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Gen Z im Job„So eine Fünftagewoche schadet nicht“

Mit Videos über ihre Erlebnisse als Gen-Z-Chefin ist Unternehmerin Teresa Katz berühmt geworden. Die Gen Z kommt dabei oft nicht gut weg. Warum sie dennoch eine Lanze für die junge Generation im Joballtag bricht.Svenja Gelowicz 22.10.2024 - 15:55 Uhr

Teresa Katz teilt ihre Erfahrungen mit Praktikantinnen und Werkstudenten der Generation Z auf TikTok

Foto: Screenshot

WirtschaftsWoche: Frau Katz, Sie sind selbst erst 28 Jahre jung, gehören somit der Gen Z an – und reiben sich dennoch immer wieder sehr verwundert die Augen angesichts des Arbeitsethos der Jungen. Dabei schauen Ihnen oft Hunderttausende, teils Millionen Menschen zu, denn Sie teilen Ihre Erfahrungen bei TikTok – und das sehr erfolgreich. Wie sind die Reaktionen?
Teresa Katz: Sie fallen gemischt aus – die Videos sind auf jeden Fall zu einer Plattform geworden, über die sich Menschen über das Thema Generationen austauschen. Mir schreiben oft Leute und fragen: Warum schmeißt du die nicht raus? Aber die Clips zeigen ja nur einen winzigen Ausschnitt aus dem Alltag mit der Gen Z. Und meistens leisten die jungen Kolleginnen und Kollegen eben gute Arbeit.

Dann ist es auch egal, wenn sich im Meeting herausstellt, dass eine Praktikantin währenddessen in der Badewanne liegt – und deshalb ihre Kamera ausgeschalten ist? So erzählen Sie es in einem Ihrer Videos. Und sind gleich selbstkritisch. Schließlich hätten Sie ja flexible Arbeit erlaubt. Warum also nicht in der Badewanne?
Ich war zuerst auch ein bisschen geschockt. Aber vor allem darüber, dass sie mir das so ehrlich sagt. Üblicherweise ist ja die klassische Ausrede für eine ausgeschaltete Kamera: „Meine Verbindung ist nicht stabil“. Und dann dachte ich eben – warum soll sie nicht in der Badewanne liegen? Wir arbeiten überwiegend remote und solange die Ergebnisse nicht darunter leiden, gibt es erstmal keinen Grund dies zu verbieten. Man darf sich nicht versteifen.

Sie haben nicht überlegt, mehr Präsenz zu fordern?
Nein, keine Sekunde. Das würde nicht zu uns passen. Wir arbeiten eben überwiegend remote, zudem bin ich selbst viel unterwegs. Warum sollte ich dann von anderen fordern, dass sie sich ständig physisch zusammensetzen sollen? Ich halte auch nichts davon, zu bestrafen. Im schlimmsten Fall suchen sie dann Ausreden, warum sie nicht zu Präsenzterminen kommen wollen, und wären unehrlich.

Teresa Katz

Foto: PR
Zur Person
Teresa Katz (28) hat Betriebswirtschaftslehre in München studiert und 2022 das Modeunternehmen Half Moon Studio gegründet – sie verkaufen Bademode. Bislang arbeiten in dem Team nur Katz und ihre Mitgründerin Marie Eileen Gehring in Festanstellung – zusätzliche Unterstützung kommt von Werkstudentinnen und Praktikanten.

Sie berichten aber auch, dass eine Praktikantin ihnen einmal vormittags sehr ehrlich gesagt hat, gar keine Motivation zu haben und im Bett liegen geblieben zu sein. Wo setzen Sie dann Grenzen? Sie führen schließlich ein Unternehmen.
Auch da schätze ich die Ehrlichkeit. Wir wachen doch alle manchmal auf und denken: Am Strand wär’s jetzt auch schön. Ich versuche dann herauszufinden, woran es liegt, dass die Person keine Lust hat. Sind es die Aufgaben? Braucht die Person Unterstützung? Ich spiegele erstmal, dass es in Ordnung ist, sich so zu fühlen – appelliere aber auch an das Team-Gefühl und versuche, die Person mitzuziehen. Solange das nicht jeden Tag vorkommt, finde ich das auch nicht schlimm. Ich habe noch nie erlebt, dass eine Person dann weiterhin sagt, sie habe keine Lust. Ich kann daher auch älteren Führungskräften raten, auf die Generation Z zuzugehen. Wenn man als Führungskraft reserviert ist, wird einem eine 20-Jährige nie ehrlich sagen, wie es ihr geht. Ich bin selbst auch sehr ehrlich darüber, wie es mir geht und wann mir Arbeit auch mal schwerfällt. Ziel ist es, Motivation für die Aufgaben zu schaffen und nicht für die Arbeit.

Das klingt dennoch anstrengend. Und auch kaum vorstellbar in den meisten Unternehmen. Ich denke da an Ihre Geschichte von einem Meeting, in dem die Praktikantin sich wünscht, dass Geschäftszahlen in Memes oder Videos verpackt werden, damit es einfacher ist, sie zu verstehen.
An sich ist das ein kreativer Ansatz und grundsätzlich schätze ich, dass mitgedacht wird und Vorschläge eingebracht werden, um Meetings verständlicher zu gestalten. Deshalb würde ich selbst so einen Vorschlag niemals direkt entkräften und der jungen Mitarbeiterin das Gefühl geben, dass die Bemerkung unangebracht war – sondern zumindest einmal darüber nachdenken. Und wieso sollten Geschäftszahlen nicht auf eine modernere und jugendlichere Art und Weise präsentiert werden?

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In vielen Unternehmen dürften Personen in Meetings sitzen, deren Inhalt sie nicht ganz verstehen.
Genau. Ich schätze es sehr, dass sich die Praktikantin Gedanken dazu gemacht hat. Und es ist auch in Ordnung, zu dem Ergebnis zu kommen: Das machen wir nicht. Aber wenn man will, dass alle an Bord bleiben, muss man auch unkonventionell sein.

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Gibt es eine Viertagewoche bei Ihnen? Auch das ist eine typische Forderung der Jungen.
Nein. Bei uns sind wir sehr flexibel, wenn es darum geht, sich die Arbeit einzuteilen. Aber ich vertrete die Ansicht: Man muss mal Vollzeit gearbeitet haben. So eine Fünftagewoche schadet nicht. Mit der Erfahrung kann man sich dann immer noch dazu entscheiden, Stunden zu reduzieren. Übrigens bekommen wir viele Bewerbungen durch unseren TikTok-Kanal – auch von Älteren. Das sind locker zwei oder drei Stück pro Woche. Da sind oft wirklich tolle Leute dabei, leider können wir uns gerade noch keine Festanstellungen leisten.

In Ihren Videos schreiben Sie der Generation Z auch eine gute Portion Schlagfertigkeit zu. Ich spiele auf die von Ihnen geschilderte Situation an, dass ein Werkstudent im Büro auf einem Bildschirm jüngst die Olympia-Übertragung während der Arbeit laufen hatte – und von Ihnen darauf angesprochen dann entgegnete, ihm helfe das bei der Konzentration und zugleich motiviere es ihn für die eigene Arbeit, den Besten der Welt zuzuschauen. Was kontern Sie da?
Gar nichts! (lacht). Ich habe versucht zu signalisieren, dass es okay ist, solange er sich konzentrieren kann – und zugleich zu spiegeln, dass ich trotzdem eine gute Arbeitsleistung erwarte.

Sind Sie nicht dennoch manchmal ernsthaft frustriert?
Eine Praktikantin hat den lockeren Führungsstil zu sehr ausgenutzt. Aus zwei, drei witzigen Ausreden wurden dann ein paar zu viel. Das hat mich dann auch zu viel Energie gekostet – und es gab ein Gespräch, die Person ist von sich aus gegangen.

Wie ist es in Ihrem Team, wenn Ältere auf dieses – für sie vielleicht befremdliche – Verhalten stoßen?
In unserem Team sind wir alle Gen Z – und im Kontakt mit älteren Personen bei Dienstleistern ist es manchmal sehr amüsant. Neulich ging es darum, dass wir durch unseren erfolgreichen TikTok-Kanal Einnahmen haben – das war für die Jungen ein Nobrainer, die Älteren haben das erst nicht verstanden.

Die Generationen auf dem Arbeitsmarkt
Die Baby-Boomer (1946 - 1964) sind die älteste Generation auf dem Arbeitsmarkt. Diese Jahrgänge verzeichneten die höchste Geburtenrate, daher rührt auch der Name.
Die Jahrgänge der Generation X (1965 - 1979) haben einiges miterlebt: Wirtschaftskrisen, Techniksprünge, Arbeitslosigkeit, Umweltkatastrophen. Sie gilt als eine, die vor allem Wert auf ein gutes Einkommen und einen sicheren Arbeitsplatz legt.
Die Generation Y, auch Millennials genannt, wurde zwischen 1980 und 1995 geboren. Sie sind die erste Jahrgangskohorte, die als Digital Natives gelten.
Sie treten seit einigen Jahren in den Arbeitsmarkt ein: die Generation Z, geboren von 1996 bis 2010. Sie sind von klein auf mit dem Internet aufgewachsen, digitale Medien haben ihr Leben von Beginn an geprägt.

Was können wir denn von der Generation Z lernen?
Vieles! Sie haben eine gesunde Distanz zur Arbeit, haben eine Leichtigkeit, die Älteren oft fehlt. Und eine gewisse positive Naivität – dadurch werden Dinge, die man immer gleich gemacht hat, durchdacht. Die Generation Z kommt gut mit der Schnelllebigkeit zurecht, die können sich total schnell auf neue Situationen einstellen. Sie sind gewohnt, dass ständig alles anders ist, sind auch nicht auf Abläufe versteift und probieren gern was Neues aus. Und sie haben eine starke Affinität zur digitalen Welt. Selbst ich sitze oft da und denke: Das wusste ich noch nicht. Sie können auch manche Dinge viel schneller als ich. Und sie haben eine tolle Fehler- und Feedbackkultur. Die Vertreter der Generation Z können super zugeben, wenn sie etwas falsch gemacht haben. Und sie sind sehr entscheidungsfreudig, wollen Verantwortung bekommen und mitsprechen.

Was heißt das für Sie im Hinblick auf die Aufgaben, die Sie übertragen? Müssen die besonders spannend sein, damit bloß keine Langweile durch Routinetätigkeiten aufkommt?
Ich versuche, eine gute Mischung hinzubekommen. Aber ich gebe lieber eine spannende Aufgabe ab und mache selbst etwas Langweiligeres. Ich brauche die Jungen ja motiviert. Und wenn irgendwas Cooles ansteht – Shootings, Fotografen- oder Model-Suche –, binden wir sie gern ein.

Unternehmer wie Liqui-Moly-Gründer Ernst Prost, „Schrauben-König“ Reinhold Würth oder Europa-Park-Inhaber Reinhold Mack sprechen der Generation Z Leistungsbereitschaft ab. Ärgert Sie das?
Ja, ich ärgere mich über die Kritik der zumeist älteren Herren. Es stimmt nicht, dass jetzt plötzlich Personen keine Lust auf Arbeit haben. Das gab es schon immer, nur jetzt bekommen die Kritiker eine größere Plattform. Wir können entweder fordern, dass alles so weiter geht wie früher oder wir entwickeln neue Modelle, die wieder Motivation schaffen.

Bei all den skurrilen Erlebnissen, über die Sie berichten: Was ist bei Ihnen besonders hängen geblieben?
Neulich stand eine Praktikantin länger vor einem Drucker. Ich habe sie dann gefragt, ob alles in Ordnung ist, sie sollte etwas auf ein bestimmtes Sticker-Papier drucken. Sie dachte, das Papier komme von selbst in den Drucker – wie zuhause bei ihrem Staubsaugerroboter, der sich ja auch das Wasser aus einer Station holt. Sie hatte einfach noch nie einen Drucker genutzt – die 19-Jährige hatte bislang alles digital erledigt. Da habe ich mich dann alt gefühlt.

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Hinweis: Dieses Interview ist erstmals am 3. September erschienen. Wir zeigen es aufgrund des Leserinteresses erneut.

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