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ManagementWenn die Chefin schwanger ist

Der Wirbel um die Schwangerschaft von Yahoo-CEO Marissa Mayer zeigt: Schwangere Topmanagerinnen sind selten. Auch in der mittleren Führungsebene sind Kinder in manchen Unternehmen ein Karriere-Hindernis.Ferdinand Knauß 17.07.2012 - 15:13 Uhr

Platz 28: Deutschland

Mit gerade einmal 20 Prozent Frauenanteil in Führungspositionen bildet Deutschland fast das Schlusslicht.

Einen geringeren Frauenanteil haben mit 19 Prozent nur die Niederlande.

Foto: dpa

Platz 26: Italien

Nicht wesentlich höher liegt der Frauenanteil mit 22 Prozent in Italien.

Foto: dpa

Platz 23: Schweiz

In den 130 untersuchten Schweizer Unternehmen lag der Anteil an weiblichen Führungskräften bei 25 Prozent.

Nur unwesentlich höher...

Foto: AP

Platz 22: Türkei

...fällt mit 26 Prozent der Frauenanteil in der Türkei aus.

Foto: dpa

Platz 16: Frankreich

Frankreich und Spanien liegen mit einem Frauenanteil von 28 Prozent in Führungspositionen gleichauf.

Foto: WirtschaftsWoche

Platz 14: Schweden

Erwartungsgemäß liegt Schweden auf einem der höheren Plätze des Rankings. 28 Prozent der Führungspositionen sind hier von Frauen besetzt.

Foto: AP

Platz 10: Griechenland

Griechenland und Irland belegen von allen westeuropäischen Ländern die höchsten Plätze. Ganze 33 Prozent der Managementpositionen sind hier von weiblichen Führungskräften besetzt.

Foto: dpa

Platz 8: Rumänien

Mit 34 Prozent Frauenanteil ist in Rumänien jede dritte Führungsposition von einer Frau besetzt.

Noch höhere Plätze belegen allerdings die anderen ehemaligen Ostblock-Staaten...

Foto: dpa

Platz 3: Russland

Mit 40 Prozent Frauenanteil an Führungspositionen belegt Russland den dritten Platz des Rankings.

Ähnlich hoch ist mit 37 Prozent der Anteil in Kasachstan.

Die hohen Platzierungen der ehemaligen Ostblock-Staaten lassen sich durch die Sowjet-Zeiten erklären, in denen die Frauen ermutigt wurden, gleichgestellte Rollen in Wirtschaft und Politik einzunehmen.

Foto: Reuters

Platz 1: Litauen

Spitzenreiter des Rankings ist mit einem Frauenanteil in Führungspositionen von 44 Prozent Litauen.

Foto: Reuters

Daniela Weber-Rey kann sich vermutlich recht gut vorstellen, was Marissa Mayer, der frisch gekürten und schwangeren Yahoo-Chefin bevorsteht.  Als sie vor etwa 24 Jahren ihren zweiten Sohn Vincent zur Welt gebracht hatte, telefonierte die damals 30-Jährige schon wenige Stunden später wieder mit Geschäftspartnern und Mandanten in New York.

Weber-Rey hat gezeigt, dass Frauen durchaus Mutterschaft und Top-Karriere miteinander vereinbaren können.  "Geburten haben mich zum Glück nie belastet", sagt die heute 53-jährige Top-Juristin und dreifache Mutter. Sie ist nicht nur Partnerin in der Kanzlei Clifford Chance, sondern sitzt seit einigen Jahren auch im Verwaltungsrat der französischen Großbank BNP Paribas, berät die EU-Kommission in Sachen Unternehmensführung und ist seit 2008 als einzige Frau Mitglied der Regierungskommission Deutscher Corporate Governance Kodex.  

Marissa Mayer
Marissa Mayer ist ein Google-Urgestein, beim Suchmaschinenkonzern war sie Mitarbeiterin Nummer 20. Zuletzt arbeitete die Google-Vorzeigefrau als Produktchefin. Mit dem Wechsel an die Spitze von Yahoo steigt die Ex-Freundin von Google-Gründer Larry Page endgültig in die Spitze der US-IT-Managerinnen vor. Denn eine ganze Reihe von Spitzenpositionen bekleiden Frauen…

Foto: REUTERS

Margaret Whitman
Meg Whitman ist so etwas wie die Grande Dame des Silicon Valley. Ihren Ruhm und Reichtum begründete Whitman, die eigentlich Ärztin werden wollte, mit Ebay. Sie machte aus dem Startup mit gerade mal 30 Mitarbeitern ein global operierendes Online-Auktions- und dann ein Handelshaus mit 15.000 Angestellten und 8,5 Milliarden Dollar Umsatz. Über zehn Jahre lenkte sie Ebay und trat im März 2008 etwas amtsmüde als Vorstandschefin zurück.
Die langjährige Chefin des Internet-Handelskonzerns Ebay löste Ende September 2011 überraschend den glücklosen Vorgänger Léo Apotheker an der Spitze des weltgrößten IT-Konzerns ab.

Foto: dapd

Virginia Rometty
Die seit 30 Jahren in den Diensten von IBM stehende Managerin hat Anfang Januar 2012 das Steuer vom langjährigen IBM-Boss Sam Palmisano (links) übernommen. Die Informatikerin und Ingenieurin, die 1981 bei IBM anheuerte muss den von Plamisano verkündeten "Strategieplan 2015" fortsetzen.

Foto: Reuters

Sheryl Sandberg
Chefin ist sie zwar (noch) nicht, doch kaum eine Frau im Valley ist so mächtig, wie Sheryl Sandberg. Die frühere Google-Managerin war 2008 zu Facebook gekommen und hat Zuckerberg seitdem in geschäftlichen Dingen den Rücken freigehalten, so dass er sich ganz auf die Weiterentwicklung des Netzwerks konzentrieren konnte. Sandberg sorgt in ihrer Rolle dafür, dass das Geld hereinkommt, kümmert sich um die Außendarstellung, um die Personalführung und vieles andere. Auch beim Börsengang fiel Sandberg als Architektin des geschäftlichen Erfolgs eine wichtige Rolle zu: Sie versuchte zusammen mit Zuckerberg, Investoren zum Kauf von Aktien zu bewegen.
Die Nummer zwei bei Facebook hat im Juni ihre Macht im Sozialen Netzwerk ausgebaut. Die fürs Tagesgeschäft zuständige Managerin und rechte Hand von Firmenchef Mark Zuckerberg ist nun auch in den wichtigen Verwaltungsrat eingezogen. Dies ist das höchste Firmengremium - und das war bislang rein männlich besetzt.

Foto: REUTERS

Carol Bartz
Doch einige Frauen sind auch schon wieder gescheitert. Zwischen 2009 und 2011 sollte Carol Bartz den Umschwung bei Yahoo schaffen. „Diese Leute haben mich verarscht“, schimpfte Carol Bartz, als sie ihren Posten als Yahoo-Chefin wieder verlor. Als Verwaltungsratschef Roy Bostock ihr am Telefon das von Anwälten formulierte Kündigungsschreiben diktierte schleuderte sie ihm entgegen: „Warum hast Du nicht die Eier, es mir selbst zu sagen?“
Im Januar 2009 war die langjährige Chefin des Softwarehauses Autodesk zu Yahoo geholt worden, um endlich wieder Schwung in die Internet-Ikone zu bringen. Bartz fand ein zerrüttetes Unternehmen vor, ohne klare Management-Zuständigkeiten, Intrigen und kleinen Königtümern. Sie brachte wieder klare Strukturen ins Unternehmen, stellte verlustträchtige Projekte ein und kürzte die Kosten. Eine umstrittene Suchmaschinen-Allianz mit Microsoft sparte zwar Kosten. Doch damit gab Yahoo eigene Expertise ab

Foto: REUTERS

Carly Fiorina
Fiorina war lange Chefin von Hewlett-Packard, sie leitete HP von 1999 bis 2005 und war dort unter anderem für die Fusion mit Compaq verantwortlich. 2010 kandidierte sie als Senatorin für Kalifornien, verlor aber die Wahl gegen die Demokratin Barbara Boxer.

Foto: AP

Schwangere Topmanagerinnen oder Vorstandsvorsitzende sind ebenso selten wie schwangere Ministerinnen. Das liegt sicher nicht in erster Linie an Diskriminierung, sondern wohl vor allem daran, dass Frauen selten noch im gebärfähigen Alter sind, wenn sie die höchsten Positionen erreichen. Viel häufiger und weniger aufsehenerregend sind naturgemäß Frauen, die gerade die ersten Stufen auf der Karriereleiter erklimmen – und dafür auf Kinder nicht verzichten wollen. Und gerade in Deutschland scheinen die Hürden für karrierewillige Mütter besonders hoch zu liegen.

Evelyne Freitag, 45, ist als Mitglied der Geschäftsführung bei Goodyear Dunlop, verantwortlich für die Bereiche Finanzen, Einkauf, IT und Prozessmanagement in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Freitag ist verheiratet und Mutter von zwei Kindern. „Als ich vor neun Jahren mit meinem zweiten Kind schwanger war, war ich bei einem US-Konzern als Vice President für Finanzen zuständig. Ich habe meinem amerikanischen Vorgesetzten gesagt, dass ich nach der Geburt acht Wochen von zu Hause arbeite. Er war nicht überrascht und sagte: Okay, bis bald." In Deutschland dagegen habe man ihr zu verstehen gegeben, dass eine Führungsposition mit Kind nicht gehe. Davon ließ sie sich aber nicht beeindrucken.

"Unternehmen, die Frau im Topmanagement sehen wollen, müssen auch ein entspanntes Verhältnis zu Schwangerschaften und Kindern haben", sagt Christine Stimpel, Geschäftsführerin der Personalberatung Heidrick&Struggles in Deutschland. Sie habe bisher auch stets die Erfahrung gemacht, dass Frauen, die für solche Positionen in Frage kommen, ihre Familien ebenso gut managen wie alles andere in ihrem Leben. Nicht zuletzt auch deshalb, weil sie das nötige Geld hätten, ihre Kinder betreuen zu lassen.

1.  Frauen lassen sich von Stellenanzeigen einschüchtern

Keine Frage, Bewerber sollten Stellenanzeigen sorgfältig durchlesen. Aber zu viel Sorgfalt schadet eher. Ein Problem, das vor allem Frauen betrifft. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie der Online-Stellenbörse Jobware. 151 Männer und 79 Frauen lasen darin 150 Stellenanzeigen. Währenddessen wurden ihre Augenbewegungen aufgezeichnet, hinterher bewerteten die Studienleiter ihre Aussagen. Das Ergebnis: Frauen klickten im Schnitt nicht nur auf mehr Jobprofile, die sie auch länger durchlasen. Mehr noch: Sie ließen sich wesentlich stärker von vermeintlich männlichen Stellentiteln und Qualifikationen beeindrucken – und wollten sich gar nicht erst bewerben. Ein Indiz dafür, dass sich Frauen von manchen Anforderungen immer noch zu stark beeindrucken lassen. Ein Problem, das schon früh beginnt...

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2. Schon Mädchen scheuen Wettbewerb

Matthias Sutter und Daniela Rützler von der Universität Innsbruck untersuchten in einer Studie das Verhalten von mehr als 1000 Kindern im Alter zwischen 3 und 18 Jahren. Sie sollten verschiedene Tests lösen, etwa Wettläufe oder Matheaufgaben. Als Belohnung erhielten sie kleine Geldbeträge. Im Verlauf des Spiels konnten die Kinder dann gegen Gleichaltrige antreten und dabei mehr verdienen. Bei den Jungen entschieden sich 40 Prozent für den Wettkampf unter Gleichaltrigen. Von den Mädchen wollten das nur 19 Prozent wagen.

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3. Frauen unterschätzen ihre Leistung

Ernesto Reuben von der Columbia Business School gewann für sein Experiment (.pdf) 134 Studenten. Alle hatten zwei Jahre zuvor verschiedene Aufgaben absolviert, jetzt sollten sie ihre damalige Leistung bewerten. Das Ergebnis: Die Männer überschätzen ihre tatsächliche Leistung um rund 30 Prozent überschätzt, die Frauen hingegen um weniger als 15 Prozent. Im zweiten Schritt teilte Reuben die Teilnehmer in Gruppen. Sie sollten einen Vertreter wählen, der für die Gruppe Geld gewinnen konnte. Das Ergebnis: Weil sie zu ehrlich waren, schafften es weibliche Teilnehmer drei Mal seltener als Männer, die Rolle des Anführers zu übernehmen.

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4. Frauen lassen sich von Klischees beeinflussen

Marina Pavlova vom Universitätsklinikum Tübingen reichte für ihre Studie im Jahr 2010 83 Medizinstudenten den Abschnitt eines Intelligenztests. Dabei sollten sie eine Reihe von Bildern in die richtige Reihenfolge zu bringen. Doch vorab gaukelte Pavlova der einen Hälfte der Teilnehmer vor, dass Frauen bei dieser Aufgabe generell besser abschneiden. Die andere Hälfte erfuhr, dass Männer darin bessere Ergebnisse erzielen. Ergebnis: Die Frauen ließen sich von negativen Aussagen viel stärker beeinflussen als Männer. Deren Leistung litt kaum unter der Vorab-Information.

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5. Frauen sind schneller zufrieden

Der Soziologe Stefan Liebig von der Universität Bielefeld analysierte für seine Studie (.pdf) Daten des Sozio-oekonomischen Panels. In dieser Langzeitstudie machen 10.000 Deutsche regelmäßig Angaben zu Ihrem Beruf und Privatleben. Liebig wollte wissen, ob sie ihr aktuelles Einkommen als gerecht empfanden - und falls nein, welches Nettogehalt angemessen wäre. Wenig überraschend: Etwa jeder dritte Befragte fand sein Einkommen ungerecht. Doch das Einkommen, das Frauen als gerecht empfanden, lag noch unter dem tatsächlichen Gehalt von Männern. Egal ob Akademikerin oder Reinigungskräfte: Frauen hatten finanzielle geringere Ansprüche.

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6. Frauen scheuen Jobs mit Wettbewerb

Andreas Leibbrandt und John List schalten für ihre Untersuchung Stellenanzeigen in neun US-Städten – in zwei verschiedenen Versionen. Die eine Ausschreibung suggerierte, dass das Gehalt nicht verhandelbar sei. Die andere behauptete, dass das Gehalt Verhandlungssache sei. Fazit: Bei letzterer Stelle bewarben sich wesentlich mehr Männer. Offenbar meiden viele Frauen Jobs mit starkem Konkurrenzdenken.

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7. Frauen drängen zu wenig auf eine Beförderung

Zu diesem Ergebnis kam vor einigen Jahren Karen Lyness, Organisationspsychologin am Baruch College in New York. Sie beobachtete für eine Langzeitstudie knapp 450 Führungskräfte eines US-Finanzkonzerns. Zwei Jahre lang wertete sie aus, welche Bewertungen die Manager und Managerinnen von ihren Vorgesetzten erhalten hatten – und welchen Einfluss dieses schriftliche Urteil auf die Beförderungen hatte. Lyness stieß dabei auf eine kuriose Diskrepanz: Frauen, die aufgestiegen waren, hatten zuvor wesentlich höhere Bewertungen bekommen als beförderte Kollegen. Mit anderen Worten: Sie mussten mehr leisten als Männer, um in der Karriereleiter eine Stufe nach oben zu klettern. Offenbar drängten sie zu wenig auf eine Beförderung – und warteten zu lange ab, bis sie endlich entdeckt werden.

Foto: dpa

8. Frauen gönnen sich keinen Erfolg

Zweifel sind richtig und wichtig – zumindest in geringer Dosis. Doch manche Wissenschaftler gehen davon aus, dass ambitionierte Frauen es damit übertreiben. Sie tendieren dazu, die Gründe für Misserfolge eher bei sich selbst zu suchen, während sie Erfolge anderen zubilligen. Die beiden Psychologinnen Pauline Rose Clance und Suzanne Imes bezeichneten das in einer Studie (.pdf) als Impostor-Syndrom, vom englischen Wort für „Betrüger“. Die Betroffenen streben zwar nach Perfektion, setzen sich jedoch zu hohe Ziele. Schlimmer noch: Sie bilden sich ein, nicht kompetent genug zu sein – und leben in ständiger Angst vor Enttarnung.

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9. Frauen leiden unter Klischees

Die Personalberatung Intersearch Executive Consultants wollte für eine Umfrage im April 2013 von 1.000 Deutschen wissen, welche Eigenschaften sie Top-Managern üblicherweise zubilligten. Die Antworten waren davon abhängig, ob die Befragten einen Mann oder eine Frau beschrieben. Manager empfanden sie als machtbewusst, durchsetzungsstark und selbstbewusst. Managerinnen hingegen galten vor allem als kommunikativ, diplomatisch und sensibel. „Klischees über Rollenbilder am Arbeitsplatz sind weit verbreitet“ sagte Intersearch-Manager Thomas Bockholdt. Wenn Führungspositionen besetzt werden, komme vermeintlich weiblichen und männlichen Eigenschaften große Bedeutung zu, „zumindest unbewusst oder versteckt hinter vorgeschobenen Gründen“.

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10. Frauen streben seltener nach Führungspositionen

Ein Team von Organisationspsychologen um Jörg Felfe von der Helmut-Schmidt-Universität in Hamburg untersuchte für eine Langzeitstudie (.pdf) „Führungsmotivation im Geschlechtervergleich“. Kurios: Zwar hatten die Frauen häufig wesentlich mehr Potenzial als die Männer. Doch das hieß noch lange nicht, dass sie nach einer steilen Karriere strebten. Ganz im Gegenteil: Laut Felfe haben sie haben mehr Bedenken als Männer, in einer Führungsposition zu versagen und befürchten, Arbeit und Familien nicht vereinbaren zu können. Deshalb fahren sie „auf der Karriereautobahn mit angezogener Handbremse“.

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11. Frauen kommunizieren Ihre Schwächen, nicht ihre Stärken

Frauen kommunizieren anders als Männer. Nämlich sprechen sie rund 20-mal häufiger über ihre vermeintlichen Unzulänglichkeiten als über ihre Stärken und Erfolge, wie Studien zeigen. So verkaufen sie sich unter Wert. Denn im Berufsleben ist "ich kann das nicht" keine Botschaft, die einen weiter bringt.

Foto: Fotolia

Nicht immer gehen die betroffenen Managerinnen und ihre Unternehmen mit der Schwangerschaft so offen und positiv um, wie das Marissa Mayer und Yahoo zumindest nach außen tun. Der Frankfurter Personalberater Heiner Thorborg weiß von einer jungen Anwältin zu berichten, die schon als Partnerin in ihrer Kanzlei fest vorgesehen war und dann von der Liste flog, als bekannt wurde, dass sie schwanger ist. „Ihr direkter Vorgesetzter hat eine Frau mit drei Kindern, die nicht arbeitet.“ Er konnte sich offensichtlich nicht vorstellen, dass eine junge Mutter der anstrengenden und verantwortungsvollen Führungsaufgabe gewachsen ist. So etwas werde natürlich nie laut ausgesprochen, sagt Thorborg. Er empfiehlt Frauen, sofort Bewerbungsgespräche abzubrechen, wenn Sie nach ihren Kinderwünschen befragt werden. Schließlich sei das auch mit gutem Grund verboten: „Kinder zu kriegen, ist eine persönliche Entscheidung, die keinen Arbeitgeber etwas angeht.“ Stimpel ist der gleichen Ansicht: "Das Privatleben ist kein Qualifikationsfaktor."

Das sieht manch einer allerdings anders, wenn es um Topmanagerinnen geht. Als 2009 Jasmin Staiblin, die Chefin der Schweizer Tochter des Konzerns  ABB, schwanger war, machten sie selbst und ABB daraus so lange ein Geheimnis, bis es nicht mehr zu verheimlichen war. Erst im neunten Monat informierte die Managerin mit einer ganz knappen Nachricht im firmeneigenen Intranet die Belegschaft. Nach vier Monaten kehrte sie auf ihren Posten zurück. Presseanfragen zu ihrer Schwangerschaft lehnte sie ab.

Bei einigen Schweizer Journalisten löste diese Nicht-Informationspolitik Kritik aus. „Hilfe, die Chefin ist schwanger!“, schrieb die Sonntagszeitung. Schließlich hätten Anteilseigner, Gläubiger und vor allem Mitarbeiter ein legitimes Interesse daran, wie die Chefin gedenkt, die Arbeitsbelastungen mit der Mutterschaft in Einklang zu bringen.

Jasmin Staiblin jedenfalls machte auch als Mutter bei ABB eine gute Figur. Sie wird, wie vor wenigen Wochen bekannt wurde, im kommenden Jahr Vorstandschefin des Schweizer Energiekonzerns Alpiq.

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