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DiskriminierungBewerber mit türkischem Namen haben schlechtere Chancen

Der Nachname als Ausschlusskriterium: Trotz gleicher Noten und ähnlicher Qualifikation werden Bewerber mit Migrationshintergrund seltener zu Vorstellungsgesprächen eingeladen. Das hat Konsequenzen für den Arbeitsmarkt. 26.03.2014 - 13:04 Uhr

Demnach werden junge Menschen mit einem Migrationshintergrund bei der Vergabe von Ausbildungsplätzen diskriminiert. Für die Studie wurden 3600 Bewerbungen untersucht. Dabei haben sich je zwei gleich gut qualifizierte Bewerber auf einen Ausbildungsberuf als Kfz-Mechatroniker und Bürokaufmann beworben. Einer hatte einen deutschen, einer einen türkischen Namen. Die Rückmeldungen haben gezeigt: Um zu einem Gespräch eingeladen zu werden, musste der Bewerber mit deutschem Nachnamen durchschnittlich fünf Bewerbungen schreiben, ein Bewerber mit türkischem Nachnamen hingegen sieben.

Warum ein Praktikum?

Das Praktikum ermöglicht einem, das spätere Berufsfeld genauer kennenzulernen und das Fachwissen zu vertiefen. Vielleicht möchte man auch die endlich weg von den Büchern und erleben, wie sich Theorie in Praxis verwandelt. So zumindest sieht es eine Mehrheit der Praktikanten laut dem Praktikantenbericht 2012 (erhoben von meinpraktikum.de), der auf über 5.500 Bewertungen auf meinpraktikum.de basiert. Wichtig: Wer ein Praktikum macht, der sollte vom ersten Tag an mit vollen Herzen dabei sein. Sich vorbereiten, stets nach Aufgaben suchen und Mitarbeiter nach Hilfe ansprechen, selbst Hilfe anbieten und fleißig kluge Fragen stellen - ein erfolgreiches Praktikum hängt vor allem vom persönlichen Einsatz ab. So vermeidet man im Übrigen auch, dass man nur zum Kaffee kochen abgestellt wird.

Foto: Fotolia

Geld

Laut Praktikantenreport bekommen 40 Prozent der Praktikanten keine Vergütung. Das hat Folgen, nicht nur für den Geldbeutel. Je weniger Geld man erhält, desto weniger zufrieden wird man sein - auch wenn der Lerncharakter zunächst einmal im Vordergrund steht. 290 Euro erhalten laut Report die deutschen Praktikanten im Schnitt. Hier ist es wichtig sich im Voraus klar zu machen, in welcher Branche man Praktika machen möchte: Die Branchen Gesundheit, öffentlicher Dienst und Bildung sind knausrig; Unternehmensberatungen oder Firmen im Multimedia/Internet-Bereich dagegen nicht. Vorsicht beim öffentlichen Lästern wegen Unterbezahlung - wenn der Praktikant mit keiner Erfahrung irgendwo andockt, muss der Unternehmer ihn erst einmal einarbeiten.

Foto: Presse

Arbeitszeit pro Tag

Im Schnitt sind Praktikanten bis zu acht Stunden im Büro. Doch wenn sie länger arbeiten, heißt das nicht, dass sie automatisch unglücklicher sind. Der Grund: Vielleicht gibt es ein oder zwei Aspekte bei einem Projekt, die man vertiefen möchte - und das geht nur, wenn man zwei oder drei Tage länger im Büro sitzt. Dann sollte man das auch machen. Ein gutes Ergebnis verschafft auch mehr Zufriedenheit. Zudem: Praktikanten, die stur Dienst nach Vorschrift machen, fallen nicht immer positiv auf. Doch das gilt nicht nur im Praktikum.

Foto: Fotolia

Praktikumsdauer

Im Schnitt dauert laut Praktikantenreport ein Praktikum zehn Wochen. Viel kürzer sollte ein Praktikum nicht sein - bei kürzerer Zeit ist man in der Regel nicht zufrieden - auch der Arbeitgeber nicht. Beide Seiten können sich nicht richtig kennenlernen, und der Praktikant kommt selten dazu, sein Können unter Beweis zu stellen.

Foto: dpa

Praktikumsart

Schülerpraktika sind in der Regel kurz und nicht bezahlt. Zudem sind sie vorgeschrieben. Hochschulpraktikanten und Werkstudenten können hingegen länger in ein Unternehmen reinschnuppern und auch mehr Geld verdienen. Zudem ist dann der Lerneffekt im Praktikum größer.

Foto: dpa

Die richtig Branche wählen

Diese Frage hängt sowohl mit den Vorkenntnissen, bzw. dem Studienfach, das man belegt, als auch mit den Berufszielen zusammen, die man verfolgt. Vielleicht hilft diese Orientierung - zumindest in Bezug auf die Zufriedenheit: Die Branchen Konsumgüterindustrie, Versicherungen, Telekommunikation und Internet/Multimedia sind laut Praktikantenreport besonders beliebt. Das hängt mit den Aufgaben zusammen, die man hier als Praktikant vorgesetzt bekommt. Weniger beliebt sind da der Maschinenbau, der Gastronomiebereich und der öffentliche Sektor. Grund: Die Bezahlung soll nicht gut sein, und der Lernerfolg gering. Im Maschinenbau bemängelt eine Mehrheit der Befragten, dass Mitarbeiter nicht besonders geschätzt werden.

Foto: ZB

Praktikum im Ausland?

Grundsätzlich gilt: Nur wenn es im Studium vorgeschrieben ist, sollte man ein Praktikumsabenteuer im Ausland wagen. Man darf nicht den organisatorischen Aufwand unterschätzen: Unterkunft, Praktikumsplatz, Kosten der Anreise. Ist das Auslandspraktikum von der Hochschule vorgeschrieben, dann kann man mit Netzwerken und Hilfe bei der Planung rechnen. Und nur wenn es sinnvoll ist, sollte man den kurzen Sprung ins Ausland wagen. Beispiel Jurastudent: Ein dreimonatiger Aufenthalt bei einer internationalen Anwaltskanzlei in Paris oder London mag sinnvoll sein, wenn es zum Berufszielen des Kandidaten passt. Bafög kann man für die Zeit auch beantragen, wenn man schon während des Studiums Bafög bezieht.

Foto: dpa

Welche Unternehmen?

Viele Praktikanten beurteilen größere Firmen und Konzerne besser als kleine Unternehmen - zumindest spricht der Praktikantenreport davon, dass Daimler, Siemens, Lufthansa, BMW und Bosch am meisten genannt werden. Das hängt aber damit zusammen, dass viele technische Studiengänge von ihren Studenten Pflichtpraktika einfordern. Und die kommen dann bei den genannten Konzernen unter. Es wäre falsch zu folgern, dass man bei kleinen Firmen nicht auch glücklicher Praktikant werden kann - die Strukturen dürften hier überschaubarer sein, der Kontakt mit den Mitarbeitern enger und die Aufgaben stellen vielleicht auch eine größere Herausforderung dar.

Weitere Tipps und Informationen zum Praktikum findet man bei der IHK Berlin und bei Bafög Aktuell.

Foto: dpa

Bei den Bewerbungen auf eine Stelle als Kfz-Mechatroniker war die Benachteiligung stärker spürbar. „Diskriminierung tritt also nicht in allen Branchen gleichermaßen auf“, erläuterte Jan Schneider, Leiter des SVR-Forschungsbereichs und Autor der Studie. „Einen wichtigen Einfluss auf das Ausmaß der Ungleichbehandlung hat außerdem die Unternehmensgröße: Die Diskriminierungsrate ist bei kleinen Firmen mit weniger als sechs Mitarbeitern deutlich höher als bei mittleren und großen Unternehmen.“

Das hat Folgen für die Qualität der Betriebe. „Wo diskriminiert wird, entgehen den Ausbildungsbetrieben geeignete Bewerber. Mittelfristig kann dies die Sicherung der Fachkräftebasis gefährden“, sagte Schneider. Auch für die jungen Menschen mit Migrationshintergrund sei die Erfahrung, dass sie auf ihre Bewerbungen ständig Absagen erhalten, ein Grund für Resignation, so der Leiter des Forschungsbereichs.

Die Gründe für die Diskriminierung bei der Ausbildungssuche sind vielfältig. Viele Unternehmen assoziieren mit ausländischen Nachnamen negativ behaftete Stereotypen und haben Vorbehalte. Außerdem befürchten sie, dass ein Auszubildender mit Migrationshintergrund vom Kunden wenig akzeptiert werden könnte. Ein weiterer Grund ist die "Risikominimierung": Kleine Unternehmen befürchten häufig, dass sich Auszubildende mit Migrationshintergrund schwerer im Team zurechtfinden. „Erwartungshaltungen, Vorurteile und Projektionen erweisen sich in Verbindung mit betrieblichen Auswahllogiken als Nährboden für Diskriminierung“, sagt Schneider.

Nach dem Vorstellungsgespräch Danke sagen – per Mail oder per Brief

Ist das Vorstellungsgespräch gut gelaufen, sollte man sich spätestens 24 Stunden nach dem Treffen nochmal kurz melden. Motto: "Ich war von dem Gespräch sehr angetan, es hat mich in meiner Absicht bestärkt, mit Ihnen zusammenzuarbeiten". Damit können Bewerber nochmal offene Fragen klären und einige Punkte vom Vorstellungsgespräch kurz ansprechen - und somit den bleibenden Eindruck unterstreichen und sich so von der Masse abheben. Wer zudem beim ersten Kennenlernen zum Essen eingeladen wurde, hat nochmal die Chance, sich dafür zu bedanken.

Foto: Fotolia

Wann könnte ich einsteigen? Fristen klären!

In der Aufregung des Vorstellungsgesprächs vergisst der Bewerber schnell, nach den genauen Deadlines zu fragen. "Wann melden Sie sich bei mir?" "Wann bekomme ich spätestens die Absage?" "Wann könnte ich mit der Arbeit anfangen?" Zum Telefon sollte man frühestens nach einigen Tagen greifen. Und auch da ist es durchaus sinnvoll, nochmal zu betonen, wie interessiert man an der Stelle ist.

Foto: Fotolia

Nicht nervig sein

Manche Mühlen mahlen langsam. Das gilt auch für interne Abläufe von Unternehmen, die oft nicht viel weniger bürokratisch sind als das Finanzamt. Und wenn dann noch ein Entscheidungsträger krank ist, kann eine Auswahlprozess länger dauern. Schreibt man jeden Tag eine Erinnerungsmail, kann man schnell als Nervensäge auffallen - und das noch bevor man den Fuß in das neue Unternehmen gesetzt hat. Die Eindrücke eines erfolgreichen Vorstellungsgesprächs können dadurch komplett verwischt werden. Zwei Wochen sollte man mit dem ersten Nachhacken schon warten.

Foto: Fotolia

Warten - und sanft nachfragen

Souveränität zeigt der Bewerber durch bedachtes Nachhacken. Wenn Unternehmen überhaupt nicht mehr von sich hören lassen, dann hat ein Bewerber zwei Möglichkeiten: Entweder er schreibt nochmal eine Mail, in der er betont, dass er Interesse an der Stelle hat und dass er sich auf eine Rückmeldung freut. Oder aber er findet sich mit der Tatsache ab, dass er sich bei einem extrem unprofessionellen Unternehmen beworben hat. In diesem Fall gilt: Weiter bewerben.

Foto: WirtschaftsWoche

Am Ball bleiben – und weiter bewerben

Nach dem Bewerbungsgespräch ist vor dem Bewerbungsgespräch. Wer auf Sieg setzt, muss nach mehreren Stelle Ausschau halten. Mehre Bewerbungen ermöglichen auch mehrere Vorstellungsgespräche. So behält der Jobsuchende die Oberhand - und hat gegebenenfalls den Luxus, sich bei der Zusage von mehreren Unternehmen, die beste Stelle auszusuchen.

Foto: Fotolia

Um Diskriminierung zu vermeiden, empfiehlt der SVR-Forschungsbereich anonymisierte Bewerbungsverfahren. Oft gibt es dabei aber gerade für kleine Firmen finanzielle Barrieren. Eine flächendeckende und kostengünstige EDV-Lösung könnte die Probleme lösen. Firmenchefs und Personaler sollten zudem stärker sensibilisiert werden. "Die Unternehmen sollten Diskriminierung auch im wirtschaftlichen Eigeninteresse vermeiden. Denn bei der Sicherung des betrieblichen Nachwuchses sind die Betriebe in Zeiten des Fachkräftemangels mehr denn je darauf angewiesen, das gesamte Potential der Bewerber auszuschöpfen.“, sagte Schneider.

Das Projekt "Diskriminierung am Arbeitsmarkt" wurde von der Robert Bosch Stiftung gefördert.

cde
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