Nachhaltige Geschäftsideen: Womit soziale Gründer Geld verdienen
Haben junge Deutsche Angst vor der Unternehmensgründung?
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Nicht größer als eine Faust das eine, so flach wie ein Frühstücksbrettchen das andere, der Name kaum aussprechbar: Mit seiner weißen Optik wirkt Kalhuohfummi, als wäre es aus der Designabteilung eines angesagten US-Elektronikkonzerns entsprungen. Doch schick allein soll das Kombiprodukt nicht sein, das Markus Schulz und Daniela Schiffer entworfen haben. Die Kombination aus Solarzelle und Batterie ist die Antwort der beiden Berliner Gründer auf den Klimawandel. Ein kleiner Chip in dem Gerät mit dem futuristischen Namen rechnet aus, wie viel Kohlenstoffdioxid (CO2) spart, wer mit der Solarzelle Energie erzeugt und dann mit der Batterie sein Smartphone auflädt. Pro eingesparten Gramm CO2 winkt den Nutzern ein "Changers Credit". Diesen können sie gegen nachhaltige Produkte und Dienstleistungen eintauschen - etwa einen Einkaufsgutschein für den Ökomarktplatz Avocado Store oder ein Leihfahrrad vom Verleihservice Nextbike.
So viele Jungunternehmer wie bei der Preisverleihung des Gründerwettbewerbs der Wirtschaftswoche kommen selten in einem Raum zusammen.
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheTony Trian-Mai (links), Gründer des Startups Tibuga, im Gespräch mit Carsten Rudolph von Evobis (Mitte) und Nicolas Gabrysch (rechts) von der Anwaltskanzlei Osborne Clarke, einem Partner des Gründerwetbewerbs
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheSebastian Schips und Birgit Gröger konnten den Wettbewerb mit ihrem Startup "Meine Möbelmanufaktur" für sich entscheiden. Auf ihrer Online-Plattform lassen sich Regale, Schränke und Sideboards nach Wunsch konfigurieren – einige Wochen später liefern die Gründer die Wunschmöbel nach Hause.
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheDie Sieger Sebastian Schips und Birgit Gröger mit der Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs: Roland Tichy von der WirtschaftsWoche, Florian Schweitzer von b-to-v, Julia Derndinger von der Entrepreneurs’ Organization, Nicolas Gabrysch von Osborne Clarke und Karen Heumann von thjnk (von links).
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheAlle Finalteilnehmer und Juroren des diesjährigen Wettbewerbs
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheRoland Tichy, Chefredakteur der WirtschaftsWoche (3. von rechts) würdigte in seiner Ansprache die Finalteilnehmer und Sieger des Wettbewerbs.
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheRoland Tichy und Karen Heumann, Partnerin der Agentur thjnk, im Gespräch mit Birgit Gröger und Sebastian Schips, den Gewinnern des Wettbewerbs
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheKaren Heumann, Partnerin der Agentur thjnk, und Florian Schweitzer vom Investorennetzwerk b-to-v moderierten die Preisverleihung. Die beiden sind Mitglieder der Jury des WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerbs.
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheDie Gäste folgten den Gesprächen auf der Bühne und feierten Finalisten und Preisträger bei einem Dinner mit Kerzenschein.
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheGründer Patrik Tykesson produziert mit seinen Brüdern Philipp und Daniel neuartige Elektroroller im Retro-Design und konnte den Wettbewerb mit dieser Idee 2011 gewinnen. im Gespräch mit Karen Heumann, Partnerin der Agentur thjnk und Jurymitglied des Wettbewerbs, ließ er das vergangene Jahr Revue passieren.
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheChristopher Fuhrhop, Gründer von Restube
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheWettbewerbsjuror Florian Schweitzer vom Investorennetzwerk b-to-v (rechts) befragte Marco Börries zu dessen Erfahrungen als Seriengründer. Börries riet den anwesenden Gründern: "Stellt in eurem Unternehmen jene Fragen, deren Antworten ihr eigentlich nicht hören wollt"
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheEckhard Köhn vom Unternehmen Studitemps
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheMartin Elwert (links) und Katrin Engel (rechts) vom Startup CoffeeCircle im Gespräch mit Koen Lenssen, Investment Manager bei Tengelmann Ventures
Foto: Falk Heller für WirtschaftsWocheSeriengründer Kai Petersen (Mitte links) im Gespräch mit Patrik Tykesson (Mitte rechts), der mit seinem Startup Ebility den Wettbewerb 2011 gewinnen konnte.
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Changers haben Schulz und Schiffer ihre Idee genannt - zu Deutsch: Veränderer. Die beiden Jungunternehmer wollen aber nicht nur die Welt zu einer besseren machen, sondern mit ihrer Idee auch Geld verdienen: Rund 3.500 ihrer Solarsets für je 149 Euro haben sie bereits verkauft, die Kunden haben damit mehr als 200.000 Wattstunden Energie erzeugt. Diese Energiesparerfolge können sie über Changers mit ihren Online-Freunden teilen. "Gemeinsam die Welt retten macht eben mehr Spaß", sagt Schulz.
Die Welt retten, dem Klimawandel Einhalt gebieten, für eine bessere Bildung sorgen, Altersarmut verhindern: In Deutschland gibt es zahlreiche Gründer, die gesellschaftliche Probleme lösen und damit Geld verdienen wollen. Experten nennen diese Unternehmer Social Entrepreneurs: "Es ist zwar eine kleine Szene, aber eine wachsende", sagt Steven Ney, Professor für Entrepreneurship an der Bremer Jacobs University. Eine Studie der Mercator Stiftung belegt, dass sich Sozialunternehmer heute in fast allen Branchen finden; einige Universitäten bieten bereits passende Studiengänge an, etwa die WHU Vallendar, an der man seit dem Frühjahr soziales Unternehmertum studieren kann.
Zu den bekanntesten sozialen Unternehmern in Deutschland gehört Till Behnke, der die gemeinnützige Online-Spendenplattform Betterplace aufgebaut und damit schon mehrere Millionen Euro Spenden für sinnvolle Projekte generiert hat. Oder Michel Aloui, der in Köln das Social Lab eröffnet hat - ein Zentrum für Sozialunternehmer, die sich im Bildungsbereich engagieren. Tür an Tür finden sich hier Projekte wie Gewaltfrei Lernen, das die Lernatmosphäre in Schulen verbessern will, oder das Network for Teaching Entrepreneurship, das für Unternehmergeist unter Jugendlichen sorgt.
Wie sehr soziales Unternehmertum inzwischen die Gründerszene erfasst, zeigt sich auch am WirtschaftsWoche-Gründerwettbewerb, der aktuell zum siebten Mal ausgeschrieben ist. 2012 stand mit CoffeeCircle ein Unternehmen im Finale, das fair gehandelten Gourmetkaffee aus Äthiopien importiert und mit Entwicklungsprojekten das Leben der Kaffeebauern verbessern will. Und 2007 gewann mit den ArmedAngels ein Startup, das nachhaltig produzierte Mode verkauft.
Der Sieger: LineMetrics - Österreich
LineMetrics ist ein flexibles Tool, das mit Google Analytics für Massenproduktionen verglichen werden kann. Es ermöglicht Manufakturen eine separate Echtzeit-Überwachung der einzelnen Maschinen und erleichtert die Produktionsanalyse.
Foto: PR2. Geddit - Deutschland
Geddit verbindet jeden Schüler im Klassenraum digital mit seinem Lehrer und verhindert so, dass schüchterne Schüler übersehen werden. Mit Geddit hat jeder Schüler die Chance zu zeigen, was er kann. Lehrer haben die Klasse im Blick und können auf Einzelne besser reagieren.
Foto: WirtschaftsWoche3. Algolia - Frankreich
Algolia ist eine einfach zu integrierende, leistungsstarke Suchtechnologie, die es ermöglicht innerhalb von Apps eine schnelle Suche mit sofortiger visueller Rückmeldung und Typo-Toleranz zu liefern.
Foto: PR4. Wanderio - Italien
Mit Wanderio können Preis, Reisezeit und CO2-Ausstoß von Reisen per Flugzeug, Zug oder Fähre verglichen werden. Alle Alternativen sind dann auf einen Blick ersichtlich, sodass Reisende einfach auswählen können, welche Route ihnen am Besten passt.
Foto: PR5. UnlockYourBrain - Deutschland
Die Idee von UnlockYourBrain verwandelt das ständige Entsperren des Smartphones in eine sinnvolle Tätigkeit. Anstatt das Handy wie gewohnt zu entsperren, wird das Gehirn durch ein Rätsel oder eine Vokabelabfragen zum Denken angeregt.
Foto: PR6. apiOmat - Deutschland
Die Entwicklung von Apps zu vereinfachen ist das Ziel von apiOmat. Ihr “Backend as a Service” (BaaS) bietet ein komplettes Softwarepaket inklusive skalierbarer Hosting-Lösungen - ein einfallsreiches Tool zur Produktivitätssteigerung für die Entwicklung von Apps und Websites.
Foto: WirtschaftsWoche7. Prizgo - UK
Das britische Start-up Prizgo liefert ein Social Loyalty Plugin für Verkäufer im Internet. Es verbindet ein Bonusprogramm mit Analyse-Tools, die Anbietern helfen, ihre Kundenbindung zu verbessern.
Foto: WirtschaftsWoche8. visalyze - Österreich
Visalyze macht aus Social-Media-Daten eine interaktive, visuelle Geschichte. Mit Visalyze lässt sich auf einen Blick erkennen, welche Social-Media-Aktivitäten auf Facebook oder Twitter gut funktionieren und wo Krisen-Stürme heraufziehen könnten.
Foto: WirtschaftsWoche9. Glitter - Portugal
Die App Glitter will revolutionieren, wie Casting-Agenturen, Produzenten und Kunden künftig für die Suche nach Schauspielern und Models zusammen arbeiten. Die Online-Plattform ermöglicht es Castings, Vorschläge und Auswahlantworten schnell und einfach an einem zentralen Ort verwalten zu können: in der Cloud.
Foto: WirtschaftsWoche10. Glean - Schweden
Über die mobile App Glean kann man persönliches Feedback in sozialen Netzwerken anonym abgeben und empfangen. Die App ist in Anwendungen wie Facebook und LinkedIn integriert und ermöglicht eine sofortige Rückmeldung. Neben der Business-to-Consumer-Version hat Glean auch eine Business-to-Business-Version.
Foto: PR11. Buzzoole - Italien
Buzzoole ist die erste Plattform IEO (Influence engine optimization). Durch die Plattform will Buzzoole Benutzern zu helfen bei der Optimierung ihrer Online-Präsenz und die Auseinandersetzung mit ihr Netzwerk um ihnen zu helfen einflussreich in Fächern, in denen sie über Sachkenntnis verfügen.
Foto: WirtschaftsWoche12. bewarket - Portugal
Das portugiesische Team von bewarket hat eine Marktplatz auf Facebook geschaffen. Dort haben sich bereits 25.000 Nutzer (Tendenz steigend) registriert, um über ihr soziales Netzwerk Neues und Gebrauchtes zu verkaufen.
“Wir sind begeistert, dass so viele Start-ups ihre fantastischen Ideen eingereicht haben und dass es ein wirklich internationaler Wettbewerb werden wird”, sagt Peter Borchers von hub:raum. Er wird am 24. April in der Jury des Start-up Pitch Finales sitzen und zusammen mit VC Rob Moffat (Balderton), der Gründerberaterin Paula Martilla, Nicole Glaros vom Inkubator TechStars und der Social-Commerce-Expertin Caroline Drucker (Etsy) die Sieger küren. Dem Gewinner winkt ein Preispaket im Wert von mehr als 20.000 Euro, das zusätzlich zu einer Geldprämie ein Coaching und ein PR-Training enthält.
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Die Gründer Markus Schulz und Daniela Schiffer des Unternehmens "Changers". (Zum Vergrößern bitte anklicken)
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Erklärungen für den Boom der Weltverbesserer gibt es mehrere. Zum einen achten laut einer Umfrage der EU-Kommission inzwischen neun von zehn Deutschen genau darauf, was Unternehmen tun, um sich verantwortungsbewusst gegenüber der Gesellschaft zu verhalten - mehr als in jedem anderen europäischen Land. Kleine und mittelgroße Unternehmen engagieren sich nach Ansicht der Befragten sogar stärker als Konzerne für die Gesellschaft.
Zum anderen sind Gründer heute daran interessiert, sinnvolle Projekte mit Geschäftsmodellen zu verknüpfen und sie so zu professionalisieren, dass sich damit gutes Geld verdienen lässt. „Besonders für die Mittzwanziger ist das ein Riesen-Thema“, sagt Felix Oldenburg, Deutschland-Geschäftsführer der Non-Profit-Organisation Ashoka, die soziales Unternehmertum weltweit fördert. "Diese Menschen sind zu Zeiten des Dotcom-Crashs und der Finanzkrise aufgewachsen. Sie wollen zwar wirtschaftlich Erfolg haben, aber zugleich die Gesellschaft zum Besseren verändern."
Etwa Menschen wie Benjamin Vahle: Der Jungunternehmer hat schon während seines Managementstudiums an der EBS Business School in Oestrich-Winkel den gemeinnützigen Verein Make a Difference gegründet, der Missstände in der Gesellschaft beseitigen will. Zusammen mit Kommilitonen baute er in den Ghettos einer US-amerikanischen Großstadt Häuser für arme Familien. Vahle sägte Bretter, montierte Fenster, zimmerte Türen.
Blick aus der Röhre
Viele Bergfans wollen am liebsten im Einklang mit der Natur wandern. Wenn es aber im Hochgebirge abends kalt wird, benötigen sie nicht nur Schutz, sondern sie verbrauchen oft auch Kerosin, Gas oder Batterien für ihre Kocher. Eine überlebenssichernde und umweltfreundliche Übernachtungsmöglichkeit bietet jetzt die italienische Designfirma Leap-Factory. Ihre röhrenartige, schnee- und sturmsichere Mini-Lodge ist im Schnitt 3,5 Meter breit, acht Meter lang und 2,80 Meter hoch. In ihr sind Tische, Stühle, Toiletten und Waschbecken installiert. Nach Bedarf gibt es Kojenplatz für zwei bis zwölf Personen. Dafür dass es bei traumhafter Aussicht auf Himmel und Berge warm bleibt, sorgt die Fotovoltaikanlage auf dem Dach. Das Handicap: Mindestens 200 000 Euro kostet die 2500 Kilogramm schwere und mehrmodulige Schlafkapsel. Damit sich der Aufwand rechnet, bleibt das Biwak mehrere Wochen auf dem Berg und kann von verschiedenen Wanderern benutzt werden.
Foto: PRSonnengrill statt Feuerstelle
Studenten des Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA wollen den ultimativen Traum aller grünen Barbecue-Fans Realität werden lassen: Sie entwickeln einen Grill, der Hitze mithilfe von Sonnenenergie erzeugt, Wärme speichern kann und dadurch sogar nachts funktioniert. Ihr Prototyp baut auf einer Technologie von MIT-Professor David Wilson auf: eine spezielle, besonders leichte Linse bündelt das Sonnenlicht, das in Lithiumnitrat-Zellen gespeichert wird. Mit der Hitze der Wärmespeicher lassen sich dann Steak und Wurst grillen. Vor allem aber ist der „Cooker“ laut Wilson als umweltfreundliche und energiesparende Alternative zu den offenen Holzfeuern gedacht, die die Menschen in Entwicklungsländern als Kochstelle nutzen. Jeden Tag verbrennen weltweit mehr als drei Millionen Tonnen Feuerholz unter Töpfen und Pfannen. Vor allem in afrikanischen Regionen wird das Holz knapp. Wilsons Grill speichert Sonnenenergie für 25 Stunden und heizt auf über 230 Grad hoch. Solargrills mit derartiger Kapazität gab es zuvor nicht.
Foto: PRWirbel-Säule
Frischer Wind aus Bayern: Das Unternehmen MRT Wind hat eine neues Minikraftwerk für den Zuhause-Gebrauch entwickelt. Das Besondere: Das 2,50 Meter hohe Windrad dreht sich nicht wie die üblichen Propeller-Systeme um die Horizontalachse, sondern um die Vertikalachse. „Dadurch kann man unabhängig von der Windrichtung Strom erzeugen“, erklärt Geschäftsführer Neil Cook. Ab einer Windgeschwindigkeit von 1,5 Metern pro Sekunde gewinne die Anlage Energie. Die Miniwindräder sind nach Herstellerangaben lautlos und lassen sich genehmigungsfrei installieren. Die ersten Testgeräte sind in Betrieb. Preis: ab 7000 Euro pro Stück.
Foto: PRLeselicht in Hülle und Fülle
Der US-Hersteller SolarFocus bringt Licht ins Dunkle des E-Readers von Amazon: Mit einer leuchtenden Hülle namens Solar Kindle Lighted Cover. Sie schützt das Gerät nicht nur vor Kratzern, sondern bietet dem E-Reader auch eine netzunabhängige Notstromversorgung sowie eine LED-Leselampe. Damit lässt sich der Kindle nun auch in absoluter Dunkelheit nutzen. Gespeist wird das Licht aus einem eingebauten Akku, der über die Solarzellen auf der Außenseite der Hülle geladen wird. Auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas, eine der weltweit größten Messen für Unterhaltungselektronik, ist die Hülle als eine der besten Innovationen 2012 in der Kategorie nachhaltige Technologien ausgezeichnet worden. Schon nach acht Stunden Sonnenlicht, so verspricht der Hersteller, habe die Batterie genug Saft, um dem Kindle drei Tage Strom zu liefern. Kosten: rund 80 Dollar.
Foto: PRInsel-Lösung in der Südsee
Es könnte ein Entwurf des US-Verpackungskünstlers Christo sein. Tatsächlich haben sich japanische Architekten der Shimizu Corporation diese überdimensionale Seerosenstadt ausgedacht – mit kompletter Infrastruktur und üppiger Vegetation. In der Südsee auf der Höhe des Äquators soll die klimafreundliche, selbstversorgende Trauminsel schwimmen. Dort gibt es viel Sonne und kaum Taifune. Das Fundament soll aus wabenförmigen, mit Wasser und Luft gefüllten Betonröhren bestehen, um so der Insel Auftrieb und Stabilität zu verschaffen. Die Technik haben die Japaner bereits bei schwimmenden Bohrinseln erprobt. Jede ihrer sogenannten grünen Flossen hat einen Durchmesser von drei Kilometern und einen Hauptwohnbezirk mit einem kelchartigen, 1000 Meter hohen Wohn- und Arbeitsturm, in und um den herum 40.000 Menschen wohnen sollen. 350 Hektar Nutzfläche bleiben den Bewohner, um ihre Lebensmittel zu produzieren. Baubeginn soll 2050 sein.
Foto: PRStadt-Tomaten
Weil es Kosten und Energie spart, erobert die Landwirtschaft die Innenstädte. In Deutschland soll nun „inFarming“ beginnen, ein Erntesystem fürs Büro, in dem Pflanzen vom gereinigten Abwasser und der Abwärme der Gebäude gedeihen. „Wir wollen Dächer für den Anbau von Gemüse nutzen“, sagt Volkmar Keuter, der verantwortliche Leiter am Oberhausener Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheit- und Energietechnik. Die Idee: Nach dem Job erntet der Angestellte noch im Gewächshaus auf dem Bürodach sein Gemüse. Auf einem Viertel der 1200 Millionen Quadratmeter deutschen Büroflachdächer könnten die Pflanzen gedeihen, rechnet Keuter vor. Sie würden in Städten jährlich rund 28 Millionen Tonnen CO2 binden. Das entspreche 80 Prozent der CO2-Emissionen von industriellen Betrieben in Deutschland. Erste Versuche laufen derzeit im Fraunhofer-Testhaus für neue Gebäudesysteme in Duisburg.
Foto: dpaSuperunkräuter und Powerwanzen
Gentechnisch veränderte Pflanzen schaden Bauern mehr als sie nutzen. Das ist das Fazit einer Studie von 20 führenden Umwelt- und Verbraucherschutzvereinigungen aus aller Welt, die auch Regierungen beraten. Dabei waren die Verheißungen groß: schmackhaftere Erdbeeren, weniger Unkrautvernichtungsmittel und höhere Erträge für Raps, Mais, Soja und Baumwolle. Sogar Welthunger, Klima- wandel und Bodenerosion sollten die Pflanzen zurückdrängen, deren Erbgut Biologen im Labor gezielt verändert haben. „Doch keines der Versprechen, das die Hersteller vor 20 Jahren zur Einführung der vermeintlichen Wunderpflanzen gaben, haben sie erfüllt“, heißt es in der Studie.
Stattdessen leiden Bauern unter negativen Auswirkungen: In Brasilien und Argentinien setzen sie auf ihren Feldern heute doppelt so viel Unkrautvernichtungsmittel ein wie auf konventionellen Feldern; auf Indiens Baumwollfeldern ist der Einsatz von Pestiziden sogar um das 13-Fache gestiegen. In China hat sich durch den Anbau von gentechnisch veränderter Baumwolle eine an sich harmlose Population von Wanzen verzwölffacht und bedroht jetzt die Pflanzen. In den USA, wo die meisten genmanipulierten Pflanzen wachsen, fördert ihr Anbau die Ausbreitung von Superun-kräutern, die Unkrautvernichtungsmitteln widerstehen.
Die drei großen Saatgutunternehmen Monsanto, Dupont und Syngenta kontrollieren heute mehr als zwei Drittel der weltweiten Saatgutverkäufe. Monsanto hat zudem 95 Prozent des indischen Saatgutmarktes für Baumwolle im Griff. Die Folge: Die Preise steigen stetig.
Foto: dpa/dpawebErneuerbare Energien
11 Milliarden Euro haben die Deutschen beim Import von Brennstoffen wie Öl und Gas durch erneuerbare Energien 2011 eingespart. Ihr Anteil an der Stromversorgung lag im Jahr 2011 bei rund 20 Prozent. Das ergab eine Studie des Bundesverbandes Erneuerbare Energie.
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Tun, was Anderen hilft
Nach dem Studium vermarktete er Kreuzfahrten übers Internet. Er bekam ein ordentliches Gehalt, war am Unternehmen beteiligt - aber nicht glücklich. "Ich will nicht einfach Produkte verkaufen", sagt Vahle, "sondern etwas tun, das anderen Menschen hilft."
Also verließ er das Unternehmen und rollte seine Luftmatratze bei seinem Kumpel Frank Eckert aus. Der hatte sich schon während seines Studiums als Zuhörer an einem Sorgentelefon für Studenten engagiert und dann die Nightline Stiftung mitgegründet, die solche Sorgentelefone in ganz Deutschland etablieren will. Wie Vahle hatte er gemerkt, dass es gemeinnützigen Initiativen oft schwerfällt, Spenden einzusammeln. "Also haben wir überlegt, wie wir dieses Problem mit einem neuen Startup lösen können", erzählt Vahle.
Renzo Rosso, Gründer von Diesel, hat es vom Bauernhof in die Chefetage geschafft.
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Über den Gründer des Skateboard-Labels Titus kam 2012 sogar ein Film ins Kino
Foto: dpaJames Dyson
Der britische Erfinder und Unternehmer wurde durch seinen beutellosen Staubsauger berühmt
Foto: dpaGünther Fielmann
Der Vorstandsvorsitzende von Fielmann eröffnete 1972 sein erstes Fachgeschäft
Eike Batista
Der Unternehmer ist der reichste Mann Brasiliens
Foto: REUTERSErich Sixt
Der 68-Jährige machte Sixt zur größten Autovermietung Deutschlands
Foto: dapdRichard Branson
Der Airline-Gründer will mit seinem Unternehmen Virgin Galactic Privatleute ins All schicken
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Das Ergebnis heißt Boost: Ein Internet-Startup, das Partnerschaften mit Online-Shops schließt. Immer wenn ein Kunde über Boost in den Shops einkaufen geht, erhält das Startup eine Provision zwischen 2 und 22 Prozent. Von dieser Provision wiederum behält es zehn Prozent, um sich selbst zu finanzieren; 90 Prozent wandelt es in eine Spende um, der Kunde wählt den Empfänger. Wer also via Boost bei Amazon kauft, kann mit einem Teil des Kaufpreises eine Initiative seiner Wahl unterstützen - etwa ein Kinderhospiz in Berlin. Teurer wird der Einkauf dadurch nicht.
Benjamin Vahle und Frank Eckert vom Startup "Boost". (Zum Vergrößern bitte anklicken)
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Platz 10: Universität Magdeburg
Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg fördert den Unternehmergeist ihrer Studenten mit dem Interaktionszentrum Entrepreneurship. Es betreibt etwa das Projekt "Pro-Active Science Transfer", das mit Geldern aus dem Europäischen Sozialfonds (EFS), Forschungsergebnisse lukrativ macht und ihren Transfer in die Wirtschaft unterstützt. Ebenfalls ESF-Gelder fließen in das Projekt Senior- & Juniorpreneurship, das Gründungen von Studenten begleitet.
Das kostenlose OpenSource-Projekt Docear, eine Ausgründung der Uni Magdeburg, ist ein Programm für die Bedürfnisse von Wissenschaftlern. Damit lassen sich wissenschaftliche Texte erstellen, verwalten und suchen. Im April erhielten die Gründer dafür den ersten Platz beim Businessplanwettbewerb ego.Business.
Foto: dpaPlatz 9: Universität Potsdam
An den drei Niederlassungen der Universität Potsdam geben sogenannte Standortmanager in Beratungsgesprächen erste Orientierung für eine Unternehmensgründung. Wenn es tatsächlich zur Gründung kommt, helfen Sie, einen Businessplan auszuarbeiten und vermitteln Büros oder Labors für das Start-Up. Das nötige Gründungswissen vermitteln Vorlesungen des Lehrstuhls für Innovationsmanagement und Entrepreneurship.
Zwei Studenten, ein Doktorand und ein Absolvent der Uni Potsdam haben 2009 in Berlin die Signavio GmbH gegründet. Das Unternehmen entwickelt Software zur Optimierung von Geschäftsprozessen.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 8: LMU München
Die Ludwig-Maximilians-Universität München lehrt nicht nur Unternehmertum und bietet Hilfestellung bei Neugründungen – sie bringt ihre Studenten auch mit regionalen Unternehmen zusammen. So können sie im Programm „Entrepreneur Farm“ an Trainings mit Unternehmensmitarbeitern und über mehrere Monate an Praxisprojekten in den Firmen teilnehmen.
Ein Beispiel einer Ausgründung: Ihre naturwissenschaftlichen Kenntnisse wenden die theoretischen Pysiker Tassilo Keilmann und Karl Gerd Vollbrecht auf den Aktienmarkt an. Die Mitarbeiter des Max-Planck-Institut für Quantenoptik an der LMU haben mit aktienprognose.de ein Portal gegründet, das den weiteren Verlauf von Aktienkursen anhand von Forschungsergebnissen aus der Quantenphysik schätzt. Damit erreichen sie nach eigenen Angaben eine Prognosegüte von 74 Prozent.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 7: FU Berlin
Seit 2006 sind aus der Gründungsförderung der Freien Universität Berlin, die sich „Profund“ nennt, über 70 Kapitalgesellschaften hervorgegangen. Jährlich führt sie zwischen 150 und 200 Beratungsgespräche und bietet in fünf sogenannten Gründerhäusern auf dem Campus 120 Arbeitsplätze für studentische Start-Ups. Außerdem veranstaltet die FU etwa ihren „Entrepreneurship Summit“, der rund 1.500 Teilnehmer pro Jahr anlockt. Auf den mehrmals jährlichen „Business & Beer“-Abenden können Gründer ihre Konzepte vorstellen und den Vorträgen etablierter Unternehmer oder Experten lauschen.
ePortrait soll den Gang zur Fotokabine für Passbilder überflüssig machen. Die im März 2012 gestartete Ausgründung der FU Berlin bietet die Möglichkeit, per Webcam biometrische Passbilder am PC zu machen und sie zu bestellen. Das Unternehmen setzt auch auf Geschäftskunden. So ist das Programm seit Mai in der Website einer Krankenkasse integriert und kann für die Fotos auf elektronischen Gesundheitskarten genutzt werden.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 6: Universität Rostock
Mit Wettbewerben will die Universität Rostock den Unternehmergeist ihrer Studenten wecken. 2009 organisierte das Gründerbüro erstmals „Idee sucht Mentor“. Dabei stellen die Teilnehmer bei einer Art Speed-Dating verschiedenen Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft ihre Geschäftsidee vor. Haben Studenten und Mentoren zusammengefunden, erarbeiten sie ein Geschäftskonzept und messen sich dabei mit anderen Gruppen. In der zweiten Jahreshälfte organisiert das Gründerbüro außerdem den Jungunternehmerpreis der Universität Rostock. Seit 2006 wurden laut Uni dort 130 Firmen gegründet. Berührungslose Messtechnik für die Industrie verkauft die Astech Angewandte Sensortechnik GmbH in Warnemünde. Zum Portofolio der Ausgründung der Uni Rostock gehören Sensoren, um Geschwindigkeit, Länge, Abstand, Position, Breite und Farbe zu bestimmen.
Foto: ZBPlatz 5: RWTH Aachen
Im Jahr 2000 hat die Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen gemeinsam mit der örtlichen IHK und den Sparkassen ihr Gründerzentrum ins Leben gerufen. 2003 folgte der Entrepreneurship-Lehrstuhl „Wirtschaftswissenschaften für Ingenieure und Naturwissenschaftler“ (WIN). Die Uni begleitet ihre Jungunternehmer nicht nur während der Gründung, sondern auch in den ersten fünf Jahren danach.
Auf Pursenal.de können sich Nutzer ihre eigene Handtasche gestalten. Dabei lassen sich unter anderem Größe, Lederfarbe, Fadenfarbe, Futter, Innenausstattung, Verschluss und Riemenlänge variieren.
Foto: dpaPlatz 4: Universität Lüneburg
Auch die Leuphana Universität Lüneburg setzt auf Beratung, Gründungslehre, Wettbewerbe und Netzwerke. Zusätzlich bietet sie jedem Gründer ein sogenanntes Starter-Set an, genauer gesagt einen 50-Euro-Gutschein, der unter anderem für kostenpflichtige Gründungsveranstaltungen gilt.
Mit der Ticcats GmbH hat der ehemalige Leuphana-Student 2010 Deutschlands erstes Online-Preisvergleichs-Portal für Live-Unterhaltungs-Tickets gegründet.
Foto: WirtschaftsWoche
Platz 3: Bergische Universität Wuppertal
Seit 1998 fördert die Bergische Universität Wuppertal unternehmerisch engagierte Studenten mit ihrem Gründerzentrum bizeps. Zwei Mitarbeiter stehen für Beratungsgespräche bereit, die Uni bietet Labors und Werkstätten für den Bau von Prototypen und Büros für die geschäftliche Arbeit. Hinzu kommen praxisorientierte Workshops, wie "Wenn aus Freunden Geschäftspartner werden - Typische Probleme" oder "Welche Versicherung braucht ein Gründer wirklich?“.
Sie alle machen Lärm: Autos, Lüftungsschächte, Kompressoren und Pumpen. Um diesen Lärm einzudämmen, hat die 2007 an der Uni Wuppertal gegründete WaveScape GmbH eine Technik entwickelt, die Lärm erkennt und mit künstlichem Gegenschall überlagert. Dabei dämpfen sich Schall und Gegenschall gleichzeitig. Mittlerweile hat das Unternehmen sieben Mitarbeiter
Foto: dpa
Platz 2: TU Berlin
Gründerbotschafter an jeder Fakultät der Technischen Universität Berlin sollen bei den Studenten für Unternehmertum werben. Das Zentrum für Entrepreneurship der Uni betreibt außerdem eine Teambörse, in der Gründer nach Partnern suchen können, die in ihr Projekt einsteigen wollen. Hinzu kommen Beratungsgespräche, eine Gründerwerkstatt und Arbeitsräume für Gründer, die die Hochschule anbietet. Zukünftig will die TU eine internationale Gründercommunity aufbauen und ein Exzellenzprogramm für Start-Ups mit hohem Wachstumspotenzial einrichten.
Die Aeroíx GmbH stellt technische Textilien für die Luftfahrt her. Die TU-Ausgründung mit Stoffen, die etwa in Flugzeugen verarbeitet werden, erhielt 2008 ein Gründerstipendium aus dem Exist-Programm des Bundeswirtschaftsministeriums.
Foto: Dahl_TUB Gründungsservice
Platz 1: TU München
Die Technische Universität München (TUM) besitzt mit der UnternehmerTUM GmbH eine eigene Unternehmensberatung, die an der Uni entwickelte Technologien auf ihr Marktpotenzial untersucht – und bei Bedarf die Unternehmensgründung mit Rat und Tat begleitet. Außerdem hat sie einen Fonds eingerichtet, mit dem sie in vielversprechende Ausgründungen investiert. Mit der Entrepreneurs' Night veranstaltet sie Netzwerkabende für studentische Start-Ups und bereits etablierte Unternehmen.
Foto: WirtschaftsWoche
Die Idee ist so simpel wie erfolgreich: Etwa ein Jahr nach der Gründung haben Vahle und Eckert rund 5.000 Nutzer angelockt, die mit ihren Einkäufen schon mehr als 60.000 Euro Spenden generiert haben und über soziale Netzwerke neue Nutzer anlocken. Rund 600 Charity-Projekte haben davon schon profitiert.
Für die Gründer selbst blieben davon allerdings erst ein paar Tausend Euro übrig. Um von Boost leben zu können, bräuchte die Plattform mehr als 100.000 Nutzer, schätzt Vahle. Deswegen übernehmen die Gründer Programmieraufträge und haben rund 90.000 Euro bei Freunden eingesammelt, um Boost starten zu können.
Tatsächlich ist die Finanzierung für viele Sozialunternehmer eine Herausforderung - doch es gibt auch Geldquellen für Gründer mit diesem Geschäftsmodell. Markus Schulz und Daniela Schiffer etwa haben gerade über das Crowdfunding-Portal Seedmatch mehr als 84.000 Euro Risikokapital von über 150 Privatleuten eingesammelt. Daneben können Sozialunternehmer Spenden, Stiftungsmittel, Zuschüsse, Förderkredite und sogar Risikokapital an Land ziehen.
Platz 17: Berlin
Das Projekt Startup Genome hat ermittelt, was die besten Standorte für Gründer sind. Immerhin auf dem 17. Platz landet eine deutsche Stadt. Die Hauptstadt hat sich in den vergangenen Jahren zum Anziehungspunkt für Start-Up-Gründer entwickelt. Besonders die Gegend um den Rosenthaler Platz hat es vielen angetan, die mittlerweile schon Silicon Allee genannt wird.
Erfolgreiche Berliner Start-Ups der vergangenen Jahre waren unter anderem kaufda, die Werbeprospekte ins Internet stellen, der Gutscheinhändler Groupon, Zalando oder eDarling. Auch das von US-Schauspieler Ashton Kutcher unterstützte Start-Up Amen hat seinen Sitz in Berlin.
Foto: dpaPlatz 10: Moskau
Zwanzig Kilometer außerhalb von Moskau entsteht in Skolkowo ein neues „russisches Silicon Valley“. Das Innovationszentrum soll im gleichen Stil wie das Original neue Hochtechnologien hervorbringen. Dazu sollen dort in Zukunft über 30 000 Wissenschaftler an neuen Ideen tüfteln. Eröffnet wird „Innograd“ wahrscheinlich frühestens 2016.
Foto: dpaPlatz 9: Bangalore
Immer erinnernd an das amerikanische Vorbild, hat Bangalore den Beinamen „indisches Silicon Valley“ bekommen. Nicht zu Unrecht: In der Stadt haben sich viele IT-Firmen wie SAP, Oracle und IBM niedergelassen. Deswegen ist auch die Zahl der Informatiker in der Stadt hoch.
Foto: ReutersPlatz 8: Sao Paulo
Brasilien, und allen voran Sao Paulo, ist im Beliebtheitsranking von Start-Up-Gründern schnell nach oben geklettert. Im Gegensatz zu anderen Metropolregionen haben die Gründer hier viel Platz um sich auszuleben. Investoren schätzen das große Potential in Südamerika und stellen bereitwillig Gelder bereit.
Auch die deutschen Samwer-Brüder, die unter anderem auch in Zalando, Jamba oder Groupon investiert haben, sind in Sao Paulo aktiv. Der Skype-Gründer Niklas Zennström hat in einen Online-Shop für Babyartikel investiert.
Foto: ReutersPlatz 7: Singapur
Der Tigerstaat hat sich eine kleine Stadt im Inneren geleistet: Die Biopolis. Über 220 000 Quadratmeter groß, arbeiten hier Wissenschaftler aus der ganzen Welt an neuen Entwicklungen für die Medizin und Biotechnologie.
Diese Bereiche sind bei Risikokapitalgebern sehr beliebt, da sie gute und vergleichsweise sichere Renditen versprechen. Start-Ups in diesen Bereichen kommen hier schnell an einen Investor.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 6: Los Angeles
Start-Ups fühlen sich wohl in der Nähe von Unterhaltungsindustrie, die ständig auf der Suche nach neuen technischen Möglichkeiten oder Ideen sind – und welcher Ort könnte dafür besser sein, als Los Angeles. Auch die Nähe zu vermögenden Bewohner der Stadt, wie zum Beispiel zum bekannten Schauspieler und Risikokapitalgeber Ashton Kutcher, zieht junge Unternehmensgründer an.
Foto: APPlatz 5: Tel Aviv
Auch in Israel gibt es eine Niederlassung des Silicon Valley: Das Silicon Wadi. Laut „The Globe and Mail“ sollen 422 Start-Ups – alleine in den ersten drei Quartalen vergangenen Jahres - fast 1,9 Milliarden Euro Risikokapital eingesammelt haben.
Auch die großen US-Konzerne bedienen sich gerne an den kreativen Start-Ups im Silicon Wadi. So hat Ebay im September sein Portfolio für 20 Millionen Dollar um „The Gifts Projekt“ erweitert, eine Plattform, auf der Freunde gemeinsam Geschenke für eine andere Person kaufen können.
Foto: ReutersPlatz 4: Toronto
Die kanadische Metropole ist der wichtigste Finanzplatz des Landes. Hier sind auch viele Investmentfirmen angesiedelt – was die Stadt für Startup-Gründer besonders attraktiv macht. Aus Kanada kommt unter anderem die Idee des „1-Dollar-Business“, die unter anderem von der Freien Universität Berlin aufgegriffen wurde: Die Studenten erstellen einen Business-Plan der von einer Jury aus Wirtschaftsvertretern bewertet wird. Der beste Plan gewinnt.
Foto: WirtschaftsWochePlatz 3: London
Die Strahlkraft des Silicon Valley ist so groß, dass Ortsteile in denen sich viele junge Unternehmensgründer ansiedeln, schnell einen Namen tragen, der an das amerikanische Vorbild erinnert. In London ist es das „Silicon Roundabout“ rund um die U-Bahn Haltestelle „Old Street“.
Hier sitzt zum Beispiel auch die 2008 gegründete Internetfirma „Mixcloud“. Dort können sich die Nutzer ihr eigenes Radioprogramm zusammenstellen und mit Freunden teilen.
Foto: ReutersPlatz 2: New York City
Die Stadt gilt gemeinhin als Schmelztiegel der Kulturen, indem neue Ideen viel Raum finden. Und weil man sich in der Millionenmetropole nicht so leicht durch Zufall über den Weg läuft, haben Dennis Crowley und Naveen Selvadurai 2009 das Start-Up Foursquare gegründet. Über das Internet oder eine App können sich Nutzer an einem Ort „einchecken“ und sehen, wo sich ihre Freunde gerade befinden.
Foto: ReutersPlatz 1: Silicon Valley
Im Silicon Valley, rund um San Francisco, Palo Alto, San José und Oakland, tummelt sich alles, was in der IT-Branche Rang und Namen hat: Steve Jobs hat hier an den ersten Macs gebastelt, Marc Zuckerberg mit Facebook Milliarden verdient und auch der Suchmaschinengigant Google hat es sich im Valley bequem gemacht.
Kein Wunder also, dass dies der perfekte Nährboden für Start-Ups ist. Die Foto-App Instagram – zwei Jahre alt, 13 Mitarbeiter – ist gerade für eine Milliarde US-Dollar von Facebook übernommen worden. Auch der Facebook-Konkurrent Pinterest sitzt in Palo Alto.
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Weil die Geldgeber aber Auflagen machen und Renditen erwarten, will Ashoka eine Finanzierungsagentur aufbauen. Sie soll Sozial-Startups passende Kapitalpakete schnüren: "Die Geldgeber sollen sich um die besten Ideen kloppen, nicht umgekehrt", sagt Felix Oldenburg. "Gute Sozialunternehmer sind knapper als Kapital."
Anja Kersten, Ansgar Jonietz und Johannes Bittner könnte eine solche Agentur womöglich helfen. Die drei Gründer aus Dresden bauen ein Startup auf, das von Anfang an durchschlagenden Erfolg hatte. Während ihres Medizinstudiums wurde Kersten von einer Bekannten gefragt, wie sie einen Befund ihrer Ärztin verstehen solle. Im Text wimmelte es nur so von Fachbegriffen. Das brachte Kersten und ihre Mitgründer auf eine Idee: Wie wäre es, wenn Medizinstudenten Befunde in verständliches Deutsch übersetzen und so Patienten helfen und selbst lernen, besser zu kommunizieren?
Also rekrutierten die Gründer angehende Ärzte und starteten 2011 die Plattform Washabich.de. Exakt zwölf Minuten nach dem Launch fanden sie den ersten Befund in ihrer Mailbox, bis heute haben sie mithilfe Hunderter Medizinstudenten mehr als 12.500 Befunde übersetzt. Und ihren Patienten zum Beispiel erklärt, dass eine "blutige Imbibierung der Muskelmanschette des Humeruskopfes" eine Einblutung in jene Muskeln ist, die das Schultergelenk wie einen Mantel umgeben.
Anja Kersten, Johannes Bittner und Ansgar Jonietz des Startups "washabich". (Zum Vergrößern bitte anklicken)
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Um diese Hilfe auch in Zukunft kostenlos anbieten zu können, setzt das Trio auf eine Mischfinanzierung: Jeder dritte Patient bedankt sich mit ein paar Euro für die Übersetzung. Dazu kommen bezahlte Projekte und Studien, etwa mit der Bertelsmann Stiftung oder für den AOK-Bundesverband. Laufende Einnahmen versprechen sich die Gründer von einer engeren Zusammenarbeit mit Kliniken, die sich auf Washabich.de präsentieren und dort um gute Ärzte werben. Dieses Modell soll auch Risikokapitalgeber überzeugen. Leute wie Erwin Stahl.
Der 46-Jährige hatte lange nichts mit Sozialunternehmen am Hut. Während des ersten Dotcom-Booms Ende der Neunzigerjahre baute er für Risikokapitalgeber Fonds auf, die in IT- und Softwarefirmen investierten – mit dem Ziel, das eingesetzte Geld zu vervielfachen. Das änderte sich, nachdem die Internet-Blase geplatzt war: Seit dem Jahr 2003 baut Stahl BonVenture auf - einen der ersten Risikokapitalgeber für Sozialunternehmer in Deutschland.
Idee und Kapital stammen von vermögenden Privatinvestoren, die "der Gesellschaft etwas zurückgeben wollen", sagt Stahl. Sie haben in den vergangenen zehn Jahren über BonVenture einen zweistelligen Millionenbetrag in rund 25 Sozialunternehmen investiert - zu den bekanntesten gehören etwa Chancenwerk, das benachteiligten Schülern Mentoren vermittelt, oder Bettermarks, das ein Online-Lernsystem für Mathematik entwickelt hat.
Anfangs musste BonVenture gute Projekte noch suchen - inzwischen klopfen jedes Jahr rund 400 Social Entrepreneurs an. Bei einer Handvoll beteiligt sich BonVenture dann mit einem Betrag von 250.000 Euro oder mehr. Mit seinem Einsatz strebt BonVenture eine Rendite von sechs bis zehn Prozent an, damit die Kosten gedeckt sind. "Uns geht es nicht um den maximalen Profit", sagt Stahl, "sondern um die größtmögliche Wirkung."
Womöglich wäre auch Pflegeschule.de aus Oldenburg ein lohnendes Projekt für BonVenture. Die Plattform für Pflegekurse haben vier Gründer ins Leben gerufen, die Mitte 20 sind, aber sich um ein Problem kümmern, das in den meisten Fällen erst mit Ende 70 auftritt: Pflegebedürftigkeit.
Der Auslöser: die Großmütter von Mitgründer Clemens Meyer-Holz, die fast zeitgleich zu Pflegefällen wurden. Eine Situation, die viele Deutsche erleben: Aktuell gibt es hierzulande knapp 2,5 Millionen Pflegebedürftige, 2030 sollen es rund 3,4 Millionen sein. Meyer-Holz und seine Familie wussten damals weder, wie sie den beiden helfen konnten, noch war ihnen klar, dass sie Anspruch auf einen Pflegekurs hatten. Aus der Not machte Meyer-Holz eine Tugend und gründete Pflegeschule.de. Auf der Internet-Plattform wollen die Gründer virtuelle Kurse anbieten, die Angehörige bei rechtlichen Fragen unterstützen und sie im Umgang mit Pflegebedürftigen schulen. Per Online-Community sollen sich die Nutzer untereinander und mit Experten austauschen.
Den Start finanzierten die vier Gründer über ein Exist-Gründerstipendium des Bundesministeriums für Wirtschaft und mit eigenen Mitteln. Auch wenn das Angebot für die Betroffenen kostenlos bleiben soll, sind Meyer-Holz und seine Mitgründer überzeugt, auf eine rentable Geschäftsidee gestoßen zu sein: Aktuell verhandeln sie mit Krankenkassen darüber, die ihren Versicherten für ein paar Cent Zugang zu der Plattform verschaffen wollen.
"Wir wollen von unserem Unternehmen natürlich leben können", sagt Meyer-Holz, "aber vor allem wollen wir etwas Sinnvolles tun."