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Begründete Angst oder Ausrede Schadet Elternzeit Vätern im Beruf?

Väter im Fokus: Was bedeutet die Elternzeit für die Karriere? Quelle: Getty Images

Immer mehr Väter wollen sich aktiv um ihre Kinder kümmern – und mehr Frauen fordern dies auch von ihren Partnern. Der Wunsch ist aber größer als die Wirklichkeit. Ein Grund: Männer fürchten Karrierenachteile. Zu recht?

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Jeder fünfte Vater, der keine Elternzeit nimmt, verzichtet aus Karrieregründen. Das zeigte in diesem Jahr eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW). Die am häufigsten genannte Begründung war das Geld, von dem Männer in vielen Paarkonstellationen mehr verdienen. Doch warum fürchten doch so viele Männer auch jenseits des finanziellen Aspekts, im Job benachteiligt zu werden – wenn sie doch nur das tun wollen, worauf sie gesetzlichen Anspruch haben (Elternzeit) und was sich viele im Sinne der Geschlechtergerechtigkeit wünschen – nämlich mehr Zeit mit ihren Kindern zu verbringen und ihren Anteil an Wocheneinkauf, Wäsche, Kochen, Vorlesen und Co. zu erledigen?

Sogar der Mann mit dem zweithöchsten Amt im Staat, Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble, als 77 Jahre alter CDU-Mann eigentlich unverdächtig, für mehr Gleichberechtigung zu trommeln, redete den deutschen Männern vor einigen Monaten eindringlich ins Gewissen: Es sei eine wohl unumgängliche Erkenntnis, „dass wir die für unsere Gesellschaft unverzichtbaren Tätigkeiten, die auch heute noch ganz überwiegend Frauen unbezahlt verrichten, anders aufteilen müssen: Kindererziehung, Hausarbeit, Pflege“, sagte Schäuble Mitte Januar in der Feierstunde des Bundestags anlässlich 100 Jahren Frauenwahlrecht.

Was er dann hinzufügte, war ein Aufruf zu echter Gleichberechtigung, wie man ihn nicht oft von Männern seiner Generation hört: Die Männer müssten an diesen Umstand „gelegentlich mit Nachdruck erinnert werden“, sagte Schäuble, denn: „Erst wenn Frauen und Männer wirklich frei entscheiden können, wo sie die Prioritäten in ihrem Leben setzen wollen, ohne auf Beruf oder Familie oder gesellschaftliches Engagement zu verzichten, ist das Ziel erreicht.“

Zeitgeist und Gesetze sind also eigentlich auf der Seite der Männer. Hinzu kommen – zumindest im Milieu der gut ausgebildeten Akademiker und Fachkräfte – Frauen, die in ihrem Beruf etwas erreichen wollen und schon bei der Partnerwahl voraussetzen, dass ihr Mann nicht in alten Rollenmustern denkt. Außerdem setzt sich die Erkenntnis durch, dass nur dann mehr Frauen in Führungspositionen gelangen, wenn sich an der Aufteilung von Erwerbs- und Carearbeit innerhalb von Paaren und Familien grundlegend etwas ändert. Anders formuliert: Ohne engagierte Väter klappt es mit der Frauenförderung nicht.

Bleiben zwei mögliche Erklärungen dafür, dass Väter in Deutschland trotzdem nur zu knapp 40 Prozent überhaupt Elternzeit in Anspruch nehmen und nur 6 Prozent von ihnen ihre Stelle reduzieren: Entweder, die Männer wollen in Wirklichkeit doch nicht, oder man lässt sie nicht.

Was die Zahlen sagen



Engagement für die Familie wirkt sich de facto kaum negativ auf Beruf und Karriere aus, fragt man die Statistik. So zeigte etwa eine Allensbach-Studie in diesem Jahr, dass nur zwei Prozent der Väter, die Elternzeit genommen haben, hinterher sagten, dies habe ihrer Karriere geschadet. 21 Prozent gaben an, dies habe „teils-teils“ geschadet. Von denen, die nur jemanden kennen, der Elternzeit genommen hat, gaben 6 Prozent an, aus ihrer Beobachtung heraus habe dies der Karriere der Person geschadet und ebenfalls 21 Prozent „teils-teils“. In beiden Gruppen gaben 65 beziehungsweise 61 Prozent aber an, die Elternzeit habe dem betreffenden Vater in puncto Karriere nicht geschadet. Je 12 Prozent wussten keine Antwort.

Man muss hier betonen: Die Fallbeispiele sind ja nicht allzu zahlreich, weil fast 13 Jahre nach Einführung des Elterngeldes nur 37 Prozent der Väter überhaupt Elternzeit nehmen – 63 Prozent lassen demnach mindestens die beiden Partnermonate beim Elterngeld verfallen, wissen also nicht, was karrieremäßig passiert wäre und auch nicht, was sie verpasst haben.

Ideale Aufteilung von Berufs- und Familienarbeit 2007 und 2019: zunehmende Präferenz für gleichgewichtige AufteilungFrage:

Eine Studie der Väter gGmbH – einer Unternehmensberatung, die sich auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf aus Sicht der Väter spezialisiert hat – für die Commerzbank zeigte schon 2015, dass Väter von längerer Elternzeit sowie Teilzeit Abstand nehmen. Zugleich befürchteten Väter, dass ihnen durch die Abwesenheit berufliche Nachteile entstehen könnten. Fast 91 Prozent der befragten Väter sagten jedoch, dass die eigene Elternzeit keinen negativen Einfluss auf ihr berufliches Fortkommen gehabt habe. 26 Prozent schätzten aber die Aufstiegschancen schlechter ein.

Gerade Väter, die länger als zwei Monate in Elternzeit waren, berichteten, dass sie mit mehr Nachteilen konfrontiert waren als Väter, die nur zwei Monate Auszeit nahmen. „Es ist nicht unbedingt der Vorgesetzte oder die Personalabteilung – die halten sich in der Regel an die Gesetze. Ein Problem können Kollegen und die direkten Vorgesetzten sein. Der schiefe Blick und das Unverständnis für die anderen Prioritäten reichen manchmal“, fasst Wido Geis-Thöne vom Institut für Wirtschaftsforschung (IW) die Erkenntnisse zum männlichen Konflikt zwischen Beruf und Familie zusammen.

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