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Blick hinter die Zahlen #9 – Gebrauchsvermögen Wofür die Deutschen ihr Geld ausgeben

Die Deutschen besitzen langlebige Güter im Wert von über einer Billion Euro, also etwa Autos, Möbel oder Elektrogeräte. Doch nicht alle kaufen die gleichen Dinge, je nach Region, Einkommen oder Familienstand.

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Es gibt gewisse Dinge, auf die sich die Deutschen offenbar einigen können. Dass ein Kühlschrank zu einem Haushalt gehört, scheint Konsens zu sein, ebenso wie ein Telefon. Jeweils knapp 100 Prozent der deutschen Haushalte verfügen Stand 2018 über jeweils mindestens einen dieser Gegenstände, wie Daten des Statistischen Bundesamtes (Destatis) zeigen. Dabei fallen unter „Telefon“ wohlbemerkt nicht nur klassische Festnetztelefone, sondern auch Smartphones, von denen die meisten Haushalte im Übrigen mehr als ein Exemplar besitzen.

Auch Waschmaschine, Fernseher und Elektroherd dürfen in den meisten deutschen Haushalten nicht fehlen. Und wer keinen Elektroherd hat, kocht in der Regel mit Gas. Einige Haushalte haben offenbar gleich beide Herdformen im Haus: Gemeinsam kommen sie auf über 100 Prozent.

Selbst bei diesen grundlegenden Haushaltsgegenständen gibt es Unterschiede. So haben im Westen geringfügig weniger Menschen eine Waschmaschine als in den neuen Bundesländern (94,5 gegenüber 96,7 Prozent). Im Osten kochen die Menschen zudem deutlich häufiger mit Gas (11,3 Prozent der Haushalte gegenüber 4,7 Prozent im Westen).

Ausstattung privater Haushalte mit ausgewählten Gütern

Besonders große Unterschiede offenbaren sich bei der Frage, wie das Geschirr gespült wird. So verfügen knapp 74 Prozent der westdeutschen Haushalte über einen Geschirrspüler. Im Osten sind es neun Prozentpunkte weniger.

Schlüsselt man die Spülgewohnheiten nun noch nach Einkommen sowie Haushaltstyp auf, zeigt sich ein noch breiteres Bild. Mit steigendem Haushaltseinkommen steigt die Neigung, sich einen Geschirrspüler zu kaufen. In der obersten von Destatis erfassten Einkommensklasse von 5000 bis 18.000 Euro netto im Monat haben mehr als 96 Prozent der Haushalte eine Geschirrspülmaschine. Bei den ärmsten Haushalten mit weniger als 900 Euro im Monat sind es hingegen nur knapp 30 Prozent.

Ausstattung privater Haushalte mit Spülmaschinen nach Region, Haushaltsnettoeinkommen und Haushaltstyp

Ob selbst gespült wird oder nicht, hängt auch davon, wer im Haushalt lebt. Familien mit einem oder mehreren Kindern haben statistisch gesehen am häufigsten Geschirrspüler: Bei ihnen liegt die Quote bei knapp 94 Prozent der Haushalte. Am wenigsten greifen Single-Männer auf die elektrischen Spülhilfen zurück: Weniger als jeder zweite von ihnen hat eine Geschirrspülmaschine (47 Prozent).

Je nach Gegenstand gibt es auch ein großes regionales Gefälle. Während die eingangs genannten Top 5 der Elektrogeräte in Deutschland weitestgehend unstrittig sind, gibt es etwa bei Fahrzeugen große Unterschiede. So verfügen in den allermeisten Bundesländern mindestens vier von fünf Haushalten über ein Auto. Beim Spitzenreiter Rheinland-Pfalz sind es sogar 87 Prozent.

In den Stadtstaaten ist die Quote deutlich niedriger: In Bremen und Hamburg haben jeweils etwa drei von fünf Haushalten einen Pkw. In Berlin ist es sogar weniger als die Hälfte.

Anteil der Haushalte eines Bundeslandes, die über mindestens ein Auto bzw. ein Fahrrad verfügen

Ein anderes Bild zeigt sich bei Fahrrädern, die in den Großstädten deutlich verbreiteter sind als Autos. Die höchste Dichte an Fahrrädern gibt es jedoch in einem Flächenstaat: In Niedersachsen verfügen 87 Prozent der Haushalte über mindestens ein Fahrrad.

Insgesamt besitzen die deutschen Haushalte sogenanntes Gebrauchsvermögen im Wert von über einer Billion Euro, also etwa langlebige Gegenstände wie Möbel, Elektrogeräte, Fahrzeuge oder Schmuck. Die eine Billion bezieht sich auf den derzeitigen Gebrauchswert und nicht auf den Preis, der ursprünglich einmal gezahlt wurde. Müssten die Haushalte all ihre langlebigen Güter zu heutigen Preisen neu anschaffen, kommt man gar auf einen Zeitwert von zwei Billionen Euro. Am höchsten ist der aktuelle Bestandswert bei Möbeln und Haushaltsgeräten mit über 430 Milliarden Euro, gefolgt von Personenfahrzeugen mit knapp 315 Milliarden Euro. Wollten die Haushalte sich diese Güter zu heutigen Preisen neu kaufen, müssten sie 855 beziehungsweise 622 Milliarden Euro dafür bezahlen.

Gebrauchsvermögen deutscher Haushalte nach Gütergruppen in Brutto-Wiederbeschaffungspreisen

Wie langlebig diese langlebigen Gegenstände tatsächlich sind, hat sich im Laufe der Jahre verändert. Möbel, Gegenstände und Großgeräte rund um den Haushalt werden heute im Schnitt etwas länger genutzt als 1991. Bei Fahrzeugen hingegen ist die durchschnittliche Nutzungsdauer leicht zurückgegangen.

Durchschnittliche Nutzungsdauer des privaten Gebrauchsvermögens

Die krasseste Entwicklung zeigt sich bei jenen Gegenständen, bei denen wiederum die technische Entwicklung am schnellsten fortschreitet: Wurde Foto- und Filmausrüstung nach der Wende im Schnitt noch 16 Jahre lang genutzt, so waren es zuletzt noch neun Jahre. Und bei Informationsverarbeitungsgeräten wie Computern hat sich die Nutzungsdauer gar halbiert, von zehn auf fünf Jahre.

Die Rubrik „Blick hinter die Zahlen“ entsteht mit Unterstützung des Statistischen Bundesamtes (Destatis). Für die Inhalte der Beiträge ist ausschließlich die WirtschaftsWoche verantwortlich.

Logo des Statistischen Bundesamtes (Destatis)

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