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Ölfonds ohne KohleProven Oil treibt Anleger in hoch riskantes Abkassiermodell

Proven Oil will seine Ölfonds umstrukturieren und wirbt um Zustimmung. Was unter dem Deckmäntelchen der Effizienzsteigerung daherkommt, erscheint als Versuch, die Anleger in ein riskantes Vabanquespiel zu treiben.Florian Zerfaß 14.07.2013 - 12:26 Uhr

Der Ölfonds-Anbieter Proven Oil Canada lockt Anbieter mit hohen Renditen - verunsichert aber mit undurchsichtigen Gesellschaftsstrukturen und unklaren Aussagen

Foto: dpa

Der Aufruhr ist groß bei vielen Anlegern von Proven Oil­Canada. Von „Frechheit“ bis „Husarenstück“ reichen die Kommentare, die in der vergangenen Woche bei der WirtschaftsWoche eingingen, die mehrfach vor dem fragwürdigen Abkassiermodell Proven Oil gewarnt hatte. Der Grund des Ärgers: Anfang Juli hatten Anleger, die sich an den geschlossenen Fonds des Berliner Emissionshauses beteiligt hatten, Post von Proven-Oil-Chefin Monika Galba bekommen.

Inhalt: Am 18. und 19. Juli sollen in Berlin Gesellschafterversammlungen für die sechs bisher platzierten Fonds stattfinden. Dann sollen Anleger beschließen, die kanadischen Investitionsgesellschaften der sechs Fonds zu einer Master-Gesellschaft zusammenzulegen. So soll statt sechs kleiner eine große Gesellschaft die Beteiligung der deutschen Anleger an Öl- und Gasquellen in Kanada managen.

Was Fondskäufer wissen sollten
Die Mehrheit der deutschen Anleger handeln ihre Wertpapiere über ihre Hausbank. Doch gerade bei Aktienfonds, die rasch an Wert gewinnen oder verlieren können, ist der Gang zum Bankberater nicht immer optimal. Denn einerseits gilt die Alternative zu Recht als teuer. Zahlen Anleger hier beim Kauf doch meist den vollen Ausgabeaufschlag. Dafür bleibt jedoch die Rückgabe der Anteile spesenfrei. Das Problem: Die Abwicklung kann hier deutlich länger dauern als einen Handelstag. Das kann zwar gute Gründe haben. Vorsichtige bevorzugen dennoch die Abwicklung über die Börse.
Der sicherste Variante für zeitbewusste Anleger ist der Handel über die Börse. Dabei geben Anleger wie gewohnt ihre Order beim Bankberater ab, tragen aber als Handelsplatz die Börse Hamburg an. Dadurch fallen zwar Kosten an, die je nach Fonds etwas variieren können (www.fondsboerse.de). Dafür erfolgt die Abwicklung zeitnah. Beim Kauf von Papieren ist es ohnehin meist billiger, Fonds über die Börse zu kaufen. „Wenn Sie die Bank auf diese Option nicht hinweist, macht sie sich unter Umständen eines Beratungsfehlers schuldig“, sagt Johannes Fiala, Anwalt mit dem Schwerpunkt Kapitalmarktrecht aus München.
Fondskäufer, die wissen, was sie wollen, sollten Onlinebroker oder Fonds-Supermärkte ins Kalkül ziehen. Sie bieten meist nicht nur eine Auswahl unter tausenden Fonds, die in Deutschland zum Vertrieb zugelassen sind. Oft können sie hier auch problemlos auf Sparpläne auf Wunschfonds abschließen, die sie via Hausbank nicht bekommen. Die Anbieter handeln die Fondsanteile dabei über dieselben Plattformen wie die Profis. Manche der Anbieter garantieren zudem eine taggleiche Abwicklung der Aufträge, sofern die Order vor zwölf Uhr eintrifft.
Wie bei Aktien können Fondsanleger bei manchen Anbietern zudem Limits setzen. Das bedeutet, sie beauftragen den Händler etwa mit einem Stopp-Loss den Fondsanteil zu verkaufen, sobald der Fondspreis unter eine gewisse Grenze fällt. Diese Order kostet wird dann bei steigenden Kursen nicht ausgeführt. Einige Online-Broker ziehen diese Grenze auf Wunsch bei steigenden Kursen kostenlos nach.

Proven Oil wirbt mit Synergien und Sparpotenzialen für den Deal. Die Größe sichere außerdem eine bessere Marktposition. Doch bei genauem Hinsehen wird deutlich, dass die Fonds zwar über Öl- und Gasquellen verfügen, aber offensichtlich nicht mehr über genügend Kohle. Was unter dem Deckmäntelchen der Effizienzsteigerung daherkommt, erscheint als Versuch, die Anleger in ein hoch riskantes Vabanquespiel zu treiben.

Frisches Geld

„Die Erfahrung lehrt, dass Transfers in Pool-Gesellschaften für Anleger selten etwas Gutes bedeuten“, sagt Rechtsanwalt Andreas Lang von der Frankfurter Kanzlei Nieding + Barth. „Auch bei Proven Oil drängt sich der Verdacht auf, dass hier Liquiditätslöcher gestopft werden sollen.“

Neun Gründe nennt Proven Oil für die Zusammenlegung, bei keinem einzigen tauchen konkrete Berechnungen oder wenigstens Schätzungen des Einsparpotenzials auf. Auch belastbare Angaben zur derzeitigen wirtschaftlichen Lage der Fonds, etwa zu Gewinn und Verlust, gibt es nicht.

Insbesondere die Gasquellen machen Sorgen. In Schreiben an die Anleger mehrerer Fonds heißt es: „Aufgrund des niedrigen Gaspreises wurden daher von den Banken alle Finanzierungsmöglichkeiten für Gas­fördergebiete stark zurückgefahren, obwohl die Prognose
für die weitere Preisentwicklung nach einhelliger Experten­meinung positiv ist. In den nächsten zwei Jahren wird eine Steigerung auf 5 bis 6 USD/mcf [US-Dollar pro 1000 Kubikfuß] erwartet, was eine profitable Förderung möglich macht.“ Der Umkehrschluss: Derzeit ist die Förderung nicht profitabel.

Exxon Mobil

Aktuell geht es nicht darum, dass ein Ölmulti zahlen soll, sondern dass er Geld bekommt. ExxonMobil, größter Ölkonzern der Welt, hatte 2007 gegen Venezuela geklagt, weil die Regierung Chavez Ölfelder verstaatlicht hatte. Davon betroffen war auch das Cerro-Negro-Projekt, in das Exxon 750 Millionen Dollar gesteckt hatte. 908 Millionen Dollar sprach ein Schiedsgericht dem Konzern zu. Die staatliche Ölgesellschaft Petroleos de Venezuela erklärte sich allerdings nur bereit, 255 Millionen Dollar zu zahlen. Exxon Mobil machte im letzten Jahr einen Gewinn von rund 10 Milliarden Dollar - 225 Millionen aus Venezuela sind da nur ein nett gemeinter Händedruck.

Foto: AP

Chevron
Chevron schlägt sich mit einer fast 20 Jahre alten Klage herum - ein Ende ist nicht in Sicht: Das Unternehmen Texaco hat damals die Rückstände von Bohrungen vor der Küste Brasiliens falsch entsorgt und so Teile des Regenwaldes verschmutzt. Mit dem Kauf von Texaco durch Chevron im Jahr 2001 übernahm Chevron auch den Rechtsstreit. Der amerikanische Konzern soll nun Ecuador 18 Milliarden Dollar Schadensersatz zahlen, entschied schon im Februar ein Gericht. Kürzlich wurde die Entscheidung von einer weiteren Instanz bestätigt. Damit gibt sich Chevron aber nicht zufrieden. Das Unternehmen spricht von Betrug und will vor einem US-Gericht gegen die Entscheidung vorgehen.

Foto: REUTERS

Shell
Nicht nur die Entsorgung der Plattform Brent Spar machte Shell Probleme: Im Sommer vergangenen Jahres wurde ein Loch an einer Leitung unter der Plattform "Gannet Alpha" in der Nordsee entdeckt worden. Insgesamt sind nach Angaben von Shell mehr als 200 Tonnen Öl ausgetreten. In der defekten Leitung wurden weitere 600 Tonnen Öl vermutet. Der Sachschaden geht in die Milliarden. Konkrete Forderungen wurden bislang allerdings nicht gestellt.

Foto: dapd

Deepwater Horizon
Am 20. April 2010 sank rund 80 Kilometer vor der Küste bei New Orleans die BP-Ölbohr-Plattform "Deepwater Horizon". 4,9 Millionen Barrel (769 Millionen Liter) Öl traten flossen aus und machten das Unglück zur schlimmsten Ölpest in der Geschichte der USA. 1000 Kilometer Küste wurden verschmutzt, unzählige Tiere verendeten. Eine erste grobe Schätzung ging damals von Kosten in Höhe von 30 Milliarden Dollar nur für die Reinigung der verschmutzten Gebiete aus. Betreiber BP begann, Ölfelder zu verkaufen, um die Kosten decken zu können. Bisher gab BP mehr als 14 Milliarden Dollar für Reinigung und Entschädigungen aus. Mittlerweile beschäftigt die Ölpest zig Gerichte.

Foto: dpa

BP
Die Katastrophe der Deepwater Horizon bescherte BP neben dem Imageschaden auch noch zusätzlich einen Verlust von fünf Milliarden Dollar. Die Folgekosten dürften noch eine ganze Weile weiterlaufen. Deshalb versucht das Unternehmen sich von seinen Partnern Geld zurückzuholen. So verklagte BP den Schweizer Betreiber der Plattform, die Firma Transocean, auf 40 Milliarden Dollar Entschädigung. Transocean bezeichnete dies als einen "verzweifelten Versuch", die Verantwortung von sich zu weisen. Außerdem ging BP - ebenfalls ein Jahr nach der Katastrophe - gegen Cameron International vor Gericht. Der Notstop, ein sogenannter "Blowout Preventer", der Firma hatte nicht funktioniert, weshalb das Öl weiter aus der Quelle lief.

Foto: REUTERS

Halliburton
Aktuell verklagt BP Halliburton. Das Subunternehmen soll 20 Milliarden Dollar zahlen, weil es das Bohrloch mit billigem Zement abgedichtet und anschließend die Beweise für den Pfusch vernichtet habe.

Foto: REUTERS

Exxon Valdez
Bei der Havarie der Exxon Valdez 1989 liefen über 40.000 Barrel Rohöl an der Südküste von Alaska ins Meer. Hunderttausende Vögel und Fische starben. Im anschließenden Strafverfahren einigten sich Exxon und Alaska auf folgendes:
Exxon zahlt 150 Millionen Dollar Schadensersatz, von denen aber 125 Millionen wegen der bereits erfolgten Schadensbeseitigung erlassen wurden und 100 Millionen Dollar Wiedergutmachung. Außerdem akzeptierte das Unternehmen die Verpflichtung zur Zahlung von 900 Millionen Dollar über zehn Jahre. Falls bis zum Jahr 2006 weitere, bislang unentdeckte Schäden auftauchen, müsse Exxon nochmals 100 Millionen Dollar zahlen.

Foto: dpa

Montara
Im August 2009 trat ein Leck auf der Offshore-Förderplattform Montara nördlich von Australien auf. 10 Wochen langen flossen rund 400 Barrel täglich - das sind etwa 63.000 Liter - ins Meer. Um die von der PTTEP Australasia betriebene Plattform bildete sich ein Ölteppich von mehr als 25.000 Quadratkilometern. Das Ökosystem leidet bis heute. PTTEP-Direktor Jose Martins erklärte sich bereit, alle Kosten zu übernehmen. Allein das Schließen des Lecks verschlang bis Anfang November rund 170 Millionen US-Dollar. Die Säuberungsarbeiten schlugen mit 5,3 Millionen Dollar zu Buche. Indonesien verklagte das Unternehmen auf 2,4 Milliarden Dollar wegen der Umweltverschmutzung, die in der Timorsee entstand. Bei einer Weigerung wollte die indonesische Regierung das Unternehmen vor den Internationalen Gerichtshof zerren. Als Zeichen der Wiedergutmachung erklärte sich die Betreiberfirma der Montara vergangenes Jahr bereit, der indonesischen Regierung drei Millionen Dollar zu zahlen. Weitere Verhandlungen stehen aus.

Foto: AP

Kollision der Aegean Captain mit Atlantic Empress
1979 kollidierten die griechischen Tanker Atlantic Empress und Aegean Captain vor der Küste von Trinidad-Tobago: 300.000 Barrel Öl liefen ins Meer. Die Kosten des Tankerunglücks wurden nicht erfasst.

Foto: dapd

Pallas
Ebenfalls in der Nordsee - und zwar vor Amrum - kenterte 1998 der Holzfrachter Pallas.
Das Schiff geriet in Brand, rund 100 Liter Schweröl flossen in das Naturschutzgebiet Wattenmeer, etwa 16.0000 Seevögel starben. Die Gesamtkosten der Havarie beliefen sich auf rund 15 Millionen Euro.

Foto: dpa/dpaweb

Die neue Master-Gesellschaft verspricht eine Lösung. Im ­Gesellschaftsvertrag werden der Geschäftsführung weit­reichende Kompetenzen ein­geräumt, um frische Liquidität zu beschaffen. So dürfen von der Master-Gesellschaft jederzeit und ohne vorherige Zustimmung der Anleger Öl- und Gasquellen verkauft werden, was bisher nicht möglich ist.

Zudem erhält die Geschäftsführung der Master-Gesellschaft die Ermächtigung, Kredite in Höhe von 40 Prozent des Gesellschaftskapitals aufzu­nehmen. Rund 300 Millionen Euro haben 11 000 Anleger in die Fonds eingezahlt, deren ­kanadische Töchter kauften damit Quellen für 400 Millionen kanadische Dollar. Künftig könnten somit bis zu 160 Millionen Dollar an Krediten aufgenommen werden – und dafür auch Sicherheiten gestellt, sprich: die Ölquellen verpfändet werden.

Proven Oil äußert sich auf Nachfrage nicht dazu, warum die Ausverkaufsklausel und die Kreditermächtigung in den Gesellschaftsvertrag aufgenommen wurden. Auch zur Liquiditätssituation macht die Gesellschaft keine Angaben.
Ob die Fonds ohne diese Maßnahmen weiterhin in der Lage wären, Auszahlungen an die Anleger zu leisten, wird ebenso wenig beantwortet.

Lang rät Anlegern deshalb, der Zusammenlegung nicht zuzustimmen. „Das wäre sehr gefährlich. Die Pool-Gesellschaft dient ganz offensichtlich der Verschleierung dessen, was bei den einzelnen Fonds passiert.“ Martin Seidel von der Düsseldorfer Anlegerschutzkanzlei Baum, Reiter & Collegen rät Anlegern ebenfalls, „auf keinen Fall der Beschlussvorlage zuzustimmen“. Er stört sich zum Beispiel daran, dass der Gesellschaftsvertrag der neuen Master-Gesellschaft nicht in voller Länge abgedruckt ist, sondern nur wesentliche Punkte beschrieben werden. „Man kann schon erwarten, dass man den Vertrag der Gesellschaft, an der man sich beteiligen soll, vorher mal lesen darf.“

Verschleierung

Noch mehr stört er sich an der Abwicklung, denn die sechs ­kanadischen Investitionsgesellschaften übertragen ihre ­Quellen nicht direkt an die neue Master-Gesellschaft. Zwischengeschaltet ist noch eine Gesellschaft mit unbeschränkter Haftung nach kanadischem Recht. Angaben zum Gesellschaftsvertrag gibt es hier überhaupt nicht – obwohl es die deutschen Fonds sind, die unbeschränkt haften. Für Seidel ein Unding: „Man packt erst mal alle Quellen in eine Black Box und schiebt sie dann weiter in die finale Master-Gesellschaft. Für Anleger sind die Risiken ohne Gesellschaftsvertrag völlig unkalkulierbar.“

Proven Oil macht auch hierzu auf Nachfrage keine Angaben. Stattdessen beglückt man die Anleger in den Erläuterungen zur Beschlussvorlage mit dieser abgegriffenen Erkenntnis: „Chance und Risiko liegen nahe beieinander – in der chinesischen Schrift beispielsweise wird für die Darstellung beider Begriffe das gleiche Zeichen verwandt.“ Bei Proven Oil ­stehen die Zeichen auf Krise.

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