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Quelle: dpa

Karriere statt Kaffeefahrt

Elisabeth Niejahr Quelle: Werner Schuering für WirtschaftsWoche
Elisabeth Niejahr Chefreporterin (Berlin)

Frauen legen in der Karriere mehr Pausen ein. Deshalb wagen sie auf den letzten Metern auch häufiger etwas Neues. Gut so!

An der Mode ließ sich lange Zeit gut erkennen, ob und wie oft Frauen berufstätig sind. Als Ludwig Erhards Wirtschaftswunderjahre begannen, waren Pfennigabsätze und Bleistiftröcke gefragt. Darin kann niemand schnell laufen oder gar schwere Gegenstände schleppen. Schon das Einsteigen ins Auto ist mit solch einem Outfit kompliziert. „Nie wieder Trümmerfrau“, das war die versteckte Botschaft hinter diesem modischen Trend. Es war die Zeit, als Männer stolz sagten: „Meine Frau muss nicht arbeiten.“ Später, in den Achtzigern, waren dann dicke Schulterpolster in Mode. Damit ließen sich die Ellenbogen auch mal ausfahren. Da kamen neue Schnitte für Frauensakkos in die Boutiquen, auch Frauen mit Ambitionen in die Führungsetagen – und das Land diskutierte auf einmal über die Quote.

Und heute? Gibt es immer mehr Business-Mode, die Älteren besonders gut steht – mal sind die Röcke etwas länger, mal die Schnitte etwas weiter. Anders als früher, als diese Frauen vorzugsweise beige, kurze Haare und flache Schuhe trugen.

Jetzt sind sie nicht mehr zu übersehen – und taugen als Vorbilder: Frauen probieren häufiger als Männer immer mal wieder etwas Neues. Sie arbeiten mal mehr, mal weniger, oft wegen der Familie. Und sie wollen in einem Alter, in dem sie früher allenfalls zu Kaffeefahrten aufbrachen, beruflich noch mal etwas Neues wagen. Gut so. Diese Frauen taugen als Vorbild für den Rest der Gesellschaft, weil sie mehr als die gleichaltrigen Männer das umsetzen, worauf Demografie- und Arbeitsmarktexperten drängen: offen sein, dazulernen – auch jenseits der 50. Kürzlich erzählte mir ein älterer Bekannter, beruflich sei seinesgleichen ja jetzt „im Sinkflug“. Er klang, als sei das gottgegeben. Von Frauen höre ich das selten – die Normen der alten Unternehmenswelt galten für sie ja ohnehin oft nicht.

Erstaunlich viele Menschen unterschätzen, wie unterschiedlich die Arbeitsbiografien von Frauen und Männern immer noch sind. Eine Studie der Soziologin Jutta Allmendinger über die ökonomische Situation von Frauen zwischen 30 und 50 hat gerade ergeben, dass nur zehn Prozent der Betroffenen mehr als 2000 Euro netto im Monat verdienen. Nur 39 Prozent haben in diesem Alter eine volle Stelle – bei Männern ist die Zahl doppelt so hoch. Die Erwerbszeit über mehrere Jahre zu unterbrechen, das ist die Norm. Selbst Frauen, deren Karriere auf dem Papier der männlicher Kollegen ähnelt, haben ihren Weg seltener so genau geplant. Frauen ohne Kinder haben oft anstrengende Zeiten des Suchens und Haderns hinter sich. Und Frauen, deren Partner das Gros der Familienarbeit übernehmen, müssen damit zurechtkommen, dass sie gesellschaftlichen Erwartungen nicht entsprechen.

Für die Arbeitswelt von morgen, in der der Republik absehbar Fachkräfte fehlen werden, ist es eine gute Nachricht, dass ein großer Teil der Beschäftigten das oft geforderte lebenslange Lernen samt Mut zum Neuanfang schon länger praktiziert.

Jetzt brauchen wir nur noch Weiterbildungsangebote für Ältere, die nicht nur Menschen helfen, die schon in etablierten Unternehmen arbeiten – sondern auch denen, die auf der Suche nach neuen Chancen sind.

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