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Startups Wie Gründer junge Fachkräfte gewinnen

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Startups punkten mit Freiheiten

MARCO EYLERT UND JASON REICH Quelle: Andreas Chudowski für WirtschaftsWoche

Aus Sicht von Constanze Buchheim kommt es aber auch auf weniger sichtbare Faktoren an, um im Kampf um die besten Talente zu bestehen. Sie hat in Berlin I-Potentials gegründet, das die gesamte Digitalindustrie mit den passenden Köpfen versorgen will: Start-ups mit Spezialisten, ausgewachsene Internet-Unternehmen mit Führungskräften.

„Club Mate, Kicker und Grillabende auf der Dachterrasse finden die nur dann reizvoll, wenn der Rest auch stimmt“, sagt Buchheim, „also die Verantwortung im Job, die Kultur im Unternehmen und der Chef.“

Jens Begemann hat die Entwickler seines 280 Mitarbeiter zählenden Start-ups Wooga deshalb in rund 20 Teams eingeteilt. Sie arbeiten bei dem Berliner Online-Spieleentwickler selbst wie kleine Start-ups, können ihre Ideen weitgehend frei umsetzen.

Antti Hattara hat genau diese Struktur nach Deutschland gelockt: Der Finne hatte in Helsinki lange für den US-amerikanischen Spielehersteller Digital Chocolate gearbeitet – wo ihm Manager diktiert hätten, wie ein Spiel auszusehen habe, sagt Hattara. „Bei Wooga bleibt mein Spiel dagegen mein Spiel“, sagt Hattara, „vom ersten Dummy bis zur fertigen Version.“

Diese Möglichkeiten sind es, mit der Start-ups punkten können, wenn sie mit etablierten Unternehmen und Konzernen um die besten Köpfe konkurrieren. Sogar erfahrene Experten schätzen das: „Für mehr Freiheiten verzichte ich gern auf 20.000 Euro mehr Gehalt“, bestätigt zum Beispiel Günter Kleuser, der mit Anfang 40 Entwicklungschef beim Kölner Start-up Inspiring Travel wurde.

Kleuser weiß aber auch, dass Start-ups als Arbeitgeber per se unsicherer sind als ausgewachsene Firmen. Deswegen erwartet er einen offenen Umgang im Team und Transparenz, was die Geschäftszahlen angeht.

„IT-Spezialisten sind eher risikoscheue Menschen“, bestätigt Lars Fink, der in Köln die IT-Personalberatung Next Level gegründet hat und Jahr für Jahr rund 300 Spezialisten vermittelt, „denen kannst du keine Märchen erzählen, das würde sich schnell herumsprechen und dir mehr schaden, als es nützt.“

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Der Berliner Start-up-Inkubator HitFox schreibt diese Offenheit groß: 2011 gegründet, zählt er inzwischen 200 Mitarbeiter aus 35 Ländern und sucht gerade mehr als 50 zusätzliche Mitarbeiter – von Entwicklern über Designer bis hin zu Managern. Auf der Bewertungsplattform Kununu preisen die Mitarbeiter die „offene und klare Kommunikation“.

Das hat sich bis nach Mailand herumgesprochen: Ende Mai besuchte eine Gruppe von Management-Studenten der renommierten Bocconi-Universität den Berliner Inkubator – lauter potenzielle Mitarbeiter aus Italien, Litauen, Serbien und oder den USA. Organisiert hatten die „Start-up Tour Berlin“ Jason Reich und Marco Eylert, die an der Mailänder Uni gerade ihren Bachelor machen und bald selbst ein Internet-Start-up in Berlin aufbauen wollen.

Mehr als 240 Studenten bewarben sich bei den beiden, um mit nach Berlin zu fahren. „Bei einem Start-up zu arbeiten oder selbst eins aufzubauen“, sagt Reich, „ist eben viel cooler, als bei einer Investmentbank oder einer Beratungsfirma anzuheuern.“

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