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Arbeiten von zu Hause Lektionen aus dem Leben eines Homeoffice-Profis

ARCHIV - ILLUSTRATION - Eine junge Frau mit einem Laptop auf ihrem Schoß telefoniert am 30.04.2014 in ihrer Wohnung in Berlin. Die Zahl der Internetnutzer in Niedersachsen steigt weiter. Foto: Jens Kalaene/dpa - MODEL RELEASED (zu dpa

Deutschland arbeitet im Homeoffice – und verzweifelt an Kinderbespaßung, Büroetikette und Kommunikation. Tipps von einer Managerin, die es seit Jahren nicht anders kennt.

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Wenn Inken Kuhlmann-Rhinow ihren Arbeitstag beginnt, dann ist die erste Handlung immer die gleiche: erstmal die Türe schließen. „Damit das Homeoffice funktioniert, halte ich es für absolut essentiell, dass Arbeitsbereich und privater Bereich klar voneinander getrennt sind“, sagt Kuhlmann-Rhinow, die komplett „remote“ arbeitet, wie das bei ihrem Arbeitgeber Hubspot heißt.

Das, was viele deutsche Manager in Corona-Zeiten zum ersten Mal erleben, ist für sie seit Jahren Routine: Arbeit und Personalführung aus dem Homeoffice. In jeder beiläufigen Beschreibung ihres Alltags finden sich deshalb wertvolle Lektionen für die hohe Kunst des Managements in diesen Tagen.

Bei dem Digitaldienstleister mit weltweit 3700 Mitarbeitern kümmert sich Kuhlmann-Rhinow um das Marketing in Europa und dem mittleren Osten, führt ein Team von insgesamt elf Leuten. „Mein Ziel ist es, jeden Mitarbeiter zumindest alle zwei Monate auch mal persönlich zu treffen“, sagt Kuhlmann-Rhinow. Schon das gelinge nicht immer, arbeitet die Marketingdirektorin doch aus ihrem Homeoffice in Dortmund, während die europäischen Büros des Konzerns sich in Berlin, Dublin und Paris befinden.

Alles in allem aber ist sie mit der Arbeitssituation zufrieden. „Wenn ich außer der Reihe das Gefühl habe, ich müsse mal wieder von Angesicht zu Angesicht mit meinen Mitarbeitern sprechen, setze ich mich eben spontan in den Zug“, sagt sie. „Insgesamt schätze ich das Homeoffice-Leben aber total, Freizeit und Arbeit lassen sich so am besten vereinbaren.“ Damit es so gut klappt, hat sie sich selbst paar Regeln erarbeitet.

Erinnerung: Trinken nicht vergessen!

„Das Wichtigste ist sicher die Unternehmenskultur“, sagt Kuhlmann-Rhinow. Und meint: Nur wenn Mitarbeiter im Homeoffice denen im Büro wirklich gleichgestellt sind, funktioniert die Zusammenarbeit über die Distanz. „Sobald ein Mitarbeiter das Gefühl bekommt, er werde bei Beförderungen übergangen, nur weil er im Homeoffice ist, scheitert das ganze Modell“, sagt Kuhlmann-Rhinow.

Wie exakt man den Alltag im Homeoffice gestaltet, das müsse letztlich jeder für sich selbst herausfinden, sagt sie. Ein paar der Regeln, die Kuhlmann-Rhinow sich gesetzt hat, klingen aber so überzeugend, dass man sie guten Gewissens verallgemeinern kann. „Als ich mit dem Homeoffice begann, habe ich immer wieder das Mittagessen ausgelassen, weil der Kollege fehlte, der in der Bürotür stand und fragt, ob ich mitkommen wolle“, erinnert sie sich. Sie setzt sich deshalb jeden Tag eine Erinnerung in ihren Smartphone-Kalender, der sie zur Mittagspause auffordert. Alle 90 Minuten erinnert sie das Smartphone zudem daran, mal fünf Minuten an die frische Luft zu gehen, noch öfter rappelt das Gerät, um sie zum Trinken aufzufordern.

„Die Erinnerungen schützen mich am Ende auch davor, ungesund viel zu arbeiten“, sagt Kuhlmann-Rhinow, dir ihr Laptop grundsätzlich nicht in andere Räume der Wohnung mitnimmt, um die Sphären klar voneinander zu trennen. Der Versuchung, den Tag in Joggingklamotten vor dem Rechner zu verbringen, kann sie schon aus einem anderen Grund heraus leicht widerstehen: Ihre Arbeit bringt es mit sich, dass sie den Großteil des Tages in digitalen Video-Meetings verbringt. Ansonsten kommuniziert sie mit ihren Mitarbeitern über Slack. Sobald eine Diskussion komplizierter wird, wechselt sie in den Videochat. „Da lassen sich die Dinge meist schneller klären.“

Und ebenso gleichförmig, wie ihr Arbeitstag beginnt, so endet er meist auch: „Mein letzter Satz im Slack ist oft der gleiche“, sagt sie. „Er lautet: Ich gehe jetzt mal zum Pferd.“ Der Reitsport ist Kuhlmann-Rhinows großes Hobby und er bringt eine Pflicht mit sich, die auch das Abschalten von der Arbeit erleichtert: Einmal am Tag muss sie in den Stall – komme, was wolle.


Mehr zum Thema: Das Coronavirus verändert die Arbeitswelt: Noch nie waren so viele Deutsche im Homeoffice. Die WirtschaftsWoche erklärt in einer großen Serie, wie die Arbeit von zu Hause aus gelingt.

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