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Kinder, Küche, Karriere #6„Kann nicht sein, dass Kinder den ganzen Tag fremdbetreut werden müssen“

Sophie entschied sich nach der Geburt ihrer Tochter für einen beruflichen Neuanfang. Wieso sie als Mutter keine Zukunft als Unternehmensberaterin gesehen hat.Angelika Melcher 04.01.2025 - 09:11 Uhr

Sophie führt gemeinsam mit ihrem Mann Nino ein Familienunternehmen. (Symbolbild)

Foto: Canva

In unserer Interview-Reihe sprechen wir regelmäßig mit Berufstätigen, die Kinder haben. Sie berichten darüber, wie sie ihren Job und die Sorgearbeit miteinander vereinbaren, für welches Elternzeit- und Arbeitsmodell sie und ihr Partner sich entschieden haben und was ihnen dabei hilft, sich zu organisieren.

Sophie ist 31 Jahre alt. Gemeinsam mit ihrem Mann Nino (36 Jahre alt) führt sie ein Familienunternehmen. Die beiden leben mit ihrer dreijährigen Tochter in Würzburg. Vor der Geburt ihrer Tochter war Sophie Unternehmensberaterin bei einer der Big Four und entschied sich während ihrer Elternzeit für einen beruflichen Neuanfang.

WirtschaftsWoche: Sophie, wieso hast du deine Karriere als Unternehmensberaterin aufgegeben?
Sophie: Als ich schwanger wurde, war ich kurz davor, zur Managerin aufzusteigen. Leider wäre diese Stelle in meinen Augen alles andere als elternfreundlich gewesen, da man als Managerin nicht nur 60 bis 70 Wochenstunden arbeitet, sondern auch ständig unterwegs sein muss. Das heißt, ich hätte meine Tochter komplett fremdbetreuen müssen. Es gab während meiner Elternzeit kein realistisches Szenario für mich, um wieder einzusteigen.

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Hast du mit deiner Führungskraft darüber gesprochen?
Ja, wir haben zum Ende meiner Elternzeit darüber gesprochen, wie mein Wiedereinstieg aussehen könnte. Zu dieser Zeit wollte ich sehr gerne auf diesem Karriereweg bleiben, mir war meine Karriere schon immer wichtig. Meine Chefin sagte mir dann, dass es unter einer 30-Stunden-Woche keine realistische Chance auf den Managerposten gäbe. Über 30 Stunden kamen für mich aber nicht in Frage – ich wollte nach einem Jahr wieder einsteigen und hätte also mein Kind noch stillen müssen. Außerdem weiß jeder und jede, die mal in einer Beratung gearbeitet hat, dass es in der Regel nicht bei der vereinbarten Arbeitszeit bleibt. Wenn man Projekte auf dem Tisch liegen hat, gehen die eben vor.

Hast du dir gewünscht, dass dir dein Arbeitgeber mehr entgegenkommt?
Meine Führungskräfte haben schon versucht, mir eine Möglichkeit zu bieten, um mich in meiner Karriere zu unterstützen. Aber keine dieser Möglichkeiten wäre für eine junge Familie ausgestaltet gewesen: Kinder werden krank, die Kita bleibt mal unerwartet zu, das alles hatte wenig mit der Realität zu tun. Ich konnte aber auch nicht erwarten, dass sie das gesamte Jobprofil auf den Kopf stellen oder dass ich in gleicher Zeit wie jemand befördert werde, der Vollzeit arbeitet.

Wäre es keine Option gewesen, dass dein Mann zurücksteckt und mit der Kleinen zu Hause bleibt?
Das war bei uns wirtschaftlich nicht sinnvoll. Nino hatte zu diesem Zeitpunkt einen 15-jährigen Karrierevorsprung und ist Unternehmer. Es hätte keinen Sinn ergeben, eine ganze Firma aufzugeben, damit ich in einer Sandwich-Position für 60.000 Euro im Jahr Karriere mache. Deswegen habe ich mich beruflich neu orientiert und mich für einen neuen Weg entschieden – auf Augenhöhe mit meinem Mann und mit einer klaren Mission: der Unterstützung von Frauen und Familien rund um das Thema Finanzen.

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Das hast du dann alles während deiner Elternzeit gemacht?
Genau, ich habe erst mal meine Elternzeit auf zwei Jahre verlängert und dann in dieser Zeit meine ganzen Scheine und Zulassungen zur Finanzmaklerin gemacht. Ich saß in dieser Zeit oft nachts am Laptop, während meine Tochter auf mir schlief, und habe gelernt.

Hat dein Mann auch Elternzeit genommen?
Ja, er hat zwei Monate Elternzeit genommen, auf jeweils vier Wochen aufgeteilt. Wenn man selbstständig ist, bleibt der Kopf aber oft im Unternehmen. Das würden wir rückblickend auch anders machen und uns mehr aus dem Tagesgeschäft rausziehen.

Jetzt arbeitet ihr beide in eurer Firma. Wie viele Wochenstunden arbeitet ihr beide? Bezahlt und unbezahlt?
Unsere Dienstleistung wird stark nachgefragt. Daher arbeite ich aktuell 35 Stunden bezahlt und ungefähr 35 Stunden unbezahlt in Care-Arbeit. Bei meinem Mann sind es 60 bezahlte Stunden und circa 10 Stunden unbezahlte Care-Arbeit in der Woche, wenn man die Wochenenden rauslässt.

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Wie hoch ist euer gemeinsames Nettoeinkommen?
Über 10.000 Euro.

Und wie startet ihr morgens in den Tag?
Wir stehen normalerweise gegen 07:30 Uhr auf. Einer von uns macht dann unsere Tochter fertig, der oder die bereitet Frühstück und Brotdosen vor. Dann fährt einer von uns die Kleine in die Kita. Die ist leider ein gutes Stück entfernt. In Würzburg herrscht ein enormer Kitamangel, wir konnten uns die Kita also nicht aussuchen. Um neun treffen wir uns im Büro.

Wie lange gehen eure Arbeitstage?
Montags und mittwochs habe ich zwei lange Arbeitstage, und das ist dann auch open end. Wir beraten überwiegend Privatkunden, und die haben meistens erst nach 17 Uhr Zeit. Das kann dann auch schon mal bis 21 Uhr dauern.

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Wie lange wird eure Tochter dann betreut?
Sie ist sieben Stunden in der Kita, um vier holen wir sie wieder ab. Freitags ein bisschen früher.

Und an den Abenden?
Montags holt unsere Assistentin unsere Tochter von der Kita ab. Die beiden haben ein sehr enges Verhältnis. Nino holt unsere Tochter fest jeden Mittwoch von der Kita und verbringt den Abend mit ihr, sodass ich dann länger arbeiten kann. An den anderen Tagen bin ich dann dran. Wir bekommen aber auch Hilfe von unseren Eltern.

Wie teilt ihr euch bei der unbezahlten Care-Arbeit auf? Wer kümmert sich um Arzttermine, Essen und Geschenke?
Wir haben das mal ausgerechnet. Unter der Woche leiste ich 35 Stunden Care-Arbeit und mein Mann zehn Stunden. Ich würde schon sagen, dass der Mental Load mit Blick auf das Privatleben bei mir höher ist und ich viele Dinge in unserem Familienleben im Blick habe. Aber mein Mann unterstützt mich, wo er kann, und nimmt mir viel Arbeit ab. Dadurch, dass wir zusammenarbeiten, verschwimmen die Grenzen häufig. Wir haben unsere Kalender füreinander freigeschaltet und wissen so immer ungefähr, wo der oder die andere ist und wie der Tag aussieht und wo vielleicht Zeit für andere To-dos ist.

Tipps für die Arbeit im Homeoffice
Ganz gleich, ob man als zu Hause für eine Firma oder als Selbstständiger für die eigene Tasche arbeitet, muss klar sein: Es gibt auch im Homeoffice klare Arbeitszeiten und definierte Pausen. Sie müssen den Familienmitgliedern und allen anderen potentiellen Störenfrieden klar machen, dass Sie während der Arbeitszeit nicht zur Verfügung stehen. Und vor allem sich selbst! Das klappt oft gut durch die passende Kleidung: Ziehen Sie sich so an, als ob Sie ins Büro gingen.
Nicht jeder Mensch arbeitet zur gleichen Tageszeit am besten. Dies ist eine große Chance der Heimarbeit: Wer abends, wenn die Kinder schlafen, zu Hochtouren aufläuft, kann sich dann den wichtigen Aufgaben zuwenden und dafür morgens eine Stunde länger schlafen oder Unwichtigeres erledigen.
Wer zu Hause arbeitet, braucht ein eigenes Büro, das für die Familie oder Mitbewohner während der Arbeit tabu ist. Freiberufler sollten im Zweifelsfall darüber nachdenken, ein Büro oder Coworking Space anzumieten.
Nur wer sich nicht mit Pannen am Computer herumschlagen muss, kann effektiv arbeiten. Daher sollten Sie als Freiberufler selbst für leistungsfähige IT sorgen oder beim Arbeitgeber durchsetzen, dass Ihr Heimbüro vernünftig ausgestattet ist.

Nehmt ihr euch auch mal bewusst Zeit füreinander?
Das ist bisher leider noch Mangelware. Wir verbringen die Abende, wenn unsere Tochter im Bett ist, in der Regel gemeinsam und schauen einen Film zusammen. Außerdem versuchen wir, immer mal wieder zusammen Mittag zu essen, das ist aber oft der erste Termin, der fliegt, wenn auf der Arbeit was dazwischenkommt. Richtig ausgehen funktioniert meistens nur, wenn unsere Eltern mal über Nacht da sind.

Würdest du sagen, du hast dir das Leben mit Kind anders vorgestellt?
Ich hätte nicht gedacht, dass sich das Leben so auf den Kopf stellt und sich meine Prioritäten derart verschieben (mussten). Da ist immer ein kleines Wesen, welches die oberste Priorität hat, Liebe, Aufmerksamkeit und Zuneigung braucht. Die ganze Gefühlswelt ist auf einmal explodiert. Es ist wunderschön, chaotisch und anstrengend zugleich.

Seid ihr denn zufrieden mit eurer Organisation?
Natürlich geht es regelmäßig drunter und drüber. Ich finde aber, dass wir das gut hinbekommen. Wir nehmen uns vor, uns mehr von der Arbeit rauszuziehen. Vor allem mein Mann arbeitet deutlich mehr in der Firma, ich kompensiere das dann im privaten Bereich. Das ist mir manchmal zu viel – nur weil ich nicht berate, heißt das ja nicht, dass ich nichts mache. Wir beide sind schon auch Arbeitstiere und wir sehen unsere Jobs als Selbstverwirklichung. Wir können beide nicht nur Eltern sein. Manchmal ist es schwer, den Spagat zwischen Job, Mutter und Partnerin-Sein zu meistern. Im Umkehrschluss überlegen wir gerade auch, ob wir noch ein zweites Kind bekommen wollen oder nicht.

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Was hält euch da zurück?
Es ist jetzt schon schwierig, unserer Tochter und allen anderen Sachen gerecht zu werden. Es ist ein Riesenunterschied, ob du ein Kind hast oder zwei, vor allem wenn eins davon noch ein Baby ist. Ich habe außerdem Angst, dass ich dann meine berufliche Tätigkeit zumindest vorerst wieder einstellen muss.

Was müsste sich denn ändern, damit vor allem Frauen diese Angst genommen wird?
Es gibt gewisse Berufe, in denen sich das Berufsbild grundlegend ändern muss, damit sie familienfreundlich werden. Oft wird einem verkauft, dass das Unternehmen super kinderfreundlich ist, aber am Ende bedeutet das nur, dass außen herum alles möglich gemacht wird, damit man trotz Kind 60 Stunden arbeiten kann. Es kann nicht die Antwort sein, dass Kinder den ganzen Tag fremdbetreut werden müssen, weil die Jobs der Eltern es nicht anders erlauben. Es muss überlegt werden, wie man jemanden auch mit beispielsweise 20 Stunden sinnvoll im Unternehmen einsetzen kann, zum Beispiel durch Tandemmodelle oder geteilte Führungspositionen.

Ich habe das Gefühl, dass man sich gerade als Frau ein bisschen gezwungen fühlt, Karriere zu machen, weil einem vermittelt wird, dass uns Frauen jetzt alle Wege offenstehen. Dabei gibt es nicht nur Schwarz und Weiß; nicht nur Karriere oder Hausfrau.

Gibt es etwas, was du anderen, vielleicht noch jungen Müttern, raten würdest?
Jeder und jede wird einem, wenn man Mutter wird, erzählen, wie man etwas zu machen hat. Das hat mich am Anfang maximal verunsichert und am Ende hatte mein Bauchgefühl immer recht. Genauso ist es mit der eigenen Karriere.

Ich denke, man spürt, wie es für einen weitergehen soll. Es hilft ein Support System und einen Circle of Trustum sich herum zu haben, egal ob es Familie, der Partner oder Freundinnen sind. Offene Kommunikation – nicht erst, wenn es zu spät ist – war für mich unendlich wichtig. Es war nicht einfach für mich, zu kündigen und ganz neu in einem Bereich anzufangen, den ich vorher noch nicht kannte.

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