G8-Abitur: Wie die Schulen für gute Noten sorgen
Fast alle Bundesländer haben die Abiturprüfung nach 12 statt wie bisher 13 Jahren eingeführt
Foto: dpaAuf den ersten Blick erscheint die Reduzierung der Gymnasialzeit um ein Jahr - G8 statt G9 - eher nebensächlich. Einige neue Bundesländer und fast alle Staaten um uns herum und in der Welt lassen die Schulzeit nach insgesamt zwölf Jahren enden. Nur wir Deutschen haben bisher mehrheitlich an dreizehn Jahren festgehalten.
Was steht bei der so marginal scheinenden Kürzung der Schulzeit um ein Jahr auf dem Spiel?
Es gilt die Vereinbarung der Kultusminister, dass die Schüler nach acht Jahren auf dem gleichen Leistungsstand sein sollen wie nach neun Jahren. Was bis vor wenigen Jahren nur hochbegabten „Turbo“-Abiturienten vorbehalten war, nämlich das Ablegen des Abiturs nach acht Jahren, gilt nun für alle. Hatten die ehemaligen „Turbo“-Schüler seinerzeit den elften Jahrgang übersprungen, so müssen heute sämtliche Schüler die Stunden des entfallenen Jahres in den zuvor unterrichtsfreien Nachmittagen ihres gymnasialen Schülerlebens ableisten, verteilt auf die verbleibenden acht Jahre.
Eltern, Lehrern und Schulbehörde entgeht der Stress nicht, der durch die Neuerung entstanden ist, doch da eine Rücknahme der Reform für die Hardliner nicht in Frage kommt, greifen sie auf Praktiken zurück, die jedem kritischen Betrachter die Haare zu Berge stehen lassen.
Fetischisierung der Noten
Wie weiland in der DDR werden diejenigen Kollegen von Schulleitung und Schulbehörde hofiert, die „gute“ Ergebnisse liefern, sprich: gute Noten produzieren. Welche tatsächlichen Leistungen die Noten spiegeln, wird nicht hinterfragt. Befeuert wird die Fetischisierung der Noten durch landesinterne Rankings der Schulen und die demographisch bedingte Abnahme der Schülerzahlen, welche die Schulen in schärfere Konkurrenz gegeneinander stellt. Kein Schulleiter, der in seiner Schule einen guten Schnitt erreicht hat, wird daher versäumen, dies stolz bei den Abiturfeierlichkeiten zu verkünden! Und natürlich hat er vorher darauf hingewirkt, dass seine Lehrer die guten Noten auch liefern! Die sogenannte „eigenverantwortliche“ Schule, die Schulleitern neuerdings Einfluss auf Einstellung und Beförderung von Lehrern gibt, verleiht seinem Wirken den nötigen Nachdruck. Wenn dann später bei Einstufungstests an der Uni im Fach Englisch 800 von 1.200 Abiturienten durchfallen, ist das nicht mehr sein Bier.
Wie erreicht ein Lehrer gute Notenschnitte? Nun, er greift, etwa in den Fremdsprachen, grundsätzlich nicht unterstützend und korrigierend in die Äußerungen der Schüler im Unterricht ein, sondern er lässt sie reden, selbst wenn sie elementare Fehler aneinander reihen. Bewertet wird dann primär die Länge der gemachten Äußerung. Nur noch nachrangig geht es um grammatische Korrektheit, logische Konsistenz und differenzierten Ausdruck, sondern vorrangig um sogenannte „Kommunikationskompetenz“. Das bedeutet die Fähigkeit, möglichst lange am Stück zu reden. Ein Schüler weiß grundlegende Vokabeln zu einem Thema nicht? Macht nichts, der Lehrer „gibt sie herein“, bevor eine Unterrichtseinheit beginnt. Der Schüler muss nicht wissen, es genügt, dass er „kompetent“ ist, also selbstbewusst ohne Pause am Stück reden kann. Aus dem passiven Lehrerverhalten folgt, dass zahlreiche so unterrichtete Schüler in den Fremdsprachen nicht mehr über den Grundwortschatz verfügen, dass sie die Formen der wichtigsten unregelmäßigen Verben nicht mehr beherrschen, dass sie nicht mehr wissen, was es heißt, selbstkritisch an Stringenz und Stil ihrer Äußerungen zu feilen. Ein älterer Kollege brachte es einmal sarkastisch auf den Punkt, als er aus einer unerquicklichen Englischstunde ins Lehrerzimmer zurückkehrte: „Die Schüler sollen heute zwar alles können, aber sie brauchen nichts mehr zu wissen. Leider können sie dann auch nichts mehr.“
Platz zehn: Bremen
In Bremen wie auch in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein kommen auf jeden Lehrer der Sekundarstufe II, also der gymnasialen Oberstufe, 15 Schüler. Der Bundesdurchschnitt liegt etwas darunter, nämlich bei 14,9 Gymnasiasten pro Lehrer. In puncto Ausbildungsplätze landet Bremen auf Platz elf: 101,4 Ausbildungsstellen kommen dort auf 100 Suchende. In Schleswig-Holstein sieht es für Schulabgänger schon schlechter aus: Auf 100 Jugendliche, die eine Lehre suchen, kommen 99,7 Ausbildungsstellen. Im Ländervergleich kommen die Nordlichter so nur auf Platz 14. Baden-Württemberg räumt dagegen ab: Für 105,4 Ausbildungsplätze pro 100 Lehrlinge gibt es Platz drei im Ranking.
Foto: dapdPlatz neun: Bayern
In Bayern sind die Schulklassen in der Oberstufe nur geringfügig kleiner als im Bundesdurchschnitt: Statt 14,9 kommen hier nur 14,8 Schüler auf einen Lehrer. Dafür erreicht das Bundesland im Süden Deutschland den zweiten Platz was die Dichte der Ausbildungsstellen anbelangt: Auf 100 Azubis kommen in Bayern 107,3 offene Lehrstellen.
Foto: dpaPlatz acht: Saarland
Im Saarland kommen auf einen Lehrer der gymnasialen Oberstufe 14,5 Schüler; zudem ist die Zahl derer, die die Schule ohne gültigen Abschluss verlassen, zwischen 2008 und 2010 um 1,1 Prozent zurückgegangen. Auch bezüglich der Ausbildungsplätze sieht es im Saarland gut aus: 103,3 Lehrstellen kommen auf 100 Auszubildende. Das gibt Platz sechs im Bundesländerranking.
Foto: dpa/dpawebPlatz sieben: Hamburg
In der Hansestadt muss sich ein Lehrer in der gymnasialen Oberstufe um durchschnittlich 14,4 Schüler kümmern. Die Klassengröße ist somit in Ordnung, dafür ist es mit den Lehrstellen nicht weit her. 100 Azubis müssen sich auf 98,4 Ausbildungsplätze verteilen. Dafür ist auch in Hamburg die Zahl der Schulabbrecher rückläufig: um 2,3 Prozentpunkte ging die Zahl derer, die die Schule ohne Abschluss verlassen, zurück. Deutschlandweit ist das die größte positive Dynamik und beschert Hamburg in diesem Punkt den ersten Platz.
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Platz sechs: Berlin
Auch in Berlin verließen im Jahr 2010 weniger Schüler ohne Hauptschulabschluss die Schule als noch 2008. Mit einer Veränderung von -0,4 Prozentpunkten reicht es hier allerdings nur für Platz zwölf. Was die Klassengröße anbelangt, schafft es die Bundeshauptstadt dagegen auf Platz sechs: Auf jeden Oberstufenlehrer kommen nur 13,4 Schüler. Die sich allerdings nach dem Abitur - so sie nicht studieren - um Ausbildungsplätze prügeln müssen. 100 Azubis müssen sich nämlich auf 95,6 Lehrstellen verteilen. Im bundesweiten Vergleich ist das das schlechteste Ergebnis.
Foto: dpaPlatz fünf: Brandenburg
Im Nachbarland Brandenburg sind die Klassen in der Oberstufe im Schnitt noch etwas kleiner als in Berlin. Dort kommen auf einen Lehrer nur 12,9 Schüler. Rein rechnerisch sollte auch jeder dieser Schüler eine Lehrstelle finden können: In Brandenburg kommen 100 Azubis auf 101,4 Lehrstellen. Außerdem ging die Zahl der Schulabbrecher von 2008 bis 2010 um 1,4 Prozentpunkte zurück.
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Platz vier: Mecklenburg-Vorpommern
Mecklenburg-Vorpommern hat es nicht ganz aufs Treppchen geschafft und ist in puncto Klassengröße auf dem vierten Platz gelandet. Schüler der gymnasialen Oberstufe lernen dort in verhältnismäßig kleinen Klassen von 12,8 Schülern pro Lehrer. Was die Ausbildungsplatzdichte anbelangt ist das Bundesland deutschlandweit führend. Auf 100 Bewerber kommen im Schnitt 111,1 offene Stellen.
Foto: dpa/dpawebPlatz drei: Sachsen
In Sachsen kommen auf einen Lehrer in der Oberstufe durchschnittlich nur 11,8 Schüler. Im Bundesländerranking gibt das Platz drei. Dafür gab es in dem östlichen Bundesland eine unschöne Entwicklung bei der Zahl der Schulabgänger ohne Abschluss. Im Jahr 2010 verließen 1,2 Prozent mehr Schüler die Schule ohne entsprechende Qualifikation, als es noch 2008 der Fall war. Das beschert Sachsen einen eher traurigen 13. Platz. Dafür haben sächsische Jugendliche gute Chancen auf einen Ausbildungsplatz: Auf 100 Suchende kommen 103,8 Stellen.
Foto: dpaPlatz zwei: Sachsen-Anhalt
Die Silbermedaille für gute Lernbedingungen bekommt Sachsen-Anhalt: Dort unterrichtet ein Oberstufenlehrer im Schnitt 11,5 Schüler. Was das Lehrstellenangebot anbelangt, rangiert das Land im Mittelfeld und belegt mit 102,8 Lehrstellen auf 100 Suchende den achten Platz. Dafür ist leider die Zahl der Schulabbrecher gestiegen. Binnen zwei Jahren erhöhte sich die Quote um 1,4 Prozentpunkte.
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Platz eins: Thüringen
Das beste deutsche Bundesland für Schüler ist Thüringen: Dort lernen Gymnasiasten im kleinsten Klassenverband der Republik. Auf einen Lehrer kommen nur 11,1 Schüler. Auch bei den Ausbildungsplätzen steht Thüringen gut da: Für 105,2 Lehrstellen auf 100 Azubis gibt es im Vergleich den vierten Platz.
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Bloß nicht mit den Fingern rechnen
Wenn kleine Kinder anfangen zu rechnen, tun sie das in der Regel mit ihren Fingern: Sie zählen ab, wie viel "vier plus eins" ergibt. Was man ihnen in der Schule ganz schnell wieder abtrainiert. Denn spätestens beim Einmaleins helfen die zehn Finger ja auch nicht mehr weiter. Mathe ist eben abstrakt. Ganz falsch, sagt Jo Boaler. Sie ist Professorin für Mathedidaktik an der Stanford University und kann belegen: Um Mathematik zu lernen, müssen Menschen Zahlen visualisieren. Das geht beispielsweise mit einem Rechenschieber, einem Abakus - oder mit den Fingern. Wer Kindern also verbietet, mit den Fingern zu rechnen, macht es ihnen unnötig schwer und behindert sie in der Entwicklung ihrer mathematische Fähigkeiten.
Foto: FotoliaEntweder kann man Mathe oder Sprachen
Mathe ist für viele Schüler ein Hass- beziehungsweise Angstfach. Oftmals werden sie damit getröstet, dass ihnen eben Sprachen und Geisteswissenschaften mehr liegen, als dröge Zahlenreihen. Dabei können auch sprachbegabte Teenager Mathe verstehen, wenn man sie richtig motiviert.
Dazu gehört, den Sinn dessen zu erklären, was vermittelt wird. Während in der Grundschulmathematik noch völlig klar ist, wozu das Einmaleins gut ist, sieht es bei Algebra, Stochastik und Analysis schon anders aus. Wer sich aber sagt: "Wozu soll das denn gut sein, das brauche ich doch nie im Leben" tut sich mit dem Lernen schwer. Wissenschaftler der Universität Tübingen haben bewiesen: Gymnasiasten, die sich mit dem Nutzen der Mathematik im alltäglichen Leben beschäftigt haben, schnitten bei Tests besser ab und waren motivierter als Schüler, die bloß stur Formeln pauken. Wer aus einem Mathemuffel also einen Zahlenfan machen will, muss ihn überzeugen, dass Mathe nicht nur in wenigen MINT-Studiengängen nützlich ist.
Ist ein Handy-Verbot sinnvoll?
Eine aktuelle Studie zweier Ökonomen der London School of Economics kommt zu dem Schluss, dass Schüler besser lernen, wenn Smartphones aus den Schulen verbannt werden. Der Leistungsanstieg entspräche fünf zusätzlichen Schultagen im Jahr. Bei den schwächeren Schülern sei der Effekt sogar doppelt so stark. Die britischen Forscher hatten die Leistungen von 16-jährigen Schülern an vier britischen Schulen vor und nach dem Handyverbot verglichen.
Doch Einigkeit herrscht bei dem Thema nicht. So bietet etwa das Bildungsportal des Landes Nordrhein-Westfalen Materialien und Regeln für die Nutzung des Smartphones im Unterricht. Dass das sinnvoll ist, haben im vergangenen Jahr Forscher der Universität Duisburg-Essen in einer Studie mit 100 Mittelstufenschülern herausgefunden. Sie untersuchten, inwieweit sich Smartphones und Tablets sinnvoll in den Unterricht einbinden lassen. „Im Projektverlauf hat sich die Nutzung immer dann als besonders hilfreich erwiesen, wenn sie der individuellen Förderung dient und Medien als Lernwerkzeuge selbstgesteuert von Lernenden genutzt werden können“, heißt es darin. Zudem könne so sichergestellt werden, dass die Schüler einen „sicheren, kritischen und reflektierten Umgang mit dem Internet“ lernen. Smartphones im Unterricht können also durchaus sinnvoll sein – wenn sie richtig eingesetzt werden.
Foto: dpaFehler helfen beim Lernen
Wer sich beim Lernen häufig verhaspelt und die Lösung raten muss, lernt trotzdem was. Eine kanadische Studie hat gezeigt, dass die Gedächtnisleistung sogar von den Fehlern profitiert. Dies gilt allerdings nur, wenn die Raterei nicht völlig ins Kraut schießt, sondern nur knapp an der richtigen Lösung vorbei ist. Wer häufig fast richtige Vermutungen anstellt, dem helfen diese wie kleine Brücken beim Erinnern an die korrekte Information. Diesen Vorteil konnten die Forscher sowohl bei jüngeren als auch bei älteren Probanden feststellen. Wer sich selbst herantastet, profitiert davon also mehr, als wenn ihm die richtige Antwort vorgesagt wird.
Foto: FotoliaTexte wiederholt zu lesen, heißt viel zu lernen
Wer Texte häufiger liest, um sie auswendig zu lernen, der hat schon recht mit seiner Methode: Damit kann er sich die Texte wirklich besser merken. So hat es schon in Kinderzeiten mit dem Gedicht für Nikolaus oder Weihnachtsmann funktioniert. Aber übrigens auch nur, wenn man es vorher laut vor sich aufgesagt hat.
Allerdings bedeutet das wiederum nicht, dass man wirklich gelernt - also verstanden - hat. Auswendiglernen ist nicht gleich verstehen. Deshalb sollte man den Text versuchen etwa in anderen Worten zu erklären. Das hilft wirklich.
Foto: dpaGelerntes erzählen hilft, es sich zu merken
Wer etwas liest und es anschließend anderen erzählt oder mit jemandem bespricht, kann sich Sachverhalte und Zusammenhänge besser merken. Das stimmt. Wenn wir mit anderen sprechen, senden und empfangen wir Emotionen. Diese senden verstärkt Signale an unser Gehirn, wodurch wir uns das Besprochene besser merken können. Deshalb ist gemeinsam lernen auch häufig effektiver, als alleine zu pauken.
Foto: APHochbegabte sind Lernüberflieger
Wer einen ungewöhnlich hohen IQ hat, ist in der Schule noch lange kein Überflieger. Weil viele Hochbegabte in der Schule unterfordert sind, markieren sie den Klassenclown und bekommen entsprechend schlechte Noten.
Foto: FotoliaSport steigert die Konzentration
Die Meinungen der Wissenschaftler gehen auseinander: Hirnforscher sind sich sicher, dass das Gehirn vom Sport profitiert, da es dann mit mehr Blut und somit mehr Sauerstoff versorgt wird. Das kann eine neue Verknüpfung von Nervenzellen fördern, die den Kopf dadurch lernfähiger machen können. Das würde bedeuten, dass Sportler geistig fitter sind als Sportmuffel. Einen wirklichen Beweis dafür gibt es aber nicht - aussagekräftige Studien fehlen.
Lernforscher sagen deshalb, dass Sport und gesteigerter Denkleistung kein direkter Zusammenhang bestünde. Aber auch sie stimmen zu, dass Sport Stress und Aggressionen abbauen und damit auch zum Beispiel Denkblockaden aus der Welt schaffen kann - quasi "den Kopf frei machen". Somit ist Sport durchaus hilfreich beim Lernen, auch wenn es vielleicht keinen direkten Einfluss hat.
Foto: FotoliaManche sind nachts am lernfähigsten
Generell gilt, dass Tageslicht unsere Wachheit und Aufmerksamkeit steigert. Wer aber von sich behauptet ein Nachtmensch zu sein, muss nicht falsch liegen. Jeder Mensch hat seinen eigenen Tagesrhythmus. Es gibt also sogenannte "Lerchen-Typen", die gerne früh aufstehen, weil sie dann am besten arbeiten können, und sogenannte "Eulen-Typen", sie nachts richtig aktiv werden und sich am besten aufs Lernen konzentrieren können. Ist man der Nachttyp, sollte man aber auch konsequent sein, um wirklich effektiv lernen zu können. Das heißt lange schlafen, spät aufstehen und dann die Nacht durch arbeiten - sprich den Tag-Nacht-Rhythmus komplett umdrehen. Wer morgens nur nicht aus dem Bett kommt, ist noch lange keine Eule.
Foto: FotoliaDer frühe Vogel fängt den Wurm
Genau diese Typen sagen auch schon viel darüber aus, warum diese Lernmythe falsch ist. "Morgenstund' hat Gold im Mund" trifft nämlich nicht unbedingt für Schulkinder zu. Abgesehen von den Lerchen-Typen und Eulen-Typen haben verschiedene Forschungen der vergangenen Jahre gezeigt, dass die meisten Kinder am frühen Morgen wenig leistungsfähig sind. Nach der ersten großen Pause und nachmittags sind die meisten Schüler geistig deutlich fitter, so die Ergebnisse. Jugendlichen fällt es meistens noch schwerer. Deshalb plädieren viele Wissenschaftler für einen Schulstart zu einer späteren Uhrzeit und nicht zwischen sieben und acht.
Foto: dpa/dpaweb
Chaos macht kreativ
Ordnung gibt Sicherheit, weshalb kreative Köpfe gerne im Chaos versinken. Nur weil sich auf dem Schreibtisch Bücher und Zettel türmen, wird man aber noch lange nicht kreativ. Kreativ werden kann nämlich nur, wer bereits gelernt hat.
Foto: FotoliaLernen geht am besten unter Druck
Lernen unter Druck schafft für viele - vor allem im Studium - erst die dringende Notwendigkeit, die sie zum Lernen motiviert. Manchmal klappt es, manchmal nicht. Experten warnen davor unter Zeitknappheit zu lernen, denn das sei nur erfolgreich, wenn schon viel Wissen vorhanden sei, auf das man aufbauen kann. Sie raten: Nur mit Ruhe und Entspannung gelingt lernen richtig gut - und kostet auch weniger Nerven.
Foto: dpa/dpawebGehirnjogging macht geistig fitter
Wer durch bekannte Denksportspiele, wie zum Beispiel die eines japanischen Doktors nutzt, um seine Intelligenz zu steigern, der übt vergebens. Aber Lernforscher sind sich einig, dass das Merken von Gegenständen oder Wörtern, das Gedächtnis trainiert und die Konzentration fördert. Wer allerdings viele Gedächtnistrainings macht, ist nicht gleich besser in Schule und Studium, denn zunächst verbessert man sich beim sogenannten Gehirnjogging immer nur darin, was man tut - also man wird in den Spielen besser. Fürs Lernen hilft es aber nur begrenzt.
Foto: dpaMusizieren macht klug
Eine schöne Idee, die sogar ein Stück Wahrheit birgt. Wer ein Musikinstrument spielt, kann seine Intelligenz nicht steigern, aber erwirbt andere Kompetenzen, die etwa zum Lernen sehr hilfreich sein können. Wer musiziert, gibt seinem Gehirn viel zu tun: Zum einen muss man sich konzentrieren, mit den Augen die Noten lesen, sie im Kopf übersetzen, sodass die Hände das Instrument entsprechend spielen können. Dann kommt noch das Hinhören hinzu, ob man auch die richtigen Töne trifft und schließlich ist damit noch viel Gefühl verbunden. Durch all diese Schritte und das häufige Wiederholen entstehen neue Vernetzungen im Gehirn. Das ist aber nicht einzigartig fürs Musizieren, sondern kann zum Beispiel auch durchs Schachspielen geschafft werden. Fazit: Wer ein Musikinstrument lernt, kann sich zusätzliche Kompetenzen aneignen, die helfen können, aber nicht unbedingt hilfreicher sind als andere Hobbys - wie etwa Sport.
Foto: dpaKurz-vor-knapp-Lernen funktioniert
Der Prüfungstermin rückt näher - Nur noch wenige Tage, manchmal wenige Stunden bis zur Prüfung und jetzt fängt man so richtig an zu lernen - und es funktioniert, meinen die "Fast-Food-Lerner", die sich dabei auf ihr Kurzzeitgedächtnis verlassen. Es ist ein ganz alltägliche Phänomen, dass wir das Hier und Jetzt wichtiger nehmen. Durchhaltevermögen und Selbstdisziplin müssen erst trainiert werden. Wem es so geht, der setzt häufig auf das Last-Minute-Lernen und besteht vielleicht auch. Der Erfolg ist aber wahrscheinlicher, wenn man sich richtig vorbereitet - vor allem mit Blick auf die Zukunft. Wer nicht in der Schule oder spätestens im Studium anfängt, langfristig zu planen und sich langfristige Ziele zu setzen, der scheitern etwa beim ersten Großprojekt im Büro.
Foto: dpaWerden Kinder gelobt, lernen sie besser
"Das hast du richtig gut gemacht!", ist Balsam für jede Seele - ob klein oder groß. Bei Kindern wird immer wieder diskutiert, ob es sinnvoll ist zu loben. Psychologen sagen, dass es in gewissem Maße sinnvoll und notwendig ist. Wer aber für jede Kleinigkeit gelobt wird, bekommt ein falsches Selbstbild und ist häufig weniger motiviert. Deshalb sollte sich das Lob in Grenzen halten. Außerdem kommt es auch darauf an, was man lobt: Statt sein Kind für sein Talent zu loben, sollte man zeigen, dass man besonders die Anstrengung oder das Durchhaltevermögen schätzt. Das kann durchaus motivieren und dazu verhelfen, dass Kinder mit mehr Spaß lernen und dadurch auch besser darin sind.
Foto: FotoliaAus Fehlern und Kritik lernt man am meisten
Es ist das Grauen vieler Kinder: "Komm du doch bitte mal an die Tafel!" Wer vorne steht, fühlt sich schnell bloßgestellt. Dabei ist die Idee dahinter nicht, einen Schüler lächerlich zu machen, sondern dass die ganze Klasse profitiert: Fehler zu erkennen und sie zu korrigieren. Wer Fehler macht und sie selbst korrigiert, macht sie meistens nicht noch einmal. Wird Kritik zu viel, kann sie aber demotivieren und die Lernbereitschaft zunichte machen. Wer ständig Fehler macht, verliert die Lust und gibt häufig auf. Dann braucht man ein Erfolgserlebnis, um wieder auf Kurs zu kommen. Fehler und Kritik alleine machen einen also nicht lernfähiger - können in Maßen aber durchaus zum besseren Verständnis beitragen.
Foto: APIntelligente Kinder haben bessere Noten
Um eine gute Note zu bekommen, braucht es neben Intelligenz und Begabung auch Fleiß, Hingabe und Motivation. Ein intelligenter Mensch, der nicht lernt, bekommt schlechtere Noten als ein weniger intelligentes Kind, das sich anstrengt.
Foto: FotoliaWer lernt und es aufschreibt, merkt es sich besser
Das stimmt. Schreibt man etwas ab oder auf, ist das Gehirn intensiver mit dem Inhalt beschäftigt, als wenn man ihn nur liest. Dadurch ist an dem Spruch "durch die Hand ins Gedächtnis" durchaus etwas Wahres dran. Das gilt allerdings nur fürs Handschriftliche! Wer sich etwas merken will, dem hilft das Tippen eines Textes deutlich weniger, als wenn er ihn mit der Hand schreibt.
Foto: dpaDie Jüngsten lernen am besten
Der Englischkurs für die Dreijährige, Französisch mit vier - Frühförderkurse boomen. Experten warnen aber davor, dass das eigene Kind überfordert werden könnte. Kinder sammeln nur so viel Wissen, wie sie es für ihre Entwicklung benötigen. Können sie die ihnen gestellten Aufgaben lösen können, weil sie ihrem Alter und ihren Fähigkeiten entsprechen, so lernen sie optimal. Kinder sind von Geburt an neugierig und lernen sehr gerne. Deshalb wird häufig gesagt, dass sie am besten lernen können. Aber auch sie können überfordert werden. Nur weil sie sich für besonders viel begeistern lassen, lernen sie aber nicht besser. Also liebe Eltern, kein Stress mit tausend Kursen für die Vorschulkinder! Auch der Grundschüler, Teenager oder Student kann durchaus neugierig, wissbegierig und gut im Lernen sein - je nach Thema sogar besser als das Vorschulkind.
Foto: dpaKinder müssen immer gelobt werden
Eltern sollten die Leistungen ihrer Kinder loben, aber nicht übertreiben. Wer sein Kind für jede Kleinigkeit als Genie und sonstiges lobt, tut dem Selbstbild seines Kindes nichts Gutes.
Foto: FotoliaWas Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr
Was bei Kindern übertrieben wird, traut man Senioren häufig nicht mehr zu. Sie werden häufig im wahrsten Sinne des Wortes zum "alten Eisen" gezählt. Lernfähigkeit traut man der älteren Generation nicht mehr zu. Das ist aber falsch. Senioren beweisen heutzutage Tag für Tag, wie lernfähig sie noch sind: Sie lernen Fremdsprachen, mit Computern umzugehen oder schreiben sich für Studiengänge ein und machen Master in Physik oder Philosophie. Während Kinder sich noch ein gewisses Grundwissen aneignen müssen, können viele ältere Menschen bereits auf ihr Vorwissen zurückgreifen und lernen deshalb noch nicht einmal unbedingt langsamer als die Jüngeren. Ihr großer Nachteil liegt hingegen darin, gewohnte Abläufe und automatisiertes Verhalten zu ändern - das Umlernen ist die Schwierigkeit für die Erwachsenen. Neues Wissen fällt ihnen ähnlich leicht oder schwer wie Kindern.
Foto: CLARK/obsIm Schlaf wird weitergelernt
Das Gehirn arbeitet rund um die Uhr. Damit stimmt die Aussage, dass man im Schlaf weiterlernt. Während wir schlummern, verarbeitet unser Gehirn die neuen Eindrücke und Informationen des Tages. Die "Datenflut", die wir am Tag aufgenommen haben, wird sortiert und gespeichert. Der Lernprozess geht im Schlaf also weiter.
In langen und anstrengenden Lernphasen ist Schlaf deshalb besonders wichtig, um Gelerntes gut zu verinnerlichen. Ein kleiner Mittagsschlaf und viel Schlaf in der Nacht sollten in jeder Lernphase also drin sein - besonders in der nächtlichen Tiefschlafphase werden Informationen tiefer abgespeichert.
Foto: FotoliaLatein fördert das logische Denken
Das stimmt so nicht. Nur wer in der Schule gelernt hat das "Veni vidi vici" nicht wörtlich "Er kam, sah und siegte" heißt, denkt nicht logischer als diejenigen, die doch lieber Französisch gepaukt haben. In wissenschaftlichen Untersuchungen zeigte sich, dass Lateinschüler Logikaufgaben nicht besser lösen als andere Schüler. Allerdings sind es Lateinschüler gewohnt, mit komplizierten Sätzen umzugehen und methodisch zu übersetzen. Das erleichtert das Lernen anderer Sprachen. Außerdem haben Lernforscher festgestellt, dass Schüler mit Lateinunterricht auch im Deutschen komplexere Sätze bilden können und leichter Fehler in deutschen Sätzen erkennen.
Foto: APJungs sind besser in Mathe als Mädchen
Die Unterschiede zwischen Jungs und Mädchen, was die mathematischen Fähigkeiten angeht, sind minimal. Reden sich Mädchen aber immer ein, dass sie Mathe nicht können oder bekommen es von Eltern und Lehrern eingetrichtert, werden sie sicherlich keine Mathegenies.
Foto: ASSOCIATED PRESS
Es trifft sich gut für diejenigen, die als didaktische Innovatoren das große Wort führen, dass Können sich im Gegensatz zu Wissen flexibler bewerten lässt. Wenn ein Schüler etwa zwei Minuten am Stück in der Fremdsprache redet, zeugt das in den Augen „innovativer“ Didaktiker und Kollegen ungeachtet sprachlicher und inhaltlicher Mängel bereits von positiv zu bewertender „kommunikativer Kompetenz“. Die Politik unterfüttert solche Denkweise mit Formulierungen wie: „Die Lehrpläne müssen … auf den Erwerb von Kompetenzen statt überflüssigem Detailwissen fokussiert“ werden (Wahlprogramm der FDP in NRW von 2010). Eine sprachliche Leistung, die in einem wissensorientierten Unterricht wahrscheinlich mit „ausreichend“ bewertet würde, kann so in kompetenzorientiertem Unterricht ohne weiteres zu einem „Befriedigend“ oder „Gut“ mutieren.
Baden-Württemberg
Stärken: Der Chancenspiegel präsentiert ein sehr ähnliches Ergebnis wie vorangegangene Pisa-Tests: Was Leistung angeht, sind die Schüler in Baden-Württemberg spitze: Die Lesekompetenz von Neuntklässlern ist überdurchschnittlich, 50,3 Prozent machen das Abitur, nur 5,7 Prozent der Schüler machen keinen Abschluss (Bundesdurchschnitt: 7 Prozent)
Schwächen: Zu den Topschülern gehören leider nur die mit wohlhabendem Elternhaus, Schüler aus sozial schwachen Strukturen haben wenig Chancen, das Gymnasium zu besuchen: Die Chance eines Kindes aus oberen Sozialschichten, das Gymnasium zu besuchen, ist 6,6 mal höher als die eines Kindes aus unteren Sozialschichten (Bundesdurchschnitt: 4,5). Einem Aufwärts- stehen 3,1 Abwärtswechsel gegenüber (Bundesdurchschnitt: 1:4,3). Heißt: Pro Schüler, der von der Realschule aufs Gymnasium wechselt, gehen mehr als drei Schüler den umgekehrten Weg.
Foto: dpaBayern
Stärken: Auch die Bayern sind bei der sogenannten Kompetenzförderung in der Spitzengruppe: Sowohl Viert- als auch Neuntklässlern sind außerordentlich gut in Deutsch. Von den Schülern, die mindestens einen Hauptschulabschluss machen, finden 51,8 Prozent einen Ausbildungsplatz - auch das ist im Ländervergleich sehr gut. Nur sechs Prozent gehen ohne Abschluss von der Schule.
Schwächen: Benachteiligte Jugendliche erreichen in puncto Leistung 72 Kompetenzpunkte weniger als privilegierte Jugendliche. (Bundesdurchschnitt: 67 Kompetenzpunkte Unterschied). Eine entsprechende fördernde Schulform wie die Ganztagsschule ist dafür kaum verbreitet: Nur 8,5 Prozent aller Schüler in der Primar- und Sekundarstufe 1 besuchen eine Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 26,9 Prozent). Genauso schlecht sind die Chancen eines Kindes aus sozial schwachen Strukturen, aufs Gymnasium zu gehen: Akademikerkinder haben eine 6,5 mal höhere Chance auf den Gymnasiumbesuch. Die Konsequenz: Nur 37,6 Prozent der jungen Erwachsenen machen Abitur - im Bundesdurchschnitt sind es 46,4 Prozent. Außerdem bleiben 4,7 Prozent der Schüler bis zur zehnten Klasse einmal sitzen.
Foto: dpaSaarland
Stärken: Im Saarland machen 51,9 Prozent das Abitur. Das ist über Bundesdurchschnitt und befördert das Land damit in die Spitzengruppe im Ländervergleich. Auch in puncto Integration ist das Saarland weit vorne: Nur 4,3 Prozent aller Schüler sind vom Regelschulsystem ausgeschlossen und werden in speziellen Förderschulen unterrichtet.
Schwächen: Wirkliche Schwächen haben die Schulen beziehungsweise das Bildungssystem im Saarland laut dem Chancenspiegel nicht. In den einzelnen Bereichen der Kategorien Durchlässigkeit und Kompetenzförderung bewegt sich das Bundesland immer im Mittelfeld. So hat ein Kind auf einer sozial starken Familie eine dreimal höhere Chance, aufs Gymnasium zu gehen als ein Kind aus einer schwächer gestellten Familie. Das ist unschön, aber immer noch überdurchschnittlich gut. 15,9 Prozent aller Schüler in der Primar- und Sekundarstufe 1 besuchen eine Ganztagsschule (Bundesdurchschnitt: 26,9 Prozent). Ländervergleich: Untere Gruppe. Auch das Verhältnis 1:3,3 beim Wachsel der Schulform (pro Schüler, der von der Real- oder Hauptschule "aufsteigt", wechseln 3,3 Schüler vom Gymnasium auf die Realschule beziehungsweise von Real- zu Hauptschule) liegt noch unterhalb des Bundesdurchschnitts von 1:4,3. Auch im Lesen sind saarländische Schüler aud den vierten und neunten Klassen mittelmäßig.
huGO-BildID: 25450255 ARCHIV - Schüler und Schülerinnen schreiben am 28.02.2012 in einem Gymnasium in Frankfurt am Main ein Diktat. Zu den Ergebnissen der Koalitionsrunde vom Wochenende gehört das Ziel, noch in dieser Wahlperiode eine Grundgesetzänderung zu erreichen, die das Kooperationsverbot von Bund und Ländern in der Bildungspolitik aufhebt. Foto: Frank Rumpenhorst dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Foto: dpaHessen
Stärken: An hessischen Schulen gibt es eine sehr gute Integrationsquote: Nur 4,4 Prozent aller Schüler gehen auf sogenannte Förderschulen anstatt auf Haupt- und Realschulen oder Gymnasien. Mit diesem Wert gehört Hessen zur Spitzengruppe. Außerdem ist etwas mehr als ein Drittel der hessischen Schüler in einer Ganztagsschule - im Bundesdurchschnitt sind es nur 26,9 Prozent. Die Chance eines Kindes aus oberen Sozialschichten, aufs Gymnasium zu gehen, ist 2,8 mal höher als die eines Kindes aus unteren Sozialschichten - auch das ist im Ländervergleich spitze. Durchschnittlich liegt die Quote bei 4,5. Außerdem bekommen fast 45 Prozent der Hauptschüler einen Ausbildungsplatz.
Schwächen: Nur beim Lesen sind die Hessen maximal im Mittelfeld. Die Grundschüler aus der vierten Klasse schafften es im puncto Lesen sogar nur auf einen der hinteren Ränge. Beim letzten Pisa-Test belegten die Schüler der neunten Klasse beim Lese- und Hörverstehen noch jeweils den 4. Platz unter 16 Bundesländern. Allerdings landeten sie beim verstehenden Lesen und Hören nur auf dem 8. beziehungsweise 9. Platz. - Insofern deckt sich das Ergebnis mit dem Chancenspiegel.
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Berlin
Stärken: Wirklich gut ist das Berliner Bildungssystem nur bei der Ganztagsbetreuung und der Integration lernschwacher und körperlich behinderter Kinder. 45 Prozent der Schüler gehen auf eine Ganztagsschule und nur 4,4 Prozent der Schüler werden gesondert in Förderschulen unterrichtet.
Schwächen: Wie auch die letzten Pisa-Tests zeigten, sind die Schüler in Berlin nicht sonderlich leistungsstark. Sowohl Viert- als auch Neuntklässler haben bloß unterdurchschnittliche Lesekompetenzen und auch die Differenz der Leistungen privilegierter und benachteiligter Kinder ist mit 70 Punkten erschreckend hoch - der durchschnittliche Wert beträgt 40 Punkte. Bei den Schülern der Klasse neun liegt der Wert 22 Punkte über Durchschnitt. 10,4 Prozent der Jugendlichen verlässt in Berlin die Schule ohne Abschluss.
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Stärken: 3,8 Prozent der Schüler gehen in Förderschulen, alle anderen besuchen gemeinsam die Regelschulen. Das beschert Rheinland-Pfalz im Ländervergleich einen Platz in der oberen Ländergruppe. Außerdem schnitten die Neuntklässler bei der Lesekompetenz mit 497 Kompetenzpunkten gut ab. (Bundesdurchschnitt: 496 Kompetenzpunkte)
Schwächen: In Rheinland-Pfalz besuchen nur 18,5 Prozent der Schüler eine Ganztagsschule, das ist ziemlich wenig. Ansonsten sind die Schulen des Bundeslande mittelmäßig: Die Chancen eines Kindes aus sozial schwachen sind 3,2 mal niedriger, dass es ein Gymnasium besucht, als die eines Kindes aus den oberen Sozialschichten. Fast 40 Prozent der Schüler, die mindestens einen Hauptschulabschluss haben, bekommen auch einen Ausbildungsplatz und rund sieben Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss. Das ist Durchschnitt.
Foto: dpaNiedersachsen
Stärke: Die gute Nachricht: Die Leistung der Schüler ist in Niedersachsen nicht so stark vom sozialen Umfeld der Kinder abhängig, wie in anderen Ländern. Die Viertklässler aus bildungsnäheren Elternhäusern erreichen nur 30 Kompetenzpunkte mehr als Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern - im Schnitt sind es 40 Punkte Unterschied. Auch in Klasse neun liegt der Unterschied zwischen benachteiligten und privilegierten Schülern zehn Punkte unter Durchschnitt. Außerdem funktioniert die Integration der Schüler in das Regelschulsystem sehr gut. Nur 4,4 Prozent der Schüler gehen in Förderschulen.
Schwäche: Bei den Niedersachsen hapert es bei der Durchlässigkeit des Systems - das Land schaffte es nur in die untere Gruppe der Bundesländer. So gehen 5,8 mal mehr Kinder aus wohlhabendem Hause aufs Gymnasium als Arbeiterkinder und einem Wechsel in eine höhere Schulform stehen 11,8 Abstiege entgegen. Außerdem bleiben überdurchschnittlich viele Schüler sitzen. Einen Ausbildungsplatz bekommen 34,8 Prozent der Schüler - auch das ist unterdurchschnittlich.
Foto: dpaSachsen-Anhalt
Stärke: Gerade die Viertklässler aus Sachsen-Anhalt sind besonders gut in Deutsch, die Schüler der neunten Klassen sind immerhin im Mittelfeld. Auch beim Zusammenhang Leistung und Elternhaus schneidet Niedersachsen gut ab: Viertklässler, die zuhause entsprechend gefördert werden, sind nur 32 Kompetenzpunkte besser als benachteiligte Mädchen und Jungen - das ist acht Punkte unter Bundesdurchschnitt. Bei den Schülern der neunten Klassen beträgt der Unterschied 55 Punkte, der Durchschnitt liegt bei 67 Punkten Differenz.
Schwäche: Gar nicht gut schneidet das Bundesland in den anderen Kategorie ab: Nur 38,8 Prozent der Schüler machen Abitur, 12,3 Prozent bekommen gar keinen Schulabschluss. Mit vier Prozent ist auch die Quote derer, die eine Klasse wiederholen müssen, recht hoch und auch bei der Durchlässigkeit des Schulsystems bekleckert sich Sachsen-Anhalt nicht mit Ruhm.
Foto: dpaSchleswig-Holstein
Stärken: Im Norden Deutschlands werden Kinder besonders gut integriert. Nur 2,9 Prozent der Schüler gehen in Förderschulen (Bundesdurchschnitt: 5 Prozent). Das ist die geringste Ausschlussquote im Vergleich. Auch die Quote der Schüler, die eine sonderpädagogische Förderung brauchen, ist mit 5,4 Prozent unterdurchschnittlich niedrig.
Schwächen: Schwer haben es Kinder aus einfachen Strukturen: Die Chance eines Kindes aus den oberen Sozialschichten, das Gymnasium zu besuchen, ist 5,6 mal höher. Auch finden nur 35,2 Prozent nach der Schule eine Ausbildungsstelle.
Foto: dapdHamburg
Stärken: Bei der Durchlässigkeit des Systems und den Abiturquoten ist der Stadtstaat Hamburg besonders gut aufgestellt: 52,5 Prozent erreichen die Hochschulreife, die Chancen eines Kindes aus einem wohlhabenden Elternhaus für einen Platz im Gymnasium sind nur 2,6 mal höher als die eines Kindes aus den unteren Sozialschichten. Beim Schulformwechsel stehen einem Aufwärts- stehen 1,7 Abwärtswechsel gegenüber.
Schwächen: Dafür sieht es bei den allgemeinen Leistungen der Schüler nicht gut aus: Lesekompetenz: Sowohl die Viert- als auch die Neuntklässler sind in Deutsch viel schlechter als der Durchschnitt. Und Neuntklässler aus bildungsfernen Elternhäusern sind ebenfalls deutlich leistungsschwächer als andere.
Foto: dapdSachsen
Stärke: Wie auch schon beim letzten Pisa-Test landet Sachsen in Sachen Leistung ganz oben (Platz 2 bei Pisa). Sowohl die Viert- als auch die Neuntklässler sind überdurchschnittlich gut in Deutsch, die Leistungen der Schüler aus bildungsfernen Haushalten sind nicht wesentlich schlechter als die der Schüler aus bildungsnahen Elternhäusern. Die Differenz beträgt 30 Kompetenzpunkte. Auch bei der Durchlässigkeit des Systems haben sie Sachsen die Nase vorn: Die Chance eines Kindes aus oberen Sozialschichten, das Gymnasium zu besuchen, ist 2,8 mal höher als die eines Kindes aus unteren Schichten. Außerdem finden 52,4 Prozent der Schüler eine Ausbildungsstelle.
Schwäche: Weniger gut ist es in Sachsen um die Schulabschlussquote bestellt: 11,2 Prozent verlassen die Schule ohne Abschluss. die gleiche Zahl taucht in der Studie beim Schulformwechsel auf: Für einen Aufsteiger steigen 11,2 Schüler ab und müssen beispielsweise vom Gymnasium auf die Realschule wechseln. Der Aufstieg ist also in Sachsen weitaus schwerer als in den anderen Bundesländern. Das durchschnittliche Verhältnis beträgt 1:4,3
Foto: dapdBremen
Stärken: In keiner der überprüften Kategorien schaffte es das Bildungssystem des Stadtstaates Bremen in die Spitzengruppe der Länder. Sowohl bei der Integration als auch bei der Durchlässigkeit und einigen Kompetenzen der Schüler erreicht das Bremer Bildungssystem bloß Mittelmaß.
Schwächen: Gerade im Fach Deutsch hakt es in Bremen. Sowohl Viert- als auch Neuntklässler können unterdurchschnittlich schlecht lesen und Texte verstehen. Und die Bremer Neuntklässler - sowohl die leistungsstärksten als auch die schwächsten, sind schlechter als der Durchschnitt. Die schwachen Schüler sind sogar 46 Punkte unter dem Durchschnitt. Auch die Abhängigkeit von Leistung in der Schule und dem Elternhaus ist in Bremen besonders hoch.
huGO-BildID: 6183401 ** ARCHIV ** Eine Schuelerin einer dritten Grundschulklasse in Frankfurt am Main schreibt am 18. Jan. 2006 an einer Tafel. Die Foederalismusreform muss am Montag, 6. Maerz 2006, eine entscheidende Huerde nehmen. In parallelen Sitzungen wollen Ministerpraesidenten, Koalitionsfraktionen und Bundeskabinett der Entflechtung der Gesetzgebungskompetenzen von Bund und Laendern zustimmen. So sollen fuer die Bildungspolitik in Zukunft grundsaetzlich die Laender zustaendig sein. (AP Photo/Michael Probst)
Foto: APBrandenburg
Stärken: In Brandenburg ist die Durchlässigkeit des Systems besonders hoch: In keinem anderen Bundesland ist der Wechsel zu einer höheren Schulform einfacher. Pro Kind, das von der Haupt- auf die realschule oder von der Realschule aufs Gymnasium wechselt, gehen 1,6 Schüler den umgekehrten Weg. Auch die Chancengleichheit ist in Brandenburg recht hoch: Akademikerkinder haben nur 2,4 mal bessere Chancen, aufs Gymnasium zu kommen als Kinder aus einfachem Hause. Bei den Jugendliche der neunten Klassen ist die Leistung in der Schule am wenigsten abhängig von der Bildung des Elternhauses: Benachteiligte Jugendliche erreichen 48 Kompetenzpunkte weniger als privilegierte - das ist Spitzenwert. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 67 Kompetenzpunkten Unterschied. Ebenfalls sehr positiv: 70,4 Prozent der Schüler, die einen Abschluss haben, finden auch eine Ausbildung.
Schwächen: Gerade die Schüler der neunten Klassen schlossen unterdurchschnittlich ab. Beim Lesen haperte es bei den jugendlichen Brandenburgern, bei der Gesamtleistung waren sowohl die besten als auch die schwächsten Schüler schlechter als der Durchschnitt. Die Leistung von Grundschülern ist in Brandenburg stark abhängig vom Elternhaus, wie die Studie zeigt. Kinder, die zuhause gefördert werden, erreichen 55 Kompetenzpunkte mehr als Schüler aus bildungsfernen Elternhäusern (Bundesdurchschnitt: 40 Kompetenzpunkte).
Foto: gmsNordrhein-Westfalen
Stärken: 54,1 Prozent der Schüler aus Nordrhein-Westfalen schaffen die Hochschulreife - das ist der höchste Abiturientenanteil im Vergleich der 16 Bundesländer. Außerdem hervorzuheben: Der Anteil derer, die keinen Schulabschluss machen, ist mit 6,5 Prozent vergleichsweise gering. Die Leistung der Schüler der Klassen vier und neun unterscheidet sich nicht sonderlich von den Ergebnissen des letzten Pisa-Tests: Die Schüler aus NRW sind mittelmäßig gut.
Schwächen: Nicht gut bestellt ist es um die Durchlässigkeit des Bildungssystems in Nordrhein-Westfalen: Ein Akademikerkind hat 5,5 mal bessere Chancen auf einen Platz im Gymnasium, nur 38,2 Prozent der Schüler bekommen einen Ausbildungsplatz. Und auch die Leistungen der Neuntklässler sind im Bundesvergleich nicht berauschend. Die leistungsstärksten Neuntklässler erreichen durchschnittlich 605, die leistungsschwächsten 376 Kompetenzpunkte - beides liegt unter dem Durchschnitt. Beim Wechsel der Schulform stehen einem Aufwärtswechsel 8,5 Abwärtswechsel gegenüber.
Foto: APThüringen
Stärken: In puncto Kompetenzförderung gehört Thüringen zur Spitzengruppe der Länder: Sowohl Viert- als auch Neuntklässler sind überdurchschnittlich gut beim Lesen und beim Leseverständnis. Die leistungsstärksten Neuntklässler erreichen durchschnittlich 611 Kompetenzpunkte, die leistungsschwächsten 387 Kompetenzpunkte. (Bundesdurchschnitt: 376 Kompetenzpunkte).Und benachteiligte Jugendliche haben im Vergleich 51 Kompetenzpunkte weniger als privilegierte Jugendliche - auch dieser Wert liegt oberhalb des Durchschnitts von 67 Kompetenzpunkten Unterschied.
Schwächen: Bei der Integration lern- und körperlich behinderter Kinder hinkt Thüringen hinterher: 6,6 Prozent aller Schüler sind gesondert in Förderschulen untergebracht (Bundesdurchschnitt: fünf Prozent). Das bedeutet im Ländervergleich einen Platz in der unteren Ländergruppe.Nach den landesspezifischen Diagnosestandards brauchen 8,4 Prozent aller Schüler eine sonderpädagogische Förderung. Der Anteil der Schulabgänger ohne Schulabschluss liegt rund zwei Prozent über Bundesdurchschnitt - ansonsten liegen die Schulen in Thüringen im Mittelfeld.
Foto: dpaMecklenburg-Vorpommern
Stärken: In Mecklenburg-Vorpommern finden 66,9 Prozent der Schüler, die einen Abschluss haben, auch eine Lehrstelle. Das ist ein sehr guter Wert. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 41,5 Prozent. In allen anderen Kategorien ist das Bildungssystem des Bundeslandes maximal Mittelmaß.
Schwächen: Besonders trüb sieht es bei der Schulabschlussquote aus: 14,1 Prozent verlassen die Schule ohne einen Abschluss. 4,2 Prozent der Schüler bis zur Klasse zehn haben außerdem schon einmal eine Ehrenrunde gedreht. Auch bei der Integration behinderter oder lernschwacher Schüler hinkt Mecklenburg-Vorpommern hinterher. Fast neun Prozent aller Schüler gehen auf spezielle Förderschulen.
Foto: dpa/dpaweb
Ein weiterer Trick zur Hebung des Notenschnitts besteht darin, dass der Lehrer bei der Bewertung schriftlicher Arbeiten nicht mehr wie früher alle Fehler registriert, nach Schwere gewichtet und dann eine Gesamtbeurteilung vornimmt, sondern dass er Punkte vergeben muss, und zwar ausdrücklich für isolierte Fertigkeiten. Dieses Verfahren zwingt ihn zum Beispiel, aus einer Grammatikaufgabe alle Rechtschreibfehler, aus einem Aufsatz sämtliche Grammatik- oder Rechtschreibfehler oder beide zusammen aus der Wertung herauszunehmen. Darüber hinaus kann er anspruchsvolle Einzelaufgaben mit wenigen Punkten, einfachere mit vielen Punkten versehen. Auf diese Weise wird es auch dem schwächeren Schüler möglich, viele Punkte zu sammeln, und der Lehrer zaubert aus einer nach alter Wertung mit „mangelhaft“ zu bewertenden Arbeit ein „Befriedigend“. Ich erinnere mich an Eltern, die aus allen Wolken fielen, als ich ihnen erläuterte, warum das Zählen von Fehlern als Grundlage von Bewertungen aus der Mode gekommen ist.
Verschiebung des Notenbilds
Als letzter Trick sei ein „innovatives“ Verständnis der Notenskala genannt. War früher die „Eins“ die Bestätigung einer absoluten Spitzenleistung, wird sie inzwischen für ein breites Band guter Leistungen unterhalb der Spitze vergeben. Daraus folgt, dass auch für die „Zwei“ und „Drei“ mehr Raum bleibt. Das Notenbild verschiebt sich also nach oben.
Die hier genannten Tricks sind bereits über etliche Jahre hinweg im Zuge der Globalisierung implementiert worden, um möglichst vielen Schülern ein - vermeintlich - hohes Bildungsniveau in Form des Abiturs zu vermitteln und um zu verhindern, dass Deutschland von aufstrebenden Ländern in internationalen Statistiken abgehängt wird. Die FDP in NRW formuliert entsprechend in ihrem Parteiprogramm, dass die Beratung von Eltern zur Schulkarriere ihrer Kinder „zielgerichtet auf den Aufstieg“ ausgerichtet werden solle, gemeint ist: in Richtung Gymnasium und Abitur.
Ich will nicht in Abrede stellen, dass all dies gut gemeint ist. Allerdings kann das Gymnasium den Andrang von Schülern schon seit Jahren nur unter Zuhilfenahme hier beispielhaft genannter Tricks eher schlecht als recht bewältigen. Dass neuerdings nun auch noch ein Jahr weniger zur Verfügung steht, erhöht den Druck, das Spiel des Lehrens und Lernens mit gefügigen oder gefügig gemachten Lehrern in eine neue Runde zu schicken - mit noch mehr „innovativer“ Didaktik und noch „schülerfreundlicheren“ Bewertungsprinzipien. Für viele Lehrer eine Horrorvision, für viele Gymnasiasten vielleicht eine Glücksperspektive, da sie ihrem mit Schule zugepflasterten Alltag ein Jahr früher entkommen.