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Nach dem Exit Das haben die Signavio-Gründer mit den SAP-Millionen vor

Torben Schreiter war nach dem Verkauf von Signavio plötzlich Millionär – und will mit dem Geld jetzt das Klima retten. Quelle: PR

Was macht man mit einer Milliarde Euro? Die Signavio-Gründer haben sich da was überlegt: Das Klima retten – und dabei Unternehmer bleiben.

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Als der Übernahmevertrag unterschrieben war, wurde aus Torben Schreiter, dem Programmierer aus Bochum, im Februar plötzlich Torben Schreiter, der Multimillionär. Rund eine Milliarde Euro, so kolportierte es die Nachrichtenagentur Bloomberg, hatte der Softwarekonzern den Investoren, ihm und seinen Mitgründern Nicolas Peters, Willi Tscheschner und Gero Decker für ihr 2009 gegründetes Start-up Signavio bezahlt.

Plötzlich hatte Schreiter alle Möglichkeiten, sein restliches Leben zu verbringen. Weiterarbeiten wie gewohnt, sich einem Hobby widmen, zu den schönsten Stränden der Welt jetten – alles war möglich. Doch Schreiter trieb plötzlich eine andere Frage um: Wo könnte man das Geld einsetzen, so sinnvoll wie möglich?

Schon länger beschäftigt Schreiter sich mit dem Klimawandel, mit der Endlichkeit der Ressourcen: „Den Menschen ging es nie so gut wie heute, aber ihr Glück hat einen Preis. Unsere Generation hat auf Pump gelebt – unser Wohlstand geht auf Kosten der Umwelt.“ Was also tun? Einfach spenden? Sich finanziell für gemeinnützige Organisationen engagieren?  „Ich will mitmischen und mitgestalten“, sagt er. „Ich will nicht die Auswirkungen des Klimawandels bekämpfen, ich will an der Wurzel ansetzen, am Ursprung des Problems.“ Und vor allem: Er will Unternehmer bleiben. „Wir müssen die Grundfeste der Wirtschaft neu bauen und zwar CO2 neutral. Das ist notwendig – und eine historisch einmalige Investment-Chance.“

Schreiter klopft bei seinen ehemaligen Co-Gründern an mit der Idee gemeinsam in einen Climate-Tech-Fonds zu investieren, die gleich zusagen. Und so haben sich die vier nun entschieden, einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in ihr nächstes gemeinsames Projekt zu stecken: Extantia Capital soll der Fonds heißen und nur in Unternehmen investieren, die Technologien entwickeln, die relevante CO2-Einsparungen in Aussicht stellen. Mindestens 1 Gigatonne CO2 pro Jahr. Und ihr Geschäftsmodell muss skalierbar sein.

Abseits der Mainstream-Investitionen

Damit das klappt, haben die vier sich vorgenommen, es nicht beim Investment selbst zu belassen, sie wollen die geförderten Gründer auch persönlich unterstützen. „Oftmals handelt es sich bei den Gründern um schlaue Köpfe, etwa Ingenieure mit tollen Ideen, aber ihnen fehlt das Wissen, wie sie das Start-up groß machen können.“ Um zudem Projekte zu finden, die noch nicht auf dem Zettel anderer Investoren stehen, wollen die vier am liebsten direkt mit Forschern zusammenarbeiten, die an Projekten zur CO2-Einsparung arbeiten. „Im Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit stehen zurzeit vor allem Einsparungen bei Autos, Flugzeugen, Kohlekraftwerken und Fleischkonsum. Dabei gibt es andere Bereiche, bei denen man viel mehr bewegen könnte.“

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Schreiter denkt an Stahl, Zement und Petrochemie: „Emissionen bei der Herstellung von sehr schweren Dingen wie Häusern oder Schienen sind besonders hoch – da wollen wir ansetzen.“ Die ersten drei Firmen haben Schreiter und Extantia schon gefunden. Das slowakische Geothermie-Unternehmen GA Drilling, Bloom aus der Schweiz, das Petroleum durch Biomasse ersetzen will, und Betteries, dessen Berliner Gründer den Batterien von E-Autos durch Upcycling ein zweites Leben schenken wollen. Die Gruppe soll schnell wachsen. Torben Schreiter will als Sparringspartner und Mentor die Start-ups unterstützen. Der Strand, so scheint es, muss auf ihn noch etwas länger warten.

Mehr zum Thema: Anfang Juli tritt das europaweite Verbot von Einwegplastik in Kraft – und eröffnet Start-ups enorme Chance. Aber kann es ihnen gelingen, skeptische Gastronomen von den Vorzügen ihres To-Go-Geschirrs zu überzeugen?

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