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  4. Karriere und Kinder: „Konnte mir nicht vorstellen, auf dem Abstellgleis zu landen“

Catharina (Symbolbild) hat einen für sich erfüllenden Weg gefunden, Familie und Beruf miteinander zu vereinbaren. Foto: Canva

Kinder, Küche, Karriere #17„Als ich gefragt habe, ob ich auch in Teilzeit arbeiten könnte, war Funkstille“

In Teilzeit zurück in einen Job ohne Entwicklungsmöglichkeiten? Catharina entschied sich dagegen, machte sich selbstständig – und fand so einen Weg, Familie und Arbeit zu vereinen.Christina Hollender 13.08.2025 - 11:35 Uhr

In unserer Interview-Reihe sprechen wir regelmäßig mit Berufstätigen, die Kinder haben. Sie berichten darüber, wie sie ihren Job und die Sorgearbeit miteinander vereinbaren, für welches Elternzeit- und Arbeitsmodell sie und ihr Partner sich entschieden haben und was ihnen dabei hilft, sich zu organisieren.

Catharina (40) lebt gemeinsam mit ihrem Mann (Einkäufer, 44) und ihren beiden Kindern (acht und sechs Jahre) in einem Einfamilienhaus mit Garten im Rheinland. Sie hat als Produktmanagerin in der Lebensmittelindustrie gearbeitet, bis sie sich aus der zweiten Elternzeit heraus selbstständig machte.

WirtschaftsWoche: Catharina, welche Gedanken habt ihr euch vor der Familiengründung zum Thema Elternzeit gemacht?
Catharina: Für uns war es klar, dass ich die volle Elternzeit nehme. Mein Mann hat eine Führungsposition. Er blieb nach den Geburten je zwei Wochen zuhause und ist dann wieder zurück in den Job gegangen. Elternzeit stand bei ihm nie wirklich zur Debatte, weil es bei seinem Arbeitgeber als Führungskraft auch nicht üblich ist.

Es wäre in seiner Firma schlecht angekommen?
Ja, es hätte sicher ein „Geschmäckle“ gehabt. Allerdings gab es bei uns finanziell eh ein großes Ungleichgewicht – von daher war klar, dass es in der Aufteilung am sinnvollsten sein würde. Wenn er in einem anderen Umfeld gearbeitet hätte, wäre es vielleicht was anderes gewesen. Aber darüber haben wir uns nie Gedanken gemacht.

Ihr bereut das also nicht und würdet es rückblickend genauso handhaben?
Mit den aktuellen Rahmenbedingungen und Gegebenheiten würden wir es wieder so machen. Für mich war aber auch klar: Nach einem Jahr kehre ich in Teilzeit wieder zurück in meinen Job.

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Kinder, Küche, Karriere – wie Eltern Job und Familie vereinbaren

Aber das ging dann doch nicht so problemlos, wie gedacht…
Genau. Ich dachte: Ich steige wieder in den Job ein, unser Sohn ist von 8 bis 15 Uhr in der Betreuung – und alle sind glücklich. Aber so war es nicht. Er ist sehr sensibel und reizoffen und tat sich wahnsinnig schwer. Die Situation hat ihn komplett überfordert. Ich habe das natürlich bemerkt und auch angesprochen, wurde aber immer beschwichtigt: Er müsse ankommen, brauche Zeit, es sei normaler Trennungsschmerz und so weiter. Und dann wurden wir nach knapp einem Jahr plötzlich vor die Tür gesetzt, weil das Personal meinte, sie können es nicht mehr leisten – er weine zu viel, sei zu anhänglich. Er passe nicht.

Das war bestimmt heftig.
Mein Gefühl hat immer gesagt, dass es nicht normal ist und wir ihm eigentlich eher etwas antun. Aber wenn man immer von allen offiziellen Stellen beschwichtigt wird, dann vertraut man ihnen gerade beim ersten Kind oft mehr als dem eigenen Gefühl. Eigentlich hätten wir eher die Reißleine ziehen sollen.

Und dann?
Dann stand ich da: mit Job und Kind, aber ohne Betreuung. Und das hat bei mir sehr viel in Gang gesetzt. Erstmal musste ich akzeptieren, dass das Konzept „Fremdbetreuung“ nicht zu unserem Kind passt. Für viele mag das der richtige Weg sein – für einige aber nicht. Und ich habe gemerkt, dass ich das in Zukunft nicht mehr mit meinem Gewissen vereinbaren könnte. Dass wir ein anderes Modell brauchen, damit wir uns alle wohler fühlen.

Wie hast du dich dabei gefühlt?
Es war schmerzhaft, von dem geplanten Weg abzurücken. Ich habe nämlich immer gerne gearbeitet. Ich würde mich zwar nicht als Karrierefrau bezeichnen – das war mir nie so wichtig –, aber ich bin in meinem Job aufgegangen.

Wie ist es weitergegangen?
Auf meiner Arbeit waren alle sehr nett und verständnisvoll. Ich durfte sofort zu 100 Prozent im Homeoffice arbeiten. Das war noch vor Corona, also überhaupt nicht üblich. Ich war zu dem Zeitpunkt schon mit unserer Tochter schwanger, dann in Elternzeit und kurz darauf kam die Pandemie. Währenddessen haben wir gemerkt, wie gut es den Kindern tut, zu Hause zu sein, und dass ihnen das eigentlich auch vollkommen ausreicht. Wir waren viel mit unserem Hund unterwegs, in der Natur und im Wald. Und daraus ist dann irgendwann die Idee zur Selbstständigkeit entstanden. Ich war damals aber auch frustriert.

Wieso?
Ich wusste: Wenn ich zu meiner alten Arbeit zurückgehe, ist Stillstand. Es war klar, was ich dort die nächsten 30 Jahre machen würde. Und als Teilzeitkraft auf dem Abstellgleis zu landen, das konnte ich mir nicht vorstellen. Deswegen hatte ich mich damals auch ein bisschen anderweitig umgeguckt, wurde anfänglich noch oft von Headhuntern angeschrieben. Aber sobald ich gefragt habe, ob ich auch in Teilzeit arbeiten könnte, war Funkstille. Und dann dachte ich mir: Okay, dann schaffe ich mir meinen eigenen spannenden Arbeitsplatz, wo ich flexibel bin, Sachen machen kann, die mir Freude bereiten, und mich weiterentwickeln kann.

War das Gründen also eine Art Notlösung?
In dem Moment wahrscheinlich schon. Im Nachhinein war es das Beste, was mir passieren konnte. Ich bin sehr glücklich damit. Ins klassische Angestelltenverhältnis zurückzugehen, kann ich mir kaum vorstellen. Da müsste schon ein sehr, sehr guter Job auf mich warten. (lacht)

Was hast du aus deinem Umfeld für Reaktionen auf die Gründung bekommen?
Größtenteils positive. Ich habe aber das Gefühl, dass von manchen nicht ganz so ernst genommen wurde, dass Gründung auch Arbeit bedeutet: Ich sitze schließlich auch den ganzen Vormittag am Computer, oft sogar noch abends, und ich habe genauso viele Arbeitsstunden wie früher. Mein Produkt ist ein relativ einfaches. Aber was da im Endeffekt noch draufkommt, mit SEO, mit Werbung – dass da ganz schön viel Arbeit hintersteckt, um das am Laufen zu halten, um auch Kunden zu gewinnen, Reichweite zu generieren –, ich glaube, das ist für manche schwer verständlich.

Sie nehmen es als Mami-Beschäftigungsprojekt wahr?
Genau, wie ein nettes, kleines Hobby. (lacht)

Wie viele Stunden steckst du tatsächlich pro Woche in deine Selbstständigkeit?
Mittlerweile so um die 20. Am Anfang waren es aber deutlich mehr, da habe ich auch abends viel gearbeitet. Zurzeit hat es sich auf 20 eingependelt, die ich aber auch flexibel gestalten kann. Das liebe ich sehr. Wenn die Kinder krank sind, dann sind sie eben krank – dann arbeite ich nebenher, wie es gerade reinpasst, oder setze mich abends noch einmal hin. Ich bin wirklich glücklich, dass ich meinen Chef morgens nicht mehr anrufen muss, um mal wieder zu sagen, dass ich nicht kommen kann. Es gibt eben Krankheitsphasen, in denen immer was ist. Und es ist so unangenehm, wenn man sich deswegen ständig abmelden muss. Ich bin froh, dass ich nur noch mir selbst Rechenschaft schuldig bin.

Welchen Rat gibst du Frauen, die – vielleicht auch aus der Elternzeit heraus – gründen wollen?
Es ist einfacher denn je, zu gründen. Es gibt so viele Netzwerke, auch reine Gründerinnen-Netzwerke, die alle sehr kleine Eintrittsbarrieren haben, wo man unterstützt wird, sich Kontakte aufbauen kann. Einfach den Mut haben, seinen eigenen Weg zu gehen, und das tun, was sich richtig anfühlt. Aber auch daran denken, dass die eigentliche Arbeit erst anfängt, wenn das Produkt fertig ist: Marketing, Vertrieb… Die Kunden kommen nicht von alleine.

Gründung

Wie gelingt der Start in die Selbstständigkeit?

von Philipp Werner

Wie läuft ein typischer Tag bei euch ab?
Um 6:30 Uhr klingelt der Wecker. Mein Mann hilft den Kindern beim Anziehen, während ich das Frühstück und die Brotdosen zubereite. Dann begleiten wir unseren Sohn auf die Straße, er geht mit einer Gruppe gemeinsam zur Schule. Mein Mann oder ich bringen die Kleine zur Kita, dann gehe ich eine Runde mit dem Hund, und um 8 Uhr sitze ich in der Regel am PC und arbeite. Um 12:30 Uhr hole ich meinen Sohn von der Schule ab. Er wollte nicht in der längeren Betreuung bleiben und hat mich lange bekniet, dort nicht mehr hingehen zu müssen. Mittlerweile haben wir uns sehr gut eingespielt. Er kommt nach Hause, erledigt seine Hausaufgaben, während ich Mittagessen mache. Und ich muss sagen: Es ist so, wie ich mir das früher in meiner romantischen Familienfantasie immer ausgemalt habe. Ich merke auch, dass mein Sohn es sehr genießt. Letztens beim Hausaufgaben machen meinte er: Hach, mein Leben ist schön. Und da dachte ich: Es hat sich doch alles irgendwie gelohnt.

Später hole ich die Kleine ab, dann haben beide ungefähr eine Stunde Medienzeit, was bei uns super funktioniert. Ich habe das Gefühl, die Kinder brauchen diese Pause. Und dann starten wir voller Energie um kurz nach drei in den Nachmittag.

Was macht ihr so zusammen?
Unsere Kinder sind sehr, sehr gerne zu Hause. (lacht) Früher war ich viel mit ihnen beschäftigt, jetzt kommt die Zeit – gerade wenn Freunde zu Besuch da sind –, dass ich sie manchmal gar nicht sehe und sie sich auch mal alleine aufs Zimmer zurückziehen. Ich bin froh, dass meine Arbeit ein bisschen mitwachsen kann. Ich habe nachmittags immer mehr Freiheiten, Dinge zu erledigen und Aufgaben abzuarbeiten.

Wann kommt dein Mann nach Hause?
Der ist von 7:30 bis 18 Uhr aus dem Haus, hat aber auch zwei Homeoffice-Tage, an denen er etwas flexibler ist und mal ein Kind abholen kann. Trotzdem hat er klassische Arbeitszeiten und ist nicht wirklich anwesend.

Habt ihr sonst noch Unterstützung im Alltag?
Ja, wir haben eine Haushaltshilfe, die einmal pro Woche kommt.

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Was ist mit den Großeltern?
Wir kommen eigentlich aus Norddeutschland, unsere Familien leben also weit weg. Deswegen gibt es von ihnen keine Unterstützung. Das ist traurig, aber lässt sich nicht ändern.

Kommst du manchmal im Alltag an deine Grenzen?
Eigentlich nicht – das ist das Schöne. Ich habe das Gefühl, wir haben uns unseren Alltag so gebaut, dass wir wirklich gut klarkommen und eben keiner an seine Grenzen kommt. Das erlebe ich in meinem Umfeld oft anders, speziell bei klassisch angestellten Müttern, die hart kämpfen. Wobei es natürlich auch bei uns mal blöde Tage gibt.

Habt ihr auch genug Paarzeit?
Wir waren seit achteinhalb Jahren nicht mehr zusammen essen und da sagen viele: „Oh Gott, wie kann man nur?“ Aber wir haben ein schönes Zuhause, wir können uns auch daheim eine total nette Zeit machen – abends was Schönes kochen, nett zusammensitzen und quatschen. Also ja, wir haben Paarzeit, aber es spielt sich alles im Haus ab. Das ist vollkommen in Ordnung und wir vermissen auch gar nichts.

Aber Freunde außerhalb trefft ihr schon, oder?
Auf jeden Fall. Im Schnitt trifft jeder von uns einen Abend pro Woche seine Freunde, manchmal auch an zwei Abenden. Ich mache auch öfter kleine Städtetrips mit meinen Freundinnen. Wir kommen also raus – nur nicht gemeinsam. Für uns passt es. Und die Zeiten werden sich ja auch wieder ändern.

Und wenn du weg bist, ist dein Mann dann zuständig für die Kinder?
Genau. Wir haben abends sowieso eine 50/50-Aufteilung und wechseln uns ab, was die Abendroutine und die nächtliche Betreuung angeht.

Das hört sich ja alles sehr positiv an.
Gibt es dennoch etwas, das du dir für die Zukunft wünschst?

Ich denke oft, dass man in puncto Gleichberechtigung auch mehr über die Männer sprechen muss. Wir Frauen dürfen ja mittlerweile alles – all das, was wir früher gemacht haben, und zusätzlich auch noch arbeiten. Das ist natürlich toll, aber auch eine echte Belastung. Deswegen sollte man mehr über den Hauptverdiener – und das sind ja meistens Männer – sprechen. Ich glaube, dass es ein tolles Modell sein könnte, wenn beide Partner 70 Prozent arbeiten würden. Man sollte auch mit 70 Prozent Führungspositionen machen können. So können beide ihre Elternschaft aktiv ausleben. Das gibt es leider total selten.

Von 100 Prozent für beide Elternteile hältst du nichts?
Es kann ja nicht das Ziel sein, die Kinder von 8:00 bis 18:00 Uhr in der Betreuung zu haben. Das möchten die meisten auch nicht. Von daher wäre mir ein Umdenken bei den Unternehmen wichtig, die Vereinbarkeit in der Theorie oft anbieten – und dann doch Meetings von 17 bis 18 Uhr ansetzen. Aber vielleicht hilft da zukünftig auch die Generation Z.

Wie meinst du das?
Ich kann mich nicht in jedem Punkt mit der Gen Z identifizieren, weil ich immer gerne und viel gearbeitet habe und finde, es gehört am Anfang des Berufslebens auch irgendwie dazu. Aber: Wenn die Gen-Z-Führungskräfte jetzt mit 70 Prozent einsteigen, werden sie bestimmt nicht auf 100 Prozent gehen, sobald sie Kinder bekommen. Sie priorisieren Arbeit und Familie einfach anders, auch die Männer. Deswegen tun sie vielleicht gerade ganz viel für die Gleichstellung.

Hinweis: Weil die Interviewpartnerin anonym bleiben möchte, wurde ihr Name geändert. Ihr vollständiger Name ist der Redaktion bekannt.
Dieses Interview erschien erstmals im Juni 2025 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen es aufgrund des Leserinteresses erneut.

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