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Bahnchaos nach „Friederike“ „Wer viel pendelt, ist erschöpfter und reizbarer“

Sturmtief

Nach dem Sturm „Friederike“ kämpfen Pendler noch mit Bahn-Verspätungen und Staus. Psychologin Anne Marit Wöhrmann erklärt, wie sich Unwägbarkeiten beim Pendeln auf die Gesundheit auswirken und was gegen Stress hilft.

Frau Wöhrmann, nach einem Unwetter wie Friederike sind die Zugstrecken beschädigt und die Autobahnen verstopft. Für die mehr als 18 Millionen Pendler in Deutschland sind da Verspätungen programmiert. Sollten sich Pendler an so einem Tag den Weg zur Arbeit überhaupt antun?
Nach einem Sturm wie dem gestrigen ist abzusehen, dass man lange unterwegs ist. Und ganz ungefährlich ist das Reisen in einer solchen Situation auch nicht. Insofern ist es empfehlenswert, dem Arbeitgeber darum zu bitten, von Zuhause aus arbeiten zu dürfen oder sich zur Not einen Tag Urlaub zu nehmen, um sich dem nicht aussetzen zu müssen. 

Nun hat diese Möglichkeit nicht jeder. Tausende Pendler in Bahn und Auto ärgerten sich am Freitag über stundenlange Verspätungen und Staus. Was haben solche Verzögerungen für Auswirkungen auf die Arbeitsfähigkeit?
Die Auswirkungen können ganz unterschiedlich sein, das kommt auf die Umstände an. Wer Gleitzeit hat, kommt mit Verspätungen besser zurecht. Habe ich beispielsweise morgens einen Termin, führen schon kleine Verspätungen zu sehr viel Stress. Wer mit Ärger vom Arbeitgeber rechnen muss, wenn er zu spät kommt, der kommt um starke Stressreaktionen nicht herum.

Wie äußern sich solche Stressreaktionen?
Beispielsweise steigt der Blutdruck, der Puls ist erhöht, die Atmung geht schneller oder es kommt zu Muskelzucken. Man wird unruhig, gereizt oder kann sich nicht mehr konzentrieren. In solchen Fällen kommt man schon völlig durch den Wind bei der Arbeit an und befürchtet, dass das, was man sich für den Tag vorgenommen hat, nicht klappt. Hinzu kommt, dass Verspätungen auch Auswirkungen auf die Psyche haben können. Wenn ich etwa wegen einer Verspätung länger arbeiten muss und deswegen eine Verabredung mit Freunden am Abend absagen muss, kann das sehr auf die Stimmung drücken.

Zur Person

Geht eine höhere Pendeldauer mit mehr Stress einher?
Wir haben eine Befragung mit 20.000 Erwerbstätigen in Deutschland durchgeführt, in der wir unter anderem gefragt haben, wie lange die Personen am Tag unterwegs sind. Etwa die Hälfte der Pendler braucht für die Hin- und Rückfahrt maximal 30 Minuten, also 15 Minuten pro Strecke. Ein Drittel ist zwischen einer halben und einer Stunde am Tag unterwegs. Jeder Sechste braucht mehr als eine Stunde am Tag. Zudem haben wir abgefragt, wie müde, erschöpft oder leistungsfähig sich die Personen fühlen. 

So wird Pendeln erträglicher

Und?
Wer eine längere Pendlerzeit auf sich nimmt, ist in der Regel erschöpfter und berichtet von Nervosität und Reizbarkeit. Darunter leidet die Leistungsfähigkeit genauso wie das Privatleben.

Macht das Pendeln an sich krank und unglücklich oder sind es die Pendler, die falsch pendeln?
Pendeln an sich muss nicht zwingend mit irgendwelchen Beeinträchtigungen einhergehen, es führt nur zu gesundheitlichen und psychischen Problemen, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt oder nicht-erfüllt sind.

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