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Studie „Personaler bewerten Frauen im Schnitt eine Note schlechter“

Studie: Frauen werden bei Bewerbungen benachteiligt Quelle: imago images

Forscher des Wissenschaftszentrums in Berlin wollten herausfinden, worauf Personaler bei Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz besonders achten. Das Ergebnis hat sie selbst überrascht.

Bundesfamilienministerin Franziska Giffey schreibt auf der Homepage des Ministeriums: „Es gibt keine Frauenberufe oder Männerberufe, aber viele Zukunftsberufe.“ Ganz spitzfindig betrachtet ist das korrekt. Doch es gibt Berufe wie den des Mechatronikers oder der Pflegerin, die ganz klar von einem Geschlecht dominiert sind.

Wieso das so ist und ob da bereits im Bewerbungsverfahren diskriminiert wird, wollten Forscher des Wissenschaftszentrums Berlin herausfinden. VWL-Professorin Dorothea Kübler, eine der Studienautorinnen, hat dafür Personalern von 126 Ausbildungsberufen fiktive Lebensläufe vorgelegt und sie beurteilen lassen.

Frau Kübler, könnten Sie kurz das Ergebnis der Studie zusammenfassen?
Wir haben festgestellt, dass die Lebensläufe von Frauen schlechter bewertet wurden als die der Männer mit denselben Angaben. Im Schnitt entspricht die Bewertung der Frau dem Effekt einer ganzen Schulnote schlechter. Wichtig ist zu erwähnen, dass Frauen vor allem in männlich dominierten Branchen diskriminiert wurden. In klassischen „Frauenberufen“ wurden Männer hingegen fair behandelt.

Dorothea Kübler, Professorin für VWL: „Frauen kommen erst gar nicht in die „Männerberufe“ rein.“ Quelle: Presse

Hatten Sie mit diesem Ergebnis gerechnet?
Nein. Wir waren sehr überrascht über die Stärke des Effekts. Eigentlich hatten wir angenommen, dass das soziokulturelle Umfeld eine größere Rolle spielt. Deswegen haben wir zum Beispiel den Beruf des Vaters in den Bewerbungen variiert. Mal war er Akademiker, mal hatte er einen weniger prestigeträchtigen Beruf wie Lagerist. Doch die Berechnungen zeigen: Das hatte keine Einfluss auf die Bewertung. Maßgeblich war das Geschlecht. Wir hatten vorab vermutet, dass es eine Rolle spielt. Deswegen haben wir den Personalern immer nur Lebensläufe von einem Geschlecht vorgelegt. Niemals gemischt. So konnte das Thema Gender erst gar nicht aufkommen. Denn aus der Forschung wissen wir, dass niemand zugibt, ein Geschlecht zu bevorzugen.

Welche Rolle spielt Diskriminierung auf dem Arbeitsmarkt?
Die von uns festgestellte Diskriminierung führt dazu, dass Frauen aufgrund der schlechteren Bewertungen seltener zum Vorstellungsgespräch eingeladen werden. Sie kommen also erst gar nicht in die „Männerberufe“ rein. Unternehmen könnten so Potenziale verschenken.

Sind Frauen bei der Jobsuche also grundsätzlich benachteiligt?
Das lässt sich aufgrund unserer Studie nicht sagen. Wir haben nur Ausbildungsberufe untersucht. Es könnte sein, dass in anderen Bereichen weniger Diskriminierung stattfindet.

Nun haben wir das politische Ziel die Chancengleichheit. Welche Maßnahmen sind aus wissenschaftlicher Sicht wichtig, um diese zu erreichen?
Maßnahmen zu nennen, ist schwierig. Dafür müssten wir die genauen Ursachen kennen. Diese müssen aber noch erforscht werden. Aber klar ist: Wenn Frauen strukturell aus männlich dominierten Berufen rausgehalten werden, ist jeder „Girls Day“ Augenwischerei.

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