WiWo App Jetzt gratis testen
Anzeigen

Anzeige: Sämtliche Inhalte dieser Seite sind ein Angebot von Capgemini. Für den Inhalt ist Capgemini verantwortlich.

Philips-DACH-Chef Peter Vullinghs „Der Patient muss nicht Mister Apple sein“

Peter Vullinghs, CEO Philips DACH Quelle: Philips

Die Menschen werden immer älter, Volkskrankheiten nehmen zu und Kliniken schreiben rote Zahlen. Peter Vullinghs, CEO Philips DACH, will die Probleme mit der Digitalisierung lösen – ohne die leidige Rentabilitätsfrage.

Herr Vullinghs, unsere Gesundheitswirtschaft wird immer digitaler. Was kommt außer Gesundheits-Apps und Fitness-Trackern sonst noch auf uns zu?
Wearable ist zuerst mal nicht gleich Wearable. Ich war ziemlich überrascht, als ich herausgefunden habe, wie viele dieser Geräte auf dem Markt gar nicht medizinisch zertifiziert sind. Manche sind ein Gadget für Jogger oder dienen der Prävention, andere werden in der Behandlung von Patienten eingesetzt. Neben Geräten gibt es im Bereich Digital Health aber auch die Software-Seite. Die Daten von Wearables und anderen Geräten können im Zusammenhang mit der digitalen Krankenakte zum Beispiel eine Warnmeldung an den Facharzt auslösen, dass ein Patient Hilfe braucht. So kann der Patient gleich in die Praxis bestellt werden, anstatt dass er kurze Zeit später in der Notaufnahme landet.

Gesundheit und Digitalisierung

Angesichts sich ausbreitender Volkskrankheiten werden solche Lösungen vermutlich immer wichtiger?
Ja, in Mecklenburg-Vorpommern startet bald das Projekt HerzEffekt. Dieses Bundesland hat die älteste Bevölkerung Deutschlands, und es fehlt vor allem in ländlichen Gegenden an Ärzten. Wir wollen bis 2018 die ersten 3000 Hochrisikopatienten mit Herzkrankheiten mit vernetzten Waagen, Blutdruckmessern und anderen Geräten ausstatten. Kardiologen sollen durch die gelieferten Daten automatisch informiert werden, wenn es einem Patienten schlechter geht. Wohlgemerkt: Das ist kein Pilotprojekt. Wir wollen irgendwann 20.000 Patienten an Bord haben.

Menschen mit Herzkrankheiten gehören meist zur älteren Generation, und grundsätzlich sind Senioren nun mal öfter krank, aber sie sind nicht mit digitalen Technologien aufgewachsen. Haben sie Berührungsängste gegenüber Digital-Health-Lösungen?
Man muss dafür sorgen, dass das nicht der Fall ist. Hinter vielen Produkten steckt eine Menge Technologie: Ein digitaler Medikamente-Dispenser ist mit den zuständigen Pflegediensten vernetzt und kann eine ganze Menge, aber der Nutzer muss nur einen einzigen Knopf drücken. Der Patient muss nicht Mister Apple sein.

„Hinter vielen Produkten steckt eine Menge Technologie.“  

Wie finanziert man ein so revolutionäres Projekt in der Gesundheitsversorgung?
Der Innovationsfond hat für solche Projekte 300 Millionen Euro bereitgestellt. Wir sind sehr glücklich darüber, dass unser Projekt unter den 27 ersten Projekten ausgewählt wurde und von einem Teil des Geldes aus dem Fond unterstützt wird. Wir wollen in diesem Zuge herausfinden, inwiefern das Projekt skalierbar und etwa in anderen Bundesländern oder für andere Krankheiten anwendbar ist.

Rentieren sich die hohen anfänglichen Investitionskosten für das Gesundheitssystem? Es kann ja nicht immer ein Investitionsfonds zur Seite springen.
Wir können es uns gar nicht leisten, uns diese Frage zu stellen. Wenn die Gesundheitsbranche in Deutschland die Digitalisierung nicht angeht, hat sie ein Problem. Wir werden immer älter, Krankheiten wie Diabetes kommen immer häufiger vor, und Krankenhäuser schreiben rote Zahlen. Ich bin davon überzeugt, dass wir diese Herausforderung nur mittels der Möglichkeiten der Digitalisierung lösen können.

Wie könnte denn das digitale und rentable Krankenhaus der Zukunft aussehen?
Ich denke, dass das Krankenhaus ein Kompetenzzentrum wird. Schon bei der Prävention werden Krankenhäuser eine Rolle spielen – das schafft auch Kundenbindung. Werden Menschen krank, sollen sie allerdings so kurz wie möglich im Krankenhaus bleiben. Die Genesungszeit werden Patienten zu Hause verbringen, wo sie per Telemedizin und ambulant nachversorgt werden.

Wer wird in Zukunft denn der Chefarzt sein – ein Mensch oder ein Computer?
Mensch und Maschine werden Hand in Hand arbeiten. Computer werden Ärzte in Zukunft noch mehr unterstützen und sie in ihrer Arbeit ergänzen. Die Folgen sind ein noch effektiveres Arbeiten und vor allem viel präzisere Diagnosen durch einen optimalen Datenaustausch und deren Auswertung. Viele Diagnosen, die heute gestellt werden, sind falsch. Mithilfe von Datenanalytik wird dieser Anteil hoffentlich fallen – Big Data unterstützt also den Arzt. Der Bedarf an Ärzten und Pflegern wird in den kommenden Jahren noch dramatisch steigen. Die Digitalisierung hilft uns, diese Herausforderung zu bewältigen.

Vita: Peter Vullinghs ist als DACH-Chef von Philips für die Märkte Deutschland, Österreich und Schweiz verantwortlich. Der Niederländer arbeitet seit 20 Jahren bei dem Unternehmen, wovon er zehn in Asien und fünf in Russland verbracht hat. DACH-Chef ist er seit März 2015. In dieser Rolle treibt er auch die Digitalisierungsstrategie des Unternehmens voran.

Zurück zur Übersichtsseite
Diesen Artikel teilen:
© Handelsblatt GmbH – Alle Rechte vorbehalten. Nutzungsrechte erwerben?