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WiderworteLinkedIn offenbart einen fatalen Fehler im Umgang mit dem Alter

Alle reden von Respekt, alle reden vom Fachkräftemangel, alle reden von Achtsamkeit. Nur die Alten sind da nicht mitgemeint. Eine Kolumne.Wolf Lotter 31.05.2024 - 14:38 Uhr
Foto: imago images

Diese Kolumne heißt ja bekanntlich Widerworte, was neben vielem anderen mehr ja auch das Gegenteil von Angepasstheit sein kann. Widerworte gibt man, wenn man sieht, dass etwas nicht stimmt. Oder ehrlich ist. Sondern falsch. Dann sagt man was. Dann gibt es, wie die Jugend sagt, Beef.

Neulich war ich wieder mal auf LinkedIn, das laut Eigendefinition ein Karrierenetzwerk sein soll, auch wenn dort zwischen Selbstdarstellung und Selbstüberschätzung in praktisch keinem Fall leicht zu unterscheiden ist. Sei´s drum, es ging um etwas anderes. Nicht nur mir gehen die Postings dort zunehmend auf die Nerven, bei denen ein Mensch m/w/d sich lang und breit über das Thema Gerechtigkeit im Unternehmen auslässt, nichts, was man nicht schon anderswo besser gelesen hätte, aber gut. Am Ende des Postings steht dann ein „sooooo wichtig!“ und es gibt ein Foto, natürlich ein Selfie, natürlich in strahlender Selfiepose. Früher nannte man das Bild-Text-Schere, weil eines – der Text – so gar nicht zum dämlichen Grinsen auf dem Selfie passt.

Aber früher ist nicht heute. Heute ist sowas normal. Ich frage mich dann immer, wer solche Leute einstellt, wenn das hier ein Karrierenetzwerk ist. Sind die Personalabteilung – Entschuldigung –, die HR-Departments, eigentlich noch an Sachkenntnis interessiert? Oder genügt es, dass jemand radebrechend seine Gesinnung, die er sich bei den vorhergehenden fünf Postings abgeholt hat, zusammenklöppelt, um sich dann – Hallo, ich bin´s, der Lars! – zu fotografieren, als ob es gerade auf Klassenfahrt ginge.

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Ich finde das peinlich, aber die Frage muss erlaubt sein, warum das geschieht. Kann es sein, dass hier das alte Sprichwort: „Wie man in den Wald hineinruft, so schallt es heraus“ eine Rolle spielt? Machen diese Komikerinnen und Komiker das vielleicht, weil sie glauben, nein, sogar relativ sicher sein dürfen, dass das bei Auftraggebern und Jobanbietern gefragt ist? Das ist die größere Befürchtung. Dann wäre das Karrierenetzwerk eine Schauspielschule, von der es dann auf die richtige Bühne geht. Gespielt werden Komödien, aus denen ein Drama wird, eine Tragödie, aber das merkt hier dann keiner mehr.

Umgekehrt: Wo sind die, die es besser wissen könnten? Die Alten? Altersdiskriminierung ist ein großes Wort. Aber es ist schon richtig. Eine Wissensgesellschaft, die ihren Kernwert – Knowledge – nicht versteht, hat auch keine Ideen, sondern auch keine Zukunft. Wo sind sie nun?

Zwei Antworten. Sie finden, wie im Rest des Marketings, bei dem man ab dem erfüllten 49. Lebensjahr nicht mehr unter den Lebenden weilt, keine Erwähnung, man will sie nicht sehen, buuuh, Alter – Alter ist voll hässlich! Und der andere Teil der Antwort sind die unzähligen Leute, die mit Profilfotos agieren, die zwischen 20 bis 30 Jahren alt sind. Niemand will alt aussehen. Erfahrung gilt als Last. Geil ist nur, wer jung ist, denn wer jung ist, der darf alles.

Diese Geschichte haben uns Leute erzählt, denen es weniger um die Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen geht, sondern mehr darum, ausreichend naive Leute zu finden, die sich – und den ganzen Kram rundum – „mal ausprobieren müssen“. Sie treffen keine Entscheidungen. Ich bin so ziemlich das Gegenteil eines Konsumkritikers, aber ich mache mir seit langem Sorgen, dass die zunehmende Infantilisierung der Gesellschaft und ihrer „Verbraucher“ sich eben nicht von der immer schlechteren Qualität von Dienstleistungen und Produkten selbst trennen lässt. Auch das ist eine Art Text-Bild-Schere.

Leistung, Arbeit, Können, Know-how, Wissensarbeit – all das hat mit Castings nicht zu tun, sondern Selbstwertgefühl, Selbstbewusstsein, Selbständigkeit, mit gemachten Fehlern, Erfahrungen, mit Reife. Den Dingen also, die Erwachsene ausmachen, die nicht „forever young“ sein wollen, weil das, unter gar nicht so seltenen Umständen, nicht nur keinen Vorteil bringt, sondern im Gegenteil: alt aussieht.

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