Heimliche Herrscher: Die Strippenzieher der deutschen Wirtschaft
Ralph Wollburg
Der Jurist der Kanzlei Linklaters, der sich gern im Hintergrund hält, ist einer der wichtigsten Wirtschaftsanwälte des Landes. Er arbeitete unter anderem für ThyssenKrupp, RWE, den Nivea-Hersteller Beiersdorf und den Medizinkonzern Fresenius. Vor allem bei Unternehmensübernahmen ist sein Rat gefragt. Wollburg hat sich auch als Abwehrspezialist einen Namen gemacht.
Foto: Picture-Alliance/dpaAnn-Kristin Achleitner
Die BWL-Professorin und ehemalige McKinsey-Beraterin sitzt in den Aufsichtsräten des Handelskonzerns Metro und des Industriegase-Spezialisten Linde. Sie ist verheiratet mit Paul Achleitner, dem Künftigen Oberaufseher der Deutschen Bank. Beide gelten als das Power-Paar der deutschen Wirtschaft.
Foto: dpaHenning Kagermann
Der einstige SAP-Chef bestimmt in den Aufsichtsräten von Deutsche Bank, Deutsche Post und Munich Re über die Geschicke von Großunternehmen mit.
Foto: dpaMichael Vassiliadis
Der Chef der Chemie-Gewerkschaft IG BCE agiert nicht so auffällig wie etwa Verdi-Chef Frank Bsirske. Dabei verfügt der Sohn eines griechischen Vaters und einer deutschen Mutter über hohen Einfluss. In den Aufsichtsräten von BASF, Henkel oder beim Düngemittelkonzern K+S zieht Vassiliadis an den Strippen. In der RAG-Stiftung, der Eigentümerin des Chemiekonzerns Evonik, entscheidet er über die Zukunft des deutschen Steinkohlebergbaus und den Evonik-Börsengangs mit.
Foto: APMichael Hoffmann-Becking
Der Düsseldorfer Wirtschaftsanwalt von der Kanzlei Hengeler Mueller berät zahlreiche Dax-Konzerne wie Siemens, Linde oder Deutsche Bank. Auch bekannte deutsche Familiendynastien wie Quandt, Boehringer oder Stihl hören auf das Wort des 69-Jährigen. Dabei beschränkt sich Hoffmann-Beckings Rat nicht nur auf die juristische Expertise. Der Anwalt, der in zahlreichen Bei- und Aufsichtsräten sitzt, beeinflusst auch Unternehmensstrategien und Entscheidungen über Vorstandsposten.
Foto: Frank Reinhold für WirtschaftsWocheGerhard Cromme
Der Aufsichtsratsvorsitzende von ThyssenKrupp und Siemens zieht viele Fäden hinter den Kulissen. Er löste den durch die Siemens-Korruptionsaffäre angeschlagenen Siemens-Aufsichtsratschef Heinrich v. Pierer ab und gewann den Österreicher Peter Löscher, einen ehemaligen Pharmamanager, als neuen Siemens-Vorstandschef. Den aktuellen ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger holte er von Siemens. Schon wird gemunkelt, dass beide Konzerne in Zukunft künftig enger zusammenrücken könnten.
Foto: dpaManfred Schneider
Der einstige Bayer-Chef führt die Aufsichtsräte von gleich drei Dax-Konzernen: Bayer, RWE und Linde. Dem Bayer-Konzern verordnete der Oberkontrolleur den ersten Ausländer an der Spitze des Unternehmens – den Holländer Marijn Dekkers. Bei RWE setzte er nach einer turbulenten Aufsichtsratssitzung den Holländer Peter Terium als Nachfolger des noch amtierenden Vorstandschefs Jürgen Großmann durch.
Foto: Picture-Alliance/dpaHermann Josef Abs
Hermann Josef Abs (†1994), rechts, 1971 zusammen mit dem damaligen Chef des Stahlproduzenten Hoesch, Josef Fischer. Abs war von 1957 bis 1967 Chef der Deutschen Bank. Paradebeispiel für Verquickung von Industrie und Banken. Zeitweise 20 Aufsichtsratsposten. 1965 beschließt der Bundestag die „Lex Abs“, die mehr als zehn Mandate verbietet.
Foto: Picture-Alliance/dpaDieter Spethmann
Dieter Spethmann, 86, war von 1973 bis 1991 Chef von Thyssen. Neben Krupp-Verweser Berthold Beitz einer der großen Stahlbarone. Vater der Magnetbahn Transrapid. 1969 Architekt des Restbergbaus in der Ruhrkohle AG, später RAG und Evonik.
Foto: Picture-Alliance/dpaKlaus Liesen
Klaus Liesen, 80, rechts, zusammen mit dem damaligen VW-Chef Ferdinand Piëch. Liesen fädelte als Ruhrgas-Chef Anfang der Siebzigerjahre den Gashandel mit Russland ein. Ex-Aufsichtsratschef von VW und Allianz. Sorgte als Kontrolleur von Preussag für die Verwandlung des Stahlund Technologiekonzerns in das Touristikunternehmen TUI.
Foto: Picture-Alliance/dpaHilmar Kopper
Hilmar Kopper, 77, rechts, zusammen mit dem damaligen Daimler-Chef Jürgen Schrempp. Kopper war von 1989 bis 1997 Chef der Deutschen Bank. Aushängeschild der Deutschland AG. 1998 bis 2007 Aufsichtsratschef von Daimler. Nannte offene Handwerkerrechnungen von rund 25 Millionen Euro bei Pleite des Immobilienhais
Jürgen Schneider „Peanuts“.
Henning Schulte-Noelle
Henning Schulte-Noelle, 69, war von 1991 bis 2003 Chef und seitdem Oberkontrolleur der Allianz. Doyen der deutschen Wirtschaft. Ex-Siemens-Kontrolleur. Aufsichtsrat bei E.On und früher ThyssenKrupp. Begleitete die Fusion der Versorger Veba und Viag zur E.On.
Foto: Picture-Alliance/dpaDer Fall sorgte für Furore in der gesamten deutschen Wirtschaft. Michael Hoffmann-Becking, Staranwalt aus Düsseldorf, sollte für Siemens-Aufsichtsratschef Gerhard Cromme prüfen, ob der Münchner Konzern seine Ex-Chefs für die Schäden durch die Korruptionsaffäre vor gut fünf Jahren belangen könne. Hoffmann-Becking beriet sich mit vier Kollegen, schrieb ein Gutachten – und kam zu dem Schluss, dass Siemens ein Recht dazu habe. Am Ende zahlten der frühere Vorstandsvorsitzende Heinrich v. Pierer fünf Millionen und sein Nachfolger Klaus Kleinfeld zwei Millionen Euro in die Konzernkasse.
Seitdem verstummt in deutschen Vorstandsetagen nur langsam das Tuscheln: Wie es denn angehen könne, dass ausgerechnet ein solcher Vertrauter der deutschen Chefetagen den einstigen Größen des wichtigsten deutschen Industriekonzerns dermaßen zusetze.
Strippenzieher im Hintergrund
Der sich das herausnahm, zählt zu jenen Männern und Frauen hierzulande, die vieles bewegen, am wenigsten aber sich selbst in der Öffentlichkeit, die den Takt geben, aber nur ganz selten Interviews, die Fäden ziehen, doch nie selber vor die Kameras: Deutschlands heimliche Herrscher, Einflüsterer und Drahtzieher, ohne die weder Konzernlenker noch Unternehmerdynastien wichtige Dinge entscheiden.
Die Trupps der Schattenmänner und -frauen sind so bunt wie verschwiegen. Viele sind Juristen wie der Linklaters-Anwalt Ralph Wollburg, der unter anderem für die Dax-Konzerne Fresenius und die Deutsche Börse arbeitete, oder Hoffmann-Becking von Hengeler Mueller, auf den Superreiche mit klangvollen Namen wie die BMW-Erben Quandt, der Pharma-Clan Boehringer oder die schwäbischen Motorsägenbauer Stihl horchen.
Andere üben ihre Macht, die sie einst als Konzernchefs besaßen, nun über Kontrollorgane der Unternehmen aus, die zur Geheimhaltungspflicht verpflichtet sind. Henning Kagermann etwa, der frühere Chef des deutschen Softwareriesen SAP, bestimmt heute in den Aufsichtsräten von Deutsche Bank, Deutsche Post und Munich Re über die Geschicke von Großunternehmen mit.
Platz 15 - Georg Pachta-Reyhofen (MAN)
Der Vorstandsvorsitzende des Lastwagenbauers MAN verdiente im vergangenen Jahr 2,626 Millionen Euro. Das waren rund 26 Prozent weniger als 2010. Die Lösung des Dauerstreits um den Essener Industriedienstleister Ferrostaal verhagelte MAN die Bilanz. Der Konzern verdiente angesichts der Kosten für den Deal deutlich weniger Geld als 2010. Am Ende blieb der VW-Tochter unter dem Strich ein Gewinn von 247 Millionen Euro.
Foto: dpaPlatz 15 - Heinrich Hiesinger (Thyssen-Krupp)
Der Vorstandsvorsitzende der Thyssen-Krupp AG kommt auf ein Jahreseinkommen von 3,52 Millionen Euro. Hiesinger ist seit Januar 2011 Vorstandsvorsitzender des Stahlkonzerns. Daher gibt es keine Vergleichszahlen. Hiesinger baut Thyssen-Krupp derzeit um, vor allem die Stahlwerke in Übersee erweisen sich aber als Bremsklotz.
Quelle für alle Angaben: Berechnungen Evers-Vergütungsberatung nach bisher veröffentlichten Vergütungsberichten, Nachrichtenagenturen
Foto: dapdPlatz 14 - Peter Bauer (Infineon)
Die Infineon Technologies AG überweist ihrem Vorstandssprecher für das abgelaufene Geschäftsjahr 3,721 Millionen Euro. Das ist ein sattes Plus von 67 Prozent. Damit ist Peter Bauer einer der Gewinner in den Top 15 der Dax-Vorstände. 2010 hatte der Chef des Halbleiterkonzerns lediglich 2,227 Millionen Euro verdient.
Foto: dpaPlatz 13 - Ben Lipps (Fresenius Medical Care)
Der US-Amerikaner in Diensten von Fresenius Medical Care kann beim Verdienst leicht zulegen. Mit 3,81 Millionen Euro erhält Lipps rund fünf Prozent mehr als im vorangegangenen Geschäftsjahr. Der Dialysespezialist FMC enttäuschte mit seinem Ausblick auf das laufende Jahr zuletzt so manchen Analysten. Für Lipps ist 2012 das letzte Jahr an der Spitze der Fresenius-Tochter. Der 71-Jährige hört im kommenden Jahr als Vorstandsvorsitzender auf.
Foto: dpaPlatz 12 - Karl-Ludwig Kley (Merck)
Der Vorsitzende der Geschäftsführung der Merck KGaA konnte für das vergangene Jahr ein dickes Plus verbuchen. Karl-Ludwig Kley erhält 4,228 Millionen Euro und damit rund 31 Prozent mehr als 2010. Und das, obwohl hohe Abschreibungen nach einer Übernahme und teure Medikamenten-Fehlschläge den Gewinn des Pharma- und Spezialchemiekonzerns unerwartet stark haben sinken lassen.
Foto: dpaPlatz 11 - René Obermann (Deutsche Telekom)
Der Telekom-Chef landet auf Platz 11 der besten Dax-Verdiener. Für das vergangene Geschäftsjahr erhält René Obermann 4,354 Millionen Euro. Das sind sieben Prozent mehr als 2010. Der neueste Hoffnungsträger des Telekommunikationsunternehmens ist die „Cloud“ - von Obermann hier vorgestellt auf der Cebit in Hannover.
Foto: dapdPlatz 10 - Marijn Dekkers (Bayer)
Der niederländische Chef des Pharma- und Chemiekonzerns Bayer erhält für seine Arbeit im Jahr 2011 4,487 Millionen Euro. Marijn Dekkers ist seit Oktober 2010 an der Bayer-Spitze und kann sich nicht nur über sein Gehalt freuen: Im vergangenen Jahr schnellte der Konzernüberschuss um fast 90 Prozent auf 2,5 Milliarden Euro in die Höhe. Dabei profitierte der Konzern unter anderem von guten Geschäften in den Schwellenländern.
Foto: ReutersPlatz 9 - Kurt Bock (BASF)
Der Nachfolger von Jürgen Hambrecht ist seit Mai 2011 im Amt. Kurt Bock verdiente dabei 5,253 Millionen Euro. An der Marschroute des Chemieriesen hat sich seit dem Amtsantritt Bocks nicht viel geändert. Bock richtet sein Augenmerk auf die boomenden Schwellenländer Asiens - und kauft weiter zu.
Foto: dpaPlatz 8 - Kasper Rorsted (Henkel)
Der Vorstandsvorsitzende des Konsumgüterkonzerns Henkel bekam für 2011 insgesamt 5,497 Millionen Euro überwiesen. Für Kasper Rorsted bedeutet das ein kleines Plus von fünf Prozent. Henkel hat 2011 gestiegene Rohstoffkosten mit Preissteigerungen und Kostensenkungen gekontert und vor allem wegen einer starken Nachfrage nach seinen Klebstoffen Umsatz und Ergebnis auf Rekordwerte getrieben.
Foto: dpaPlatz 7 - Herbert Hainer (Adidas)
Es läuft rund für den Adidas-Vorstandsvorsitzenden. Als Vergütung für das Jahr 2011 sackte Herbert Hainer 5,967 Millionen Euro ein. Das waren 23 Prozent mehr als im vorangegangenen Jahr. Damit stieg sein Verdienst etwas stärker als der Nettogewinn von Europas größtem Sportausrüster. Der kletterte deutlich stärker als erwartet um 18 Prozent auf 671 Millionen Euro.
Foto: dapdPlatz 5 - Jürgen Großmann (RWE)
Ein letztes Mal ein voller Jahresverdienst: Anfang Juli gab Jürgen Großmann sein Amt als Vorstandsvorsitzender der RWE AG an Peter Terium ab. Für das Jahr 2011 erhält Großmann noch einmal 6,443 Millionen Euro Bezüge, rund drei Prozent weniger als im vorangegangenen Jahr. RWE hat 2011 ein Horrorjahr hinter sich. Der Nettogewinn ging um mehr als 45 Prozent zurück.
Foto: ReutersPlatz 4 - Wolfgang Reitzle (Linde)
Wolfgang Reitzle kann sich freuen: Der Linde-Konzern hat das Jahr 2011 mit Rekorden bei Umsatz und Gewinn abgeschlossen. Auch für die Zukunft zeigt sich der Konzernchef zuversichtlich. Reitzle verdiente 2011 zwar rund ein Prozent weniger, aber immer noch ordentlich. 6,852 Millionen Euro beträgt sein Verdienst für das vergangene Jahr.
Foto: dpaPlatz 3 - Peter Löscher (Siemens)
Aufgepasst! Mit dem Vorstandsvorsitzenden der Siemens AG beginnt die Top 3 der Dax-Verdiener. Peter Löscher bekam für das Jahr 2011 8,652 Millionen Euro überwiesen. Das sind rund vier Prozent weniger als 2010. Dank der deutlichen weltweiten Konjunkturerholung konnte Siemens im vergangenen Jahr den Umsatz fast stabil halten, der Auftragseingang legte zu.
Foto: dpaPlatz 2 - Dieter Zetsche (Daimler)
Der Verdienst des Daimler-Vorstandschef veränderte sich kaum. Für das Jahr 2011 erhält Dieter Zetsche 8,813 Millionen Euro - 14.000 Euro weniger als 2010. Aber es wird es verschmerzen können, denn allein seine Pensionsansprüche summieren sich auf gigantische 29,6 Millionen Euro Barwert. Das sind ein jährliches Ruhegehalt von 1,05 Millionen Euro und eine Summe von 800.000 Euro für den Dienstaufwand pro Jahr.
Foto: dapdPlatz 1 - Martin Winterkorn (Volkswagen)
An den Volkswagen-Chef kommt niemand heran. Martin Winterkorn verdient fast soviel wie Dieter Zetsche und Peter Löscher zusammen. 17,456 Millionen Euro bekommt Winterkorn für seine Leistung im Jahr 2011. Das ist ein Plus von 87 Prozent. Beim Wolfsburger Autobauer läuft es blendend. Der Nettogewinn verdoppelte sich 2011 auf 15,8 Milliarden Euro.
Foto: dpa
EU-Grundrechtskommissarin Viviane Reding will noch in diesem Sommer Gesetzesvorschläge für eine europaweite Frauenquote in Führungsetagen machen. „Ich bin kein Fan von Quoten. Aber ich mag die Ergebnisse, die Quoten bringen“, sagte Reding der Zeitung „Welt“.
Foto: dapdAuch 2010 waren Frauen in den Führungsetagen noch stark unterrepräsentiert. Das ergibt eine Studie von der Unternehmensberatung McKinsey. In Norwegen machen Frauen immerhin 32 Prozent der Vorstände aus, in den USA sind es nur 15 und in Deutschland bloß 13 Prozent. Das sind allerdings zwei Prozent mehr als bei der letzten Erhebung 2007.
Foto: dapdImmerhin: Rund 80 Prozent der deutschen Unternehmen investieren mittlerweile in die Förderung von Frauen sowie die Vereinbarkeit von Beruf und Familie - was letztlich auch den Vätern zugute kommt. Viele Förderprogramme seien aber erst 2010 eingeführt worden, heißt es in der Studie. Viel Zeit für Veränderung gab es also bisher nicht. Daher bleibt Deutschland mit Blick auf den Frauenanteil in den Vorstandsetagen internationales Schlusslicht.
Foto: FotoliaDie Experten von McKinsey sagen, dass es den meisten Führungskräften mittlerweile bewusst sei, dass es einen Zusammenhang zwischen dem Unternehmenserfolg und dem Anteil weiblicher Führungskräfte gibt. Allerdings zählten nur 28 Prozent der weltweit über 300 befragten Unternehmen Gender Diversity zu den zehn wichtigsten Prioritäten. Bei den Unternehmen, die sich aktiv um ein ausgewognes Verhältnis von Frauen und Männern bemühen, sind mehr als 15 Prozent der verantwortlichen Positionen mit Frauen besetzt.
Foto: FotoliaSchaut man sich an, wie viele Frauen international in den Führungspositionen der Großkonzerne sitzen, ergibt sich anhand der repräsentativen 362 Unternehmen ein für Deutschland beschämendes Ranking.
Schweden: 17 Frauen
Großbritannien und USA: je 14 Frauen
Norwegen: 12 Frauen
Russland: 11 Frauen
China: 8 Frauen
Frankreich: 7 Frauen
Spanien und Brasilien: je 6 Frauen
Indien und Deutschland: je 2 Frauen
Foto: FotoliaUnterschiede gibt es auch nach Branchen:
Bei den Vorständen der Unternehmen aus der Konsumgüter- und Einzelhandelsindustrie sowie der Unterhaltungsbranche sind mit 16 Prozent die meisten Frauen vertreten (bei 41 beziehungsweise 30 Unternehmen). Bei Immobiliengesellschaften sind es nur sechs Prozent. In der Unternehmensleitung finden sich mit 13 Prozent die meisten Frauen in technischen und wissenschaftlich arbeitenden Betrieben.
Foto: FotoliaEin Ranking der Hürden, die es auf dem Weg nach oben zu übersteigen gilt, zeigt, dass Frauen immer noch große Probleme haben, Beruf und Familie unter einen Hut zu kriegen.
Die Balance zwischen Job und Familie zu finden, hielten 57 Prozent der Frauen und 47 Prozent der Männer für sehr schwer. Den Druck, überall und zu jeder Zeit erreichbar sein zu müssen, empfanden 42 Prozent der Frauen und 35 Prozent der Männer als sehr unangenehm und 28 Prozent der Frauen sowie 18 Prozent der Männer stören sich am Fehlen von Frauenrollen in der Businesswelt. Dass Frauen schlechter netzwerken als Männer stört 27 Prozent der Frauen und 9 Prozent der Männer. Erstaunlich: Es wünschen sich mehr Männer als Frauen mehr Unterstützung durch den Staat wie beispielsweise durch eine bessere Kinderbetreuung. (Frauen 24 Prozent, Männer 27 Prozent)
Bei den Unternehmen, die sich die sogenannte Gender Diversity auf die Fahnen geschrieben haben, gibt es mittlerweile verschiedenste Instrumente, das Vorankommen von Frauen zu fördern und zu bewerten: 64 Prozent setzen beispielsweise auf flexible Arbeitszeitmodelle für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Unternehmen, die sich nicht aktiv mit der Förderung auseinandersetzen, bieten nur zu 26 Prozent flexible Zeitmodelle an.
56 und 55 Prozent setzen auf spezielle Gender Diversity-Programme und deren Auswertung sowie Programme zur Förderung von Frauen.
Foto: FotoliaDas ist immerhin ein Anfang. Trotzdem zeigt auch eine Untersuchung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung Berlin, dass die deutschen Managerinnen nicht gerade die Chefetagen stürmen: Seit 2006 ist die Zahl der weiblichen Vorstandsmitglieder in den 200 größten deutschen Unternehmen nur von 1,2 auf 3,0 Prozent im Jahr 2011 gestiegen. In den Aufsichtsräten stieg ihr Anteil im gleichen Zeitraum von 7,8 auf 11,9 Prozent. Allerdings sind mehr als zwei Drittel dieser Frauen Vertreterinnen der Arbeitnehmer, kamen also über Mitbestimmungsregeln in das Gremium. 2011 wurden vier Frauen in Dax-Vorstände berufen, eine schied aus. Ende 2011 gab es damit sieben weibliche Dax-Vorstände und einen Frauenanteil von 3,7 Prozent, bei den Aufsichtsräten waren es 15,7 Prozent.
Foto: dpa-infografik GmbHSo positiv die Entwicklung - auch in ihrer Kleinschrittigkeit - sein mag, so unschön ist folgender Fakt: So beklagt die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), dass in keinem anderen europäischen Land das Lohngefälle zwischen Frauen und Männern so groß ist, wie in Deutschland. Vollzeitbeschäftigte Frauen verdienen im Schnitt 21,6 Prozent weniger als ihre männlichen Kollegen. In den 34 Industriestaaten, die sich in der OECD zusammengeschlossen haben, liegt die Differenz im Schnitt bei 16 Prozent.
Foto: dapdAuch so mancher hochrangige Gewerkschaftsboss bewegt mehr, als sein Auftritt bei Tarifverhandlungen es vermuten lässt. Michael Vassiliadis von der IG Bergbau Chemie Energie sitzt nicht nur als Arbeitnehmervertreter in Konzernen wie BASF, Henkel und beim Düngemittelproduzenten K+S im Aufsichtsrat. Er bestimmt auch über die Zukunft von Evonik mit, indem er im Kuratorium der RAG-Stiftung wirkt. Die besitzt rund 75 Prozent des Essener Chemiekonzerns und soll mit dessen Vermögen die Spätfolgen des deutschen Steinkohlebergbaus begleichen.
Auch Wissenschaftler haben es in die verschwiegenen Zirkel geschafft, deren Mitglieder ihre Macht hinter den Kulissen zelebrieren. So kontrolliert die BWL-Professorin und ehemalige McKinsey-Beraterin, Ann-Kristin Achleitner, neben ihrem Job an der Technischen Universität München gleich zwei Dax-Konzerne mit: den Münchner Industriegase-Hersteller Linde und den Handelskonzern Metro. Ihr Gatte ist Paul Achleitner, der künftige Oberaufseher der Deutschen Bank. Die beiden gelten als Power-Paar der deutschen Wirtschaft.
Die Mächtigen der Wirtschaft
In einer siebenteiligen Serie wird sich die WirtschaftsWoche den heimlichen Herrschern der deutschen Wirtschaft widmen und schildern, wer hinter wem steht und wer Strategien und Karrieren bewegt.
Noch vor wenigen Jahren war es mit der Heimlichkeit der Herrschenden nicht weit her. Die Mächtigen in der Wirtschaft bekannten sich vielmehr offen zu ihrem Einfluss und bildeten einen allseits bekannten Kreis herausragender Manager und Unternehmer, für den das Wort von der Deutschland AG stand. In deren Mittelpunkt agierten vor allem die Chefs der großen deutschen Finanzinstitute, insbesondere der Deutschen Bank und der Allianz-Versicherung, die über ihre großen Industriebeteiligungen die Kernbereiche der deutschen Industrie mehr oder weniger mitregierten.
Deutsch-Banker wie Hermann Josef Abs, der es zu seiner Glanzzeit auf 20 Aufsichtsratsmandate brachte, Alfred Herrhausen und Hilmar Kopper, aber auch Allianz-Vorsteher wie Henning Schulte-Noelle prägten über Jahrzehnte diese Machtelite. Dadurch bildeten sie gleichzeitig einen Beistandspakt und schreckten Ausländer vor Übernahmen deutscher Konzerne ab.
Martin Blessing -Commerzbank
Ein Mann, ein Mikrofon und viele markige Sprüche. „Mit meinen Commerzbank-Aktien habe ich mehr verloren als ich in vier Jahren netto verdient habe“, sagte er beispielsweise auf der Bilanz-PK am 23. Februar 2012. Bei der selben Veranstaltung äußerte er sich folgendermaßen: „Der Schuldenschnitt für Griechenland ist so freiwillig wie das Geständnis bei der spanischen Inquisition.“
Foto: dpaMartin Blessing
„Geldausgeben ist das Beste, um das Privatvermögen vor der Krise zu retten – mir fällt das ja nicht schwer“. Die Commerzbank darf Blessing und anderen Vorständen wegen der Staatshilfen nicht mehr als 500.000 Euro jährlich zahlen.
Foto: dpaMartin Blessing
Und noch einmal Martin Blessing: "Eigentlich zahlen wir ganz gerne Dividende“, sagte der Commerzbank-Chef auf der diesjährigen Bilanzpressekonferenz zu den Aussichten einer Gewinnausschüttung für die seit Jahren darbenden Aktionäre des Instituts.
Foto: dpaHochtief - Manfred Wennemer
So offene Worte hört man selten auf einer Hauptversammlung. Dem Aufsichtsratschef des Bauriesen Hochtief rutschte auf die Frage eines Aktionärs bezüglich der Entwicklung von Hochtief-Geschäft und mehrfachen Gewinnwarnungen folgendes heraus: „Dass wir alle frustriert sind, brauche ich Ihnen nicht zu erklären.“
Foto: dpa
Deutsche Bahn - Rüdiger Grube
"Ich muss nicht lernen, wie man Kaffee ausschenkt und Zeitungen verteilt. Wir zeigen mit dem Servicetag Interesse an der Arbeit unserer Mitarbeiter und Respekt und Wertschätzung für ihre Leistungen." Grube zum Einsatztag, den jeder Vorstand mindestens einmal pro Jahr im Tagesgeschäft in einem Bereich absolvieren muss.
Foto: ReutersLufthansa - Christoph Franz
Für defizitäre Töchter gibt es keine Gnade. Franz droht, dass er seine Österreich-Tochter Austrian Airlines zusperrt, wenn sie nicht bald schwarze Zahlen schreibt. „Wir füttern auf Dauer niemanden durch.“ Aber auch im Mutterkonzern muss sich einiges tun, sagt der Lufthansa-Chef und verspricht radikale Veränderungen. Denn, kalauert Franz, „wer nicht mit der Zeit geht, geht mit der Zeit.“
Foto: REUTERSVolkswagen AG - Martin Winterkorn
"Ich möchte dem Berufsstand der Banker ja nicht zu nahe treten", erklärte Winterkorn süffisant auf die Frage einer Journalistin, ob die Vorstände in Anbetracht ihrer üppigen Gehälter die neuen Banker seien, "ich möchte aber darauf hinweisen, dass es sich im Falle von VW um reale Gewinne handelt". Betonung auf real.
Foto: dpa... und dann gibt es noch einen kleinen Tritt gegen die japanische Konkurrenz:,„Ich bin mir sicher, dass das, was Toyota passiert ist", und meint damit die Qualitätsprobleme und Rückrufaktionen der Japaner, "uns nicht passiert.“ Sicher hatte Winterkorn, seines Zeichens auch Vorstandsvorsitzende der Porsche Automobil Holding SE, bei dieser Äußerung nicht bedacht, dass der Sportwagenbauer nur kurz zuvor 100.000 Cayenne-Modelle zurück in die Werkstätten rufen musste, weil sich Scheinwerfermodule gelöst hatten.
Foto: dpaE.On - Johannes Teyssen
„Eine qualitative Bewertung der Energiewende ist entbehrlich“, sagte er fast fröhlich, „wir müssen sie begleiten“, sagt er gespielt einsichtsvoll, um als nächstes den Hammer herauszuholen. „Was nützt es, wenn wir die Energiewende nicht gut finden und sie nicht gut finden?“ Das „Opfer ist dann Deutschland“, und das ist Teyssen entschieden zu viel. Ob die Energiewende gut oder schlecht sei, schlängelt sich Teyssen vordergründig wohlmeinend, in Wirklichkeit ätzend, werde sich „sowieso erst in einer Generation entscheiden“.
Foto: REUTERSFrank Stieler - Hochtief
Hochtief-Vorstandschef Frank Stieler verpasste seinem Konkurrenten Bilfinger Berger einen Seitenhieb. Auf die Frage, warum sein Unternehmen das Dach der Hamburger Elbphilharmonie ohne Einigung mit der Stadt und auf eigene Verantwortung verstärkt: „Wir sind nicht bereit das Risiko einzugehen, dass uns das passiert, was der Stadt Köln passiert ist im U-Bahn-Bau.“
Derzeit wird geklärt, ob Bilfinger Berger zum Teil Schuld am Einsturz des Kölner Stadtarchivs 2009 trägt.
Foto: REUTERSFrank Appel - Deutsche Post
"Es ist ein Märchen, dass wir im Briefbereich keinen Wettbewerb haben", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Post, Frank Appel, auf der Bilanz-Pressekonferenz am 8, März zu dem Vorwurf, die Deutsche Post würde über eine marktbeherrschende Stellung verfügen. Wettbewerber sammeln Briefe bei Geschäftskunden ein und speisen sie in das Netz der Post ein. Laut Post haben Wettbewerber hier einen Marktanteil von 36 Prozent.
Foto: dpaHans-Peter Villis - EnBW
Der Vorstandschef des Energiekonzerns EnBW, Hans-Peter Villis, in Karlsruhe bei der Bilanz-Pressekonferenz am 7. März 2012. Durch das Atommoratorium musste der drittgrößten deutschen Energiekonzern zwei seiner vier Atomkraftwerke abschalten. Zur angespannten wirtschaftlichen Situation des Energiekonzerns nach dem Atomausstieg sagte er: „Wir müssen erst mal aus der Badewanne herauskommen.“
Foto: dpa
Jürgen Großmann - RWE
Auch der scheidende Vorstandsvorsitzende des Energieversorgers RWE, Jürgen Großmann, hat nie wirklich ein Blatt vor den Mund genommen.
„Wenn ich auf eine einsame Insel nur eine Frau mitnehmen dürfte, dann wäre das nicht Frau Merkel“, sagte er beispielsweise im April 2011. Im August 2010 verkündete er: "Wer die Rücknahme der Laufzeitenverkürzung ablehnt, muss offen sagen, dass er höhere Preise will."
Foto: dpaDieter Zetsche - Daimler
Der Daimler-Chef formulierte auf der Bilanz-Pressekonferenz für das Ergebnis 2011 kürzlich elegant, dass Daimler in einigen Bereichen der Konkurrenz hinterherfährt. Er sagte: „Der direkte Vergleich mit unseren Wettbewerbern zeigt: Einige schöpfen bereits aus, was wir noch heben werden.“
Foto: dapd
Dieter Zetsche - Daimler
Der Vorstandsvorsitzender der Daimler AG zur neuen A-Klasse, die auf dem Automobilsalon in Genf vorgestellt wurde. „Die neue A-Klasse klebt wie Kaugummi auf der Straße. Kein Elch muss sich mehr fürchten.“
Foto: dpaMichael Diekmann - Allianz
Gerade Vertreter von Banken und Versicherungen haben sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer wieder zum Thema Griechenland geäußert. So auch Michael Diekmann, Vorstandsvorsitzender der Allianz, auf der Bilanz-Pressekonferenz zur Frage, ob er Griechenland für einen hoffnungslosen Fall halte. "Ich werde der letzte sein, der den Griechen die Hoffnung nimmt.“
Foto: REUTERS
Sergio Marchionne - Fiat
Der Fiat-Chef sagte beim Automobilsalon in Genf in März 2012: „Ich hasse es, mir die Präsentationen anderer Automanager anzuschauen. Denn wenn man es tut, ist es, als ob man seine Hausaufgaben mit denen der anderen vergleichen würde.“
Martin Winterkorn - Volkswagen
Der Vorstandsvorsitzende von Volkswagen bei der Markenpräsentation des VW-Konzerns beim Autosalon Genf 2012. Dort sagte er: „Die Euro-Schuldenkrise hat auf unser Geschäft in Europa großen Einfluss. Aber wir sind Gott sei Dank global aufgestellt.“
Foto: dpa
Hartmut Mehdorn
Der Vorstandsvorsitzende von Air Berlin und frühere Bahnchef Hartmut Mehdorn sagte über die Vielzahl von Regionalflughäfen in Deutschland: „Ich glaube nicht, dass wir hinter jedem Baum einen Flughafen brauchen. Wir haben ein hervorragendes Bahnsystem.“
Foto: dpa
Unterstützt wurde das Bollwerk von führenden Industriellen wie Thyssen-Chef Dieter Spethmann, dem einstigen Bosch-Chef und „Gottvater“ Hans L. Merkle oder Ruhrgas-Lenker Klaus Liesen, die weit über ihre Unternehmen hinaus Deutschlands Wirtschaft in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts mitbestimmten.
Die Auflösung der Deutschland AG begann mit der Globalisierung der Wirtschaft und der schwindenden Bedeutung des Kreditgeschäfts der Banken. Statt an Unternehmen zu kleben und denen Geld zu leihen, verlegten sich die Institute zunehmend auf das weltweite Investmentbanking, also das Geschäft mit Anleihen, Aktien, Fusionen und Übernahmen.
Verbliebene Netzwerke
Der große Knall kam schließlich am 1. Januar 2002, als ein Gesetz des damaligen SPD-Finanzministers Hans Eichel in Kraft trat, das Unternehmen den so gut wie steuerfreien Verkauf ihrer Beteiligungen ermöglichte. „Das war das Ende der Deutschland AG, die schon vorher deutliche Auflösungserscheinungen zeigte“, bilanziert der Hamburger Wirtschaftssoziologie-Professor Jürgen Beyer. Die Deutsche Bank trennte sich daraufhin von ihren Beteiligungen an Continental, HeidelbergCement und Metallgesellschaft, die Allianz stieß ihre Anteile an der Commerzbank, der Deutschen Börse und der HypoVereinsbank ab.
Damit waren die Tage der Deutschland AG und ihres Machtknäuels großenteils gezählt. „Die Deutschland AG gibt es zwar so nicht mehr, die Banker haben sich zurückgezogen, die gegenseitigen Beteiligungen sind weitgehend aufgelöst“, sagt der Elitenforscher und Soziologie-Professor Michael Hartmann von der Technischen Universität Darmstadt. „Aber es gibt immer noch die Netzwerke und Strippenzieher.“
Auch wenn viele dieser Netzwerke und Strippenzieher zur Garde der heimlichen Herrscher gehören: Der eine oder andere Vertreter der alten Deutschland AG lebt durchaus erfolgreich fort – allerdings längst nicht mehr im öffentlichen Scheinwerferlicht. Als Prototyp dieser Kaste gilt der einstige Bayer-Chef Manfred Schneider, der zeitweise in den Aufsichtsräten von einem halben Dutzend Dax-Konzernen saß. Der 73-Jährige ist aktuell immer noch der mächtigste Kontrolleur deutscher Top-Unternehmen. Die Aufsichtsräte von Bayer, RWE und Linde tagen unter seinem Vorsitz.
Nachdem Schneider sich 2002 als Bayer-Vorstandschef verabschiedet hatte, zog sich der gewandte Boss vom Rhein aus der Öffentlichkeit zurück. Stattdessen pflegte der Fußballfan im Stillen seine Kontrollmandate. In jüngster Zeit fiel Schneider damit auf, dass er einige spektakuläre Transfers in der höchsten deutschen Wirtschaftsliga organisierte.
Holländer für die Spitze
So verordnete Schneider dem Bayer-Konzern den ersten Ausländer an der Spitze, noch dazu einen, der bislang sein ganzes Berufsleben außerhalb der Bayer-Mauern verbracht hatte: den Holländer Marijn Dekkers. Und beim Essener Energiekonzern RWE setzte Schneider nach einer turbulenten Aufsichtsratssitzung den Manager Peter Terium, ebenfalls einen Holländer, als Nachfolger gegen den Kandidaten des noch amtierenden Vorstandschefs Jürgen Großmann durch.
Von ähnlichem Kaliber wie Schneider ist auch Gerhard Cromme, der einstige ThyssenKrupp-Chef, der heute die Aufsichtsräte von ThyssenKrupp und Siemens führt. Cromme löste den durch die Siemens-Korruptionsaffäre angeschlagenen Aufsichtsratschef Heinrich v. Pierer ab und gewann den Österreicher Peter Löscher, einen ehemaligen Pharmamanager, als neuen Siemens-Vorstandschef.
Institutionell gebildete Netzwerke
Das heutige „Netzwerk der heimlichen Herrscher in Deutschlands Wirtschaft hängt stark von einzelnen Personen ab“, sagt Soziologe Hartmann. In Frankreich oder Großbritannien bildeten sich die Netzwerke „eher institutionell, durch die Mitgliedschaft an Elitehochschulen“. Der Soziologe hält Cromme in Deutschland für eine der Schlüsselfiguren.
Nicht immer sind sich die heimlichen Herrscher der deutschen Wirtschaft untereinander einig. So gerieten die beiden Alpha-Manager Cromme und Schneider vor einigen Jahren aneinander – wegen Linde-Chef Wolfgang Reitzle. Cromme, so heißt es, wollte Reitzle gern als Chef – und Nachfolger von v. Pierer – zu Siemens holen. Linde-Aufsichtsratschef Schneider dagegen wollte seinen erfolgreichen Vorstandsvorsitzenden behalten. Reitzle blieb schließlich, Cromme musste sich seine Siemens-Erfolge mit Staranwalt Hoffmann-Becking holen.