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Tipps für Bewerbung und Karriere So setzen Sie sich gegen Selbstdarsteller durch

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Angst vor dem Großraumbüro

Wörtlich übersetzt, bedeutet introvertiert „nach innen gerichtet“. Als Erster benutzte den Terminus der Psychoanalytiker Carl Gustav Jung in den Zwanzigerjahren. Er beschrieb damit Menschen, die vor allem in ihrer Gefühls- und Gedankenwelt leben, die neue Energie und Kreativität eher aus dem Alleinsein und der Entspannung ziehen als aus dem Austausch mit anderen Menschen.

In den Sechzigerjahren stellte der Wissenschaftler Hans Jürgen Eysenck fest, dass Introvertierte weniger äußere Reize vertragen als Extrovertierte. Im Berufsalltag bedeutet das: Zurückhaltende passen nicht zum Idealbild der modernen Büroarchitektur. Dem Siegeszug der Großraumbüros können sie nichts abgewinnen, an abgeschotteten Schreibtischen fühlen sie sich wohler.

Ablenkung schadet der Konzentration Introvertierter

Das belegt auch eine Studie der Universität Belgrad. Die Forscher gaben 123 Medizinstudenten vor einigen Jahren Matheaufgaben. Mal sollten sie sie in völliger Stille lösen, ein anderes Mal hörten sie Verkehrslärm. Das Ergebnis: Diejenigen Studenten, die der vorangegangene Persönlichkeitstest als extrovertiert eingestuft hatte, konnten die Aufgaben zwischen Autogebrumm sogar schneller lösen als in ruhiger Atmosphäre. Die Introvertierten hingegen hatten bei lauter Geräuschkulisse mit Konzentrationsschwäche zu kämpfen.

Aber ist die geringe Belastbarkeit durch äußere Reize wirklich nur von Nachteil? Mitnichten, meint Sylvia Löhken, die seit Jahren Introvertierte coacht und mehrere Bücher zum Thema verfasst hat. „Introvertierten fällt es deutlich leichter, sich länger mit einem Problem zu befassen.“ Im Schul- und Universitätsalltag haben sie oft bessere Noten. Eine zwei Jahre dauernde Untersuchung der Universität London ergab, dass Introvertierte bei akademischen Prüfungen besser abschneiden als Extrovertierte.

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    Die zehn Stärken introvertierter Personen

    Zwar bedeutet das nicht, dass Zurückhaltende intelligenter sind. Aber: „Sie scheinen sorgfältiger nachzudenken als Extravertierte“, sagt Bestsellerautorin Cain. Die lauten Zeitgenossen neigten zu einem kurzen und schmerzlosen Problemlösungsansatz und verzichteten auf Genauigkeit zugunsten von Tempo. „Introvertierte denken, bevor sie handeln, verarbeiten die Information gründlich, bleiben länger bei der Sache und arbeiten gewissenhafter.“

    Kreative Köpfe sind oftmals introvertiert

    Dieser Vorteil führt dazu, dass einige der kreativsten Köpfe unserer Zeit als introvertiert gelten: von Hollywoodregisseur Steven Spielberg über Google-Gründer Larry Page bis hin zu „Harry Potter“-Autorin Joanne K. Rowling. „Ihre reiche Fantasie funktioniert ganz ohne Stimulation von außen“, sagt Psychologe Asendorpf. Während Extrovertierte auf die Kreativität des Rudels zum Beispiel in Form von Brainstormingrunden setzen, können sich Introvertierte in solchen Sitzungen kaum entfalten. Ihr Fokus liegt darauf, was wir aus der Schule als Stillarbeit kennen. „Vor allem bei anspruchsvolleren Aufgaben sind sie kreativer“, sagt Arsendorpf, „weil sie sehr gut abstrakt denken können.“

    Eine weitere Stärke der Introvertierten ist das Zuhören. Extrovertierte haben ein hohes Sendungsbewusstsein und reden drauf los. Sie sind zwar Meister im Small Talk, aber auch im Unterbrechen. Doch vor allem bei wichtigen Themen wünschen sich unzufriedene Kunden, besorgte Zulieferer oder zukünftige Geschäftspartner gute Zuhörer. „Damit schaffen Introvertierte Vertrauen“, sagt Löhken. Diese Gabe schätzen auch viele Mitarbeiter an ihren Chefs. Zwar inspirieren introvertierte Führungskräfte ihre Angestellten nicht mit schmissigen Motivationsreden und Tschakka-Ansprachen.

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