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Big Data Die sinnlose Angst vor der Datenkrake

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Big Data ist eine Verbesserung, kein Ersatz

Philipp Mühlenkort, Marketing Manager beim Karrierenetzwerk LinkedIn hat ein schönes Beispiel für dieses Dilemma: Ein Eisdielenbesitzer sieht die Wettervorhersage - die letztlich nichts anderes ist, als eine Datenanalyse. "Weil es in den nächsten fünf Tagen jeweils über 30 Grad werden soll, stellt er Tische und Stühle vor seinen Laden und produziert die dreifache Menge an Eis."

In der derzeitigen Arbeitsrealität dürfen allerdings nur die Verbraucher die Wettervorhersage ansehen, der Eisdielenbesitze muss morgens aus dem Fenster schauen und raten, wie heiß es mittags beziehungsweise nachmittags wird. "Datenschutzrechtliche Bestimmungen sowie Anforderungen an die IT-Sicherheit bremsen die (intensivere) Nutzung von Big Data", heißt es dazu in der Bitkom-Studie.

Gleiches gilt übrigens auch für Cloud-Technologien. Während privat viele Menschen ihre Daten in der Wolke haben, steht sie bei Unternehmen unter dem Generalverdacht der Datenunsicherheit. Das belegt auch der "IT Innovation Readiness Index" von Pierre Audoin Consultants (PAC). "Cloud Computing ist in der mittelständischen deutschen Fertigungsindustrie noch immer mit großer Skepsis behaftet - und das, obwohl die Technologie zu den wichtigsten Basistechnologien für Industrie 4.0 zählt.

Auf welche Bereiche wirkt sich die Digitalisierung im Arbeitsalltag aus?

Denn ohne Cloud Computing können Fertigungsunternehmen die wachsenden Datenmengen in vernetzten Produktionsumgebungen nicht verarbeiten. Dadurch bilden Cloud-Lösungen den Grundstein für weitere IT-Megatrends - allen voran Big Data und Mobility", sagt Horst Reichardt, CEO der Freudenberg IT, die die Daten erhoben haben.

Big Data kann HR nicht ersetzen

Aber zurück zu Big Data: Laut der Bitkom-Studie würden mehr als ein Drittel der exemplarischen Eisdielenbesitzer gerne die Wettervorhersage anschauen, um zu wissen, wann sie wie viel Eis produzieren müssen. Allerdings trauen sie sich nicht. Die Kunden könnten rebellieren. Oder der Deutsche Wetterdienst. Manche Eisdielenbesitzer fürchten auch, sich selbst überflüssig zu machen. Das Eis rührt schließlich die Maschine - aber ihre Fähigkeit zur Wetterprognose hat sie bislang immer unersetzlich gemacht.

So geht es wohl auch vielen Recruitern. Sie haben Angst, dass sie künftig von einem Analyse-Tool ersetzt zu werden. Zu Unrecht, wie Grosskopf sagt. "Big Data wird nie der Hot Buzzer werden, der HR überflüssig macht. Das wird nie passieren."

Do's & Don'ts im Recruiting

Denn auch für den Einsatz von Big Data im Recruiting braucht es immer noch jemanden, der sich überlegt hat, was die Datenanalyse überhaupt ausspucken soll: "Big Data bringt Ihnen gar nichts, wenn Sie nicht wissen, welche Fragen Sie stellen wollen", sagt Martin von Broadbean Technologies. Und auch die Entscheidung, welcher der potentiellen Kandidaten eingestellt wird, trifft letztlich ein Mensch.

Laut des aktuellen HR-Barometers der Personalvermittlung Michael Page ist der Job eines Personalers in Deutschland ohnehin mehr als nur Recruiting: "HR-Leiter müssen heute nicht nur Mitarbeiter finden, einstellen und verwalten. Ihr Beitrag liegt immer mehr im strategischen Aufbau der Mitarbeiterbeziehung und der Entwicklung der richtigen Qualifikationen", sagt Goran Barić, Geschäftsführer der PageGroup Deutschland.

84 Prozent der befragten deutschen Personalentscheider aus dem Senior Management berichten außerdem direkt dem CEO, CFO oder der Geschäftsführung. Weltweit liegt dieser Wert nur bei 63 Prozent. Die Zeiten, in denen die Personalarbeit als weiches Thema oder als reine Verwaltungsaufgabe abgetan wurde, seien vorbei, die Angst vor Big Data als Konkurrent ist demnach unbegründet.

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Damit man sich auf die Auswertung verlassen kann, müssen allerdings die Basisdaten stimmen. "Oft gibt es in einem Unternehmen zig verschiedene Meinungen darüber, wann jemand angestellt wird", gibt Martin ein Beispiel. Ist es, wenn dem Personaler die Bewerbung gefällt? Wenn der Chef sie abgesegnet hat? Wenn der Vertrag unterschrieben wurde oder erst am ersten Arbeitstag des neuen Mitarbeiters? "Im Prinzip ist das völlig egal, aber wenn Sie mit Big Data arbeiten, müssen Sie einen Zeitpunkt bestimmen und dabei bleiben, sonst haben sie ständig verschiedene Ergebnisse und können sich nicht darauf verlassen", so der Experte.

Außerdem sollten die Daten letztlich visualisiert werden. "Sonst hat man all die schönen Daten in einer Excel-Tabelle, die keinen interessiert und die man sofort wieder vergessen hat."

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