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Teambuilding-Maßnahmen Ein Spaßtag macht noch lange kein Team

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Vom "Ich" zum "Du", zum "Wir"

Barbara Dunn, Senior Consultant und Executive Coach bei der Strategieberatung Gallup, geht zwar auch davon aus, dass ein gemeinsam verbrachter unterhaltsamer Tag Reibungen im Team auflösen könnte. In ihren Coachings bei Gallup konzentriert sie sich allerdings nicht auf einzelne Spaßtage, sondern auf die psychologischen Aspekte: auf Stärken und Schwächen des Einzelnen – und anschließend des Teams im Gesamten.

„Wenn man weiß, wer man selber ist und welche Stärken und Schwächen man mitbringt, dann hat man auch einen besseren Blick auf das ganze Team“, erklärt Dunn. Entsprechend coacht sie erst die einzelnen Mitglieder und dann das komplette Team. „Untersuchungen belegen, dass Teams, die ihre Stärken kennen und nutzen eine fast 13 Prozent höhere Produktivität aufweisen, als Teams, die im Hinblick auf ihre Stärken im Unklaren sind“, erklärt sie.

Spaß machen darf Teambuilding

Wer trotzdem auf das Spaß-Charakter besteht, müsse darauf nicht verzichten, findet sie. „Wenn beispielsweise tagsüber eine Teambuilding-Einheit mit Coachings und Reflektion stattfinden und etwa am Abend noch eine unterhaltsame Maßnahme, wie etwa ein Kochkurs, kann das das Programm perfekt abrunden und das Wir-Gefühl noch einmal deutlich stärken.“

Auch für Svenja Hofert von Teamworks ist das eine Option: „Als Teil eines größeren Rahmenprogramms ist das auch für uns denkbar – aber als der weniger wichtige Teil.“

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Aber auch bei der Wahl des Spaß-Events müsse sich die Führungskraft zuvor im Klaren sein, was genau das Ziel ist, rät Weber. Geht es um eine bessere Arbeitsatmosphäre, fehlt das Vertrauen, müssen sich die Kollegen mit neuen Zielen identifizieren oder gibt es handfeste Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit? Entsprechend müsse die Maßnahme ausgesucht werden. Vertrauen lässt sich im Klettergarten besser lernen als im Kochkurs.

Das „Wir-Gefühl“ muss gepflegt werden

„Vertrauen ist ganz wichtig im Team“, sagt Dunn. Ebenso, wie die Bereitschaft, sich zu öffnen und im besten Fall die Erzeugung eines „Wir-Gefühls“. Ohne funktioniert es auf Dauer nicht. Vertrauensbildung habe jedoch wenig mit Events und noch weniger mit Harmonie und Kuschelkurs zu tun, so Coach Romstötter. „Gerade kritische Sachen müssen angesprochen werden und das Team muss dafür offensiv Lösungen suchen“, sagt er.

Deshalb sei der regelmäßige Austausch unter vier Augen für das Vertrauen im Team auch deutlich besser geeignet, als ein Tag im Hochseilgarten, so Romstötter. „Vier-Augen-Erlebnisse sind wichtig, um einander wirklich zu begegnen“, sagt er. Dabei müsse der Vorgesetzte mit gutem Beispiel voran gehen.

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Romstötters Empfehlung: 10 bis 15 Vier-Augen-Gespräche zwischen Chef und jedem Mitarbeiter pro Jahr. Dabei gehe es nicht um lange Mitarbeitergespräche, sondern um ein gemeinsames Mittagessen, einen Kaffee zwischendurch unter vier Augen oder eine kurze Pause zum frische Luft schnappen – gerne auch mit Smalltalk. „Je mehr sich Menschen begegnen, desto lieber mögen sie sich in der Regel“, sagt er. Oder anders ausgedrückt: Viel reden hilft viel. „Jedes Ärgernis, das in einem Team auftritt, muss genannt werden dürfen. Sei es im Team oder im Eins-zu-eins-Gespräch und zwar mit der Gewissheit, dass das Problem auch gelöst wird“, sagt Romstötter. „Es gibt nichts Schlimmeres als wenn jemand ein Ärgernis offenlegt und dafür keine Lösung geschaffen wird. Lösung geschaffen wird. So entsteht Frustration."

Wer sich trotzdem dafür entscheidet, seine Mitarbeiter zum Coaching, Kochkurs oder wo auch immer hinzuschicken, kann das übrigens von der Steuer absetzen. Bis zu zwei Betriebsausflüge (oder Betriebsfeiern) pro Jahr können abgesetzt werden, wenn pro Mitarbeiter nicht mehr als 110 Euro ausgegeben werden. Einzige Bedingungen: Es müssen mindesten 20 Prozent der Mitarbeiter dabei sein und der Chef muss mitmachen. Was bei einer Teambuilding-Maßnahme grundsätzlich nicht schaden kann.

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