Softbank steigt bei Berliner Gründern ein Trotz Start-up Krise: Coaching-Bonanza erreicht das nächste Level

Quelle: imago-images, PR

Während viele Start-ups Mitarbeiter entlassen oder gar um ihre Finanzierung bangen, geht der Boom des Online-Coachings einfach weiter. Jetzt steigt Softbank beim deutschen Start-up Coachhub ein – und bringt einen dreistelligen Millionenbetrag mit.

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20, 25 oder doch 30 Länder? Matti Niebelschütz hat ein bisschen den Überblick verloren, so schnell geht das alles derzeit. „Also in 20 Ländern sind wir mindestens, das kann ich auf jeden Fall sagen. Aber die Tendenz ist eher Richtung 30.“ Gerade ist Niebelschütz in New York, um bei seinen dortigen Mitarbeitern vorbeizuschauen. 150 Menschen arbeiten dort für ihn „und die meisten habe ich ja noch gar nicht kennengelernt“, sagt Niebelschütz, Gründer der Coaching-Plattform Coachhub, die er vor vier Jahren mit seinem Bruder Yannis gegründet hat. Und die am heutigen Dienstag ihre nächste Finanzierungsrunde bekannt gibt: 200 Millionen Dollar Kapital erhält das Start-up, nur acht Monate nach der vorigen Runde, die den Brüdern bereits 80 Millionen Dollar eingebracht hatte.

Noch vor ein paar Monaten hätten solche Meldungen kaum für ein Schulterzucken gesorgt in der kapitalgefluteten Berliner Start-up-Welt. Doch die Zeiten haben sich geändert: Zuletzt waren es vor allem die Nachrichten über Entlassungswellen, die für Erregung sorgten. Doch nun zeigt sich: Die Probleme treffen keineswegs alle Branchen im gleichen Maß.

Jetzt geht es um die Weltherrschaft

In der Coachingwelt scheint sich das Wachstum nahezu ungebremst fortzusetzen. Zwar will Niebelschütz nicht verraten, welche Gesamtbewertung sich aus den nun veröffentlichten Zahlen ergibt, doch wer sich die Finanzierung des Konkurrenten Betterup anschaut, der kann das Einhorn deutlich erkennen: Mit 600 Millionen Dollar ist Betterup insgesamt finanziert, knapp doppelt so Risikokapital, wie Coachhub einsammeln konnte, das auf insgesamt 330 Millionen Dollar kommt. Die Bewertung von Betterup beträgt 4,7 Milliarden Dollar.

Geplatzte Finanzierungen, Entlassungen, Insolvenzen – nach Jahren des Überschwangs erlebt die deutsche Start-up- und Digitalszene einen ernsthaften Stresstest. Das muss keine schlechte Nachricht sein.
von Varinia Bernau, Stephan Knieps, Artur Lebedew, Theresa Rauffmann

Das wichtigste an der neuen Finanzierung, sagt Niebelschütz, sei die Tatsache, „dass wir uns jetzt für absehbare Zeit keine Gedanken um die Finanzierung machen müssen.“ Auch auf die Investoren,  die belgische Gesellschaft Sofina und der japanische Investor Softbank, ist Niebelschütz stolz: „Bisher hatten wir ausschließlich europäische Investoren, jetzt zeigt sich auch hier, dass es unser Anspruch ist, eine globale Firma zu sein.“ Vor allem bei der Expansion in Asien könnten das Knowhow oder die Kontakte von Softbank von Vorteil sein.

Zumindest vorerst ist Coachhub damit wohl tatsächlich gerüstet für den Wettstreit um die globale Vorherrschaft. Auch wenn der US-Konkurrent Betterup noch deutlich besser finanziert ist, haben die Berliner dabei keinesfalls schlechte Karten. Mit seinen 850 Mitarbeitern ist der Anbieter in den wirtschaftlich bedeutendsten europäischen Ländern Marktführer, in Asien gar Vorreiter. Bereits seit einiger Zeit ist Coachhub in Singapur vertreten und eröffnet dieser Tage ein Büro in Japan.

Vorbild Hello Fresh

Entscheidend aber dürfte, wie bei anderen Plattformgeschäften auch, der Kampf um den US-Markt werden. Für andere deutsche Unternehmen wie Xing oder einst StudiVZ war es die entscheidende Schwächung, hier nicht präsent gewesen zu sein. Coachhub will sich deshalb lieber an einem Beispiel orientieren, wo das besser gelungen ist: HelloFresh. Der Kochboxenversender ist in den USA Marktführer und macht heute einen bedeutenden Teil seines Geschäfts dort. „Mein Eindruck ist: Erfolgreich auf den USA bestehen können nur die Unternehmen, die dem Markt die volle Aufmerksamkeit widmen“, sagt Niebelschüz, „und mindestens mit einem Mitglied aus dem Gründerteam dort präsent sind.“

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Sein eigener Trip nach New York ist nur eine kurze Visite, sein Bruder Yannis aber werde bald dauerhaft dort leben, um die dortige Mannschaft zu führen. Und von dort die nächsten Wachstumsziele zu verfolgen: Der Umsatz, sagt Niebelschütz, solle sich auch im nächsten Jahr mindestens verdoppeln, die Zahl der Mitarbeiter auf über 1000 steigen. Schließlich bewege man sich in einem Markt, dessen Umfang sich in den nächsten Jahren noch um den Faktor 100 steigern könnte.

Und die Krise, von der jetzt gerade alle reden? „Ich sehe das als einen reinigenden Prozess, die Spreu trennt sich vom Weizen.“

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