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Gehälter Verdienen Sie, was Sie verdienen?

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Mehr Konjunktur, mehr Jobs, Quelle: dpa

Wenn gar nichts mehr geht, dann bringen Sie Lohn-Zusatzleistungen ins Spiel. Viele Personalchefs denken gerade darüber nach, „die Löhne durch Benefits zu ergänzen“, sagt Vergütungsexperte Christian Näser von der Management-Beratung Kienbaum. Beliebt sind Dienstwagen-Upgrades, ein Zuschuss zu den Fahrtkosten, Weiterbildung oder mehr Freizeit. In sogenannten Cafeteria-Modellen werden Zusatzleistungen von einigen Arbeitgebern bereits institutionalisiert. Mitarbeiter bekommen dann ein Budget und können aus diversen Angeboten auswählen.

Wenn Alter und Einkommen der Angestellten steigen, dann wird das Thema Vorsorge wichtig. Studien belegen, dass Mitarbeiter darauf immer größeren Wert legen. Darauf stellen sich die Arbeitgeber mit Angeboten zur betrieblichen Altersversorgung ein. Sie reservieren entweder Beiträge, die sie später als Pension auszahlen. Oder sie überweisen in eine Pensionskasse Geld, auf das der Mitarbeiter aus seinem Bruttogehalt noch etwas drauflegen kann. Diese sogenannte Entgeltumwandlung haben lange nur Manager und Führungskräfte genutzt, „heute nimmt der überwiegende Teil aller Angestellten an solchen Vorsorgeplänen ihrer Unternehmen teil“, sagt Marc Oliver Heine, Spezialist für betriebliche Altersversorgung bei der Beratungsfirma Watson Wyatt Heissmann. Der Vorteil: Wenn der Arbeitnehmer Beiträge aus seinem Bruttogehalt umwandelt, sinkt mitunter seine Steuerlast.

Allerdings sorgen Aktiencrashs, Turbulenzen an den Finanzmärkten und Managementfehler dafür, dass Betriebsrenten und Pensionspläne mitunter schlechter ausfallen, als die Angestellten erwartet haben.

Einsteiger: Uni-Absolventen spüren den Wettbewerb um kluge Köpfe, und für viele ist die Zeit der mickrigen Einstiegsgehälter vorbei.

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    Caroline Strack zum Beispiel verdient heute in ihrem ersten Job rund zehn Prozent mehr als Kollegen, die vor fünf Jahren auf gleicher Position anfingen. Die 28-Jährige ist Trainee beim Konsumgüterhersteller Unilever in Hamburg. Um für Jobeinsteiger wie Strack attraktiver zu sein, erhöhte Unilever die Trainee-Gehälter jedes Jahr um etwa zwei Prozent. Heute verdienen Strack und Kollegen etwa 43.000 Euro im Jahr, plus Bonus bei guter Leistung. Nach einem Jahr gibt es noch einmal 5000 Euro mehr. Sobald die Frischlinge erste Managementposten übernehmen, überweist ihnen Unilever 57.000 Euro im Jahr.

    Um ihr die Entscheidung für das Unternehmen zu erleichtern, lud Unilever Strack nach dem Vorstellungsgespräch zu einem eintägigen Besuch nach Hamburg ein. Ihr künftiger Chef nahm sich frei, ebenso wie der Marketingleiter. Sie führten die Mitarbeiterin in spe durch die Zentrale und stellten ihr die Kollegen vor. „Ich war beeindruckt, welches Interesse das Unternehmen an mir gezeigt hat“, sagt sie. Die Zusage fiel ihr entsprechend leicht.

    Nicht nur für gute Betriebswirte legen sich die Unternehmen ins Zeug. IT-Fachleute, Ingenieure und Naturwissenschaftler werden umworben wie lange nicht. Sie können rund 40.000 Euro als Einstiegssalär erwarten. Weil sie die begehrten Wissensarbeiter des High-Tech-Standorts Deutschland sind, werden ihre Einstiegsgehälter laut Towers Perrin dieses Jahr um mehr als sieben Prozent steigen.

    Das gilt allerdings nicht für alle. Sozial- und Sprachwissenschaftler verdienen mit rund 32.400 Euro in ihrem ersten Job deutlich weniger als ihre Kommilitonen der technischen oder wirtschaftswissenschaftlichen Studienfächer, und sie werden dieses Jahr, „nur wenig hinzuverdienen“, sagt Böger.

    Überhaupt beeinflusst der Studienabschluss das Einstiegsgehalt. Universitätsabsolventen liegen momentan mit im Durchschnitt 40.400 Euro an der Spitze, gefolgt von Fachhochschul-Diplomanden, die in ihrem ersten Job rund 37.000 Euro im Jahr nach Hause bringen. Die Personalmarkt-Experten schätzen, dass sich die Einstiegssaläre von Bachelor-Absolventen in den nächsten Jahren bei rund 35.000 Euro im Jahr einpendeln werden. Lediglich ein Auslands-Bachelor kann dann ein höheres Einstiegsgehalt bringen. Absolventen eines Masterstudiengangs können mit etwa 44.000 Euro im Jahr rechnen.

    Wer sich im Studium spezialisiert, seltene Sprachen beherrscht oder interkulturell erfahren ist, kann einen deutlichen Aufschlag auf sein Einstiegsgehalt erwarten. Diese Fähigkeiten sollten im Vorstellungsgespräch „deutlich genannt werden“, sagt Gehaltscoach Wehrle.

    Am wichtigsten ist es, seinen Marktwert kontinuierlich zu steigern. Dafür opferte Christiane Bewersdorff, 38, viel Freizeit. Mehrere Jahre assistierte die Industriekauffrau tagsüber der Personalentwicklung des Armaturenherstellers Grohe und bildete sich abends zur Betriebswirtin weiter. Während Kollegen zu Hause den Fernseher anknipsten, paukte sie drei Jahre lang Rechnungswesen, Marketing und Controlling. Das war eine anstrengende Zeit, aber die Mühe hat sich gelohnt. Jetzt ist sie Personalleiterin und betreut rund 500 Grohe-Mitarbeiter. Ihr Einkommen ist von einem Tarifgehalt auf ein außertarifliches Einkommen mit einem 25-prozentigen variablen Anteil gestiegen. Personalleiter verdienen in der Industrie gemäß einer aktuellen Personalmarkt-Studie durchschnittlich 87.000 Euro, in größeren Unternehmen oft deutlich mehr.

    Jede Fortbildung zählt ebenso wie jede zusätzlich übernommene Aufgabe: Im Gehaltsgespräch gilt es deshalb zu unterstreichen, wie sehr der eigene Wert für das Unternehmen mit dem neu erworbenen Wissen gestiegen ist.

    Das gilt besonders für Frauen: „Frauen sind so gut in vielen Dingen, aber bei Gehaltsgesprächen knicken sie zu schnell ein“, sagt Gehaltsberater Bethke. Das ist einer der Gründe dafür, dass sie noch immer weniger verdienen als ihre männlichen Kollegen. Oft geben sie sich mit dem ersten Angebot zufrieden. Dabei gehört es zum Spiel bei Gehaltsverhandlungen, das erste Angebot zurückzuweisen.

    Verhandeln sollte jeder, und zwar regelmäßig. Irrtümlicherweise glauben viele Angestellte, dass sich bei guter Leistung auch das Gehalt mitentwickelt. Führungskräfte denken vielmehr: Wenn sich ein Mitarbeiter nicht meldet, „wird schon alles in Ordnung sein“, sagt Bethke. Er rät, etwa alle 18 Monate über Anpassungen des Gehalts zu reden.

    Wer immer wieder auf Gehaltsanpassungen pocht, signalisiert: Ich bringe besondere Leistungen. So stellen Sie nicht zuletzt sicher, dass Ihre Erfolge nicht als selbstverständlich abgehakt werden.

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