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Karin Rådström | Und dann änderte sich alles„Ich fand keine Freunde und wurde die ersten Jahre gemobbt“

Daimler-Truck-Chefin Karin Rådström zog als Kind von Schweden nach Kanada. Sie hatte ­keine Freunde – und würde die Zeit trotzdem nicht missen wollen.Dominik Reintjes 19.09.2025 - 13:09 Uhr
Beim Rudern in ­Kanada fand
Karin Rådström
die Freunde, die
sie in der Schule nicht hatte Foto: PRIVAT

Bis ich zwölf Jahre alt war, lebte ich mit meiner Familie in einem Dorf in Schweden: in Nynäshamn, direkt an der Ostsee. Hier kannte jeder jeden, es war mein Wohlfühlort. Eines Tages kam mein Vater von der Arbeit nach Hause und verkündete: Wir ziehen nach Kanada!

Er hatte dort einen neuen Job gefunden. Im ersten Moment freute ich mich. Es klang so aufregend. Ich saß vorher erst einmal in einem Flugzeug, war noch nie außerhalb Europas. Wir waren sonst immer nur mit dem Auto unterwegs. Während meine Freunde ins Disneyland flogen, fuhren meine Eltern mit uns an die Mosel in den Urlaub. Sie waren begeisterte Weintrinker.

Als wir in Kanada ankamen, war meine anfängliche Euphorie schnell verfolgen. Es war hart, in einem so jungen Alter in ein neues Umfeld, eine neue Kultur zu kommen. Ich sprach kaum Englisch, fand keine Freunde, wurde die ersten Jahre gemobbt.

Karin Rådström, ist Vorstandsvorsitzende von
Daimler Truck Foto: Daimler Truck AG
  • Geboren: am 22. Februar 1979 in Schweden
  • Studium: Wirtschaftsingenieurin in Stockholm
  • Mitarbeitende: mehr als 100.000
  • Leistungssport: schwedische ­Meisterin im Rudern

Ich fühlte mich schrecklich. Und vermisste meine Freunde in Schweden. Ich wollte zurück. Aber ich konnte nicht. Eigentlich sollten wir zwei Jahre in Kanada leben. Aber der Vertrag meines Vaters wurde immer wieder verlängert.

Ich musste mich anpassen. Und lernte hart: die Sprache, aber auch den Unterrichtsstoff, um den Anschluss zu den anderen Schülern zu halten. Was mir half: Ich war eine sehr gute Sportlerin, konnte daraus Selbstvertrauen ziehen und fand im Ruderverein die Freunde, die ich in der Schule nicht hatte. Außerdem verbrachte ich viel mehr Zeit mit meinem Bruder, der ähnliche Erfahrungen machen musste.

Die Zeit in Kanada hat mich geprägt. Hätte ich mein Leben lang in meinem kleinen Dorf in Schweden gelebt, wäre ich heute vielleicht nicht die Person und die Managerin, die ich heute bin: Ich habe in Frankreich, der Schweiz und Kenia gearbeitet und gelebt. Ich hätte niemals diese Neugier für neue Kulturen entwickelt.

Als ich vor fünf Jahren mit meinem Mann diskutierte, ob wir für den Job bei Daimler Truck nach Deutschland ziehen, habe ich lange darüber nachgedacht, ob ich meinen Kindern eine ähnliche Erfahrung zumuten möchte. Sie sind in einem noch kleineren schwedischen Dorf aufgewachsen. Sie sollen neue Dinge ausprobieren. Und wenn sie Schwierigkeiten haben, bin ich da, um sie aufzufangen.

In unserer Artikelreihe erzählen Menschen aus der Wirtschaftswelt über einen entscheidenden Wendepunkt in ihrem Leben. Hier finden Sie alle Beiträge der Serie „Und dann änderte sich alles ...“

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