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Körpersprache"Keine Frau will sehen, wie ein Mann sein Gemächt zur Schau stellt"

Der Daumen nach oben, die geballte Faust, oder der Kollege, der in der Konferenz da steht, wie ein Fußballer beim Freistoß: Unser Körper schweigt nie und wer nicht aufpasst, kann sogar seine Karriere riskieren.Carina Kontio 27.09.2015 - 09:00 Uhr Quelle: Handelsblatt

Die bevorzugte Haltung einiger männlicher Kollegen ist oft die sogenannte Feigenblattstellung: Sie stehen einfach da, wie Fußballer beim Freistoß.

Foto: AP

Violeta Mikic ist Expertin für Körpersprache und Business-Coach von Vorstandskräften bei Coca-Cola, Telekom, Lufthansa & Co. Sie kann einiges aus ihrer langjährigen Erfahrung berichten. Beispielsweise von Frauen, die sich als Führungskräfte den Hüftschwung abtrainieren wollen oder Männern, die wie dressierte Hunde agieren und ihre eigene Persönlichkeit unterdrücken. Im Interview sprechen wir mit ihr darüber, wie Frauen bewusst ihre Körpersprache einsetzen können - und mit welchen Gesten man im schlimmsten Fall seine Karriere behindern kann.

Frau Mikic, ich kann es kaum glauben, aber gibt es wirklich Frauen, die sich ihren Hüftschwung abtrainieren wollen?
Violeta Mikic: Nein, nicht wirklich. Sie wollen ihn sich nicht abtrainieren. Aber generell versteifen wir alle uns in Stresssituationen. Und bei Frauen ist das sichtbarer als bei Männern, weil der Hüftumfang bei Frauen ausgeprägter ist. Und deshalb wirken sie dann schnell unfraulich. Das passiert jedem von uns, mir auch. Es ist eine natürliche Reaktion in unangenehmen Situationen.

Ein Beispiel aus meinem Berufsalltag. Die bevorzugte Haltung einiger männlicher Kollegen ist oft die sogenannte Feigenblattstellung: Sie stehen einfach da, wie Fußballer beim Freistoß. Müssen wir Frauen bewusst männliche Körpersprache übernehmen, wenn wir Erfolg haben wollen?
Dieser Gestus gehört zum Sport. Keine Frau will sehen, wie ein Mann sein Gemächt zur Schau stellt oder vergrößert. Stellen Sie sich bitte einmal das frauliche Pendant dazu vor: Eine Frau steht auf der Bühne, die Arme überkreuzt und hält oder präsentiert mit den Händen ihre Brüste. Was würde man dazu sagen?

Violeta Mikic ist Expertin für Körpersprache und Business-Coach von Vorstandskräften bei Coca-Cola, Telekom, Lufthansa & Co.

Foto: Presse

Ich versuche gerade mir das Bild vorzustellen...
Generell gilt: Wir sollten, unabhängig vom Geschlecht, in öffentlichen Situationen eine möglichst neutrale Körperhaltung einnehmen.

Aber nehmen wir mal eine typische Frauenhaltung: Das linke Bein ist Standbein, die Hände sind vor dem Körper brav zusammengelegt. Kann ich meinen Chef so von meinen Führungsqualitäten überzeugen?
Es kommt auf den Rest der Ausstrahlung an. Wenn die Stimme zu diesem Gestus piepsig ist, wird es schwierig. Wenn es eine zierliche Frau ist, wirkt sie zu zart. Bei einer großen, mächtigen Frau mit Tendenz zur „Überpräsenz“ kann dieser Gestus dagegen positiv wirken.

Es gibt noch etwas, das Frauen besonders gerne machen: Sie verstecken den Daumen in der Faust. Was sagt diese Geste über unseren inneren Zustand aus?
Eigentlich ist das ja erst mal eine positive Geste. Man drückt jemandem (oder sich) die Daumen. Im konkreten Fall muss jeder sich selbst fragen, wann und warum er diese Geste einnimmt. Sie kann für Menschen ja durchaus wohltuend sein. Zum Beispiel um eine Unsicherheit „wegzudrücken“. Oder man hält etwas in der Hand, das man jetzt noch nicht preisgeben oder kommunizieren möchte.

Was Ihre Gesten über Sie verraten
signalisiert laut den Bewerbungsexperten von Hesse/Schrader Konzentration oder Nachdenken
bedeutet Ungeduld oder Nervosität, vielleicht sogar Provokation
zeigen die eigene Überlegenheit
Gesagtes wird zurückgenommen, weil Unsicherheit in der Sache besteht
demonstriert Selbstzufriedenheit, wirkt aber nicht immer sympathisch
zeigt bei Zurücklehnen grenzenlose Souveränität
lässt auf Desinteresse, Unkonzentriertheit oder Nervosität schließen
steht für Nachdenklichkeit, Erschöpfung oder Langeweile
zeigt Ratlosigkeit oder Unsicherheit
steht für Nachdenklichkeit und Zufriedenheit
zeigen bei Frauen: Unsicherheit oder Angst, bei Männern: Ablehnung und Verschlossenheit
signalisieren Überheblichkeit, gleichzeitig Abwehr gegen Einwände

Warum drückt unser Körper eigentlich oft etwas ganz anderes aus, als wir es eigentlich möchten?
Wir möchten gerade in beruflichen Situationen oft Sachinformationen kommunizieren und achten nicht darauf, in welcher emotionalen Verfassung wir uns befinden. Statt sie bewusst wahrzunehmen und einzubeziehen, drücken wir sie weg. Und unser Körper zeigt diese Emotion an der ein oder anderen Stelle dann umso deutlicher, durch unsere Mimik, den Gestus, die Körperhaltung, die Tonlage der Stimme oder die Atmung.

Victory-Zeichen

Dieses Siegeszeichen - prominent geworden durch Winston Churchill - ist nahezu auf der ganzen Welt verständlich. Nur Vorsicht: Wer die Hand verkehrt herum hält, also dem Gegenüber den Handrücken zeigt, bekommt zumindest in Australien, Großbritannien und Malta richtig Ärger. Dieses umgekehrte Zeichen ist dort nämlich das Pendant zum international bekannten Stinkefinger.

Foto: REUTERS

Rausgestreckte Zunge

Wer Tibet bereist, sollte sich darauf vorbereiten, dass erwachsene Menschen einander die Zunge herausstrecken. In Teilen der chinesischen Verwaltungseinheit ist dies eine verbreitete Begrüßungsform. Weitere Begrüßungsrituale sind unter anderem das Überreichen eines Schleiers, auf Höhe der Brust gefaltete Hände, das Berühren der Stirn oder das Heben der Hand.

Foto: dpa/dpaweb

Zeigefinger

Schon in Deutschland heißt es, man solle nicht mit dem (nackten) Finger auf (angezogene) Menschen zeigen. Was hierzulande aber nur latent unhöflich ist, ist beispielsweise in Thailand ein regelrechter Fauxpas. In Südafrika gilt die Geste als Angriff.

Foto: dpa

Einen Kopf kürzer machen

Wer in Polen seinem Gegenüber signalisieren möchte, dass etwas gestorben ist oder er ihn einen Kopf kürzer machen möchte, sollte sich nicht - wie hierzulande üblich - mit der flachen Hand am Hals entlang fahren. Die Geste bedeutet viel mehr, dass das Gegenüber so betrunken ist, dass ihm der Alkohol bis zum Hals steht.

Foto: Fotolia

Daumen hoch

Was in den meisten Ländern Europas das Zeichen für "prima" oder "gut gemacht" ist, ist in der Türkei mehr als nur eine Beleidigung: Der nach oben gereckte Daumen ist dort eine äußerst obszöne Aufforderung zum Geschlechtsverkehr.

Foto: REUTERS

Daumen hoch als Zahl

In China ist der nach oben gereckte Daumen im Übrigen das Zeichen für die Zahl fünf. In Indonesien entspricht das gleiche Zeichen der Zahl sechs

Foto: dpa

Okay-Zeichen

Ähnlich mehrdeutig ist der mit Daumen und Zeigefinger gebildete Kreis: In Deutschland und Amerika bedeutet die Geste "okay", im kulinarischen Bereich auch "lecker". In Spanien, Griechenland und Russland ist es dagegen eine Beleidigung. Wer dieses Zeichen macht, beschimpft sein Gegenüber als A****loch. Bei Franzosen und Belgiern drückt die Geste dagegen aus, dass jemand oder etwas wertlos, eine Null, ist. Und in Japan gilt die Geste als das Zeichen für Geld.

Foto: Fotolia

Mano cornuta

Diese Geste gehört zumindest in Deutschland - außer bei Metal-Konzerten oder Festivals - nicht zum Standardrepertoire. Die hochgereckte Faust mit ausgestrecktem Zeige- und kleinem Finger hat dennoch sehr unterschiedliche Bedeutungen: In den USA heißt das Zeichen "Ich liebe dich", in Italien und Spanien ist es dagegen eine schlimme Beleidigung beziehungsweise bezeichnet den Gegenüber als gehörnten Ehemann. Gleichzeitig ist die Mano cornuta (gehörnte Hand) in Italien auch das Zeichen gegen den bösen Blick. Und in der Türkei ist es der Gruß der Partei Graue Wölfe.

Foto: dpa

Den Vogel zeigen

Wer in Amerika den Vogel gezeigt bekommt, darf sich geschmeichelt fühlen: Statt "du tickst nicht richtig", ist die Geste in den USA ein Zeichen dafür, dass jemand besonders clever und intelligent ist.

Foto: Fotolia

Faustschlag in die Handfläche
Sie wollen Ihrem Gegenüber zeigen, dass Sie energiegeladen sind und eine Sache anpacken wollen? Oder dass es gleich kräftig etwas auf die Mütze gibt? Dann sollten Sie nicht unbedingt mit der Faust in die offene Handfläche schlagen. In Teilen Westafrikas bedeutet die Geste "einverstanden sein". In Chile und in arabischen Ländern sollte man dieses Zeichen ganz unterlassen. Es sei denn, man möchte wirklich mit seinem Gegenüber ins Bett.

Foto: WirtschaftsWoche

Es heißt, Körpersprache fängt bei den Füßen an – können Sie das kurz erklären?
Mit den Füßen beginnt unsere Aufrichtung. Und deshalb bestimmen sie darüber, wie wir „im Leben stehen“. Ein Beispiel: Stehen wir auf den Fersen, was viele Menschen tun, sind die Knie durchgedrückt, die Hüfte eingeklemmt und der Oberkörper nach hinten gebogen. Dadurch hebt sich der Kopf und ich wirke evtl. arrogant, distanziert und zurückweisend.

Gibt es eigentlich spezielle Gesten, die besonders im Business nützlich sind, um den Weg auf der Karriereleiter zu beschleunigen?
So generell kann man das nicht sagen. Wichtig ist immer, dass man Gesten zeigt, die zum Inhalt der verbalen Kommunikation passen – und nicht nebenbei eine andere Geschichte erzählen. Wenn ich mich unsicher fühle, sollte ich möglichst neutral in den Gesten bleiben. Und man sollte sich immer die Zeit nehmen, das Gegenüber zu beobachten, einzuschätzen und dann zu entscheiden, wie man seine Rede durch Gesten unterstreicht.

Hinter dem Kopf verschränkte Hände drücken Dominanz aus. Entscheidungen wird er nicht mehr revidieren, er besitzt genügend Selbstbewusstsein.

Foto: Fotolia.com

Menschen, die ihre Hände wie zum Gebet aneinanderlegen, fühlen sich sicher: Entscheidungen, die sie getroffen haben, stehen fest und sind nicht mehr zu ändern.

Foto: dpa

Auch wenn es hier eher freundlich aussieht: Vor dem Körper verschränkte Arme sind immer auch eine Abwehr-Haltung. Haben Sie vorher einen verbalen Angriff gestartet, dann haben sie Ihren Gesprächspartner nun in die Defensive gedrängt.

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Die Angst sitzt ihr im Nacken: Der Gesprächspartner fühlt sich unwohl bzw. in die Enge gedrängt. Jetzt können Sie ihn vielleicht zum Eingestehen eines Fehlers bekommen, oder er hat zumindest ein schlechtes Gewissen.

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Wenn jemand mit der Hand "imaginären" Schmutz von seiner Kleidung entfernt, dann sollten Sie vorsichtig sein: Noch schlägt er nicht zurück, aber er bereitet sich gerade darauf vor, Widerspruch einzulegen.

Foto: Fotolia.com

Zur Pistole geformte Finger, die dazu noch unmittelbar auf den Gesprächspartner deuten, zeigen die Aggressivität des Gegenüber. Passen Sie auf.

Foto: Fotolia.com

Das Berühren der Nase ist eine typische Geste für einen Gesprächspartner, der Zweifel hat. Ihn sollten Sie noch überzeugen.

Foto: Fotolia.com

Frauen mit Mitarbeiterverantwortung haben oft das Gefühl, dass Männer ihre Anweisungen nicht ganz ernst nehmen. Warum ist das so und kann ich durch Körpersprache meinen Führungsanspruch gezielt untermauern?

Die Frage ist doch zunächst mal: Warum fühlt sich die eine Frau ernstgenommen und die andere nicht? Das hängt natürlich immer auch mit der eigenen Sichtweise auf sich selbst zusammen. Erst wenn diese Frage beantwortet ist, kann man anfangen, an der eigenen Ausstrahlung zu arbeiten. Zwei Dinge sind aber generell wichtig: Erstens sollte man sicherstellen, dass ein Mitarbeiter auch wirklich zuhört, wenn ich mit ihm spreche, und nicht abgelenkt ist. Das tun wir viel zu selten. Und zweitens müssen wir körperliche Präsenz zeigen, wenn wir anderen Anweisungen geben. Also aufrecht sein, gradlinig, offen, dem Gegenüber im wörtlichen Sinne auch die Stirn bieten.

Verändert eine berufliche Karriere eigentlich unsere Körpersprache?
Ja, in den allermeisten Fällen verändert der berufliche Aufstieg auch unsere Körpersprache. Je höher man steigt, desto mehr wird man zu einer öffentlichen Person – und reagiert (unbewusst) darauf. Unabhängig von der öffentlichen Meinung man selbst zu bleiben und auch in Krisen ein gesundes Selbstwertgefühl zu behalten, ist eine große Herausforderung, vor der gerade Führungskräfte häufig stehen.

Kann Körpersprache auch eine Karriere behindern?
Ja unbedingt! Ein unterwürfiger Gesamtgestus oder eine verdrehte Körperhaltung kann einer Karriere im Weg stehen, vor allem im Management. Wenn sie aber beispielsweise in der Forschung arbeiten, muss das nicht unbedingt gelten.

Letzte Frage: Mit welcher Geste unterstreiche ich am besten meine Argumente für eine Gehaltserhöhung?
Das können viele Gesten sein. Entscheidend ist, was sie mit dieser Geste kommunizieren. Stellen Sie sich vor, sie schlagen während des Gesprächs bei der entscheidenden Frage die Beine übereinander. Einmal sehr schnell, einmal normales Tempo und einmal lasziv langsam. Was denken Sie, welche Geste ist in dieser Situation am stärksten?

Ich würde sagen, das kommt ganz auf meine Beine an!
In der Tat, die eigenen körperlichen Voraussetzungen sollte man realistisch einschätzen können.

Und was, wenn ich ein Mann bin und mein Chef eine Frau ist?
(lacht) Dann bitte ich Sie, auf keinen Fall breitbeinig zu sitzen.

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