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Startups Die Serientäter

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Lukasz Gadowski

„Unser aktueller Fonds umfasst 130 Millionen Euro“, sagt etwa Hendrik Brandis, Managing Partner der VC-Firma Earlybird. „Mit dem Geld haben wir bis dato 19 Startups finanziert – allein neun davon wurden von Serienunternehmern gegründet.“ Dazu zählt Brandis alle, die schon mindestens einmal ein Unternehmen gestartet haben und es nun wieder tun. Und in vorherigen Fonds, die Earlybird aufgelegt hat, sei ihr Anteil deutlich geringer gewesen.

Eine Tendenz, die auch Olaf Jacobi in seinem Unternehmen beobachtet. Er ist Partner der Münchner Venture-Capital-Gesellschaft Target Partners und hat in seinem aktuellen Fonds derzeit rund 75 Prozent finanzierte Serienunternehmer.

Seiner Ansicht nach gibt es aber noch einen weiteren Grund, der Seriengründer so attraktiv macht: Sie brächten nicht nur ihre Erfahrung aus vorherigen Startups mit, sondern auch ihr Netzwerk. Das mache sie deutlich erfolgreicher als andere.

Was Olaf Jacobi aus seiner persönlichen Erfahrung ableitet, haben Forscher der Harvard-Universität und der Federal Reserve Bank von New York bereits statistisch nachgewiesen – mithilfe der Datenbank der Dow Jones’ Venture Source. Dort werden diverse Informationen über US-Startups gesammelt, die Geld von Risikokapitalgebern bekommen haben.

Anhand der Daten untersuchten die Wissenschaftler, ob und wie sich die Erfolgsaussichten von Mehrfachgründern im Vergleich zu Erstgründern unterscheiden, Resultat: Die Chance, dass ein Serienunternehmer mit seiner nächsten Idee wieder Erfolg haben wird, liegt bei 30 Prozent; Erstgründer reüssieren allenfalls in einem Fünftel der Fälle.

Auch hierfür ist Gerrit Schumann ein Paradebeispiel. Als er seiner Auszeit auf Mallorca überdrüssig wurde, gründete er Music Networx. Sein zweites Unternehmen verkauft USB-Sticks an Besucher von Live-Konzerten. Mit den Sticks können sich die Fans auf der Firmenseite registrieren und anschließend Originalaufnahmen des Konzertes legal herunterladen. Bekannte Künstler und Bands nehmen die Dienstleistung schon in Anspruch, darunter Kiss oder Elton John. Mehr als 200 000 Kunden haben sich bereits registriert.

Startups vom Band

Wie professionell sich das Gründungsgeschäft betreiben lässt, zeigt zum Beispiel Lukasz Gadowski. Er gehört zu den Medienpromis unter den Serientätern, gründete Spreadshirt, ein Portal für individuell gestaltbare Kleidung, und war auch am sozialen Netzwerk StudiVZ beteiligt, das er 2007 an den Holtzbrinck-Verlag (zu dem auch die WirtschaftsWoche gehört) verkaufte.

Inzwischen ist er Partner und Mitgründer der Team Europe Ventures, einem Unternehmen, dessen Ziel es ist, Firmen am Fließband zu erschaffen. Gadowski investiert dabei einfach in bestehende Startups oder wirbt externe Unternehmer an, die dann seine Ideen umsetzen.

Rund zehn Millionen Euro hat Team Europe derzeit unter die Startup-Szene gebracht, mehr als 50 Internet-Firmen gehören zum Portfolio, darunter die Plattform Mymuesli, der Eventmanager Amiando und der Online-Optiker MisterSpex.

Der Betrieb beruht auf knallharter Kalkulation, das Risiko ist gestreut: „Wir konzentrieren uns auf Ideen, die schnell skalieren – die also schnell wachsen und steigenden Umsatz generieren“, sagt Gadowski. „Für uns kommen nur solche Gründungen infrage, die das Potenzial haben, innerhalb von drei Jahren einen Wert von mindestens 100 Millionen Euro zu erreichen.“

Auch für sich hat Gadowski ein klares Ziel formuliert: Gründen will er „mindestens zwei Unternehmen pro Jahr“. Erst dann sei er mit sich „zufrieden“.

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