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Serie Tickets zur Macht Die Netzwerke der Mächtigen

Auch im Zeitalter von Facebook und Twitter beeinflussen Elitenetzwerke maßgeblich Entscheidungen in Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. In einer sechsteiligen Serie blickt die WirtschaftsWoche hinter die Kulissen der Macht – und beschreibt, wie Sie Zugang finden.

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Rupert Murdoch und Wendi Murdoch Quelle: Getty Images/Kevork Djansezian

Hier ein Spaziergang mit seiner Frau Wendi, dort ein Drink mit Sohn Lachlan: Wer Rupert Murdoch schon immer mal in Shorts und Turnschuhen erleben wollte, muss nach Sun Valley fahren. Das Bergdörfchen im Nordwesten der USA ist vor allem bei Skifahrern beliebt. Sobald der Schnee geschmolzen ist, bleiben die 1400 Einwohner weitgehend unter sich – bis auf einige Tage im Sommer.

Jedes Jahr reihen sich auf dem kleinen Flughafen im Nachbarort Dutzende weißer Privatjets aneinander, und Fotografen schwirren durchs Dorf, auf der Jagd nach Schnappschüssen von Prominenten aus Politik und Wirtschaft. Der Grund für die Betriebsamkeit: die Sun Valley Conference. Sie verwandelt den Ort für ein paar Tage in einen angesagten Treffpunkt von Millionären und Milliardären.

Deutschlands heimliche Herrscher
Ralph Wollburg Quelle: Picture-Alliance/dpa
Ann-Kristin Achleitner Quelle: dpa
Henning Kagermann Quelle: dpa
Michael Vassiliadis Quelle: AP
Michael Hoffmann-Becking Quelle: Frank Reinhold für WirtschaftsWoche
Gerhard Cromme Quelle: dpa
Manfred Schneider Quelle: Picture-Alliance/dpa

Globale Medienelite

Darunter ist auch der australische Medienmogul Murdoch, Gründer und CEO des global tätigen Medienkonzerns News Corporation, zu dem unter anderem die TV-Sender Fox und Sky gehören. Normalerweise sieht man ihn nur in Anzug und Krawatte. Doch hier flaniert er in Freizeitkleidung mit seiner Frau über die Straße oder posiert in kurzen Hosen und T-Shirt mit seinem Sohn.

Seit 1983 trommelt die New Yorker Investmentbank Allen & Company in Sun Valley die globale Medienelite aus New York, London, Tokio und dem Silicon Valley zusammen. Die Bank existiert bereits seit 1922, ihr Vermögen machten die drei Gründer vor allem in der Großindustrie. Der heutige Bankchef Herbert Allen Junior konzentrierte sich seit seinem Amtsantritt in den Siebzigerjahren auf die Unterhaltungsbranche. 1982 verkaufte er den Anteil an der Filmproduktionsfirma Columbia Pictures für 750 Millionen Dollar an den Getränkeriesen Coca-Cola. Allen ist gefragter Berater der globalen Medienelite. Da kann es nicht schaden, wenn er alle üblichen Verdächtigen einmal im Jahr trifft.

Das sind die spendabelsten Deutschen
In Deutschland wird viel gespendet – und das nicht erst seit gestern. Einem Bericht des „Manager Magazins“ zufolge werden die neuen Großspenden allerdings weniger. Wer zu den größten deutschen Stiftern und Spendern des vergangenen Jahres gehört, zeigen die folgenden Bilder. Quelle: dpa
Platz 10: Ein Frankfurter BürgerpaarDas Frankfurter Paar auf dem zehnten Platz des Rankings möchte lieber anonym bleiben. Ganze 1,5 Millionen Euro spendeten die beiden für die Erweiterung des Städel-Museums in der hessischen Landeshauptstadt. Durch den Bau wurden Tausende Quadratmeter neue Ausstellungsfläche hinzugewonnen. Auch der Altbau wurde renoviert. Berücksichtigt wurden für die Aufstellung des „Manager Magazins“ Einzelspenden und Neustiftungen aus den letzten zwölf Monaten. Quelle: dpa
Platz 9: Klaus-Michael KühneDurch seine eigene Stiftung spendete der Mehrheitseigner des Logistikkonzerns „Kühne + Nagel“ 1,7 Millionen Euro an Hilfsorganisationen wie Unicef. Und er kann es sich durchaus leisten. Sein Privatvermögen beläuft sich auf geschätzte 9,8 Milliarden US-Dollar, womit er von dem Wirtschafsmagazin Forbes als siebtreichster Deutsche gelistet wird. Quelle: dpa
Platz 8: Familien Herbert und Harald QuandtFür die Dokumentationsstätte des ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers in Berlin-Schöneweide spendeten die Quandt-Familien insgesamt 5,4 Millionen Euro. Im Bild Johanna Quandt, die Witwe des 1982 verstorbenen Herbert Quandt. Quelle: dpa
Platz 7: Siggi LochDer Musikproduzent und Gründer eines Jazzlabels spendete für die von ihm und seiner Ehefrau Sissy neu gegründete Stiftung sowie für „Menschen & Tiere in Not“ in den vergangenen zwölf Monaten 5,7 Millionen Euro. Quelle: dpa
Platz 6: Michael OttoDer ehemalige Vorstandschef und heutige Aufsichtsratsvorsitzende der Otto Group spendete in den letzten zwölf Monaten 8,5 Millionen Euro. Das Geld ging unter anderem an die Kinderklinik im Uni-Klinikum Eppendorf, die Aid by Trade Foundation und seine eigene Stiftung. Auch Otto taucht auf der aktuellen Forbes-Liste auf. Zusammen mit seiner Familie belegt er dank eines Vermögens von 17,6 Milliarden US-Dollar Platz drei unter den reichsten Deutschen . Quelle: Presse
Platz 5: Familien Friedrich und Peter Lürssen, Karin und Uwe Hollweg StiftungFür die Kunsthalle in Bremen spendeten die Lürssen-Familien mit der Karin und Uwe Hollweg Stiftung zusammen zehn Millionen Euro. Im Bild Friedrich Lürssen, der mit seinem Vetter Peter Lürssen in vierter Generation das Unternehmen Fr. Lürssen Werft GmbH & Co. KG führt. Quelle: dpa

Sprechen über Milliardengeschäfte

Egal, ob Microsoft-Gründer Bill Gates, Facebook-CEO Mark Zuckerberg, Google-Mitgründer Sergey Brin, Sony-Boss Kazuo Hirai oder Großinvestor Warren Buffett – sie alle treffen sich jeden Sommer im Nordwesten der USA. Einige bringen ihre Partnerinnen mit, alle sind lässig gekleidet. Einer der wenigen deutschen Teilnehmer im vergangenen Jahr: Telekom-Chef René Obermann, auch er in Jeans und Pulli. Anzug und Krawatte, so die eindeutige Botschaft der Bilder, haben wir schon längst nicht mehr nötig.

Doch der Eindruck täuscht: Die Medienelite trifft sich nicht nur, um in der Sonne zu liegen, gemeinsam Fahrrad zu fahren, zu wandern oder Schach zu spielen. Die Bosse sprechen in dem abgelegenen Bergdorf auch über Milliardengeschäfte. Der ehemalige Disney-Chef Michael Eisner soll hier erstmals die Chancen für eine Übernahme des TV-Konzerns Capital Cities/ABC ausgelotet haben. 1995 wurde der Deal tatsächlich vollzogen. Auch die Fusion des Kabelnetzbetreibers Comcast mit der Senderkette NBC Universal im Jahr 2009 soll hier begonnen haben.

Die Konferenz gilt seit jeher als „Inner Circle“ der oberen Hundert. Wer nicht zufällig Chef eines Milliardenkonzerns ist oder einen solchen gegründet hat, muss draußen bleiben.

Kennen und helfen

Die Hobbys der Superreichen
Jeff Bezos Quelle: AP
James Cameron Quelle: dapd
Dennis Tito Quelle: AP
Francis Ford Coppola Quelle: dpa
Roman Abramowitsch Quelle: dpa/dpaweb
Richard Branson Quelle: dpa
Paul Allen Quelle: dapd

Engländer und Amerikaner sprechen von Closed Shops, Deutsche von Netzwerken, Rheinländer vom Klüngel. Doch egal, wie man es nennt und sich auf internationalem oder nationalem Parkett bewegt; ob man in ökonomisch motivierten Zirkeln oder Freundeskreisen von Museen zusammenkommt; sich unter Adeligen oder im Karnevalsverein trifft; ob man qua Geburt, Beruf oder Vermögen dazugehört. Das Prinzip ist stets dasselbe: Man kennt sich, man schätzt sich, man hilft sich.

Die einen plaudern unter ihresgleichen entspannt über geschäftliche und private Interessen. Die anderen tauschen Tipps über anstehende Jobwechsel aus, bahnen Kooperationen an und stellen Aufträge in Aussicht. Alles unbeobachtet von der Öffentlichkeit. Ganz gleich, in welcher Branche. Der deutsche Top-Manager Klaus Kleinfeld, Vorstandsvorsitzender von Alcoa, vergleicht das Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos mit „Speed Dating“. Soll heißen: Er trifft innerhalb kürzester Zeit so viele wichtige Personen wie sonst nie. Evonik-Chef Klaus Engel nutzt das WEF vor allem dazu, um sich mit Gleichgesinnten über globale Trends und die Konjunktur auszutauschen. Als wichtigstes Treffen der globalen Finanzelite etwa gilt die Jahrestagung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds. Das letzte Tête-à-Tête von Finanzministern, Zentralbankgouverneuren der G7, Top-Bankern und Nichtregierungsorganisationen fand im Oktober 2012 in Tokio statt. In Berlin wiederum gab es in der vergangenen Woche ein Zusammentreffen, dessen Name Programm ist: die „Super Return Conference“. Unter diesem Dach versammeln sich seit 1998 knapp 1500 Manager der Private-Equity-Branche mehrmals jährlich an wechselnden Orten der Welt – um über die Zukunft der Branche zu debattieren, Strategien gegen mögliche Regulierungen auszuhecken oder nach der neuen Formel für spektakulären Anlageerfolg zu suchen.

Wo sich die Mächtigen noch treffen

Serie der WirtschaftsWoche

Welche aber sind die bedeutsamsten Machtzirkel unserer Zeit? Wo laufen die wirklich wichtigen Fäden zusammen? Wo wird jenseits öffentlich wahrnehmbarer Gremien und Institutionen wie Regierungen, Wirtschaftsverbänden, Wahlen und Hauptversammlungen über den Lauf der Dinge mitentschieden? Über globale Entwicklungen historischer Dimension, Regulierungen auf nationaler Ebene bis hin zu Entscheidungen im lokalen Umfeld? Welcher Zirkel eignet sich für welchen Personenkreis? Wie befördert eine Mitgliedschaft meine berufliche und private Entwicklung? Und wie bekomme ich Zutritt?

Mit diesen Fragen beschäftigt sich die WirtschaftsWoche in den kommenden Wochen. Eine sechsteilige Serie liefert Einblicke in die Welt der Elitezirkel und stellt etwa 30 der bedeutendsten Vereinigungen vor – vom WEF in Davos über die Internet-Konferenz Le Web bis hin zum Frauennetzwerk Zonta und dem Allgemeinen Schnauferl-Club, einem mächtigen Zusammentreffen autovernarrter Top-Manager.

Die Ehepaare der Wirtschaft
Brigitta und Titus Dittmann Titus Dittmann gilt als Vater der deutschen Skateboard-Szene. Mit seiner Frau ist er seit 1974 verheiratet - der gemeinsame Sohn Julius (links) führt mittlerweile die Familiengeschäfte. Nach missglücktem Börsengang bringt er heute Kindern in Afghanistan und Afrika das Skateboarden nahe. Seine Frau beantragte damals den "Reisegewerbeschein", um das Unternehmen zu gründen. Titus Dittmann konnte das nicht machen. Sein Beruf als Lehrer erlaubte es ihm nicht. Quelle: PR
Erivan und Helga HaubJahrelang prägten sie die Tengelmann-Gruppe: Erivan und Helga Haub. Sie heiraten 1958, elf Jahre später übernimmt Erivan Haub die Geschäftsführung des Familienunternehmens. Unter ihm expandiert Tengelmann zu einem der weltweit größten Handelsunternehmen. Helga Haub engagiert sich  vor allem für die Umwelt und verbannt 1984 Schildkrötensuppe aus dem Sortiment. Quelle: DPA
Gerd und Gabriele StrehleSie war jahrelang der kreative Kopf der Modefirma Strenesse, er der ökonomische. 1973 kommt Gabriele Strehle – damals noch Gabriele Hecke – als Designerin zu den Nördlinger „Bekleidungswerken Strehle“. Sie prägt das Unternehmen mit ihrer Handschrift und entwickelt die Marke Strenesse.  1985 heiratet sie Gesellschafter Gerd Strehle, 1998 erhält die Marke ihren Namenszusatz „Strenesse – Gabriele Strehle“, zwei Jahre später wird aus der Strehle GmbH die Strenesse AG. 2012 hat Gerd Strehle seinen Vorstandsvorsitz an seinen Sohn aus erster Ehe, Luca Strehle, abgegeben und hat den Aufsichtsratsvorsitz übernommen. Gabriele Strehle hat das Unternehmen daraufhin verlassen. Quelle: DPA
Bertha und Carl Benz Bertha Benz stammte aus einer wohlhabenden Familie. Weil sie sich ihr Erbe vorzeitig auszahlen ließ, konnte Carl Benz aus einem Vertrag mit einen Motorenbauer herausgekauft werden, so erzählt es die Urenkelin Jutta Benz im Interview mit Wiwo.de. Kaufmännisch begabt sei Carl Benz nicht gewesen: An der zweiten Firma Benz & Cie., die er gründete, war er lediglich mit zehn Prozent beteiligt. Dieses Unternehmen lief gut; Carl Benz war die meiste Zeit mit seinen Erfindungen beschäftigt. Bertha Benz soll Druck ausgeübt haben, es war schließlich auch ihr Geld, das in dem Unternehmen steckte. Quelle: Presse
Sonia und Willy BognerDas Unternehmer-Ehepaar ist seit 1972 verheiratet. Er ist der erfolgreiche Kaufmann, wie "Die Welt" schreibt; sie der kreative Kopf des Modeunternehmens. Willy sei der Chef, sie die Chefita - auf Gleichberechtigung habe Sonia Bogner keine Lust: Sie möchte nicht die ganze Verantwortung für die Firma tragen müssen. Quelle: Presse
Bertha und Gustav Krupp von Bohlen und HalbachDiese Szene aus dem ZDF-Dreiteiler „Krupp – Eine deutsche Familie“ von 2009 zeigt Gustav und Bertha Krupp von Bohlen und Halbach (dargestellt von Iris Berben und Thomas Thieme). Nach dem Tod ihres Vaters Friedrich Alfred Krupp war die noch minderjährige Bertha Krupp Alleinerbin des Stahlriesen Krupp. Auf Vermittlung von Kaiser Wilhelm II. heiratete sie den preußischen Adligen Gustav von Bohlen und Halbach. Das Paar durfte auf königlich-preußischen Erlass solange den Namen „Krupp von Bohlen und Halbach“ tragen, solange ihnen das Unternehmen persönlich gehörte. Quelle: dpa
Liz und Reinhard Mohn Elisabeth (Liz) Mohn war 17 Jahre alt, als sie Reinhard Mohn kennen lernte. Drei Kinder haben sie gemeinsam, die - bis auf einen Sohn - alle Anteile am Medienkonzern halten. Ihr wurde als Familiensprecherin das Recht eingeräumt, bis zu ihrem 80. Lebensjahr in alle Informationen und Besprechungen involviert zu sein. Während sich Reinhard Mohn bis zu seinem Tod 2009 immer mehr aus dem Geschäftsleben zurückzog, wuchs der Einfluss seiner Ehefrau gleichermaßen. Sie ist heute Aufsichtsratsmitglied bei Bertelsmann. Quelle: dpa

Starkes Bedürfnis

„Keine menschliche Eigenschaft ist erstaunlicher als unser Drang, mit anderen zu sympathisieren“, schrieb der schottische Philosoph und Ökonom David Hume in seinem 1740 veröffentlichten „Traktat über die menschliche Natur“. Damit formulierte er vor knapp 300 Jahren, was bis heute unverändert gilt: Das Bedürfnis nach sozialen Bindungen gehört zu den zentralen Triebkräften des Menschen – ganz gleich, ob im Berufs- oder Privatleben. Als soziale Wesen suchen wir Anschluss an Gleichgesinnte. Mal wollen wir durch gegenseitige Unterstützung Einfluss und Status einer Gruppierung festigen, mal Entscheidungen in eine bevorzugte Richtung beeinflussen.

So verständlich dieser Wunsch ist, so faszinierend sind seine Ausprägungen. Sagenumwobene Geheimbünde wie die Freimaurer, die Illuminaten oder das Opus Dei regen traditionell die Fantasie von Außenstehenden an. Wilde Theorien füllen ganze Bücherregale und geistern durch Diskussionsforen im Internet. Manche vermuten, dass diese und andere Netzwerke in dunklen Hinterzimmern das Schicksal der Welt bestimmen; andere glauben, dass sie als Schattenregierungen die gewählten Politiker zu Marionetten verkommen lassen – oder die Amtsträger in den Vorstandsetagen der Unternehmen gleich mit.

Erstaunlich transparent

Gründerväter der deutschen Industrie
August Thyssen (1842-1926)1867 gründete er in Duisburg das Eisenwerk „Thyssen-Foussol & Co“. 1870 wurde die Gesellschaft aufgelöst und Thyssen gründete mit dem erlösten Kapital das Walzwerk Thyssen & Co., die Keimzelle für einen der größten integrierten europäischen Montankonzerne, die August Thyssen-Hütte. Mit Hugo Stinnes zusammen gründete Thyssen den Energieversorger RWE.
Alfred Krupp (1812-1887)Alfred war Erbe einer bankrotten kleinen Gussstahlfabrik seines Vaters Friedrich – mit 10000 Talern Schulden und sieben Mitarbeitern. Dass daraus ein Weltkonzern und das Synonym für Stahl wurde, war vor allem Alfreds Verdienst.  Als er 1887 starb, zählte das Unternehmen 20.200 Mitarbeiter.
Werner von Siemens (1816-92)Das vierte Kind eines erfolglosen Gutspächters war zunächst Artillerie-Offizier der preußischen Armee. Nach einem Duell saß er einige Jahre in Festungshaft. 1847 gründete er – noch immer im Hauptberuf Offizier – mit dem Mechaniker Johann Georg Halske in Berlin die Telegraphen Bau-Anstalt von Siemens & Halske – die Keimzelle des heutigen Konzerns. Der Auftrag für die Telegrafenleitung von Frankfurt nach Berlin 1848 war der Beginn der großen Erfolgsgeschichte.
Carl Zeiss (1816-88)Gemeinsam mit seinem Kompagnon Ernst Abbe (1840-1905) schuf Zeiss in seinen Werkstätten in Jena die technischen Grundlagen der Optischen Industrie. Die meisten Naturforscher seiner Zeit, wie zum Beispiel der Zoologe Ernst Häckel, benutzten seine Mikroskope. Die Feldstecher und Entfernungsmesser von Zeiss wurden in allen Kriegen seit dem Ende der Mitte des 19. Jahrhunderts eingesetzt. Quelle: Jobel
Friedrich Engelhorn (1821-1902)Der Sohn eines Gastwirts war zunächst Goldschmied in Mannheim, dann Gas-Produzent. Engelhorn versuchte, den bei der Leuchtgasgewinnung als Abfall anfallenden Steinkohlenteer zu nutzen und begann deshalb Teerfarbstoffe und Farbstoffe auf Anilinbasis für die Textilindustrie herzustellen. Zu diesem Zweck gründete er 1865 mit drei Kompagnons die „Badische Anilin- und Sodafabrik“ - BASF.
Friedrich Bayer (1825-1880)Der Sohn eines Seidenwirkers in Barmen fing schon als 20-Jähriger an, mit Naturfarben zu handeln. Drei Jahre später gründete er sein erstes Handelsunternehmen. Gemeinsam mit seinem späteren Kompagnon Johann Friedrich Weskott begann Bayer ab 1863 mit der eigenen Produktion und Erprobung von Teerfarbstoffen in der eigenen Firma Friedr. Bayer et comp. – der Keimzelle der heutigen Bayer AG.
Gottlieb Daimler (1834-1900)Nachdem er einige Jahre in mehreren Unternehmen als Konstruktuer angestellt war, gründete Daimler 1882 in Cannstatt eine eigene Werkstatt und entwickelt dort eine Viertaktmotor. Gemeinsam mit Wilhelm Maybach konstruiert er ab 1885 Motorwagen. Der große unternehmerische Erfolg kommt erst nach seinem Tod und mit der Fusion mit Benz 1926.

Doch das Gewicht der Weltverschwörungstheoretiker nimmt ab. Inzwischen kommunizieren viele Netzwerke erstaunlich transparent. Sie veröffentlichen im Internet, wer an den Treffen teilnimmt, worüber dort geredet wird und wer wie zu diesem Netzwerk stoßen kann.

So zum Beispiel die Baden-Badener Unternehmer Gespräche, die sich als eine Art privates Weiterbildungsforum für Nachwuchsmanager verstehen. Mehr als 3000 Führungskräfte haben das Programm bereits durchlaufen, darunter Ex-Bayer-Chef Manfred Schneider.

Erfolgreiche Gründer und ihre Geheimnisse
Renzo Rosso Quelle: REUTERS
Titus Dittmann Quelle: dpa
James Dyson Quelle: dpa
Günther Fielmann Quelle: dpa
Eike Batista Quelle: REUTERS
Erich Sixt Quelle: dapd
Richard Branson Quelle: REUTERS

Mysteriös seit 1954

Einige Informationen geraten gelegentlich auch durch übertriebenes Mitteilungsbedürfnis an die Öffentlichkeit: Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin zum Beispiel konnte es im vergangenen Jahr nicht lassen, seine Teilnahme an der Bilderberg-Konferenz im amerikanischen Chantilly auf Twitter kundzutun – das jährliche Zusammentreffen von Spitzenpolitikern, Top-Managern und ausgewählten Medienvertretern gilt seit seiner Premiere 1954 als mysteriöser Zirkel, dem maßgeblicher Einfluss auf den Weltenlauf zugesprochen wird.

Nachdem ihn sowohl Bürger als auch Parteifreunde dafür kritisierten und ihm vorwarfen, mit der Finanzelite zu kungeln, veröffentlichte Trittin auf seiner Internet-Seite ein Interview mit sich selbst. „Sollte man als Grüner an einer solchen Konferenz teilnehmen?“, fragte er sich darin. Und antwortete: „Ja natürlich, warum denn bitte schön nicht?“ Es sei falsch, Gesprächs- und Kontaktverbote aufzustellen. Denn grüne Überzeugungen müssten „gerade auch dort platziert werden, wo sie noch nicht aktiv vertreten werden“.

"Elite" ist in Deutschland negativ besetzt

Was man als Scherz abtun könnte, ist auch eine Reaktion auf ein überkommenes deutsches Eliteverständnis: Denn spätestens nach dem Zweiten Weltkrieg war der Begriff „Elite“ hierzulande negativ besetzt. Waren es doch gerade die Spitzen aus Wirtschaft und Politik, die das Hitler-Regime unterstützt oder es zumindest durch Passivität zugelassen hatten. Als Konsequenz aus dieser Erfahrung versuchte die Kirche in den Fünfzigerjahren den Begriff der „Verantwortungselite“ zu etablieren – vergeblich.

Erst in den Siebzigerjahren erlebten die Netzwerke auch in Deutschland Renaissance und Rehabilitation. Beschleunigt wurde dieser Trend durch die zunehmende Globalisierung des Kapitals. 1971 gründete sich das Weltwirtschaftsforum in der Schweiz, zwei Jahre später folgte die Trilaterale Kommission.

Steigende Vernetzung

Die mächtigsten Frauen im Business
Nancy McKinstry Quelle: Presse
Platz 14: Ho Ching Quelle: REUTERS
Platz 13: Sandra Peterson Quelle: Bayer CropScience AG
Platz 12: Ornella Barra Quelle: Presse
Platz 11: Maria Ramos Quelle: World Economic Forum
Marjorie Scardino Quelle: REUTERS
Annika Falkengren Quelle: REUTERS

Das Ausmaß dieser steigenden Vernetzung lässt sich inzwischen auch in Zahlen ausdrücken. James Glattfelder von der Eidgenössischen Technischen Hochschule in Zürich untersuchte für eine Studie vor einigen Jahren etwa 43.000 Großkonzerne, die 2007 in mindestens zwei Ländern Geschäfte machten. Er wollte herausfinden, welche Unternehmen an anderen beteiligt waren.

Fazit: Lediglich 1318 Konzerne bildeten durch gegenseitige Verflechtungen den Kern des Netzwerks. Mehr noch: Dessen Zentrum bestand aus gerade mal 147 Konzernen. Sie waren nicht nur für sich selbst zuständig – sondern kontrollierten über Beteiligungen gleichzeitig 40 Prozent der übrigen Konzerne. Neun der zehn mächtigsten Unternehmen kamen aus der Finanzbranche. Am besten vernetzt war die britische Großbank Barclays.

Deutschland AG

Nach ähnlichem Muster funktionierte die viel zitierte Deutschland AG. Jahrzehntelang war die Firmenlandschaft hierzulande eng miteinander verflochten. Im Zentrum standen vor allem die Deutsche Bank und die Allianz, die wiederum an vielen Industrieunternehmen beteiligt waren. Inzwischen hat dieses Netzwerk an Macht verloren. Doch von ihren Verbindungen profitieren Top-Manager auch weiterhin.

Joseph Engelberg von der Universität von North Carolina analysierte 2009 die Einkommen von knapp 3000 amerikanischen Top-Managern in den Jahren 2000 bis 2007. Dafür wertete er eine Datenbank aus, die alle aktuellen und vergangenen beruflichen Verbindungen auflistete – etwa, welche Universitäten die Führungskräfte besucht und wie viele Aufsichtsratsposten sie innehatten. Engelbergs Fazit: Ein zusätzlicher Kontakt außerhalb der Firma steigerte das Gehalt eines CEO um etwa 17.700 Dollar.

Kein Wunder. Egal, ob in Traditionsbranchen oder der digitalen Welt, egal, ob Männer oder Frauen, egal, ob jung oder alt: Vitamin B wirkt. Wen wir kennen, entscheidet über unseren Erfolg.

Deutschlands erfolgreichste Manager
Der Ehrgeizige: Matthias MüllerSchon nach wenigen Monaten an der Spitze des exklusiven Sportwagenbauers Porsche überraschte Vorstandschef Matthias Müller mit einem mutigen Vorstoß: Die kleine, aber feine Sportwagentochter von Volkswagen solle bis 2018 ihren Absatz auf rund 200.000 Autos verdoppeln, gab er als Ziel vor. Unrealistische Annahmen? Schließlich hatte Volkswagens Konzernchef Martin Winterkorn zuvor nur davon gesprochen, dass Porsche für 150.000 Autos im Jahr gut sei. Inzwischen ist der gebürtige Bayer Müller aber auf dem besten Weg, seine hohen Ziele zu erreichen. Dies belegen die jüngsten Halbjahreszahlen: Mit dem Rekordwert von 68.940 Autos haben die Zuffenhausener gut ein Fünftel mehr verkauft als im Vorjahreshalbjahr und den Umsatz um 30 Prozent auf 6,7 Milliarden Euro erhöht. Quelle: dapd
Mit einer Umsatzrendite von 18,7 Prozent überragt Porsche die Konkurrenz von BMW und Mercedes bei weitem. Und daran wird sich so schnell nichts ändern: Müller sicherte Porsche die Führungsrolle beim Sportwagenbau im VW-Konzern. Porsche investiert dafür in die Standorte mehr als eine Milliarde Euro. Mit dem kleinen Sportgeländewagen Macan kommt Anfang 2014 die fünfte Baureihe auf den Markt. Sie gilt mit einem erwarteten Absatzvolumen von 50.000 Fahrzeugen als Garant dafür, dass Müller seine Ziele erreichen kann. Porsche beweist, dass eine Automarke auch unter dem Dach eines Großkonzerns in neue Dimensionen vorstoßen kann. Quelle: dpa
Die Kundenfreundlichen: Jim Hagemann Snabe (l.) & Bill McDermottMut und Erfolg gehören zusammen. Das wissen auch Jim Hagemann Snabe und Bill McDermott. Der Däne und der Amerikaner sind bereit, als SAP-Chefs auch ungewöhnliche und überraschende Schritte zu gehen. Etwa den, Lars Dalgaard, Chef der von SAP übernommenen IT-Firma Sucess-Factors, in den SAP-Vorstand zu holen. Dalgaard ist ein junger „Wilder“. McDermott und Snabe stehen für eine neue SAP. Jung und dynamisch soll der in die Jahre gekommene Softwareriese sein. Vor allem Snabes Aufgabe war es, auf dem wichtigen Heimatmarkt Deutschland und Europa für ein besseres Image zu sorgen. Quelle: dpa
Der Erfolgsausweis: Im letzten Quartal verkaufte SAP Softwarelizenzen im Wert von 1,06 Milliarden Euro, 26 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Der Erzrivale Oracle schaffte in seinem letzten Quartal nur ein Plus von sieben Prozent. Die Lizenzerlöse spiegeln den Verkauf von neuer Unternehmenssoftware wider. Der soll nach Prognosen von Analysten der Gartner Group 2012 weltweit um 4,3 Prozent steigen. SAP schneidet bei wichtigen Kennzahlen besser ab als die Konkurrenz und der Gesamtmarkt. Quelle: dpa
Der Durchgreifer: Johannes TeyssenSeit zwei Jahren führt Johannes Teyssen den Energiekonzern Eon und hat ihn seither wettbewerbsfähiger gemacht. So strich er die Standorte München und Essen zusammen, die zuvor weitgehend unbehelligt von der Zentrale ein Eigenleben führen konnten. Zuletzt konnte er auch den langfristigen Liefervertrag mit dem russischen Konzern Gazprom neu verhandeln, der Eon trotz sinkender Erdgaspreise an einen vor Jahren ausgehandelten teuren Tarif gebunden hatte. Die von Teyssen ausgehandelte und rückwirkend geltende Vertragsänderung trug mit einer Milliarde Euro erheblich zum Gewinnsprung um fast 55 Prozent im ersten Halbjahr bei. Diese Ergebnisentwicklung wird Teyssen so nicht fortschreiben können. Aber trotz der Belastungen durch die Energiewende kann er immerhin mit einem Wachstum rechnen. „Selbst wenn der Strompreis auf dem aktuellen Niveau bleibt, dann wird Eon sein Ergebnis zumindest marginal steigern können“, sagte Analyst Heck. Quelle: dpa
Ein weiteres Beispiel für den nüchternen Führungsstil des Juristen ist das aktuelle Umbauprogramm: Als sich 2011 eine Abschwächung des Stromgeschäfts abzeichnete, leitete er kurzerhand das Sparprogramm „Eon 2.0“ ein, das den Abbau von 11.000 der 80.000 Stellen vorsieht. Bei der erfolgsverwöhnten Belegschaft sorgten die Einschnitte für massiven Ärger, es gab sogar Proteste vor der Konzernzentrale in Düsseldorf. Doch der Chef ließ sich nicht beirren: „Das Sparprogramm hat Teyssen intern Kritik eingebracht, es ist aber die richtige Entscheidung gewesen“, sagte Matthias Heck, Analyst bei Macquarie. Ohne die Einsparungen hätte er riskiert, dass die Ergebnisse wegen der gefallenen Strompreise sinken. Quelle: dpa
Der Konservative: Nikolaus von BomhardNikolaus von Bomhard ist für seine Bescheidenheit bekannt. In die Arbeit kommt der Chef des weltgrößten Rückversicherers Munich Re mit dem Fahrrad, Besucher holt er gern persönlich am Eingangsportal ab. Nun passt es zu von Bomhard, dass er angab, beim rechtzeitigen Verkauf der HVB-Beteiligung habe man auch Glück gehabt. „Man muss rechtzeitig durch die Tür kommen.“ Auf der anderen Straßenseite, bei der Allianz, hatten sie weniger Glück. Der Kauf der Dresdner Bank vor dem Ausbruch der Finanzkrise kostete Milliarden. Quelle: dapd

Informationen über Beschäftigungsmöglichkeiten

Schon in den Siebzigerjahren untersuchte der US-Soziologe Mark Granovetter, wie Ingenieure in Boston ihren Job gefunden hatten. Ergebnis: Bei 56 Prozent ging der Arbeitsplatz auf eine persönliche Verbindung zurück. Doch nur etwa 17 Prozent empfanden diese Verbindung als „regelmäßig“. 84 Prozent hingegen sagten, dass sie ihre Kontaktperson nur „gelegentlich“ oder „selten“ persönlich getroffen hätten.

Anders formuliert: Entscheidend waren nicht enge Freunde, sondern entfernte Bekannte. Daraus entwickelte Granovetter die „Stärke schwacher Bindungen“. Der Soziologe ging davon aus, dass Informationen über Beschäftigungsmöglichkeiten vor allem über eben diese lockeren Bekanntschaften weitergegeben werden.

Empfehlung

Das sind Deutschlands mächtigste Aufsichtsräte
Die Studie: In Kooperation mit der Georg-August-Universität Göttingen hat das Handelsblatt die Umfangreiche Studie über die Macht deutscher Aufsichtsräte erstellt. Dafür wurden 160 Geschäftsberichte der führenden Unternehmen aus den Börsensegmenten Dax, MDax, SDax und TecDax ausgewertet. Jedes Mandat wurde nach den drei Kriterien Reputation, Netzwerk und Status gewichtet (für jeden Faktor wurden maximal 100 Punkte vergeben). Summiert ergibt das die Gesamtwertung der Macht jedes einzelnen Aufsichtsrats. Quelle: dapd
Platz 20: Unter den mächtigsten Aufsichtsräten in Deutschland belegt Ulrich Middelmann mit 136 Bewertungspunkten den 20. Platz. Als ehemaliger stellvertretender Vorstandschef des Stahlkonzerns Thyssen-Krupp ist er seit 2006 im Kontrollgremium der Commerzbank vertreten und seit 2010 Mitglied des Aufsichtsrats der Deutschen Telekom. 2005 hat Middelmann einen Platz auf der Aufseherbank beim Spezialchemiekonzern Lanxess eingenommen. Doch nicht jede Entscheidung Middelmanns ist auch mit Erfolg gekrönt: Gemeinsam mit dem damaligen Krupp-Vorstandschef Ekkehard Schulz entwickelte Mittelmann bei Thyssen-Krupp den Plan, durch ein Werk in Brasilien neue Märkte zu erschließen - ein Flop. Das Werk wird nun verkauft. Quelle: Reuters
Platz 19: Der Aufsichtsratsvorsitz beim Dax-Unternehmen Fresenius beschert Gerd Krick den Einzug in die Top 20. Der ehemalige Fresenius-Vorstandsvorsitzende erreicht besonders beim Kriterium Status, dass die interne Macht innerhalb eines Unternehmens misst, eine hohe Punktzahl.
Platz 18: Der Ex-Chef des weltgrößten Chemiekonzerns BASF, Jürgen Hambrecht, erreicht im Ranking 138 Punkte und ist nicht im Aufsichtsrat seines langjährigen Arbeitgebers vertreten. Dafür sitzt er bei Daimler, der Lufthansa und Fuchs Petrolub. Der 66-Jährige zeichnet sich durch hohes gesellschaftliches Engagement aus. So ist er beispielsweise für die Wissensfabrik unterwegs, einem bundesweiten Unternehmerverbund zur Förderung von Technik und Naturwissenschaft in den Schulen. Quelle: dapd
Platz 17: Die Meinungsforscherin Renate Köcher ist die einzige Frau in den Top 30 der mächtigsten Aufsichtsräte. Die Geschäftsführerin des bedeutenden Institut für Demoskopie Allensbach sitzt gleich bei drei Dax-Unternehmen im Aufsichtsrat - bei der Allianz, BMW und dem Halbleiterhersteller Infineon. Frauen besetzen mittlerweile neun Prozent der Sitze in den Kontrollräten der 160 wichtigsten deutschen Unternehmen, bei den Dax-Konzernen stellen sie sogar 13 Prozent. Doch um im Ranking weitere Spitzenpositionen zu besetzen, fehlt ihnen oft das Netzwerk oder der Posten als Vorsitzende.
Ekkehard Schulz Quelle: dpa
Platz 15: Ferdinand Piech ist Chefkontrolleur bei Deutschlands gewinnträchtigstem Unternehmen Volkswagen. Die Macht des Enkels von Ferdinand Porsche im Unternehmen ist unumstritten. Im April zog auch seine Frau Ursula Piech in den Aufsichtsrat von Volkswagen ein. Piech selber sitzt außerdem in den Kontrollgremien von MAN und dem schwedischen Lkw-Hersteller Scania (nicht im Ranking). Quelle: dpa

Das bestätigte auch Roberto Fernandez. Der Organisationspsychologe vom Massachusetts Institute of Technology analysierte 1997 knapp 3000 Bewerbungen einer amerikanischen Großbank für 326 Stellen. Wer eine Empfehlung von einem Angestellten erhalten hatte, wurde zu 80 Prozent zu einem persönlichen Vorstellungstermin geladen. Von den Außenseitern nahmen diese erste Hürde nur 26 Prozent.

Nach Angaben von Fernandez wägen Bewerber mit Kontakten in die Firma besser ab, ob sie wirklich passen – und verzichten im Zweifelsfall darauf, sich ins Kandidatenrennen zu werfen. Das Netzwerk sorgt für einen Informationsvorsprung.

Bundespresseball in Berlin

Solche Informationen versprechen sich auch jene Politiker, Wirtschaftsbosse und Medienschaffenden, die am Bundespresseball in Berlin teilnehmen. Im vergangenen November tanzten im Hotel Interconti etwa 2500 Personen, darunter auch Bundespräsident Joachim Gauck. Gastgeber ist die Bundespressekonferenz, ein Verein von Parlamentskorrespondenten.

Sie hält den Ball für „das gesellschaftliche Ereignis Nummer eins in Deutschland“. Und das lassen sich die Organisatoren teuer bezahlen. Die Tickets kosten bis zu 690 Euro und sind nur auf Einladung erhältlich. Soll heißen: Man erhält das Privileg, eine Karte kaufen zu können. Theoretisch zumindest. Praktisch können auch Außenstehende teilnehmen – wenn sie einem Parlamentskorrespondenten ein Ticket abkaufen.

Management



Mehr als 20.000 Euro

Doch auch die Plätze im Saal sind käuflich. Die Sponsoren des Balls dürfen je drei Tische mit ihren Gästen besetzen. Außerdem kann jeder etwa 30 weitere Zehner-Tische reservieren, wenn er gerne mit bestimmten Personen zusammensitzen möchte, vom Veranstalter akzeptiert wird – und das nötige Kleingeld aufbringt. Einschließlich der Tickets für zehn Ballbesucher werden mehr als 20.000 Euro fällig.

Aber sind analoge Verbindungen in Zeiten digitaler Netzwerke wirklich noch notwendig? Oder reicht es, sich bei Facebook und Twitter, auf Xing und LinkedIn zu verbinden? Mitnichten, sagt der Soziologieprofessor und Elitenforscher Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt. „Traditionelle institutionalisierte Netzwerke behalten auch künftig wesentlichen Einfluss.“ Denn sie basierten auf Vertrauen – „und das lässt sich allein im Netz nicht aufbauen“.

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