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WirtschaftsstudiumBloß weg von der Mainstream-VWL

Weder Finanz- noch Staatsschuldenkrise hat die klassische VWL so vorhergesagt. Längst sind viele Studenten unzufrieden mit der einseitigen Ausrichtung des Ökonomiestudiums. Jetzt gibt es eine Alternative.Malte Fischer 04.12.2015 - 12:11 Uhr

Neuer VWL-Studiengang: Alternative zum neoklassischen, neukeynesianischen Paradigma.

Foto: Getty Images, Montage

Wohl jeder Student der Volkswirtschaftslehre hat sich schon einmal gefragt hat, welchen Erklärungsgehalt das im Studium vermittelte Wissen für die Realität bietet. Spätestens wenn mathematische Modelle in Vorlesungen und Lehrbüchern die Realität nonchalant wegdefinieren, beschleichen manch angehenden Ökonomen Zweifel am Lehrstoff.

Statt zum Nachdenken über konkurrierende Theorien anzuregen, verlangt der Mainstream des neoklassisch und neukeynesianisch geprägten Studiums die Kenntnis mathematischer Abhandlungen, die den Eindruck erwecken, die Volkswirtschaftslehre sei eine Teildisziplin der theoretischen Physik.

Platz 10: Informatik

Wie hoch sind die durchschnittlichen Löhne von Uniabsolventen der verschiedenen Fachrichtungen? Antwort gibt die Studie "Uni, Fachhochschule oder Ausbildung – welche Fächer bringen die höchsten Löhne?" von Daniela Glocker und Johanna Storck, die 69 Studiengänge analysiert haben. Sie griffen dabei auf Daten des Mikrozensus zwischen 2005 und 2008 zurück und errechneten das Nettoeinkommen von mehr als 200.000 Menschen mit Abitur im Alter von 21 bis 65 Jahren. Die Daten sind um Alterseffekte und regionale Unterschiede bereinigt. Männer, die an einer Fachhochschule Informatik studiert haben, haben einen durchschnittlichen Nettostundenlohn von 12,81 Euro. Studieren sie dagegen an einer Universität, bekommen sie pro Stunde schon 14,06 Euro. Informatikerinnen verdienen dagegen nur 9,32 Euro (Uni) beziehungsweise 9,29 Euro (Fachhochschule).

Foto: dpa

Platz 9: Maschinenbau

Ein ähnlich starkes Gehaltsgefälle gibt es zwischen männlichen und weiblichen Maschinenbauern: Männer, die an an einer FH studiert haben, bekommen 13,28 Euro netto pro Stunde. Wer an einer Uni studiert hat, verdient 13,81 Euro. Bei den Frauen sind es 7,78 Euro (FH) und 9,22 Euro (Uni).

Foto: dpa

Platz 8: Verwaltungswissenschaften

Männer, die an einer FH Verwaltungswissenschaften studieren, verdienen netto 13,36 Euro die Stunde. Bei den Frauen sind es 10,80 Euro. Im Jahr verdient sie also 22.457,86 Euro, er 27.787,16 Euro.

Foto: Blumenbüro Holland/dpa/gms

Platz 7: Mathematik

Männliche Mathematiker bekommen pro Stunde im Durchschnitt 13,71 Euro - wenn sie an einer Universität studiert haben. Für FH-Studenten liegt das spätere Gehalt bei durchschnittlich 12,02 Euro. Frauen verdienen dagegen durchschnittlich 9,81 Euro, wenn sie an einer Uni studiert haben und 7,72 Euro.

Foto: dpa

Platz 6: Betriebswirtschaftslehre

Männer, die an einer FH Betriebswirtschaftslehre studieren, verdienen während ihres Arbeitslebens im Schnitt 14,14 Euro pro Stunde. Wer an einer Uni BWL belegt hat, bekommt später im Schnitt 16,58 Euro. Bei Frauen sind es 9,43 Euro (FH) und 10,00 Euro (Uni).

Foto: Fotolia

Platz 5: Volkswirtschaftslehre

Die Ökonomen verdienen vom Ende ihres Unistudiums bis zum Renteneintritt im Durchschnitt 14,57 Euro netto pro Stunde. Bei den weiblichen Volkswirten sind es 9,41 Euro. Der durchschnittliche Netto-Jahreslohn eines studierten Volkswirts liegt bei 30.297,97 Euro beziehungsweise 19.571,74 Euro.

Foto: dpa

Platz 4: Wirtschaftsingenieurwesen

Die männlichen Wirtschaftsingenieure bekommen ihr Unistudium mit einem durchschnittlichen Stundenlohn von 15,00 Euro vergütet. Im Schnitt kommen sie auf einen Netto-Jahreslohn von 31.208,20 Euro. Während des gesamten Arbeitslebens verdienen sie durchschnittlich 1,34 Millionen Euro.

Foto: Fotolia

Platz 3: Jura

Noch mehr verdienen die Juristen: Egal ob Richter, Notar, Anwalt oder Rechtsberater in der freien Wirtschaft: Männer verdienen, wenn man ihr gesamtes Juristenarbeitsleben betrachtet, pro Stunde 15,86 Euro netto. Bei Frauen sind es 12,55 Euro.

Foto: Fotolia

Platz 2: Medizin

Bei den Medizinern (männlich) liegt der durchschnittliche Nettolohn bei 17,77 Euro pro Stunde. Ärztinnen verdienen 13,36 Euro pro Stunde.

Foto: Fotolia

Platz 1: Zahnmedizin

Am besten verdienen die Zahnärzte. Ein männlicher Zahnmediziner, der an einer Universität studiert hat, bekommt im Schnitt einen Stundenlohn von 19,33 Euro. Auf das Jahr gerechnet verdient er 40.205,73 Euro. Ein ganzes Arbeitsleben bescheren ihm gut 1,7 Millionen Euro Einkommen. Bei Frauen liegt der Stundenlohn bei 15,50 Euro.

Foto: AP

Schon seit geraumer Zeit wendet sich daher das Netzwerk Plurale Ökonomik gegen die Dominanz der neoklassischen Standardökonomie in den Lehrveranstaltungen der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultäten.  Die Kritiker werfen der Ökonomie vor, „reale gesellschaftliche Probleme im Schein mathematischer Objektivität und eines überhöhten Dogmatismus in den Hintergrund zu rücken“. Die Vertreter der Initiative fordern daher mehr Methoden- und Theorienvielfalt in der universitären Lehre sowie eine „Selbstreflexion des Faches“. Unter dem Netzwerk haben sich vor allem linke, marktskeptische Strömungen organisiert.

Doch auch aus marktliberalen Kreisen gibt es Kritik an der Standard-Volkswirtschaftslehre. So werfen die Vertreter der Österreichischen Schule der Nationalökonomie der herrschenden Lehre an den Unis vor, sich einseitig auf das neoklassisch/neukeynesianische Paradigma sowie einen übertriebenen Empirismus zu konzentrieren, der mit einer  ideengeschichtlichen Entwurzelung einhergehe. Die Österreichische Schule selbst gründet auf einer langen Tradition herausragender Denker. Diese reicht von Carl Menger über Eugen Böhm von Bawerk, Ludwig von Mises, Friedrich August von Hayek bis zu Murray Rothbard und Hans-Hermann Hoppe. Von den meisten Universitäten wird die Lehre der Österreichischer nicht zuletzt aufgrund ihres radikal freiheitlichen und staatskritischen Ansatzes geschnitten.

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Individuum rückt in den Vordergrund

Doch das könnte sich bald ändern.  Denn es gibt eine Alternative zum Mainstream-Studium. Die private, auf das Unternehmertum ausgerichtete Business and Information Technology School (BiTS) in Berlin bietet zum Sommersemester 2016 einen neuen Master-Studiengang an, der die Lehre der Österreichischen Schule der Nationalökonomie mit praxisnahem Management-Know-how verbindet. Die  Studenten sollen auf Basis der Lehre der österreichischen Schule (Austrian Economics), die das einzelne Individuum in den Vordergrund der Analyse stellt, unternehmerisches Denken lernen. „Derzeit führt die Österreichische Schule an den meisten Universitäten völlig zu Unrecht nur ein Schattendasein“, sagt Stefan Kooths, Konjunkturchef am Kieler Institut für Weltwirtschaft und zugleich Programmleiter des Studiengangs.

Das Studium "Entrepreneurial Economics" vermittelt umfassendes Wissen über volkswirtschaftliche Theorien und rückt dabei die unternehmerisch orientierte Erklärung menschlichen Handelns  in den Mittelpunkt. „Die Ökonomen der Österreichischen Schule  beendeten vor rund 150 Jahren den Stillstand des ökonomischen Mainstreams und bahnten durch eine revolutionäre methodische Umgestaltung den Weg zu modernem ökonomischen Denken“, sagt Kooths. Ein zentraler Schwerpunkt des Studiums an der BiTS besteht daher in der Lektüre der Originalwerke der Ökonomen der Österreichischen Schule. „An die Stelle des flüchtigen Überblicks, wie man ihn sonst  in den dogmenhistorischen Seminaren der volkswirtschaftlichen Fakultäten bekommt, tritt bei uns die intensive Auseinandersetzung mit den Originalwerken von Menger, Mises und Co“, sagt Kooths. Wer hier studiert,  wird viel lesen.  

Korekiyo Takahashi (1854-1936)

Takahashi kam 1854 im heutigen Tokio zur Welt. Als unehelicher Sohn eines Landschaftsmalers genoss er laut seinem Biographen weder Schulausbildung noch Studium. Trotzdem brachte er es zu einem der einflussreichsten Finanzpolitiker Japans, war insgesamt sieben Mal Finanzminister, außerdem Notenbank- und Regierungschef. Sein Schaffen wirkt bis heute nach. Japans Ministerpräsident, Shinzo Abe, hat sich mit seinem aktuellen Wirtschaftsprogramm – bekannt als „Abenomics“ – an Takahashis Ideen orientiert.

Während der Weltwirtschaftskrise hat Takahashi die keynesianische Politik eingeführt – noch bevor John Maynard Keynes seine „Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes“ publizierte. Nach dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 setzte Japan zuerst eine Austeritätspolitik durch – wie andere Länder auch. In der Folge stieg der Kurs des Yen an und die Exporte gingen zurück. Als Takashi 1931 das Amt des Finanzministers zum siebten und letzten Mal antrat, schaffte er die Wende: Unter ihm trennte sich Japan vom Goldstandard, schuf Beschäftigungsprogramme und rüstete das japanische Militär auf – finanziert hatte er diese Ausgaben über die Notenpresse; mit dem frischen Geld kaufte er Staatsanleihen.

Allerdings kam auch diese Politik an ihre Grenzen. Im Februar 1936 wurde er deswegen von einem Trupp Soldaten erschossen und anschließend zerhackt. Der 81-Jährige galt bis dahin als das „letzte Bollwerk gegen den Militarismus“. Nach seinem Tod rutschte Japan endgültig in die Militärdiktatur ab.

Foto: „Korekiyo Takahashi 2“, Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

Ibn Khaldun (1332-1406)

Ibn Khaldun kam in Tunis zur Welt und wurde an dem Hof von Maghreb, am Hof von Granada und in Kairo Richter und Diplomat. Er gilt als der Begründer der Ökonomie in der islamischen Welt und untersuchte vor allem, warum Weltreiche entstehen und wieder zerfallen. Er fand eine bestimmte Entwicklungslogik, die von den Nomaden ausging, denen er Tugenden wie eine ausgeprägte Solidarität und Fleiß zuschrieb. Diese ermöglichten ihnen, Städte zu erobern und ihre Macht auszuweiten. Spätere Generationen waren vom Luxus verwöhnt und sagten sich von der Stammessolidarität los. Zudem finanzierten sie ihren zunehmenden Reichtum, indem sie die einfache Bevölkerung stärker besteuerten, als ihre Vorfahren.

Während im Aufschwung der Herrscher den Wohlstand aller beförderte, schwächten Gier und Willkürmaßnahmen der späteren Generationen das Gesellschaftsgefüge, sodass der Staat irgendwann so schwach wurde, dass er zerfiel. Seine Beobachtungen belegte er mit zahlreichen historischen Beispiele.

Foto: „Ibn Khaldoun-Kassus“ von Kassus - Eigenes Werk. Lizenziert unter CC BY 2.5 über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

János Kornai (1928)

János Kornai wurde als Sohn eines jüdischen Rechtsanwalts in Ungarn geboren. 1944 wurde sein Vater Opfer der Nazi-Gräueltaten, weswegen er sich Kornai ungarischen KP anschloss und dort bald aufstieg. Dass aus einem flammenden Mitglied ein scharfzüngiger Kritiker des Sozialismus innerhalb der Sowjetunion werden sollte, erstaunt. Er distanzierte sich von dem Sowjet-Gedankengut und der Partei, als er von den politischen Gefangenen in Ungarn erfuhr.

Schon 1956 stellte er in seiner Dissertation „Überzentralisierung“ die Mängel heraus, die die Sowjetunion und mit ihr den Sozialismus schließlich zu Fall bringen sollten: Die großen Produktionsmengen bei denen es an Qualitätssicherung fehlte, die Versorgungsmängel und die damit verbundenen Produktions-Schwankungen und die mit dem sozialistischen System verbundenen Repressionen, die daraus resultieren, dass das System nicht auf materiellen Anreizen bauen konnte.

Damit einher ging das, was Kornai die „weiche Budgetbeschränkung“ nannte. Ineffiziente Unternehmen werden subventioniert und bezuschusst – der im Kapitalismus wirksame Selektionsmechanismus der solche Unternehmen sonst vom Markt nimmt, wirkt hier nicht. 1980 fasste er all diese Gedanken in seinem Buch „The Economics of Shortage“ zusammen. Rund zehn Jahre später brachten ebenjene Mängel die Sowjetunion zu Fall.

Foto: „MoskauRoterPlatzSeptember1990“ von DoD photo, lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

Lorenz von Stein (1815-1890)

Auch wenn Otto von Bismarck der Begründer des deutschen Sozialstaats ist, erfunden hat ihn Lorenz von Stein. Der dänische Jurist wuchs in einem Armenpflegeheim auf und studierte an der Kieler Universität. Er beschäftigte sich mit Armut – aus seiner Sicht eine unvermeidliche Begleiterscheinung der Industrialisierung. Die Industriegesellschaft sorgte demnach dafür, dass sich bestehende Besitzverhältnisse manifestierten – wer einmal arm war, bleibe arm. Von Stein war von der Instabilität industrieller Gesellschaften überzeugt. Unter dem Eindruck der französischen Revolution schrieb von Stein seine Ansichten in „Der Socialismus und Communismus des heutigen Frankreichs“ nieder.

Um Ereignissen wie der Französischen Revolution vorzubeugen, bräuchte es einer neutralen Instanz – einen König. Um die eigene Macht aufrecht zu erhalten, sollte dieser einen Sozialstaat etablieren, der es allen Bürgern ermöglichte, Besitz anzuhäufen und damit Freiheit. Gut 30 Jahre nachdem er sein Monumentalwerk „Die Geschichte der sozialen Bewegung in Frankreich von 1789 bis auf unsere Tage“ veröffentlicht hatte, griff Otto von Bismarck seine Ideen auf und baute mit Unterstützung zweier Anhänger von Steins den deutschen Sozialstaat auf.

Foto : „Lorenz von Stein“, Gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

Kaspar Klock (1583-1655)

1583 in Soest geboren, brachte es Kaspar Klock zum Berater des Kaisers und erfolgreichen Juristen. Sein ideelles Lebenswerk sollte aber eine gerechte Form der Besteuerung sein. Mit Umschreibungen näherte er sich dem, was wir heute als progressive Besteuerung und Leistungsgerechtigkeit kennen – Begriffe gab es dafür damals keine. Auch vor indirekten Steuern warnte er, weil sie die Armen belasteten und ihre Existenz gefährdeten. Außerdem sprach er sich dafür aus, die Einnahmen des Staats für das Gemeinwohl zu investieren.

Sein Ziel war es, die Steuersysteme aller Länder dieser Welt zu untersuchen und zu systematisieren – von Kaiserreich Rom unter Augustus, über Moskau, die Türkei und Afrika, bis hin zum damals protektionistischen England. So schaffte er es, den Zusammenhang verschiedener Kulturen und dem damit verbundenen wirtschaftlichen Denken zu beschreiben.

Foto: AP

Mancur Olson (1932-1998)

Mancur Olson erlebte als Ökonom in den Siebzigerjahren, wie in den Industrieländern das Wirtschaftswachstum erlahmte und Inflation sich breit machte. In seinem Buch „The Rise and Decline of Nations“ erklärte er 1982, was aus seiner Sicht die Ursachen für diese Phänomene waren. Eine Interessenvertretung für die gesamte Gesellschaft zu finden, sei nahezu unmöglich. Einzelne Gruppen, die sich für ein bestimmtes Ziel zusammenschlössen – etwa Subventionen für einen Wirtschaftszweig oder protektionistische Gesetze – hätten es dagegen viel leichter. Deswegen seien Gewerkschaften oder Lobbyisten gegenüber der Gesellschaft im Vorteil.

Je länger in Staaten Friedenszeiten herrschten, desto besser vernetzten sich Berufsverbände, Lobbygruppen und Co. Dadurch nehme der Wettbewerb ab und die Gesellschaft werde mehr und mehr unproduktiv. Mit dieser Theorie erklärte Olson etwa das Wachstum in Deutschland und Japan nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Siegermächte hätten die alten Netzwerke zerschlagen und die Märkte geöffnet. Im Großbritannien der Siebzigerjahre sähe man dagegen, wie gut organisierte Interessengruppen den Wettbewerb und einen Strukturwandel verhinderten.

Foto: "Mancur Olson", Licensed under Fair use via Wikipedia.

Foto: Creative Commons

Thorstein Veblen (1857-1929)

Als Sohn norwegischer Einwanderer wuchs Veblen in den USA in ärmlichen Verhältnissen auf – seine Eltern sprachen nicht einmal Englisch, das lernte er erst in der Schule. Er promovierte in Yale und musste sich trotzdem lange Zeit mit der Arbeitslosigkeit abfinden. Das kann die misanthrope Gesellschaftssicht erklären, die er in seiner „Theory of the Leisure Class“ ausbreitet. Aus seiner Sicht waren die wichtigen ökonomischen Bedürfnisse wie etwa die soziale Absicherung oder ein mäßiger Wohlstand für die meisten Amerikaner unwichtig geworden. An ihre Stelle traten unwichtige Produkte, die nur dem Prestige dienten. Schuld daran sei die faule, reiche Klasse, die dieses Verhalten vorlebe.

Veblen verweigerte sich dem Bild des Homo Oeconomicus und sah die Menschen als eitel und von sozialen Erwartungen getrieben an. So bestimmte aus seiner Sicht nicht das ökonomische Kalkül den Konsum, sondern das soziale Umfeld. Für Prestigegüter gaben Menschen weitaus mehr aus, als diese eigentlich wert waren. Profitiert davon haben nach Veblen einige wenige Kapitalisten, die die Arbeit der Masse ausnutzten und so die Gesellschaft an ihrer Weiterentwicklung hinderte.

Foto: „Veblen3a“, gemeinfrei über Wikimedia Commons.

Foto: Creative Commons

"Die Weltverbesserer – Große Denker der Wirtschaft, die unser Leben verändern"

Die Beispiele sind allesamt Lisa Nienhaus' Buch „Die Weltverbesserer“ entnommen und zusammengefasst worden. Von Clemens Fuest, dem Präsidenten des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung über Peter Bofinger, einer der fünf Wirtschaftsweisen bis Sahra Wagenknecht, der stellvertretenden Vorsitzenden der Linken haben verschiedene Politiker und Wirtschaftswissenschaftler die einfallsreichsten Ökonomen, Schriftsteller, Politiker und Philosophen aus aller Welt zusammengetragen und ihr Werk und ihre Biographie vorgestellt.

„Die Weltverbesserer“ beinhaltet 66 Porträts. Das Buch umfasst 256 Seiten und ist seit dem 16. März für 17,90 Euro beim Hanser Verlag erhältlich.

Foto: Presse

Das Risiko, dass die BiTS-Absolventen später in Austrian Economics fit sind, die gängigen Mainstream-Lehrinhalte aber nicht kennen und dadurch in der beruflichen Praxis Nachteile haben, sieht Kooths nicht. Die private BiTS sei vor 15 Jahren als „die Unternehmerhochschule“ gegründet worden, um Menschen zu verantwortungsvollem, unternehmerischem Denken und Handeln zu befähigen. Daher erlernen die Studenten neben dem theoretischen Rüstzeug auch  betriebswirtschaftliche Fähigkeiten, die für eine erfolgreiche berufliche Tätigkeit nötig sind. Dazu gehören Steuerrecht, Firmenbewertung, Unternehmensrestrukturierungen und Bilanzierung.

Die BiTS züchte kein Sektierertum heran. „Unsere Studenten werden in dem logisch-deduktiven Denkansatz der Austrians unterrichtet, aber sie erhalten auch die üblichen Standard-Kenntnisse in der mathematisch-statistischen Wirtschaftsforschung“, sagt Kooths. Entscheidend sei, den Studenten ein ganzheitliches Bild von den Wirtschaftswissenschaften zu vermitteln. Daher bette das Curriculum die Lehre der Österreicher in die Geschichte der wirtschaftswissenschaftlichen Lehrmeinungen ein. Die Studenten lernen dabei ausführlich, wie sich das ökonomische Denken über die Jahrhunderte entwickelt hat, von der Klassik über den Marxismus bis zur Neoklassik und der modernen Mainstream-Ökonomie.  Dies ist genau das, was viele an den staatlichen Hochschulen vermissen.

Kooths ist sich sicher, mit dem neuen Studiengang  in eine Marktlücke zu stoßen. „Wir geben die Orientierung, nach der viele Ökonomie-Studenten suchen“, sagt Kooths. Dazu tragen auch die Entwicklung und der Ausbau von Fähigkeiten bei, die für eine Karriere im Management und in der Wissenschaft unerlässlich sind  wie Verhandlungsführung, emotionale Führungsqualitäten und Techniken des wissenschaftlichen Arbeitens.

Zudem arbeitet die BiTS mit einer Vielzahl ausländischer Hochschulen zusammen, Auslandsaufenthalte sind daher Bestandteil des Studiums. Nicht der Spezialist und Number-Cruncher ist das Ausbildungsziel, sondern der „ganzheitlich-unternehmerisch denkende Mensch, der mit seinen Kenntnissen der  freiheitlichen Lehre der Österreichischen Schule in der Lage ist, erfolgreich in Strategieabteilungen,  Unternehmensberatungen und  mittelständischen Unternehmen zu arbeiten“, sagt Kooths.

Gratis ist das Studium nicht

Bewerber für den viersemestrigen Masterstudiengang sollten über einen ersten akademischen Abschluss (Bachelor, Diplom, Master) mit Wirtschafts-, Mathematik-, oder Philosophiebezug verfügen.  Ebenfalls erforderlich sind gute Englischkenntnisse. Gratis ist das Studium  nicht.  900 Euro im Monat müssen Interessenten aufbringen. „Wer zu uns kommt, sieht das Studium als eine Investition in sein Humankapital – und bekommt dafür eine Menge geboten“, sagt Kooths. 

Gelehrt wird in Klassen bis zu maximal 25 Personen, eine persönliche Atmosphäre und Betreuung sind daher gewährleistet.   

Wer sich für das Austrian-Ökonomiestudium an der BiTS entscheidet, dürfte es  zumindest in einem Punkt leichter als seine Kommilitonen von den staatlichen Unis haben: Er muss sich die Frage nach dem Sinn und dem Realitätsbezug des Studiums nicht stellen.

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