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Digitalisierungsstrategie der DB Die Angst vor dem Abstellgleis

Warten auf die Zukunft: Digitalisierung und Vernetzung bieten dem Logistik-Riesen DB enormes Potential. Etwa lassen sich dank Big Data Verspätungen reduzieren. Quelle: dpa/picture-alliance

Mit 150 Projekten will die Deutsche Bahn ihre digitale und vernetzte Zukunft gestalten und so neben der Konkurrenz von Fernbussen, Billigfliegern und dem autonomen Auto bestehen. Aber ist die Bahn mal wieder zu spät und droht, in Sachen Digitalisierung aufs Abstellgleis zu geraten?

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Die Digitalisierung erfasst alle Lebensbereiche und macht auch vor der Deutschen Bahn nicht Halt. In Produktion und Wirtschaft läuft die Verknüpfung von realer und virtueller Welt unter dem Stichwort Industrie 4.0, bei der Bahn heißt es neuerdings DB 4.0. „Das Internet und digitale Endgeräte geben den Takt vor“, sagt Bahn-Chef Rüdiger Grube in einem Gastbeitrag. Digitalisierung ist bei der Bahn auch Chef-Sache. „Für uns wird es immer wichtiger, unsere Produkte zu digitalisieren und in Realtime anzupassen. Das mobile Internet und Big Data ermöglichen Vorausberechnungen, die wir uns bis vor kurzem nicht vorstellen konnten.“

Letzteres dürften vor allem Kritiker bestätigen, denn für viele ist die Bahn in Sachen Digitalisierung zu spät dran. Eine Digitalisierungsstrategie mit 150 Projekten hat diese kürzlich in einer großen Marketingkampagne angekündigt. Sechs Initiativen gehören dazu, alle versehen mit der Zukunftsmarke 4.0: Mobilität, Logistik, Infrastruktur, Produktion, Arbeitswelten und IT. „Das sind Projekte in die richtige Richtung, aber da muss noch mehr kommen“, sagt Prof. Andreas Knie, Geschäftsführer des Innovationszentrums InnoZ, auf Anfrage. Zwar diskutiere die Deutsche Bahn eine Verkehrswende mit Maßnahmen der Vernetzung und Digitalisierung. „Aber sie muss noch große Klimmzüge machen und von ihrem Eigentümer besser vorbereitet werden, um diese Aufgaben meistern zu können“, so Knie.

Mit der Teil-Initiative Mobilität 4.0 geht die DB das Thema Reisen an: neue Methoden des Ticketverkaufs, Echtzeitinformationen für den Kunden oder verkehrsträgerübergreifende Vernetzung. Die verkehrsverbund- und verkehrsmittelübergreifende Reiseplanung und Buchung über die App Qixxit etwa soll Kundenbindung schaffen. Mit Sharing-Angeboten jenseits der Schiene wie Rädern, herkömmlichen Autos und E-Fahrzeugen will sich die Bahn als Mobilitätsvorreiter behaupten. Populäres Beispiel ist zudem WLAN im Zug. Während kostenloser Internetzugang in Transportmitteln im Ausland oft schon lange die Regel ist, können Reisende der 2. Klasse im ICE nur auf etwas Breitband hoffen, wenn sie nah genug an Erste-Klasse-Abteile rücken. Noch in diesem Jahr soll sich das ändern: Bis Ende 2016 möchte die Deutschen Bahn ihre gesamte ICE-Flotte auf kostenloses WLAN umrüsten. Auch die Kunden der zweiten Klasse hätten so die Möglichkeit, gebührenfrei im Internet zu surfen. Momentan befindet sich das mobile Internet für alle bei der Bahn noch in der Testphase. Bisher ist ein ICE mit dem Gratis-WLAN für alle Passagiere ausgestattet. Wenn alles problemlos klappt, soll bis zum Jahresende die komplette Flotte umgerüstet werden.

Strategie Schiene Digital: Bundesminister Alexander Dobrindt, der Präsident des Verbandes der Bahnindustrie, Volker Schenk und der Vorstandsvorsitzende der DB AG, Rüdiger Grube (v.l.n.r.).  Quelle: BMVI

Forderungen kommen nicht nur von Seiten der Kunden, sondern auch von politischer Seite. Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt will eine digitale Mobilitätsrevolution, und zwar auf der Schiene. „Die Bahn kann so das Verkehrsmittel des digitalen Zeitalters werden – neben Arbeitsplatz und Wohnung, ein zusätzlicher Ort zum Arbeiten und zur Kommunikation“, sagte Dobrindt kürzlich bei der Unterzeichnung der Strategie Schiene Digital. Bei einem Besuch von Europas größtem Güterumschlagplatz im niedersächsischen Maschen stellte er zuvor klar, was er von dem Konzern erwartet. „Die Deutsche Bahn hat nicht die Aufgabe der Gewinnmaximierung“, sagte der Minister gegenüber der WirtschaftsWoche. Sie müsse Mobilität für alle anbieten, Räume erschließen und vernetzen – natürlich unter der Prämisse, keine Verluste zu machen.

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