff Cloud Computing aus dem Jahre 2008, kennt in der Branche fast jeder.
Ellisons Leben war durch Brüche geprägt. So rasselte der uneheliche Sohn 1966 in tiefer Trauer durch sämtliche Uni-Prüfungen, als seine Stiefmutter verstarb. Mit nur 2000 Dollar Stammkapital und ohne Uni-Abschluss gründete er 1977 zusammen mit zwei Partnern die Firma, die heute als Oracle bekannt ist. Heute ist der laut „Forbes“ mit einem Nettovermögen von 36 Milliarden Dollar der sechstreichste Mensch der Welt.
Ellison lebt und genießt seinen heutigen Reichtum. Seine 138 Meter lange Mega-Yacht „Rising Sun“, die er mit seinem Freund David Geffen teilt, gehört zu den größten der Welt. Seit kurzem besitzt der Multimilliardär auch eine eigene Insel. Im Bieterwettstreit um die Hawaii-Insel Lanai stoch er Ex-Microsoft-Chef Bill Gates aus.
Foto: dapdDer Geschäftsmann: Bill Gates
Bei Microsoft-Gründer Bill Gates verbanden sich Begabung, Fleiß und Glück miteinander. Als Kind brillierte Gates in Mathematik und Naturwissenschaften. Das erste große Glück im Leben des Bill Gates war sein früher Zugang zu Computern. Die private Elite-Schule, die er besuchte, gehörte zu den ersten in den USA, die einen programmierbaren Fernschreiber besaß. Ebenfalls noch als Schüler erhielt er Zugriff auf Großrechner. Sein Havard-Studium brach er zugunsten der von ihm gemeinsam mit Freunden gegründeten Firma Microsoft ab – keine schlechte Entscheidung.
Das zweite große Glück seines Lebens war der Erfolg des IBM-PCs – oder besser, IBM-kompatibler Nachbauten. Denn während der PC für IBM selbst kein kommerzieller Erfolg war, entwickelten sich die IBM-PC-Klone zu echten Verkaufsschlagern – und mit ihnen das Betriebssystem MS-DOS. Microsoft hatte das System für ressourcenschwache Rechner an IBM lediglich lizenziert und selbst alle Rechte behalten. Das System, das Microsoft reich machen sollte, war keine Eigenentwicklung. Das Unternehmen hatte QDOS von dem Entwickler Tim Paterson für 50.000 Dollar erworben. Heute engagiert sich Gates mit seiner Stiftung vor allem im Kampf gegen Krankheiten in der Dritten Welt.
Foto: dapdDas Marketing-Genie: Steve Jobs
In der Geschichte von Apple gingen bislang alle entscheidenden Impulse von Steve Jobs aus. Ende der siebziger Jahre erkannte Jobs als einer der ersten, dass die von seinem Kumpel Steve Wozniak zusammengelöteten Computer-Platinen nicht nur ein Hobby für Nerds sind, sondern den Anfang der Ära des Personal Computers markieren. Anfang der achtziger Jahre entdeckte er das Potenzial der bei Xerox entwickelten grafischen Benutzeroberfläche für Computer, die mit dem Mac und später mit Microsoft Windows die Welt verändern sollten.
Als Jobs 1985 nach einem Konflikt mit dem damaligen Apple-CEO John Sculley das Unternehmen verlassen musste, übernahm er die Trickfilmsparte von George Lucas und revolutionierte mit Pixar die Filmbranche. 1997 kam er zu Apple zurück. Das Unternehmen stand damals kurz vor der Pleite und wurde von Jobs mit innovativen Produkten wie dem iMac und dem iPod wieder auf die Erfolgsspur gebracht.
Zum Mega-Unternehmer wurde er schließlich mit der Einführung des iPhone im Jahr 2007 und dem iPad (2010), mit dem Apple die „Post-PC“-Ära einläutete. Steve Jobs war bei Apple nicht nur der unbestrittene Chef, sondern vereinte in seiner Person die Rolle des genialen Visionärs, entschiedenen Antreibers und erfolgreichen Verkäufers. Am 5. Oktober 2011 starb Jobs an seinem Krebsleiden. Er hinterließ eine Frau, vier Kinder - und ein kerngesundes Apple, das bis heute das wertvollste Unternehmen der Welt ist.
Foto: dapdDer Nerd: Steve Wozniak
War Steve Jobs das Gesicht von Apple, so war Wozniak in der Anfangszeit Hand und Hirn der Garagenfirma. Der zurückhaltende, hochbegabte Ingenieur gilt als Genie. Schon mit 13 entwickelte er einen Taschenrechner, ein IQ-Test von damals bescheinigte ihm einen Intelligenzquotienten von über 200 – schon ab Werten von über 130 gelten Menschen als hochbegabt.
1976 gründete Wozniak gemeinsam mit seinem Schulfreund Steve Jobs Apple. In seiner Biografie „iWoz“ beschreibt er seine Jugend als Außenseiter – ein Prototyp des „Computernerds“. Seinen Job als Ingenieur bei Hewlett-Packard gab er erst auf, als Jobs ihm zusicherte, nie Manager werden zu müssen.
Wozniak bereitete der Erfolg von Apple eher Unbehagen. Einen Teil seiner Aktien verkaufte deutlich unter Wert an Mitarbeiter des Unternehmens, die er am Erfolg teilhaben lassen wollte. Jobs zeigte dafür kein Verständnis. Nach einem Flugzeugsabsturz 1981 ließ er die damals aufstrebende Firma Apple hinter sich und widmete sich unter anderem der Organisation von Open-Air-Konzerten, bei denen er mehr als 20 Millionen Dollar verlor. Nach einem kurzen Intermezzo als einfacher Ingenieur bei Apple, kehrte er 1985 dem Konzern endgültig den Rücken. Allerdings erhält er bis heute rund 10.000 Dollar Gehalt im Jahr von Apple. Beruflich setzt er inzwischen aber ganz andere Prioritäten: Seit 1988 unterrichtet er Kinder in Informatik.
Foto: ReutersDer Bastler: Linus Torvalds
„Ich aß, ich schlief. Vielleicht ging ich zur Uni“, beschrieb Linus Torvalds einmal seine Zeit als Student. Nebenbei allerdings schuf er noch etwas, das die IT-Welt für immer verändern sollte: Den frei verwendbaren Betriebssystem-Kern Linux. Vor 20 Jahren machte sich der finnischer Student daran, die Möglichkeiten damaliger Computerchips zu erkunden. In einer Newsgroup kündigte er den Beginn der Arbeit an seinem Betriebssystem Linux mit folgenden Worten an: „Ich arbeite an einem (freien) Betriebssystem (nur ein Hobby, wird nicht groß und professionell...).“ Er sollte sich irren. Das freie Betriebssystem wurde so erfolgreich, dass es heute aus dem Server- und Mobilbereich nicht mehr wegzudenken ist. Auf den Servern – seien es Internet-Dienste oder die Server in Unternehmen – ist es heute das mit Abstand beliebteste Betriebssystem. Auch Googles Smartphone- und Tablet-System Android basiert auf dem Linux-Kernel.
Torvalds gilt vielen als Prototyp eines Nerds, hat aber auch eine sehr emotionale Seite. Die zeigte er kürzlich vor Studenten, als er auf Probleme mit Treibern für die Grafikkarten von Nvidia angesprochen wurde. Der Grafikkartenhersteller sei die schlimmste Firma überhaupt, was die Zusammenarbeit mit den Kernel-Entwicklern betrifft, wütete Torvalds. Unterstrichen hat er die Aussage mit einem beherzten „Fuck you, Nvidia!“ und einer eindeutigen Geste.
Foto: apDer Freiheitskämpfer: Richard Stallman
Der Öffentlichkeit weniger bekannt dürfte Richard Stallmann sein – doch seine Idee prägt die heutige Software-Welt nicht weniger stark als die Produkte von Steve Jobs und Bill Gates. Seine Vision: Das freiheitliche Ethos der Anfangstage unter Programmierern zu bewahren, als Codes noch frei getauscht, geteilt und verändert wurde. 1985 kündigte er seinen Job am Massachusetts Institute of Technology, um sich ganz seiner Vision zu widmen. Er gründete die Free Software Foundation. Die GNU General Public License sollte den rechtlichen Rahmen für das geplante Betriebssystem GNU bilden – ein Betriebssystem, das komplett aus Komponenten bestehen sollte, die jeder frei verbreiten und verändern könnte.
Das Betriebssystem wurde nie fertig. Dafür nahm Linus Torvalds die bereits bestehenden Betriebssystem-Teile wie den Compiler GCC oder die Kommandozeile Bash und verheiratete sie mit dem Linux-Kernel, wodurch das System komplettiert wurde. Außerdem war die Idee Freier Software geboren, die zu zahlreichen Entwicklungen führte – vom freien Office-Programmen Libre Office/Open Office bis zum Mozilla Firefox, dem heute in Europa populärsten Webbrowser. Freie Software befindet sich heute auf fast jedem PC und fast jedem Smartphone. So basieren beispielsweise auch die Browser Chrome von Google und Safari von Apple auf Webkit, eine freie Software, deren Vorläufer KHTML für die Linux-Oberfläche KDE entwickelt wurde.
Foto: Wikipedia Lizenz: CC-BY-SA
Foto: Victor PowellLoyale Strategin: Sheryl Sandberg
Anfang 2008 begann Sheryl Sandberg damit, das noch wenig bekannte Social Network Facebook auf Profitabilität zu trimmen. Sie und Gründer Mark Zuckerberg bauten den Anzeigenvertrieb auf und ernteten bald die Früchte ihrer Arbeit: 2010 warf Facebook erstmals Gewinn ab, 2012 erfolgte der Börsengang. Ende Juni zog die Managerin, die 2011 mit allen Boni und Aktienoptionen über 30 Millionen Dollar verdiente, als erste Frau in den Verwaltungsrat von Facebook ein. Von einer Vorzeige- oder Alibifrau kann dabei allerdings keine Rede sein. Trotz ihres guten Verhältnisses zu dem als schwierig geltenden Mark Zuckerberg ist sie es gewohnt, ihre Standpunkte selbstbewusst zu vertreten. 2012 wurde sie in die Liste der 100 einflussreichsten Menschen des "Time Magazins" aufgenommen.
Ob sie bei Facebook bleiben wird, ist ungewiss. Die Mehrheitsverhältnisse verschaffen Mark Zuckerberg das Recht, über alles und jeden allein zu bestimmen. Und jemanden wie Sheryl Sandberg kann man nicht ewig als Nummer zwei halten, ahnt auch der Facebook-Gründer: "Wenn sie wollte, könnte sie bei jedem Unternehmen Chef werden."
Text: Axel Postinett
Foto: dapdEiserne Krisenmanagerin: Margaret Whitman
Margaret Cushing "Meg" Whitman, die frühere Chefin des Web-Handels- und Auktionskonzerns Ebay, steht seit Anfang 2011 an der Spitze von Hewlett Packard, des nach Apple zweitgrößten IT-Konzerns der Welt.
Das ist eine Aufgabe der besonderen Art: Die Frau, die ihre Laufbahn als einfache Produktmanagerin bei Procter & Gamble begonnen hat, sitzt auf einem der heißesten Stühle der IT-Industrie. Der 100-Milliarden-Dollar-Konzern Hewlett Packard verliert Umsatz und Marktanteile in praktisch allen Bereichen, hat den Anschluss bei Smartphones und Tablets verpasst.
Die in Long Island geborene Absolventin der Universität Princton und der Harvard Business School ist bekannt für ihre Durchsetzungskraft. Ihr Erfolg verschafft ihr Respekt in der gnadenlosen Tech-Welt des Valleys: Vor allem ihr Engagement als Chefin des Online-Auktionshauses Ebay festigte ihren Ruf als Überfliegerin. Innerhalb von nur zehn Jahren baute sie das Start-up-Unternehmen zu einem Weltkonzern mit acht Milliarden Dollar Umsatz aus. Davor arbeitete sie unter anderem in leitender Position bei Walt Disney.
Text: Axel Postinett
Foto: ReutersDer Erfinder: Douglas Engelbart
Wer an die Computerrevolution denkt, die unsere Welt verändert hat, denkt meist nicht an Douglas Engerbart – zu unrecht. Immerhin erfand der Mitarbeiter bei Xerox fast alles, was die Nutzung von Computern heute ausmacht. Schon 1968, als Computer noch mindestens kühlschrankgroße Ungetüme waren, demonstrierte er die erste Computermaus auf einer Konferenz in San Francisco. Erst 1983 konnte man den ersten Computer mit Mausbedienung kaufen: Apple stellte „Lisa“ vor. Auch die erste grafische Oberfläche, heute für die Computernutzung nicht mehr wegzudenken, entstand am legendären Forschungszentrum PARC von Xerox unter Engelbarts Führung. Noch heute ist die Präsentation von 1968 bei Youtube zu sehen. Reich wurde Engelbart durch seine Erfindungen nie.
Foto: Wikipedia; Lizenz: CC-BY-SA
Foto: Alex HandyDer Programmierer: Alan Kay
Der Informatiker Alan Kay, in den 1970ern ein Schlüsselmitglied im Xerox PARC, hat durch seine Arbeiten die Gestalt heutiger Computerprogramme geprägt - von innen wie außen. Seine Arbeiten über objektorientierte Programmierung waren wegweisend dafür, wie der Code von Anwendungen heute aussieht. Seine Paper über Bedienoberflächen prägen bis heute die Nutzungskonzepte von Software.
Ganz nebenbei erfand Alan Kay auch noch das iPad - oder zumindest ein frühes Konzept, das daran erinnert: 1968 entwickelte er das Konzept für einen Computer im Schiefertafel-Format, den er Dynabook nannte. Anders als das iPad sollte sich das Dynabook allerdings an Kinder aller Altersklassen richten. Das Dynabook sollte leicht, leistungsstark sowie handlich sein - und sich drahtlos mit einem Netzwerk verbinden. Angestrebter Verkaufspreis: 500 Dollar – der Preis des günstigsten iPads heute.
Als Bedienung schwebte Entwickler Kay eine Benutzeroberfläche mit Symbolen vor statt der damals üblichen kryptischen Bedienung über die Kommandozeile. Die Idee der Bedienung über grafische Symbole wurde mit dem Xerox Alto-Computer umgesetzt – und dann von Apple für den ersten Macintosh lizenziert.
Foto: dapdDer Designer: Hartmut Esslinger
Er gab der Computerindustrie Form und Farbe: Der Deutsch-Amerikaner Hartmut Esslinger, Gründer und lange Jahre Geschäftsführer der Firma Frog Design, gehört zu den gefragtesten Produktdesignern weltweit. Esslinger gab unter anderem dem Apple IIc und dem ersten Apple Macintosh sein Aussehen. In der Folge war er unter anderem auch für das Design von Steve Jobs' entwickelte Workstation NeXTcube, der Oberfläche von Microsofts Windows XP und dem Design der Geschäftsanwendungen von SAP verantwortlich. Für Dell entwickelte Esslinger eine Internet-Verkaufsplattform. 2006 stieg Esslinger aus der von ihm gegründeten Firma aus und verkaufte seine Anteile. Heute ist er Designer der Telefunken Licenses GmbH.
Foto: PressebildDer Unternehmer: Paul Allen
Paul Allen gründete nicht nur gemeinsam mit Bill Gates Microsoft - sein Leben ist bis heute durch Tatendrang als Unternehmer geprägt. Unter anderem ist er Besitzer der US-Profisportteams Seattle Seahawks (NFL) und Portland Trail Blazers (NBA). Auf der Liste der reichsten Menschen der Welt belegt er laut „Forbes“ Rang 48.
Darüber hinaus betätigt sich Allen in zahlreichen visionären Technik-Projekten: So sucht das von ihm finanzierte Allen Telescope Array nach Signalen von intelligentem außerirdischem Leben und er ist der alleinige Investor des privaten Raumfahr-Projekts SpaceShipOne, das kommerzielle private Raumflüge erschwinglicher machen will.
Foto: dpaDer Tablet-Pionier: Jeff Hawkins
Einen der ersten ernsthaften Versuche der Umsetzung des Tablet-Konzepts, das Alan Kay 1968 zu Papier brachte, unternahm Jeff Hawkins - später Gründer des Handheld-Pioniers Palm. Er schuf mit dem GridPad eines der ersten flachen Geräte mit Touchscreen. Hawkins kam auf die Ideen, die User das Gerät über einen Plastikstift bedienen zu lassen. Das Gehäuse war nur 3,5 Zentimeter hoch. Allerdings hielt der Akku nicht lange durch. Mit dem Zoomer wählte Hawkins 1992 nach der Gründung von Palm einen neuen Ansatz: Um die Akkulaufzeit zu verbessern, setzte er statt auf PC-Hardware und Software auf Eigenentwicklungen – und begründete damit 996 die Klasse des Personal Digital Assistant (PDA) – ein kleiner mobiler Helfer samt digitale Adressbuch. Die Geräte wurden von den Palm-Partner Tandy und Casio gebaut.
Heute gilt sein Interesse der Erforschung von Intelligenz, um diese für den Bau intelligenter Maschinen zu nutzen. Dazu gründete er das Redwood Neuroscience Institute, das heute an die University of California in Berkeley angeschlossen ist.
Foto: apDer Wegbereiter: Jack Tramiel
Auf der Consumer Electronics Show vor 30 Jahren schockte Jack Tramiel die junge Computer-Branche: Seine Firma Commodore präsentierte auf der Elektronikmesse den Homecomputer C64, der sich in den kommenden Jahren über 30 Millionen Mal verkaufen sollte - und damit bis heute den Weltrekord des populärsten Personal Computers aller Zeiten hält.
Tramiels größte Leistung war, die Zeichen der Zeit erkannt zu haben: Er war nicht mit Computern aufgewachsen, die von ihm gegründete Firma stellte bis zum Beginn der Computer-Ära Schreibmaschinen her. In den 1950er Jahren reagierte Tramiel auf die damalige Billig-Konkurrenz aus Japan mit dem Einstieg in den Bau von Addiermaschinen, später erkannte er die Massentauglichkeit des Homecomputers, der durch die Erfindung des Mikrochips in den 1970ern ermöglicht wurde.
Tramiels Biografie sticht unter den großen Persönlichkeiten der IT-Branche heraus. Im Gegensatz zu seinen damaligen Konkurrenten wie den Apple-Gründern Steve Jobs und Steve Wozniak war Tramiel kein Kind der kalifornischen Flower-Power-Ära, sondern als Überlebender des nationalsozialistischen Holocausts in die USA gekommen. Tramiel überlebte das Ghetto von Lodz, das Konzentrationslager Auschwitz und als Zwangsarbeiter ein Lager in Hannover-Ahlem, bevor er 1945 von der US-Armee befreit wurde. Nach dem Krieg wanderte Trzmiel in die USA aus. Im April 2012 starb Tramiel im Alter von 83 Jahren.
Der Tüftler: Konrad Zuse
Das Gegenmodell zum erfolgreichen Vermarkter stellte Konrad Zuse da. Als begabter Ingenieur entwickelte er das mechanische Rechenwerk Z1, das ihm lästige Rechenarbeiten abnehmen sollte, die Zuse für sein Bauingenieurstudium bewältigen musste. Der Z1 gilt als Vorläufer für den späteren Z3, dem ersten frei programmierbaren Computer der Welt, den Zuse 1941 gemeinsam mit dem Erfinder Helmut Schreyer baute. Wirtschaftlich erfolgreich waren mit seiner Idee aber andere – vor allem in den USA.
Foto: picture-alliance/ dpa
Vorbilder
Wenn Apple-Gründer Steve Jobs in San Franciscos Moscone-Konferenzzentrum seine Anhänger mit seinen rhetorischen Fähigkeiten verzauberte, saß auch Mayer im Publikum und lauschte begeistert dem Altmeister. Vor allem mit Jobs’ fast zwanghafter Versessenheit auf Details konnte sie sich gut identifizieren. Erst als sich das Verhältnis zwischen Apple und Google merklich abkühlte, wurden ihre Besuche seltener.
Ihre Mitarbeiter nervte Mayer aber dennoch manchmal mit der Frage, wie wohl Steve Jobs entscheiden würde. Mit ihm fühlte sie sich seelenverwandt, weil die von Jobs dirigierten Produkte ähnlich wie die von Google das Leben von Millionen von Menschen beeinflussen. Mayer bewundert Jobs’ Kunst des Weglassens. „Es muss simpel und elegant sein“, begründete Mayer das karge Antlitz der Google-Startseite.
Von Jobs hat sie auch gelernt, wie wichtig die richtige Vermarktung eines Produktes ist. Doch die Magie ihres verstorbenen Meisters vermochte Mayer nie auf die GoogleDienste zu übertragen.
Freunde und Gegner
Die neue Yahoo-Chefin ist nicht nur mit den Google-Gründern Sergey Brin und Larry Page eng verbunden. Mit Page war sie sogar kurzzeitig liiert, die Beziehung galt lange als Tabu. Auch Ex-Google-Chef Eric Schmidt gilt als Förderer Mayers, auch wenn sie mehrmals mit ihm wegen Budgets aneinandergeriet. „Eine wahre Perfektionistin“, gratulierte Schmidt der Ex-Kollegin als einer der Ersten zur Beförderung.
Vorwürfe, dass Online-Unternehmen ihre Nutzer ausspionieren, nimmt Mayer persönlich. Für viele der beanstandeten Dienste wie Google Maps und Street View war sie zuständig. Kritiker wie den Anwalt David Boies, der Google als gefährlichen Monopolisten brandmarken will, versteht sie nicht. Sein Name ist tabu. Doch mit ihm wird sie künftig aneinanderrasseln, denn um Yahoo zu retten, muss sie Informationen über die Nutzer sammeln.
Ziele und Visionen
Mayer hat die Chance, eine Ikone des Silicon Valley zu retten. In der Internet-Branche ist sie bestens vernetzt, die Strategie des großen Yahoo-Konkurrenten Google kennt sie bis ins Kleinste, ebenso den Zukunftsmarkt im Internet: die lokale Online-Werbung. Ein harter Brocken wird für sie Microsoft.
Der Softwarekonzern betreibt die Yahoo-Suchmaschine, Yahoo erhält davon garantierte Zahlungen, verliert aber Marktanteil an Microsofts Suchmaschine Bing. Das muss Mayer stoppen, möglicherweise über eine stärkere Allianz mit Google. Yahoo ist so angeschlagen, dass jeder kleine Fortschritt als Erfolg gilt. Dass Mayer Google-Aktien besitzt, spielt keine Rolle. Im Silicon Valley ist dies bei Personalrochaden an der Tagesordnung.