Management-Moment der Woche: Ist der Kuschelkurs vorbei?
Bahn-Vorstand Richard Lutz
Foto: imago imagesDas ist passiert:
Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bahn, Richard Lutz, setzt in der Krise auf Kontrolle. Intern habe Lutz einen „radikalen Kurswechsel“ in der Arbeitsweise angekündigt, berichtet die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Demnach fordert der Bahnchef eine „strikte Umsetzungsdisziplin“ beim nun gestarteten Sparprogramm. Die will er unter anderem dadurch erreichen, dass die Manager alle vier Wochen über die Sanierungsfortschritte in ihren Bereichen berichten.
Das können Sie daraus lernen:
Die Bahn ist kein Einzelfall. So hat unter anderem auch SAP-Chef Christian Klein wieder straffere Hierarchien und strengere Regeln im Konzern durchgesetzt. „Ich spüre in der Wirtschaft wieder eine Sehnsucht nach klarer Kante“, sagt der Managementberater und ehemalige RWE-Vorstand Hanns-Ferdinand Müller. Eine Reaktion auf die Krise und die damit einhergehende Verunsicherung. Doch die Annahme, diese Situation mit Härte besser bewältigen zu können, hält Müller für eine Illusion. „Der Führungsstil der 80er-Jahre hilft uns jetzt nicht weiter.“ Zumal es eher von Unsicherheit oder gar Panik zeugt, wenn Chefs plötzlich einen anderen Ton anschlagen. Stattdessen sind zwei Punkte für die Führung in der Krise entscheidend:
1. Den richtigen Leuten vertrauen
Der moderne Führungsansatz des „New Leadership“ basiert auf der Erkenntnis, dass eine vertrauensvolle Zusammenarbeit in der Regel zu besseren Ergebnissen führt. Durch eine Rückkehr zum Mikromanagement werden gerade die besonders guten Mitarbeiter demotiviert. „Daran ändert sich auch in der Krise nichts“, sagt Managementexperte Müller. Was sich aber ändert, sind die Anforderungen – insbesondere an die Führungskräfte: Können sie mit Stress umgehen?
„Viele neigen in schwierigen Situationen dazu, hektisch zu werden und den Druck weiterzugeben“, beobachtet Müller. Solche Führungskräfte sind vor allem in Krisen ungeeignet. Die anderen brauchen Vertrauen. Natürlich kein blindes: „Man sollte als Chef schon wissen, was in den einzelnen Bereichen los ist, Impulse geben und Unterstützung anbieten.“ Ein regelmäßiger Austausch mit den Führungskräften ist dabei selbstverständlich. Die Androhung einer monatlichen Hausaufgabenkontrolle braucht es dafür nicht.
2. (Noch) klarer kommunizieren
In dem Missverständnis, dass in der Krise „klare Kante“ gefragt ist, steckt ein wahrer Kern: Denn die Ansprüche an eine klare Kommunikation steigen. Während es in guten Zeiten weniger auffallen mag, wenn die Unternehmensziele etwas schwammig formuliert sind, wird das in der Krise zum echten Problem. Die Führungskräfte müssen die Ziele und die notwendigen Maßnahmen verstehen. „Dafür sollte man sich Zeit nehmen und signalisieren: Kommt jederzeit zu mir, wenn ihr Fragen habt!“, empfiehlt Berater Müller.
Sobald alle wissen, was zu tun ist, ist positive Kommunikation wichtig: Was haben wir schon erreicht, wo haben wir noch Potenzial? Solche Botschaften sind in den meisten Fällen deutlich wirksamer als Drohungen.
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Hinweis: Dieser Artikel erschien erstmals im 7. Dezember 2024 bei der WirtschaftsWoche. Wir zeigen ihn aufgrund des hohen Leserinteresses erneut.